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Cadia

Der Wilde Haufen Part II (Ein Neuanfang)

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Alfred Runicer döste in seinem Büro. Seine Brille hing schief in seinem unrasierten Gesicht. Die schweren Lieder seiner trüben Augen fielen ihm immer wieder zu, während sie in den kurzen Momenten den Blick auf seinen Schreibtisch frei gaben. Die drei leeren Weinflaschen und das schmutzige Glas sprachen ihre eigene Sprache. Das rhythmische Hüpfen der Nadel am Rand der abgelaufenen Schallplatte schickte Runicer erneut ins Land der Träume.

 

Dieses irre Mädchen war gestern überstürzt, mitten in der Nacht, mit ihrem „neuen“ Schiff abgeflogen. Endlich war er es los. Das Geisterschiff, das Horrorschiff. Es fühlte sich an, als wäre ihm eine gewaltige Last von den Schultern genommen worden. Runicer hat sich ein Gläschen eingeschenkt, seine Lieblingsplatte aufgelegt und dem Albtraum hinterher geprostet als es die Atmosphäre erreicht hatte.

 Dann dachte er daran, mit wem dieses Schiff davon flog, welchen Namen ihm sein alter Freund Mic genannt hatte. Er dachte an das kleine Buch, das er dieser Lucia Monrowe mitgegeben hatte. Natürlich hatte er es gelesen.

 Das alles erinnerte ihn daran, wie klein doch dieses Universum in Wirklichkeit war. Nichts blieb unbemerkt, nichts begraben, nichts vergessen. Das machte ihn etwas schwermütig und er öffnete die zweite Flasche. Die Dritte half ihm dann zu vergessen und scheinbar auch dabei einzuschlafen.

 

Das Klicken der Tür weckte ihn erneut. Runicer war etwas verärgert. Er hatte das „Bitte-nicht-stören“-Schild gestern extra noch an die Tür gehängt und seine Mitarbeiter wussten auch verdammt gut, was dieses Schild bedeutete. Mit zusammengekniffenen Augen konnte er eine Silhouette in einem Blaumann ausmachen. „Heinrich?“, fragte er mit belegter Stimme, während seine geübten Hände die Brillengläser mit dem Hemdsaum säuberten und sie auf seine Nase setzten, wo sie dann behände in Position geschoben wurden.

Wieder mit klarem Blick konnte er den Besucher erkennen. Es war tatsächlich Heinrich. Sein Vorarbeiter hatte die Hände am Rücken verschränkt und wirkte unnatürlich blass.

Runicer wollte gerade losschimpfen und Heinrich auf die Bedeutung des Schildes draußen vor der Tür hinweisen, als sich ein Mann an seinem blassen Mitarbeiter vorbei schob, die Arme ausbreitete und Runicer ein übertrieben freundliches „ Bonjour, mon ami!“ entgegenschleuderte.  

 

~Oh… Kundschaft! ~

Runicer nickte freundlich zurück. Der Neuankömmling jedoch war ihm völlig unbekannt. Der Mann war schlank, fast hager, und großgewachsen. Der braune Ledermantel war perfekt angeschneidert, ebenso wie die schwarze Hose und der schwarze Rollkragenpullover aus echter Wolle. Alles war ebenso perfekt am Körper angelegt wie der schmal gehaltene Oberlippenbart und die nach hinten gekämmten schwarzen Haare. Am meisten fiel Runicer diese beunruhigende Narbe ins Auge, welche sich fett und rosa von der linken Augenbraue bis zum rechten Mundwinkel ausbreitete. Seine Stimme klang wie Reibeisen die gegeneinander bewegt wurden. Er schien sich einen französischen Akzent zugelegt zu haben, was dem Ganzen noch ein Zischeln hinzufügte.

~Wie eine Schlange...~ dachte Runicer, während er die Flaschen schnappte, um sie unter den Tisch zu räumen. ~ Eine narbengesichtige Schlange.~

 Im Augenwinkel bemerkte er einen zweiten Besucher, der sich hinter dem Fremden durch die Tür schob und hinter Heinrich in Stellung ging. Der Mann grüßte nicht. Er war riesig, wie ein Kleiderschrank. Der Anzug, den er trug, schien beinahe aus den Nähten zu platzen. Er stand einfach nur da und die dunklen Gläser einer Sonnenbrille verwandelten das ansonsten schwarze Gesicht in eine dunkle, ausdruckslose Fläche.

 

„Sie müssen Monsieur Runicer sein!?“ zischelte die Narbenschlange.

„Ähh... Ja ...Ja, das bin ich“, antwortete Runicer während er krampfhaft versuchte, die Narbe im Gesicht seines neuen Gastes zu ignorieren und  auf einen der freien Stühle vor seinem Schreibtisch deutete. Mit verlegenem Lächeln ließ er die erste Weinflasche unter dem Tisch verschwinden. „Bitte entschuldigen Sie die Unordnung, ich hatte gestern etwas zu feiern und…“

„Oui! Wir ´aben davon ge`ört.“ Das Narbengesicht machte drei Schritte in den Raum hinein und beugte sich über einen der freien Stühle zu Runicer hinüber, die Hände auf die Rückenlehne gestützt, und setzte ein Totenkopfgrinsen auf, das Runicer frösteln ließ.

„Bitte, Monsieur Runicer, machen Sie sich keine Mühe.“  Das Narbengesicht deutete auf den freien Stuhl neben sich, woraufhin der schwarze Schrank den blassen Heinrich nach vor schubste und selbigen unsanft auf den angewiesenen Platz setzte. Erst jetzt bemerkte Runicer, dass sein Freund die Hände nicht freiwillig hinter dem Rücken verschränkt hatte.

 

„Was….was wollen Sie?“, fragte Runicer unsicher, er konnte den Blick nur schwer von seinem gefesselten Mitarbeiter lösen. Seine Hände fühlten sich schwitzig an und sein Herz schlug ihm bis zu den Ohren hinauf. Heinrich schaute ihn hoffnungsvoll mit großen Augen an. Dieser Mann schien entsetzliche Angst zu haben, Runicer nickte ihm beschwichtigend zu, das war CathCart, und Alfred Runicer hätte es niemals so weit gebracht, wenn er nicht genau gewusst hätte, wie man mit Gaunern und Halsabschneidern umging. Alle wollten sie etwas. Geld, für gewöhnlich. Darum hatte er immer sehr wenig Bargeld bei sich und feilschte. Runicer handelte nicht nur mit Schiffen. Gefallen und Insiderinfos gehörten ebenso zum Geschäft wie gestohlene Schiffe verschwinden zu lassen. Diese Leute jedoch sahen eigentlich nicht aus wie hiesige Gauner. Das waren Fremdweltler, da war sich Runicer sicher, vielleicht brauchten sie ein Schiff? Er würde ihnen eines geben. Er hatte genug schrottreife Schiffe, die von außen noch viel her machten.

