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Howdy Pilots!

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STARMEDIC

[LORE] Ein Geschenk für Baba (Übersetzung)

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Diese Kindergeschichte wurde auf einem Datapad in GrimHex gefunden und stammt ursprünglich aus dem 24. Jahrhundert. Sie ist aber auch in den letzten Ausgaben von Jump Point abgedruckt und erzählt die Geschichte der drei Geschwister Yela, Cellin und Daymar auf der Reise zu ihrer Großmutter.

Da ich diese aktuell für meine Kinder als Gute Nacht Geschichte übersetze, möchte ich euch sie nicht vorenthalten. Teil 1 ist fertig. weitere Folgen bei Zeiten.

 

EIN GESCHENK FÜR BABA

 

KAPITEL 1
 

Yela klopfte vorsichtig an die Luke zur hinteren Toilette,
"Daymar"?
Eine tiefe ältere Stimme antwortete, "Besetzt".

Das war der letzte Waschraum auf dem Transportschiff. Plötzlich verschwand ihre Hoffnung schnell,
ihr neues Buch bald weiterlesen zu können, da ihr jüngerer Bruder auf einer der Toiletten verschwunden war.
Doch wenn sie ehrlich sein sollte, war das Buch größtenteils Schuld für ihre gegenwärtige missliche Lage.
Denn wäre sie nicht so versunken in Lord Faltons Versuch, den Thron für das Haus von Ashen Grey zurück zu erobern gewesen,
dann hätte sie vielleicht früher bemerkt, dass ihr Bruder vom Sitz verschwunden war.

Es war das erste Mal, dass sie alleine flogen und es begann bereits schief zu gehen.
Ihr Vater hätte fast die Reise abgesagt, als er herausfand, dass er bleiben und einen Vortrag halten musste.
Aber Yela hatte ihn davon überzeugt, sie auf eigene Faust reisen zu lassen, um Baba zu sehen.
Natürlich wäre das Ganze einfacher gewesen, wenn Dad ihrem ursprünglichen Plan zugestimmt hätte,
ein Sedativum vor dem Start zu verabreichen. So viel einfacher! Die Stasis war gut genug für die frühen Raumreisenden,
warum nicht auch für ihren Bruder und ihre Schwester? 

Als er sich von ihnen auf dem Mars verabschiedete, mussten stattdessen Daymar und Cellin ihrem Vater versprechen
auf ihre ältere Schwester zu hören. Bis jetzt sah es jedoch so aus, als ob Yelas jüngere Geschwister genau
das Gegenteil taten.

Auch ihre einfachsten Anweisungen, wie nicht den Kioskwagen während des Fluges anzufassen, wurden ignoriert.
Sicher, Oatmeal waren ihr Lieblingskekse und es war irgendwie nett, dass Cellin diese für sie bestellte...
und sie schmeckten so viel besser als die Nuss-Sticks, die ihr Vater für sie gepackt hatte, zumal es bedeutete
weniger in Versuchung zu geraten die Pralinen, die sie für Baba mitgebracht hatten, zu essen.
Aber dennoch, es ging ums Prinzip. Diese Dinge waren nicht umsonst und alles was sie von ihrem Bruder verlangte war
sie zurück zu bringen, auch wenn es bedeutete stark zu sein. Warum musste er auch immer so herumstreunen?

Yela ging in Gedanken die Liste mit möglichen Orten noch einmal durch. Sie hatte bereits die Lounge, den Aussichtsbereich und
den Flugbegleiterbereich überprüft und war alle Gänge zweimal abgelaufen. Cellin schaute auf ihren Sitzen, aber sah ihn nicht.
Wenn Daymar nicht in einer der Waschräume war, wo war er dann? Hatte er einen Weg in den Maschinenraum gefunden? War er
verletzt? Hat ihn jemand geschnappt? Bei dem Gedanken ihr Bruder könnte in Schwierigkeiten stecken begann ihr Herz noch
schneller zu rasen.

"Kannst du bitte zur Seite gehen?" schallte eine tiefe Stimme dicht hinter ihr.

Yela viel fast um vor Schreck, als sie sich umdrehte und die ältere Frau versuchte aus dem Waschraum zu gelangen.
Während Yela aus dem Weg ging, schaute sie der grauhaarigen Dame hinterher, die murrend den Gang hinunter ging.