 

„Monsieur Runicer, wir ´aben nicht viel Zeit und wollen es so kurz wie möglich 'alten.“

Das Zischen der Narbenschlange riss Runicer wieder aus seinen Gedanken,

„Wir `aben Informationen erhalten, dass eine junge Frau bei Ihnen ein Schiff erstanden hat? Eine gewisse Lucia Monrowe? Ist diese Information korrekt?“

Runicer nickte eifrig und presste ein „Ja…“ hervor. Die Fremden schienen Kopfgeldjäger zu sein. ~Das wird einfach. ~ dachte sich Runicer. Diese Leute waren in der Regel damit zufrieden, die Infos die sie brauchten, zu bekommen und zogen dann ohne viel Aufhebens ihrer Wege. Mic würde erstaunt sein, was für Leute sein neuer Schützling so anzog. Runicer wusste von Anfang an, dass diese Frau ihm nur Probleme….

 

„Dann 'aben sie doch bestimmt weiter Informationen für uns über diese Angelegen’eit, Monsieur?“

 

Runicer hob die Akte über das Geisterschiff von seinem Schreibtisch auf. Er hatte selbst, zum Abschied, letzte Nacht noch einmal darin geblättert. Ihm schien, als wögen die wenigen zusammengehefteten Seiten so viel wie ein dickes Buch. Ein umfangreiches Werk an schlechten Erinnerungen. Runicer wollte diese Seiten eigentlich in dem Moment vernichten, in dem das Schiff seinen Landeplatz verlassen hatte. Etwas, das so gar nicht zu ihm passte. Er war einer der Menschen die eigentlich nie etwas wegwarfen. In diesem speziellen Fall jedoch wollte Runicer eine Ausnahme machen.

 

Er reichte das Schriftstück über den Schreibtisch hinweg der Narbengesichtschlange, welche sich breitbeinig neben dem blassen, gefesselten Heinrich aufgebaut hatte und ungeduldig nach der Akte griff.

 

„Sie haben Glück, dass ich sie noch habe….wollte sie eigentlich heute vernichten.“  Kommentarlos riss der Fremde ihm die Akte förmlich aus der Hand und fing an darin zu blättern. Runicer glaubte einen fragenden Blick gesehen zu haben und redete weiter. „Ist so gar nicht meine Art, wissen sie. Normalerweise hebe ich alles auf... aber in dem Fall, es ist eine lange Geschichte wissen Sie….“

„Ist diese Schiffs-ID korrekt?!“ Die Unterbrechung des Narbengesichts kam wie der Knall einer Peitsche.

Runicer zuckte erschrocken zusammen, fing sich aber schnell wieder, während er seine Brille wieder an ihren Platz zurückschob. „Aber natürlich! Ich habe die Nummer bei der Bergung selbst abgelesen und notiert. ME477UEC“

 

„Merde…“

 

Das Narbengesicht hatte plötzlich eine Pistole in der Hand, richtete den schallgedämpften Lauf auf Heinrich und schoss dem Mann ohne hinzusehen in den Kopf, während er immer noch ungläubig auf Runicers Aufzeichnungen starrte.

 

Kleine rote Blutstropfen spritzten auf Runicers Brille.  Runicer kreischte hysterisch auf und versuchte aufzustehen, doch der schwarze Muskelberg war bereits über ihm und nagelte ihn mit unmenschlicher Stärke fest. Die Arme des Schwarzen waren wie Schraubzwingen, die ihn förmlich in seinen Stuhl hineindrückten und es ihm unmöglich machten, sich zu bewegen. Der Schwarze fesselte ihn mit Klebeband an seinen Stuhl.  Runicers in Panik weit aufgerissenen Augen starrten nur ungläubig auf seinen Mitarbeiter, der schlaff in seinem Stuhl hing. Es schien, als würde er schlafen, nur dass gut die Hälfte seines Kopfes im Raum verteilt herumlag.

 

„Köpfe, die auf Pfähle gesteckt wurden…“ flüsterte Runicer, während er versuchte die Fassung wieder zu erlangen.

 

„Qu’on les tue.“ Die Narbengesichtschlange hatte die Hand an dem Knopf in seinem Ohr. „Oui! Und bringt mir den Koffer!“

 

„Monsieur Runicer“, er wandte sich wieder dem Gebrauchtschiffhändler zu.“ Sie bringen uns da in eine unangenehme Lage...“. Bedächtig steckte er die Pistole wieder in den Brusthalfter, warf die Akte seufzend auf den Tisch zurück und ging auf den Plattenspieler zu, sehr darauf bedacht, Blutlachen und Gehirnstückchen auszuweichen.

„Sie…haben ihn einfach umgebracht!?“ brüllte Runicer, „Sie verfluchter Mistker...hmmpf“ ein Knebel aus Klebeband beendete Runicers Ausbruch eben so schnell wie er begonnen hatte.

 

„Oui, das habe ich…“ raunte das Nabengesicht während er bedächtig die Nadel des Plattenspielers anhob und vorsichtig mitten auf der Schallplatte platzierte. Klaviermusik erfüllte den Raum. „Ah, Chopin.“  Er legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und genoss für einen kurzen Augenblick die Musik.

 

Er musste seine Gedanken ordnen. Es fiel ihm schwer zu realisieren, dass dieses, fast zwanzig Jahre verschwunden geglaubte Schiff nun doch wieder aufgetaucht war. Der Umstand, dass sich nun ausgerechnet die kleine Monrowe-Göre auf ihm befand, hatte beinahe etwas Komisches, aber Húgo Roche war nicht nach Lachen zu Mute.

Die verdammte Narbe juckte wieder, wie jedes Mal, wenn er nervös wurde. Roche kratzte sich vorsichtig im Gesicht und wandte sich wieder dem gefesselten Runicer zu.

„Monsieur Runicer, manche Dinge sollten für immer vergraben bleiben. Dinge wie eben dieses Schiff. Nun, da diese Sache wieder aus dem Nebel des Vergessens aufgetaucht ist, müssen wir ganz einfach all das wissen, was Sie wissen…“ Bei diesen Worten erschienen zwei weitere Anzugträger in der Tür. Gemeinsam trugen sie einen schweren Stahlkoffer in den Raum und stellten ihn vor Runicer auf den Schreibtisch. Roche bedeutete ihnen mit einem Kopfnicken, sie wieder allein zu lassen. Einer der beiden packte Heinrichs schlaffen Körper unter den Armen und brachte ihn nach draußen.

 

Roche begann bedächtig das Zahlenschloss an dem Koffer zu öffnen, während er die Klaviersonate aus dem Plattenspieler mitsummte, „Natürlich könnten wir Sie ver’ören….und vermutlich würden Sie uns auch alles erzählen was wir wissen wollen…“  Runicer nickte eifrig, „ Ich fürchte nur, dass diese Methode etwas ungenau sein könnte…. Monsieur müssen verstehen, dass wir alles so genau wie möglich in Erfahrung bringen müssen. Darum `abe ich das `ier mitgebracht.“

 

Vorsichtig hob er ein Ding aus dem Koffer, das aussah wie ein Roboter-Oktopus, der mit all den mit Bohrern und Spritzen bewehrten Fangarmen zitterte und klapperte.

 

„Also ist das unser Mittel der Wahl, Monsieur Runicer. Die Xi‘An nennen es Gedankenfischer. Zumindest wenn man ihre Bezeichnung dafür direkt übersetzt.“

Roche hielt ihm das Oktopus-Ding vor die Nase, während er auf Runicers Seite des Schreibtischs wechselte.  Runicer schrie und fluchte doch der Knebel verwandelte alles in unverständliches Gestöhne. Er riss und zerrte an seinen Fesseln, die ihn unerbittlich weiter zu Untätigkeit verdammten. Der schwarze Hüne hinter ihm fixierte seinen Kopf mit beiden Händen und Roche setzte dem gefesselten Mann den Apparat auf.

Leise summend aktivierte sich das Xeno-Gerät. Je zwei der Tentakel krallten sich brutal in das Fleisch an Schulter und Brust und fixierten so Runicers Kopf in aufrechter Position. Die restlichen Arme des Geräts legten sich auf Schläfen, Stirn und Hinterkopf. Kleine Bohrer begannen summend damit, den Spritzen und Sensoren einen Weg durch Haut, Gewebe und Schädelknochen zu fräsen. Kleine Rinnsale aus Blut flossen die Stirn und Nasenrücken hinab, während vom Schock geweitete Augen sich verdrehten, bis nur noch das Weiße zu sehen war.

 Erst als der größere Bohrer am Scheitelpunkt seine Arbeit begann, schrie Runicer.

 

Das würde noch eine halbe Stunde so weiter gehen. Roche kannte die Funktionsweise des Xi’An-Apparates recht gut. Der Gedankenfischer tötete seine Patienten eigentlich unmittelbar in dem Moment, in dem er ein ganzes Bündel Sensoren direkt im Gedächtniszentrum platzierte. Drogen und Stimulanzien legten den restlichen Körper lahm und hielten ihn lange genug in diesem letzten Moment, in dem „das Leben an einem vorbeizog“. Sie hielten diesen Moment lange genug aufrecht, um alles aufzuzeichnen.  Man konnte später sogar den Zeitraum eingrenzen, Schlagwörter eingeben, Geruch und Stimmproben einspeisen, um ein exakteres Ergebnis zu erhalten.

Roche hatte absichtlich nie darüber nachgedacht, wozu die Xi‘An so etwas überhaupt erfunden hatten. Es reichte ihm, den praktischen Wert zu kennen und gegebenenfalls auch zu nutzen.

 

Runicer schrie aus Leibeskräften. Roche ging wieder zum Plattenspieler und drehte die Lautstärke ganz nach oben. „Pass auf, dass er es nicht kaputt macht! “ rief er seinem Untergebenen zu, der als Antwort fast unmerklich nickte, „Ich muss jemanden anrufen…“ 

 

Roche öffnete die Tür zu Runicers Büro und blinzelte in die Morgensonne. Von einer Klaviersonate und Runicers Schreie begleitet, trabte er die wenigen Stufen hinunter. Unten musste er noch einen weiten Schritt über Heinrichs leblosen Körper machen.

Unweit des Büros lagen drei weitere tote Körper in Arbeitskleidung. Alle an den Händen gefesselt, nebeneinander aufgereiht, mit einem einschussloch im Hinterkopf. Der Sand um sie herum hatte sich mittlerweile in roten Matsch verwandelt.

 

 Roche bemühte sein MobiGlas. Es dauerte eine Weile, den gesicherten Kanal aufzubauen. Laut Runicers Aufzeichnung gab es noch zwei weitere Personen auf CathCart, die damals an der Bergung der ME477UEC beteiligt gewesen waren. Es würde wahrscheinlich den restlichen Teil des Tages in Anspruch nehmen, diese Leute aufzuspüren und zu liquidieren. Roche konnte erst von diesem dreckigen Planeten weg, wenn die Erinnerung  an dieses Schiff auf CathCart ausgelöscht war, das wusste er bereits jetzt. Ungeduldig blickte er auf sein MobiGlas. Die Verbindung baute sich nur sehr langsam auf.

 

 

___

 

 

Es war eine milde Sommernacht. Die Lichter des Eiffelturms und der Champs-Élysées  glitzerten unten am Boden ebenso hell und strahlend wie die Sterne und die Positionslichter der Großraumschiffe, die gerade im Raumhafen von Paris anlegten. Irgendwo dazwischen lehnte ein Mann rücklings gegen das Geländer seiner Penthouse-Terrasse.

Er hatte sich heute Abend für einen weißen Anzug entschieden. Schließlich gab er nicht jeden Tag eine Party. Außerdem brachte das samtige Weiß seine gebräunte Haut ebenso gut zur Geltung wie seine perfekt gestylten grau melierten Haare sowie seine grünen Augen.

Er ließ den Blick über die versammelte Gesellschaft gleiten, während er an seinem sechzigtausend Credit teurem Champagner nippte. Die Crème de la Crème der Pariser High Society war hier versammelt. Da plauderte Ratsmitglied Jenkins mit einem General. Dort schnappte sich die hiesige Chefin des High Secretary ein Kaviarhäppchen von einem Silbertablett, in der Hoffnung, einem Grüppchen Medienvertreter zu entkommen. Weiter hinten unterhielt sich der Direktor des Louvrè sehr angeregt mit dem Pariser Polizeichef und einem hochdekorierten Admiral über den Monet, der in Glas versiegelt neben weiteren Kunstschätzen,  in seinem Appartement an der Wändend hing. Irgendwo im Hintergrund sorgte ein Streicherquartett für eine stilgerechte Untermalung.