Von ihren Sorgen überwältigt, atmete sie tief ein und beruhigte sich mit dem Gedankten an den Rat, den Baba ihr bei ihrem
letzten Besuch gegeben hatte: "So lange du noch atmest, geht es dir besser als die Milliarden von Leuten, die vor dir da waren".
Dad haste es, wenn Baba solche Dinge sagte, aber Yela war froh darüber wie ihre Großmutter immer solche Dinge ins die Richtige
Perspektive bringen konnte. Okay, manchmal war es nicht perfekt, aber wenn man alle Dinge berücksichtigte, könnte ihre erste
Reise durch das Weltall wesentlich schlimmer sein. Z.B. war es gut, dass keiner der Druckalarme ausgelöst wurde und sie wusste
wenigstens, dass ihr Bruder noch an Bord war.

"Ich schwöre dir, wenn du noch einmal gegen den Sitz trittst, dann werfe ich dich aus der Luftschleuse!"

Für den Moment zumindest.

Yela eilte den Gang hinunter und sah einen rotangelaufenen Mann sichtlich schnaubend in Richtung der Reihe hinter seiner. Reihe 15.
Ihre Reihe. Und wie sie befürchtete, starte ihre kleine Schwester Cellin ebenfalls mit rotem Gesicht in die Richtung des Mannes.
"Dass will ich sehen, wie du das anstellst." entgegnete Cellin.

"Oh, das willst du nicht, oder doch?"

"Cellin, was ist hier los?" Fragte Yela, als sie sich in Richtung der hitzigen Szene vordrängte.

Ohne die Augen von dem Gesicht des Mannes abzuwenden entgegnete Cellin, "Er hat schlechte Dinge über Leute, die auf Europa leben, gesagt."

Das erklärte alles. Europa war wo Baba lebte und Cellin verteidigte Personen vehement, die ihr wichtig waren.
Dad beschrieb sie als "erfüllt von gefährlich noblen Intentionen".

"Was ich sage, geht nur mich was an," sagte der Mann und fuchtelte mit einem dicken Finger vor Yela´s Nase.
"Weißt du eigentlich wie viel ich für dieses Ticket bezahlt habe", blaffte der Mann.
"Viel zu viel, um mir von einer kleinen Rotznasen-Gör gegen den -"

Bevor er seine Hasstirade beenden konnte, sprang die Klappe des Handgepäckfaches über seinem Kopf auf.
Von drinnen lugte ein schmales Gesicht hervor. Verschlafen rieb sich der Junge mit seiner Rückhand die Augen.
"Sind wir schon bei Baba?"

"Daymar!" säufste Yela erleichtert.

"Hi, Yela. I habe ein Stockbett wie zu Hause gefunden", sagte Daymar, bevor er dem Mann seinem Arm entgegenstreckte.
"Helfen Sie mir bitte runter?"

Sichtlich irritiert von der plötzlich verändertern Situation, hob er Daymar aus dem Fach sachte hinunter auf den Boden.

Fast instinktlos entgegnete Yela, "Was sagt man da Daymar?"

"Dankeschön", sagte Daymar.

"Mhm, sicher", erwiderte der Mann, nicht sicher, was er sonst tun sollte.

"Ich muss sie alle bitten die Gänge zu räumen und sich zu ihren Sitzen zu begeben," informierte sie eine Flugbegleiterin.
"Wir werden in Kürze die Gravitation für unseren Anflug abschalten."

Als der Mann die Uniform sah, begann er sich wieder zu erinnern, was der Grund seines Ärgers war.
"Hey, Sie. Warten Sie einen Moment."

Die Stewardess hielt inne, "Ja, Sir?"

"Sie müssen etwas wegen der Kinder hier unternehmen. Sie sind ungezogen, treten meinen Sitz und klettern überall herum."

"Ist das so?" fragte sie Yela.

Yela zog sich nach oben zu ihrer vollen Größe (was einen ganzen Zentimeter höher war als letztes Jahr) und sagte mit ihrer
fast erwachsen klingenden Stimme, "Er hat flasche und verletzende Kommentare über die Einwohner von Europa gemacht".

"Oh ist das so?" blickte der Flugbegleiter in Richtung des Mannes.

"Nun, ich - "

Cellin viel sofort ins Wort.

"Er hat! Er sagte, die Menschen von Europa sein alle kaltblütige Lügner und als ich sagte, meine Großmutter wäre von Europa,
meinte er, ich solle den Mund halten, aber ich wollte nicht, denn er hat unrecht und so trat ich gegen seinen Sitz, und dann
sagte er, er würde mich aus der Luftschleuse werfen".