 

Der Mann im weißen Anzug wollte sich gerade wieder unter seine Gäste mischen, als er im Augenwinkel seinen Butler Jacques bemerkte. ~Der alte Bastard kann immer noch schleichen wie eine Katze~

 

„Ein Anruf für Monsieur.“  - „Ich habe keine Zeit für so einen Unfug, Jacques. Ich habe Gäste, falls es dir zufällig noch nicht aufgefallen ist.“

 

Der ältere Butler bedachte die Gäste mit einem abschätzigen Blick.

 

„Monsieur Adams, Monsieur Roche ließ keinen Zweifel daran, dass es wichtig sei.“

 

Martin Adams verdrehte die Augen und ergriff, leise seufzend, das Designer-MobiGlas, das auf dem silbernen Tablett, welches Jacques in Händen hielt, bereit lag. „Wehe, es ist nicht wichtig….Was gibt es Roche?“

„Salut! Mr. Adams….wir ´aben ein Problem…“

 

Martin Adams lauschte den Ausführungen seines Handlangers und hatte bei fortlaufender Dauer, immer größere Mühe die Fasson zu bewahren während er sich wieder unter seine Gäste mischte. Ein gespielt freundliches Nicken dahin, ein erzwungenes Lächeln dort hin, bis ihm das Nicken und Lächeln plötzlich im Hals Stecken blieb. „Was meinst du mit... es ist wieder aufgetaucht?“ fauchte er, „ reden wir in meinem Büro weiter…“ Adams legte Roche auf die Warteschleife…

 

„Probleme?“ Martin Adams drehte sich erschrocken um und blickte direkt in das Gesicht von Namori Schneider. Die Leiterin des High Secretary von Paris sah ihn hoffnungsvoll an.  Sie hoffte inständig mit dem Gastgeber ins Gespräch zu kommen, vor allem um diesen anhänglichen Medienheinis zu entkommen. Adams erholte sich schnell wieder von seinem anfänglichen Schrecken. „Miss Schneider, wie gefällt Ihnen die Party?“ – „Ach, wissen Sie Mr. Adams, Ihre Partys sind immer eine willkommene Abwechslung….“ – Schön, dass Sie sich amüsieren, Namori. Es tut mir ausgesprochen leid, aber ich habe da ein sehr wichtiges Gespräch.“ – „Sie Armer, immer müssen Sie arbeiten. Das Geschäft ruht wohl nie…“ – „Mehr eine Privatangelegenheit…. Wenn Sie mich kurz entschuldigen.“  Mit diesen Worten drängte sich Martin Adams förmlich an seinem Gast vorbei und marschierte in Richtung seines Büros.

 

Adams schloss die doppelflügelige, holzvertäfelte Tür wieder hinter sich, ging an dem schweren Mahagoni-Schreibtisch vorbei und setzte sich auf seinen makellosen gepolsterten Ledersessel. Er lehnte sich nach vorn, stützte sich mit den Ellenbogen auf den Tisch und schlug die Hände vors Gesicht. Zwanzig Jahre waren es jetzt. Zwei Jahrzehnte waren vergangen, seitdem er veranlasst hatte, dass sein alter Freund Edward Monrowe nie wieder von einer Geschäftsreise zurückkehren sollte. Die Hände vorm Gesicht atmete er einmal tief durch und rieb sich die Augen. Dann drückte er auf den Knopf seines Komms.

 

„Húgo?“ - „Oui, Ich bin noch da.“ - „Also hat Lucia das alte Schiff ihres Vaters gefunden?“  - „Oui, das `at sie…“ - „Weiß das Gör, was sie da gefunden hat?“ –  „..........“ – „Roche?!“ – „Das….prüfe ich gerade noch.“ 

 

Adams rutschte unbehaglich auf dem Stuhl umher. Er hasste diese Art Entscheidungen, doch er war schon immer der Mann, der unbequeme Entscheidungen fällen musste. Darum gab es Monrowe Enterprise noch. Hätte er damals vor zwanzig Jahren keine Entscheidung getroffen, oder so viele Male danach, gäbe es diese Firma nicht mehr, davon war er überzeugt.

 

~Diese Verfluchten Vanduul! Scheiße….was ist so schwer daran, ein Schiff zu zerstören?... Diese dämlichen, scheiß, Aliens…. Wenn man nicht alles selber …..~

 

Adams schlug mit der Handfläche auf den polierten Schreibtisch. Nun war es wieder an der Zeit für Entscheidungen. Entscheidungen, die nur er treffen konnte.

 

„Dieses Schiff muss verschwinden. Nimm dir, was du brauchst und lösche es aus. Ich erhöhe dein Etat um eine Million, das müsste reichen“ – „Oui. Und das Mädchen…?“ – „Edwards Tochter brauchen wir lebend. Mir ist egal, wie du es anstellst, aber mir reißt langsam der Geduldsfaden, Húgo!“ - „Naturellement Monsieur.“  - „ Und... Ich will keine Zeugen, verstehst du?! Mach es ….mach es leise.“– „Wie immer. Oui, Monsieur!“ – „Was ist das eigentlich für ein Lärm im Hintergrund?“ – „Chopin!“

Damit beendete Roche das Gespräch.

 

 Martin Adams drehte sich mit seinem Sessel zu der schweren Tresortüre um. Der Tresor war schon da, als er damals Edwards Penthouse bezogen hatte. Mannshoch, aus einer Titanium-Adamit-Legierung. Darin hatte sein alter Freund und Geschäftspartner all seine Genialität eingeschlossen. All die vorsintflutlichen Pläne für Schiffsantriebe, Motoren, Schildgeneratoren. Man konnte viel über Edward Monrowe sagen, aber er war ein Genie, was solche Dinge anbelangte. Diese Pläne waren mehr wert als der ganze Monrowe-Konzern zusammen und das trotz der Tatsache, dass der Konzern unter Adams Leitung seine Gewinne vervielfacht hatte.

 

 ~ Du wolltest nie Waffen bauen Eddie, du verfluchter Arsch! Was hätten wir anderes tun sollen? Es war Krieg. Und du hast nur gesagt, das Universum wäre noch nicht bereit für deine Erfindungen. Scheiße! Du hättest den ganzen Konzern vor die Hunde gehen lassen. Was hätte ich denn tun sollen! ~

 

Die Pläne waren so nah, aber sie hätten auch Millionen von Lichtjahren weg sein können. Edward Monrowe hatte seine Geheimnisse in einem selbstentworfenen Tresor eingeschlossen. Jeder Versuch, dieses Ding mit Gewalt zu öffnen, löste mindestens einen von einhundertachtundfünfzig Mechanismen aus. Jeder einzelne sorgte dafür, dass der Inhalt unwiederbringlich zerstört wurde. Es gab keinen klar ersichtlichen Öffnungsmechanismus.