"Jetzt warte aber mal. Denkst du nicht, dass ich -" legte der Mann los, aber der Flugbegleiter schnitt ihm das Wort ab.
"Sir, alles was ich aktuell weiß ist, dass wir unsere Transferstation in Kürze erreichen werden, das gilt auch für Leute wie Sie."
Sie drehte sich zu den Kindern um, "Und ihr drei, kommt mal mit. Wollen doch mal sehen, ob wir nicht einen besseren Platz
für euch zum Sitzen finden."

Dann setze die Flugbegleiterin Daymar, Cellin und Yela an dem Mann vorbei in Bewegung (Cellin stierte ihn wie ein Adler an, als
er vorbei ging) und die Treppe in die Executive Lounge hinauf.

Der Raum war elegant mit Messingbeschlägen und dunklen Hölzern ausgekleidet, während an der kompletten Front ein Bildschirm das
Echtzeitbild der Flugbahn des Schiffes projizierte. Viel besser, als die kleinen Monitore an den Rücksitzen. Der Raum
war überwiegend leer, nur wenige der Plüschsessel waren belegt.

"Wir sind etwas ausgedünnt heute, daher haben wir ein paar Sitze frei, aber ihr müsst mir versprechen keinen Ärger zu
machen, wenn ich euch hier sitzen lasse."

"Wir versprechen`s," entgegneten sie fast gleichzeitig. Cellin einen Augenblick später, als ihre Geschwister, denn sie
war jemand, die ein Versprechen nicht leichtfertig gab.

"Gut. Na dann ziehen wir jetzt eure Gurte fest." Die Stewardess half Daymar und Cellin in die richtige Zero-G Gurtposition,
während Yela stolz, dank der Instruktionen, die sie zuvor in den Sicherheitsanweisungen gelesen hatte, ihre selbständig
festzog.

"So, alles fertig", sagte die Flugbegleiterin als sie Cellins letzten Gurt richtete. "Ach, und mein Vater kommt auch von Europa",
sagte sie mit einem Augenzwinkern, bevor sie sich den anderen Fluggästen zuwandte.

Mit einem entspannten Seufzer sank Daymar zurück in die dicken Polster des Sitzes. "Ich mag es, ein Executive zu sein. Cellin,
glaubst du, du kannst bei unserem nächsten Flug wieder jemanden treten?"

"JA!", "NEIN!" antworteten gleichzeitig Cellin und Yela bestimmt.

"Bereitmachen für zero-g," ertönte es aus dem Lautsprecher. Die kleine Warnleuchte für Gravitation leuchtete über ihren Köpfen auf.
Die Triebwerke für Schubumkehr zündeten und im nächsten Moment fühlten sie sich schwerelos, als sie gegen die Sitzgurte gedrückt wurden.
"Finaler Landeanflug zur Transferstation Banaru. Stand by."

Auf dem Bildschirm vor ihnen wurde ein kleiner Fleck schnell immer größer, während man eine stählerne Raumstation bereits erahnen konnte.
Lange Arme ragten aus der zentralen Drehscheibe heraus und waren mit einem weiteren äußeren Ring verbunden. Es sah aus wie ein Wagenrad eines
Roboters. Die Station nutzte die Rotation um die eigene Achse, damit für alle an Bord Gravitation vorhanden war. Während dessen 
setze das Schiff den Anflug fort, die Rotation wurde langsamer bis es schließlich stoppte. Yela begann Daymar zu erklären, dass es nicht
die Station war, die sich verlangsamte, sondern das Schiff mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Station rotierte und es nur so aussah,
als ob sie stillstehen würde. Sie hätte noch weiter über Docking Prozeduren erzählt, aber Daymar war bereits fest eingeschlafen.

Die Transferstation Banaru war wie ein Bienenstock. Außerhalb des Sol-Croshaw Jump Points gelegen, stiegen Reisende aus allen Regionen beider
Systeme hier zwischen kleinen Shutteln und großen Starlinern um. Durch den vorbeiziehenden Verkehr wuchs Banaru über die Jahre an. Stolz
verkündeten auf der Station verteilte Werbetafeln von vollen Hotels, exotischen Fressmeilen und betriebsamen Marktplätzen.
Besonders populär bei ankommenden Reisenden aus Croshaw war der Food Court, da es empfohlen wurde durch den Hyperraum mit leeren Magen zu fliegen,
zumindest die ersten Male, bis man sich daran gewöhnt hatte.