Edward hat einmal zu ihm gesagt. „Mein größter Schatz wacht über meinen größten Schatz. Wenn sie einmal alt genug ist, wird sie vielleicht wissen, was das Klügste ist...“

Martin Adams tröstete sich gerne mit dem Gedanken, er hätte den Mord an seinem besten Freund und dessen Frau angeordnet, um den Konzern zu retten, doch jedes Mal, wenn er die schwere Tresortür betrachtete, wurde ihm bewusst, warum er es tatsächlich getan hatte. Die kleine Lucia war der Schlüssel, soviel war klar. Er hat es nie geschafft, sie zu brechen, und dann war sie ihm einfach entwischt.

 

~Deine kleine Göre ist genauso stur wie du es warst, Eddie. Aber vergiss eines nicht, Martin Adams bekommt immer was er will! ~

 

 Da stand er, dieser überdimensionale Tresor. Wie eine Verhöhnung. Adams schleuderte frustriert das halb volle Champagnerglas dagegen das in Tausende kleine Kristallsplitter zersprang.

 Dann stand er auf, strich seinen weißen Anzug wieder glatt, richtete sich die Krawatte und übte vor dem Spiegel noch einmal sein Gewinnerlächeln. Elegant öffnete die Tür zu seinem Büro, er hatte schließlich Gäste.

 

 

___

 

 

Roche spie auf den staubigen Boden aus. Das Gestöhne und das Gewimmer von diesem Runicer hatte endlich ein Ende gefunden. Vorsichtig an seiner Alten Narbe krazend dachte er über seine weiteren Schritte nach.

Jetzt würde zuerst der ekelige Teil kommen in dem er den Gedankenfischer wieder von dem geschundenen Körper trennen musste. Roche verzog angeiwedert das Gesicht. Er hasste es diese blutigen, besuhlten Leichen zu berühren und fragte sich ob er genügend Silikonhandschuhe eingepackt hatte.

Dann würde der nervige, arbeitsintensive Teil folgen in dem er das aufgezeichnete Gedankenwirrwar durchforsten und auswerten musste. Er bekam allein bei dem Gedanken daran Kopfschmerzen.

 

 Er klatschte in die Hände und wies seine Leute an, zusammen zu packen. Er würde Seine Männer losschicken um die beiden Namen aus Runicers Aufzeichnungen zum Schweigen zu bringen, damit er sich in Ruhe mit der Auswertung befassen konnte.

Das Jagtwild hatte einen Vorsprung von nur sechs oder sieben Stunden. Wichtig war nun den Anschluss nicht zu verlieren. Er würde Madame Johnson auf das Schiff ansetzen. Die Söldnerin hatte sich mit ihrem Tipp was Runicer anging als hilfreicher erwiesen als es ihr vielleicht bewusst war, und wird wohl ein paar extra Credits nicht abgeneigt sein.

 Hùgo Roche sog die staubige Luft in seine Lungen. Alles war vorbereitet. Die Jagt konnte beginnen.

 

 

___

 

 

Lucia entspannte sich im Pilotensitz der Tiara. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen ihr Schiff persönlich zu starten und aus der Staubigen Atmosphäre von CathCart zu steuern. Sie genoss das sanfte vibrieren der Motoren, das leise Summen der Schildgeneratoren das verlegene piepen der Relais.

Sie hatte soeben den zigsten Systemcheck durchgeführt und es war alles in Ordnung. Runicers Leute haben gute Arbeit geleistet. Lucia machte sich eine geistige Notiz, diesen Heinrich auf ein Bier ins „funny fish“ einzuladen wenn sie das nächste mal nach ChathCart kommt.

 

Zuvor hatte Sie noch einen kleinen Bericht an Mic gesannt, der nun endlich über alles im Bilde war. Die Sache mit der Kopfgeldjägerin hatte sie allerdings verschwiegen. Mic musste schließlich nicht jeden Scheiß wissen.

 

Hinter ihr konnte sie das verlegene Kichern von Elizabeth vernehmen. Logen war immer noch damit beschäftigt allen seinen „neuen“ Mantel vorzuführen, den er sich aus Runicers Fundsachenkiste organsiert hatte. Er war schon lange nichtmehr mit Ernst bei der Sache und alberte nur noch herum, was zumindest die neue Pilotin zu  erheitern schien. Lizzy machte einen ordentlichen Eindruck auf Lucia, auch wenn sie sich etwas am militärischen Gehabe der Pilotin störte. Lucia war es einfach nicht gewöhnt mit M’am oder Sir angesprochen zu werden, und es war ihr auch etwas zu wieder. Aber die Neue war freundlich und voller Tatendrang und sammelte eine Menge Punkte bei Lucia als sie „Scheiße wir werden alle sterben.“ während dem, zugegebener maßen, holprigen Start von sich gab.

 

Lucia erschrak fast, als Chassy von hinten ihre Arme um sie Schlang und ihr eine Kuss auf die Wange drückte. Sie ließ ihren Kopf auf Lucias Schulter ruhen und beide blicken gemeinsam auf das Sternenmehr jenseits des Cockpits. „Du hattest Recht.“ flüsterte sie, „ Sie ist wunderschön, deine Tiara.“ Lucia lächelte und umklammerte Cesirias Hände ganz fest. „Danke.“

 

Später legte sich Lucia allein in ihre Koje. Es war ein verflucht langer Tag und sie war hundemüde. Sie bemerkte das kleine Buch mit grünen Einband das Runicer ihr gegeben hatte. Sie hätte es beinahe vergessen. Neugierig wog sie es in den Händen und gähnte dann herzhaft. Sie legte das Buch wieder auf die Ablage zurück. Jetzt wollte sie nur noch schlafen. Lucia beschloss es ein anderes Mal zu lesen und schloss die Augen.

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Wenn Cathcart eines hatte, dann waren es genug dunkle Ecken und Seitengassen, von denen aus man jemanden ungesehen beobachten konnte. Sarah machte sich diesen Umstand zu Nutze und folgte Lucia sowie den anderen durch die Slums bis zum Raumhafen. Mittlerweile war die Gruppe auf vier Personen angewachsen, welche ziemlich unbeschwert miteinander plauderten und dabei auch nicht sonderlich auf ihre Umgebung achteten.

Leider konnte Sarah nicht herausbekommen, um was genau es sich bei ihrem großen Vorhaben, oder 'Neuanfang' handelte. Ein Bisschen tat es ihr ja schon leid, aber hey, die Welt war halt so und am Ende war sich jeder selbst der nächste.

Sarah war allerdings doch etwas erstaunt, als sie das Ziel der Gruppe sah: Eine Constallation - und sogar scheinbar auch noch einigermaßen in Schuss.

Sie zoomte an das Schiff heran, nahm ein Foto von der ID sowie dem Namen und schickte eine weitere Nachricht an ihren Auftraggeber, einem gewissen Mr. Roche, der im Auftrag von Mr. Adams handelte und Sarah angeheuert hatte.

"L. Monrowe in Begleitung von 3 Bewaffneten. Sind an Bord einer Constallation. Name: Tiara, ID: ME477UEC, Nehme Verfolgung in meinem Schiff auf. J. Johnson."

Nachdem sie die Nachricht verschickt hatte machte sich die Söldnerin auch auf dem Weg zu ihrem Schiff, welches glücklicherweise nicht allzu weit entfernt in einer der Buchten auf sie wartete.

Ein Druck auf ihr MobiGlas öffnete ihr den Einstieg, sie kletterte die Leiter zum Cockpit der Hornet Ghost hoch, stieg ein und setzte den Helm auf. Die Kontrollen begannen zu blinken und der Bordcomputer gab einige piepsende Geräusche von sich als er hochfuhr. "Anil Aerospace Hornet", erklang die synthetische Stimme des Computers als sich die Luke auch wieder schloss. Sie nahm das Display in Augenschein. Der Computer zeigte ihr nach kurzer Zeit die Schiffe im Umkreis an. Eines davon interessierte sie allerdings ganz besonders. Sarah markierte die Tiara und ließ einen Scan des Schiffes laufen. Sie selbst schaltete den Tarnmodus ein, wodurch ein Großteil der im Moment nicht benötigten Systeme abgeschaltet worden und das Schiff somit nur noch schwer auszumachen war. "Los geht's", sagte Sarah zu niemand bestimmten und zündete die Triebwerke.

Edited by Digioso
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Unruhig wälzte Logen sich in seiner Koje hin und her, während er versuchte eine angenehmere Position zu finden um wieder einzuschlafen. Doch wie er sich auch drehte, es war vergebliche Mühe.

Als ihm schließlich bewusst wurde, dass seine Müdigkeit vollends verschwunden war, lugte er vorsichtig in den Gang hinein. Vielleicht ging es ja nicht nur ihm so.

Das Innere der Constellation war nur von dem schummrigen Licht erhellt, welches aus dem Weltraum in das Schiff eindrang. Soweit er wusste, waren sie zurzeit von dem großen Nichts umgeben, schwebten nur so durch die Leere. Bis auf die Lebenserhaltungssysteme und die Scanner war alles abgeschaltet, so dass sie über unangemeldeten Besuch rechtzeitig Bescheid bekommen würden.
Als sich seine Augen an die Umgebung gewöhnt hatten, musste er jedoch feststellen, dass die Mädels allesamt seelenruhig vor sich hinschlummerten.
Seufzend fuhr er sich mit der Hand durch die kurzen Haare.

"Dann bleiben wohl nur wir beide übrig, Lucy..."

So leise wie möglich machte er sich daran aus der oberen Koje herauszuklettern, darauf bedacht niemanden aus versehen aufzuwecken.
Direkt unter ihm hatte Lizzy sich breit gemacht und nuschelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin, das er für einen Moment schon dachte sie wäre aufgewacht. Doch als sich nichts weiter rührte, entschied er, dass er sich wohl getäuscht haben musste.
Zuletzt holte er noch sein Gewehr hervor und lehnte es nach kurzem zögern gegen eins der Schlafabteile.

"Warte kurz..."

Mit tapsenden Schritten schlich er sich ins Bad, um sich Erleichterung zu verschaffen.
Die Tür nicht ganz hinter sich geschlossen, hörte er doch kurz darauf ein rascheln und wie etwas klappernd auf dem Boden aufschlug. Hastig beeilte er sich und spähte in den Raum hinein.
Aber abgesehen von dem Schiffsgeräuschen und dem unregelmäßigen atmen der drei, schlug ihm jetzt nur Stille entgegen. Die Quelle des Geräusches war jedoch schnell ausgemacht.

Mitten im Gang lag sein Gewehr, ein Stück von der Stelle wo er es zuvor angelehnt hatte.

~ War ja nicht anders zu erwarten ~

Auf Zehenspitzen lief er wieder zurück.
"Lass das gefälligst!", zischte er Lucy kaum hörbar an, dennoch blickte er sich noch einmal misstrauisch um.

 

Und natürlich blieb sein Blick als erstes an Lucia hängen. Er konnte es einfach nicht verhindern, aber...wollte er das überhaupt?
Seit sie abgeflogen waren, hatte sich bei ihr merklich bessere Laune eingestellt. War geradezu auf ihn übergeschwappt. Sie hatte sogar über ein paar seiner dämlichen Witze gelacht, wobei ihm erst im Nachhinein bewusst wurde, wie albern er sich dabei aufgeführt haben musste.
Trotzdem, bei dem Gedanken an ihr helles Lachen durchfuhr ihn ein wohliger Schauer.

~ Verflucht, nein!...es war wie sie gesagt hatte...nur Stressabbau...mehr war da nicht...~

Eine Bewegung ließ ihn aufschauen. Chassy hatte sich zu ihm herumgedreht, schien aber immer noch zu schlafen.
Bei ihr war es bloß noch komplizierter, war sie ihm doch auch weiterhin ein einziges Rätsel. Dabei war er so kurz davor gewesen, sie....er konnte es nicht einmal sich selbst erklären was in der Bar mit ihm geschehen war.
Sie konnte gut mit Klingen umgehen, wenigstens das wusste er genau. In der Bar hatte er sie einfach nur kalt erwischt, da war er sich sicher.

~ Unter gleichen Bedingungen...vielleicht lässt sie sich ja mal zum tanzen überreden ~

Als er sein Gewehr wieder aufhob, bemerkte er sofort Lucys Zustimmung.

"Hmm...das dir das gefallen würde war mir gleich klar."

Bevor er sich seinen nagelneuen Mantel greifen konnte, verharrten seine Augen noch einen Augenblick skeptisch auf Lizzy.
Sie hatte bisher nicht weiter über die damalige Zeit geredet und er fragte sich ob sie überhaupt etwas wusste. Dennoch nagte die Ungewissheit an ihm. Torin wusste mehr über seine Vergangenheit als ihm lieb war...wie viel hatte er ihr wohl erzählt?