In einer ruhigen Ecke der Station saßen die drei Geschwister auf einem Stuhl in der Nähe des Docking-Ports E-12, wartend auf ihr Abschlugshuttle
nach Europa. Sie hatten noch eine Stunde vor sich - genau 71 Standard-Erden-Minuten laut Daymar, der erst kürzlich die Uhr lesen lernte. Durch
die dicke Glasscheibe hindurch beobachte Yela wie das Transportschiff, das sie erbrachte, aufgetankt wurde und mit neuen Passagiere an Bord sich
von der Station wegbewegte, um Kurs auf die in der Ferne blinkenden Lichter des Jump Points zu nehmen. Sie konnte sogar sehen,
wie es sich drehte und aus der gleichzeitigen Rotation mit Banaru löste. So sehr sie sich auch freute ihre Großmutter zu sehen,
ein Teil von ihr sehnte sich danach ein anderes System zu besuchen.

"Nach was hältst du ausschau?" fragte Daymar seinen ältere Schwester.

"Schau, unser Transportschiff ist gerade dabei durch den Jump Point zu fliegen." Yela deutete auf das Schiff, während es darauf wartete
die Triebwerke hochzufahren.

"Sie fliegen ohne uns!" schrie Daymar auf, als er an die Scheibe rannte.

Yela stand auf und legte behütend die Hand auf den Rücken des Jungen. "Erinnerst du dich nicht?" Das Schiff fliegt nach Croshaw.
Wir sind mit einem anderen Schiff unterwegs zu Baba.

"Oh", sagte Daymar. Ein schmales helles Licht leuchtete auf und das Schiff verschwand außer Sichtweite im Hyperraum.
"Und warum haben wir dann Baba´s Geschenk auf diesem da gelassen?"

Cellin und Yela schauten sich panisch an, bevor sie überstürzt ihre Taschen öffneten und nach der Schachtel mit Schokolade suchten,
die sie für ihre Großmutter mitgebracht hatten. Sie hatten zusammen die Geschmacksrichtungen bei Baba´s beliebtesten Chokolatier in
Port Retanus ausgesucht. Sie sprach immer darüber, wie sehr sie diese eine Sache vermißte vom Leben auf dem roten Planeten, neben
den dreien und ihrem Vater natürlich. Baba scherzte sogar darüber, es wäre der einzige Grund ihres Besuches gewesen, ihre Vorräte
wieder aufzufüllen.

Bei ihrem ersten Besuch auf Europa saßen sie während eines Kristallsturms zusammengerollt unter eine Decke und blickten durch das kleine Bullauge
in ihrer Werkstatt nach draußen. Jeder von ihnen durfte sich eine Schokolade aus der Box nehmen und Baba zeigte ihnen, wie sie um das Innere
herum knabberte und mit jedem Biß schmelzen ließ, bis sie schließlich die Füllung im Mund aufbrach.

Und jetzt, dank der ganzen Ablenkung haben sie Babas Geschenk auf einen der Starliner vergessen und ihre Schokolade war auf dem Weg in ein ganz
anderes System.

"Es war in der Tasche der Rückenlehne," erinnerte sie Daymar. "Du hast gesagt, ich darf es nicht anrühren und sogar versprechen vorsichtig zu sein."

"Warum sagst du nichts?" verlangte Cellin.

Daymar´s Augen wurden groß, so wie sie es immer taten, wenn er kurz davor war zu weinen. Yela war ebenfalls zum Heulen zu mute, aber das würde
jetzt niemanden helfen. "Es war nicht seine Schuld, I hab´s ebenfalls vergessen".

"Baba´s wird sauer auf uns ein," sagte Cellin.

"Nein, wird sie nicht.", entgegnete Yela.

"Doch sie wird." sagte Cellin. Der Gedanke Baba könnte sauer auf ihn sein, war genug für Daymar um in Tränen auszubrechen. Sein Gesicht verzog sich,
als wollte er schreien, aber es kam kein Ton heraus. Daymar weinte schon immer im Stillen. Es ist immer, als wenn man ein Video ohne Ton schauen würde,
sagte ihr Vater immer.

"Es ist meine Schuld, dass wir in diesen dummen Streit mit einem dummen Mann geraten sind. Es ist immer nur meine Schuld." Und dann verschränkte
auch noch Cellin verärgert ihre Arme und begann ebenfalls zu weinen.

"Wenn hier irgendwer beschuldigt werden sollte, dann bin ich es. Ich hätte mich erinnern müssen." sagte Yela. "Ich habe die Verantwortung."