Lucy brachte ihn letztendlich dazu sich abzuwenden und hinüber zur Küche zu schlendern.
Den Mantel hatte er inzwischen übergezogen und erneut musste er über die außerordentliche Verarbeitung staunen. Die unzähligen Taschen ließen ihn neben Munition, noch so einigen Krimskrams verstauen und sogar für sein Bajonett hat sich eine ideale Halterung finden lassen. Das Runicer so ein Schmuckstück zwischen den Fundsachen liegen ließ, kam schon fast einem Verbrechen gleich.

Die Minibar fand er gut gefüllt vor und so brauchte es nicht lange bis er sich ein passendes Bier herausgeangelt hatte.
Mit dem Blick zum Cockpit setzte er sich an den Tisch und stellte das Gewehr neben sich auf die Sitzbank. Vergnüglich ließ er sich den Alkohol auf der Zunge zergehen und er hätte wohl noch eine ganze Weile im Anblick der Tiefen des Alls schwelgen können, wäre da nicht die eifersüchtige Stimme Lucys zu ihm durchgedrungen.

"Oh, der Sergeant hat dieses also Schiff für nicht gut genug befunden, ja? Haha! Und du bist sicher das es nicht rein zufällig am Captain liegen könnte?", entgegnete er amüsiert.
Er liebte es sie aufzuziehen, wusste er doch um ihr Temperament. Dabei konnte er es aber manchmal auch zu weit treiben....so konnte er sich noch lebhaft an eine junge Rekrutin erinnern, die sich den wohl ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht hatte, ihm Avancen zu machen.
"Wie du Sie vor versammelter Mannschaft zur Schnecke gemacht hast...sowas hast auch nur du geschafft, Lucy..."

Während er so munter weiter vor sich hinredete, bekam er gar nicht mehr mit was sich in seinem Rücken abspielte. So bemerkte er auch nicht wie ihm lautlos ein paar Füße Stück für Stück näher kamen...

Edited by Cypher
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„klick. Erwischt.“ Cesiria umarmte Logen von hinten und ließ eine 9mm Beratta 92 am Zeigefinger vor seinem erstarrten Gesicht baumeln.

Mit der linken angelte die junge Frau nach Logans Bier und schob sich dann lächelnd an ihm vorbei. Die Pistole legte sie im vorbeigehen

neben ihn. Gehüllt in das leichte Schimmern der Anzeigen blieb sie ein paar Schritte vor ihm stehen, den Blick auf die unendliche Dunkelheit

des Alls gerichtet. „Ich liebe den Weltraum, so schön friedlich, findest du nicht auch? Sie machte eine kurze Pause und nahm einen Schluck

des eiskalten Bieres. „Man hört nur das surren des Schiffs, einfach unbeschreiblich.“

 

Logan sah Cesiria an. Hatte sie ihn eben wirklich überrumpelt und wie viel von seinem Gespräch mit Lucy hatte sie mitbekommen ?

 

Das Armee-Shirt klebte feucht an ihrem Rücken, Beine und Füße waren nackt, sie trug sonst nicht mehr als einen Tanga aus schwarzer Spitze.

Keine weiteren Waffen erkennbar. Sein Blick glitt automatisch zu der Pistole neben sich. 9mm Beratta 92 A1 Armeeausführung, Stangenmagazin,

15 Patronen, 975 Gramm... entsichert.

Ich hatte einen wirklich beschissenen Traum. Es war der Tag an dem ich meine Tochter holen wollte, der Tag auf den ich so viele Jahre gewartet hatte.

Jede Minute habe ich es mir ausgemalt. Es hat mich damals am Leben gehalten verstehst du? Ich wollte ihr das alles ersparen, die Schläge, die Angst,

die jede Nacht in dein Bett kriecht und dich nicht schlafen lässt. Die Demütigungen der anderen Kinder und all die Stunden die Ihre Seele für immer

zerfressen hätten. All die Stunden Abartatigkeit und Leid. Diese Menschen hätten mich beschützen sollen. Sie haben mich aber nicht beschützt.“

Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Sie haben mich bespuckt, geschlagen, mich verhöhnt bis ich mich selbst für nicht lebenswert gehalten habe.

Sie haben mich an ihr beschissenen Freunde verkauft. Einem Kind tut man so etwas nicht an, man tut so etwas niemandem an! Am Tag meiner Entlassung

bin ich zurück zu meinen Leuten und habe mir die Credits und Informationen geholt, die ich brauchte. Von den Credits habe ich mir die Beratta gekauft,

mir die Haare machen lassen und mit perfekter Frisur und dezentem Make-up kaufte ich mir einen wirklich schönen schwarzen Hosenanzug und ein paar

viel zu teure Schuhe. Ich ließ mir sogar einen Ausweis anfertigen.“

Cesiria schüttelte kaum merklich den Kopf, Logan ließ sie derweil nicht aus den Augen.

 

"Ich stand vor der Tür ihrer Pflegeeltern. Es war später Nachmittag und die Sonne kitzelte mich im Nacken. Den Ausweis hielt ich lächelnd an die Tür,

die Pistole lag ruhig in meiner Hand und schmiegte sich kalt an meinen Rücken. Langsam öffnete sich die Tür ich legte den Finger an den Abzug...
Die Frau hinter der Tür war bereits tot, diese Kugel hatte ich ihr schon viel zu lange versprochen“

 

Cesiria nahm einen weiteren Schluck Bier und hielt merklich den Atem an.

„Sie hat mich angelächelt Logen. Mein kleines Mädchen saß lächelnd im Arm dieser Frau und strahlte mich aus Sams wunderschönen Augen an.

Irgendwie schaffte ich es im hineingehen die Pistole in meiner Handtasche zu vergraben und dann saß ich dieser Frau gegenüber und trank mit zitternden Händen Kaffee aus filigranem Porzellan. Überall hingen die Bilder einer glücklichen kleinen Familie, die ich um ein Haar zerstört hätte.Ich musste so schnell ich konnte da raus, das einzige Gift im Leben meines Kindes war ich selbst.

An diesem Tag wollte ich keine Rache mehr üben, nicht mal mehr an den Tieren die es verdient hatten.

Ich wollte nur noch von diesem Planeten verschwinden. Um ihretwillen. Der schnellste Weg war die Armee.

Ich habe mit wenigen Unterbrechungen 4 Jahre auf Corin im Killian System verbracht.