"Das stimmt. Es ist dein Fehler," stimmte Cellin weinend zu. Das war der Augenblick als auch Yela anfing zu heulen.

Wäre ein anderer Flugbegleiter ihnen zugeteilt gewesen, um auf sie bei der Andockschleuse aufzupassen, wären die Dinge für die drei Geschwister wohl
anders gelaufen. Aber wie auch immer, Tyva Mantclair wurde die Aufgabe übertragen und wenn man Tyva fragen würde, würde  sie schnell antworten, dass sie 
selbst trotz ihres jungen Alters nicht gut mit Kindern konnte. Als sie die drei Geschwister so weinend sah, entschied sie, statt ihnen gut zu zu reden,
lieber die Waschräume aufzusuchen und das war genau das was sie in diesem Moment tat.

Auf sich alleine gestellt, schluchtsten die Kinder noch ein paar Minuten weiter vor sich hin. Daymar war der erste, dem die Tränen ausgingen. 
Schniefend kam ihm ein Gedanke. "Lasst uns ein neues Geschenk für sie finden."

"Diese Schokolade war vom Mars, wir können ihr nicht mehr besorgen." erklärte Yela.

"Wir können ihr etwas bessers bringen," sagte Daymar mit wachsendem Enthusiasmus.

"Es gibt vielleicht etwas außergewöhnliches auf dem Markt. Diese Schilder sagen, es sei der beste Platz zum Einkaufen im ganzen Sektor," sagte Cellin,
von dem Gedanken auf ein neues Abenteuer gepackt. 

"Aber die Stuardess sagte doch, wir dürfen hier nicht weg", sagte Yela.

"Dann ist es ja gut, dass sie nicht hier ist." sprach Cellin aus.
"Wir können los, ein neues Geschenk besorgen und sind zurück bevor sie es überhaupt bemerkt."

"Wir sollten das nicht tun. Wir könnten in Schwierigkeiten geraten."

"Denkt daran was Baba sagte? Niemand hat jemals etwas großes erreicht, ohne nicht dabei ein wenig in Schwierigkeiten gekommen zu sein," zitierte Cellin.

Yela erinnerte sich, dass dies ein weiterer von Baba´s Sprüchen war, den ihr Vater nicht mochte.


Die Drei schlenderten den Verbindungsarm hinunter bis er sich in einen gewölbten zentralen Bereich öffnete. Von mehreren Etagen umringt war dieser große
Platz erfüllt von sich hindurch schiebenden Menschen, die einkauften, aßen und sich unterhielten. Es gab sogar einen Musiker, der komplizierte Livemusik
auf einem Lexion aus Persei spielte. Als sie vorbei gingen hielt sich Daymar die Ohren zu, nicht sonderlich angetan von dem kurzen Kratzen und Summen
des Instruments. Während sie gingen, blickten sie mit starren Augen auf die Leute, die um sie herum wirbelten. Sogar in der Stadt auf dem Mars in der 
sie lebten bekamen sie eine stattliche Menge an Besuchern ab, aber das war garnichts im Vergleich zu dem Kuddelmuddel aus Kolonisten, Händlern und Siedler
hier, die kreuz und quer ihren Weg durch den Knotenpunkt suchten. Die Kinder überlegten woher die Reisenden kamen.

"Schau, der alte Typ ist von Mars, wie wir!" sagte Daymar, als sie auf jemanden mit dicker glatter Jacke zeigte, wie viele Marsianer sie gegen den Staub trugen.

"Die Drucklinsen bedeuten, dass diese Person von Gonn kommt," bemerkte Cellin, als eine Gestalt mit dicken violetten Gläsern in der Brille
an ihnen vorbei ging und ihren starren Blick erwiderte.

"Und diese beiden Frauen dort tragen schuppige grüne und gelbe Roben, die sind defintiv von Davien." beobachtete Yela.

Als Daymar zu einem an der Essensausgabe sitzenden Mann, der dicke fettige Nudeln schlürfte und die selben dreifach geflochteten Zöpfe wie ihre Großmutter trug,
sprechen wollte, und Cellin gerade dabei war eine große Frau mit blauer Haut zur fragen woher sie denn käme, war das der Moment an dem Yela ihre Hände packte.
So interessant auch diese Leute waren, sie mussten ein Geschenk für Baba finden.

Nachdem sie ihre Geschwister instruierte nicht alles anzufassen, und sie E-12 auf Daymar´s hand schrieb, damit er, falls er verloren ginge, wusste,
an welcher Andockschleuse sie sich treffen würden, steuerte Yela mit den beiden auf ein Geschäft mit wunderschönen Schmuck zu. Es gab vergoldete Ringe,
Halsketten aus Edelsteinblumen gemacht, und sogar eine Brosche, die aussah wie ein Wüstenkäfer. Aber als sie einen Moment darüber nachdachte, konnte sich nicht
daran erinnern, dass Baba jemals Schmuck getragen hätte. "Vielleicht bedeutete dies, dass sie wirklich mal einen braucht," sagte Yela.

"Oder sie hast ihn," sagte Cellin.

"Last uns weiter schauen."

Sie gingen weiter durch den Marktbereich, besuchten einen Laden mit langen Schals, mit dem man die Luft filtern konnte, einen anderen, der hell rote Echsen zum
Verkauf anbot, und einen Straßenhändler, der echte Pitmabu Früchte aus dem fernen Reisse anpreiste. Aber nachdem sie durch den ganzen Markt gewandert waren,
hatten sie ihre Optionen auf zwei Läden reduziert. Vielleicht sollte Yela Baba eine ausgefallene Flasche mit Lotion, hergestellt aus Digary Blüten schenken,
die nach den Angaben des Inhabers nur auf Aremis wachsen? "Sie arbeitet viel mit ihren Händen und das kalte Wetter trocknet sie aus." erklärte Yela.

Cellin dachte daran, dass Baba ein kleines silbernes Multi-Tool bekommen sollte. Es hat eine Universalschraubenschlüssel, fünf Schraubenzieher, einen
Vollband Rissscanner, einen Geigerzähler, eine Lichtbogenfackel, eine Nagelfeile und einen Flaschenöffner. "Es ist wie hundert Geschenke in einem!"

Yela merkte an, dass Baba bereits fast alle dieser tool hatte, und Cellin fand die Lotion doof.

Es schien fast so, als wenn es keine Lösung für einen Kompromiss gegen würde, als Daymar die Diskussion mit den Worten beendete "Wir sollten ihr das hier besorgen."
Yela und Cellin sahen worauf ihr Bruder zeigte und stimmten sofort zu. Er hatte das perfekte Geschenk für Baba gefunden.


"Es tut mir wirklich leid, aber ich kann euch das nicht für weniger geben," sagte Vaski, der Besitzer des Ladens. Um ihre Betroffenheit darüber zum Ausdruck
zu bringen,  legte sie den Kopf leicht zurück, so dass sich ihre dicken Falten im Nacken zu wölben begannen. Daymar wiederum stand mit weit geöffneten Augen
genau vor ihr, in der Hand behutsam das Geschenk haltend. 

Sie hatten bereits mehrere Minuten mit der Frau verhandelt, aber sie blieb standhaft, erkannte aber wie sehr die Kinder das Geschenk wollten. Und die Kinder
wollten es wirklich. Wenn man das Geschenk so ansah, war klar, dass Baba es sehr gefallen würde, sicher mehr als Schokolade. Funktionell und wunderschön, sie
würde sogar doppelt soviel dafür zahlen, als Vasko verlangte, aber nachdem sie nicht einmal den einfachen Preis bezahlten konnten, sah es immer weniger
danach aus es auch zu bekommen.

Yela zählte schnell ihr letztes verbliebenes Guthaben. Es war all ihr Notfall-Geld, das ihr Vater ihnen gegeben hatte, plus die erlaubten Ersparnisse für
Yelas neues Buch und dem Dollar, den Daymar bei ihrem Spaziergang durch den Raumhafen in Port Renatus gefunden hatte. Gegen Yelas verwegene Hoffnung, es könnte
beim erneuten Zählen eine andere Summe herauskommen, waren es immer noch acht zu wenig für den aufgerufenen Betrag.
"Sind Sie sicher, dass Sie nicht runter gehen können?"

"Ich nehmen schon 10 weniger als normal, gerade weil ihr so liebe Kinder seid, aber wenn ihr nicht genug Geld habt, fürchte ich, ist da nichts zu machen."
Vasko griff nach dem Geschenk, um es zurück zu legen, aber Daymar schritt außer Reichweite.

"Bitte? Es ist für unsere Baba," sagte Daymar.

"Was haben wir denn hier?" Eine dicke fleischige Hand packte das Geschenk aus Daymar´s Umklammerung. Die drei Kinder drehten sich erstaunt um, als der Mann
aus dem Transportschiff hinter ihnen stand. Er hielt das Geschenk vor sein Gesicht. "Oh, schaut euch das an. Sehr schön."

"Gib das zurück!" verlangte Cellin und versuchte springend es zu schnappen. Der Mann hob es hoch über ihre Köpfe.

"Das ist für unsere Baba!" ergänzte Daymar.

"Ihr hattet eure Chance, Kinder," schimpfte Vasko. "Wenn dieser nette Herr es kaufen möchte, nun dann..."

"Wissen Sie was? Ich glaube, ich kaufe es," sagte der Mann spöttisch zu Cellin.

"Du bist falsch hier, Kleiner. Ich bin ein Sammler und das hier ist ein echter Fund," sagte der Mann, während er es genauer begutachtete.

"Das wars. All diese Detailarbeit? Hand drauf. Nur wenige mögen es," sagte Vasko.

"Bitte, es muss doch einen Weg geben, wie wir -" Yela pausierte.
Irgendetwas erspähte sie im hinteren Teil der Auslage. "Wartet. Ist das etwa eine Banu Lockbox?"

Vasko wandte sich zu dem aufwendig verzierten Kästchen um. "Das steht nicht zum Verkauf, wenn es das ist fast du fragen wolltest, und es ist definitiv nicht für
das Geld zu haben, dass du bei dir hast.

"Haben Sie es jemals geöffnet?"

"Nein.." stimmte Vasko mißmutig zu. "Bis jetzt."

Hergestellt, um wertvolle Gegenstände oder Dokumente für die Anführer von Banu Gilden zu sichern, hat jede Banu Lockbox ein einzigartiges Design. Um sie besonders
sicher zu machen, gibt es keinen Mechanismus zweimal und oft wissen nicht einmal die Handwerker wie man sie öffnet. Wenn der ursprüngliche Besitzer verstirbt,
können die Mysterien die sie beinhalten für Generationen unentdeckt bleiben. ...oder wurden einfach bei dem Versuch zerstört, sie zu öffnen. Das ist es, was intakte
so rar macht. Yela wusste dank ihres Vaters alles über Banu Lockboxen.

"Ich kann es für Sie öffnen," sagte Yela.

"Wie, ein Kind kann ein Banu-Schloss überwinden."

"Unser Vater ist ein Professor. Er hält Vorlesungen über die Banu."

"Glaubst du wirklich, du kannst es für mich öffnen?" frage Vasko erwartungsvoll.

"Sie kann es, für den richtigen Preis," sagte Cellin.

"Jawohl! Geben Sie uns Baba´s Geschenk!" insistierte Daymar, nach dem Ding greifend, dort wo es der Mann noch immer festhielt.

"Ich habe jahrelang versucht zu öffnen..." überdachte Vasko sein Angebot. "Wenn du es wirklich öffnen kannst haben wir einen Deal."

"Hey!" protestierte der Mann. "Ich dachte, Sie verkaufen es an mich!"

"Nicht mehr. Her damit."

"Was, wenn ich Ihnen das Doppelte zahle?"

"Wenn es das Mädchen nicht schafft, können Sie mir gerne das Doppelte zahlen." Vasko entirss dem Mann das Geschenk und stellte dann die Lockbox vor Yela auf den
Tresen. "Nichts überstürzen. Du musst es auf die richtige Weise öffnen."

"Ich weiß." Yela wischte sich die Handflächen an der ihrer Hose ab und begann vorsichtig mit den Fingern über die Oberfläche zu gleiten. Banu hatten einen gänzlich
anderes Verständnis zu Nummern und Geometrie als wir Menschen und so musste sie sich zuerst in die Lage der Banu versetzten, die die Welt mit ganz anderen Augen sahen.
. Sie atmete tief ein und verbrannte den Lärm des Marktes aus ihren Gedanken. Um wie ein Banu zu denken, brauchte es einen Menge Konzentration.

"Sie schafft das niemals," sagte er Mann. "Teufel, sie wird es noch kaputt machen."

"Ruhe!" sagten Cellin und Vasko gleichzeitig.

Sie zählte immer wieder bis 27, bis sie schließlich den richtigen Rythmus gefunden hatte. Jede andere ungerade Zahl hätte sie aus dem Gleichschritt mit ihrem
Herzschlag gebracht. Sie platzierte ihren Zeigefinger auf einer glatten Stelle an der schmalen Seite der Box und den Daumen an die nächstgelegene Ecke.
Als es sich richtig anfühlte, drückte sie gleichzeitig die schwarzen und weißen Muster, die sich über den Rand der Box fortsetzen. Beim fünften Antippen klickte
die Box und eine Reihe von Furchen zogen sich durch die Oberfläche.

"Sie hat es geschafft!" rief Vasko.

"Nur den ersten Teil," sagte Yela und sprach zu sich selbst "der einfache Teil". Sie rotierte die Box und setzte ihre Finger erneut versetzt an die Furchen und
begann erneut zu zählen, doch eine Durchsage aus dem Stationslautsprechern unterprach sie.

"Letzter Aufruf für die Passagiere nach Europa."

"Oh nein! Das ist unser Flug!" Yela verlor ihre Gedanken. "Wir müssen zurück."

"Wir können nicht ohne das Geschenk weg," sagte Cellin.

"Wir können nicht unser Shuttle verpassen," sagte Yela.

"Ich fürchte das war´s mit eurem Deal," sagte der Mann zufrieden.

"Andockschleuse E-12. Letzter Aufruf für Europa," ertönnte die Stimme aus dem Lautsprecher.

"Hier," sagte Vasko das Geschenk festhaltent. "Nehmt es. Ich habe diese Box schon seit Jahren und bin noch nie so weit gekommen."

"Sind Sie sicher?" fragte Yela.

"Sie ist es," sagte Cellin und steckte das Geschenk in ihre Tasche".

"Sie ist verrückt," klagte der Mann

"Aber versprich mir beim nächsten Halt auf Banaru wieder vorbei zu kommen."

"Wir versprechen´s!" versprachen die drei Geschwister und rannten zurück durch den Marktplatz.


Der Korridor war vollgestopft mit Leuten. Ein ankommender Starliner aus Croshaw hatte gerade angedockt und die Passagiere strömten in die Gänge.
Yela und Cellin versuchten einen Weg hindurch zu finden, "Entschuldigung" sagte Yela und schob Cellin vor sich her.. 

Für Daymar war es viel leichter durch die Menge zu schlüpfen. Bald darauf war er vor den Schwestern. Yela versuchte ihm zu sagen er solle warten, aber er konnte
sie über die Distanz nicht hören. Als er an dem Punkt angelankt war, an dem sich der Korridor zu den verschiedenen Andockschleusen teilte, versuchte Yela sich
sich durch eine Gruppe von sich verabschiedenden Durchreisenden zu quetschen, als sie sah, wie Daymar anhielt und die Abzweigung studierte.
Er hob seine Hand, schaute auf as gekritzelte E-12, dass Yela ihm vorher aufgeschrieben hatte und bog links hinunter in den Korridor ab, direkt zu Andockschleuse
F-12.

"Daymar, warte!"

Er blieb stehen und schaute zurück. Während Yela ihm winkte er solle züruck kommen, entgegnette er ihr Winken, rante um eine blockierte Gepäckdrohne herum und
setzte seinen Weg in den in den falschen Korridor fort bis er aus dem Sichtfeld verschwand.

Yela erfüllte es sofort mit Reue, dass sie sich nicht mehr Zeit für ihn zum Lernen der Buchstaben genommen hatte.

Verzweifelt übernahm Yela Cellins Methode sich durch die strömenden Menschen hindurch zu kämpfen. Bald darauf hatten sie es geschaft und sahen Daymar vor der
vor der Andockluftschleuse stehen.

"Daymar! Wir sind falsch -"

Zu spät. Er verschwand an Bord. Yela und Cellin rannten hinter her. 

Als die drei Geschwister die Luftschleuse passiert hatten, standen sie in einem höhlenartigen Laderaum eines großes Frachtschiffes. Daymar war ein paar Schritte
voraus und staunte über die vielen Reihne an riesigen Frachtcontainer über ihm.

"Wir fliegen mit dem Schiff?" fragte Daymer sichtlich erfreut über seine Vorstellung. "Wo sind die Sitze?"

"Nein, werden wir nicht. Los jetzt, wir müssen gehen," sagte Yela. Sie packte Daymar am Arm und zog ihn in Richtung Luftschleuse, die sich in diesem Moment
mit meinem Zischen vor ihnen verriegelte. Yela eilte zur Konsole und drückte auf den Öffnen-Knopf, doch der rote Alarm bedeutete, dass sei keine Kontrolle
mehr hatte. Noch bevor sie verstand was los war, zündeten die Triebwerke mit einem lauten Rumpeln...

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