 

 

„Marienes?“ Logens Augen weiteten sich ungläubig. „Nie im Leben, wie zur Hölle hast du es zu den Marienes geschafft?“

 

~du hättest wenigstens irgendwas tröstendes sagen können. Aber das Mädchen kann doch nicht wirklich ein Ex Marine sein~

 

Cesiria antwortete mit einem fröhlichen Lächeln und auf einen Schlag war die Trauer aus ihrem Blick verschwunden. „4 Jahre davon 12 Monate auf der Oberfläche.“

 

„Du hast das Trainingscamp 2 mal gemacht?“

 

„Disziplinarmaßnahme“ Ihr Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen und kleine Fältchen bildeten sich um ihre Augen.

 

„Ich hole uns noch ein paar Bier“

Cesiria ging auf leisen Sohlen zum Kühlschrank und kam mit 2 Trägern zurück.

Sie drückte ihm einen der Träger in die Hand.

Die Zwei unterhielten sich noch eine ganze Weile über den Dienst bei den Streitkräften, bis Cesiria plötzlich das Thema wechselte.

„Was läuft da zwischen Lucy und dir?“

„Keine Ahnung Chassy“

„Keine Ahnung?“

Sie stand auf und küsste ihn ohne Vorwarnung

„Logen?“

 

Er war so perplex, mehr als ein verunsichertes „Ja?“ brachte er nicht über die Lippen.

„Wenn du ihr von meiner Tochter erzählst, fängst du dir ne Kugel“

 

Ohne ein weiteres Wort ging sie ins Cockpit und drehte den Sitz.
~ich sollte Lucy fragen, was wirklich zwischen den Beiden los ist~

Edited by Dawn
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Logen schluckte schwer.
Es war als würde mit ihrer Berührung eine Welle fleischgewordenen Feuers von ihr ausgehen, welches unaufhaltsam und in sekundenschnelle durch ihn hindurch rauschte. Als Chassy sich jedoch wortlos von ihm zurückzog, verflüchtigte sich dieses Gefühl genauso schnell wieder, wie es über ihn gekommen war.
Trunken von dem süßen Geschmack ihrer Lippen, schrie sein Körper förmlich nach mehr, doch konnte er ihr nur fasziniert nachblicken.

~ Was hatte das denn jetzt zu bedeuten... ~

Logen schüttelte leicht den Kopf und musste mehrmals blinzeln, ehe er sich wieder von den Auswirkungen ihres Kusses lösen konnte. Erst dann realisierte er was sie zuletzt zu ihm gesagt hatte.

~ Ihre Tochter...ich hätte ja noch so einiges von ihr erwartet, aber eine Tochter...~

Unruhig trippelte er mit den Fingern auf dem Tisch herum, starrte dabei auf die Beretta die sie liegen gelassen hatte.
Nach kurzem zögern griff er nach danach und führte probehalber ein paar geübte Handgriffe an der Waffe durch.
Sie schien noch völlig unbenutzt und nur wenige Kratzer fanden sich auf der Oberfläche. Hatte sie die Waffe überhaupt jemals eingesetzt?
Einen Moment rang er noch mit sich, stand dann aber schließlich auf und folgte Chassy ins Cockpit.

Als er sie so knapp bekleidet vor dem hereinfallenden Licht sah, machte sich bei ihm gleich wieder ein unkontrollierbares Kribbeln breit, welches er aber schnell versuchte abzuschütteln.
"Hey Marine, du hast was vergessen."
Noch bevor sie etwas erwidern konnte, legte er ihr die Beretta in die Hand und ließ seine für einen Moment in ihrer liegen.
"Du glaubst also wirklich du wärst nichts weiter als Gift für deine Tochter?"
"Ja, das hab ich vorhin doch-"
"Ich nicht ... Ich weiß ich kenne dich noch nicht lange, genauso wenig diesen Sam den du erwähnt hast, aber nachdem was du mir erzählt hast, gerade wie du es erzählt hast ... das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Sicher du hast hier und da ein paar Eigenheiten, die dich vielleicht nicht zur Mutter des Jahres machen. Sie ist aber immer noch deine Tochter. Du kannst mir also nicht weismachen, dass du sie nicht gerne kennenlernen möchtest. Ihr beim spielen zusehen, sie lachen zu hören oder sie wieder in den Armen zu halten. Du musst sie ja nicht gleich mit auf das nächstbeste Abenteuer schleifen, einfach nur mit ihr reden wüde schon reichen. Denn früher oder später wird sie bestimmt von dir erfahren.
Was ist wenn sie dann nach dir suchen will und dabei durch all die dreckigen Löcher kriecht in denen du auch schon warst? Meinst du Sam hätte sich das für eure Tochter gewünscht?"
Chassy funkelte ihn wütend aus ihren Augen an, aber Logen konnte den tief sitzenden Schmerz dahinter erkennen. Sie schien etwas sagen zu wollen, drehte sich dann aber wieder den Sternen zu.
Langsam trat er an sie heran und legte ihr vorsichtig die Rechte auf die Schulter.
"Deine Tochter...wie ist ihr Name?"
Eine Zeit lang standen sie nur schweigend da, das Logen schon dachte sie wolle gar nichts mehr sagen.
Dann aber drang ein leises flüstern zu ihm vor, bis es laut genug war das er es verstehen konnte.
"Mireya...ihr Name ist Mireya."
"Hmm...Mireya...ein wirklich guter Name. Ich frag mich ja was sie von mir halten wird."
Chassy ruckte mit dem Kopf zu ihm herum, musterte ihn zweifelnd. War das eine Träne auf ihrer Wange?
"Wie meinst du das?"
"Na, wenn wir sie mal besuchen wirst du sie mir ja wohl vorstellen oder nicht?"
"Wenn wir sie...?", stammelte sie unsicher vor sich hin.
"Genau, und bis dahin bleibst du gefälligst am Leben, ist das klar?"
Als keine Antwort von ihr kam und sie wieder betrübt auf ihre Beretta schaute, griff er nach ihrem Kinn, so dass sie sich ihre Gesichter nun unmittelbar voreinander befanden.
"Also bist du nun dabei oder muss ich mich ganz allein auf die Suche nach ihr machen?"
"Logen du weißt nicht was du d-"
Ob es nun daran lag, dass sie ihn in diesem Moment so sehr an Lucy erinnerte oder es wirklich nur Chassy war der er nicht widerstehen konnte, war ihm selbst nicht ganz klar. Dennoch zog er sie zu sich heran und ließ sich zu einem innigen Kuss verleiten.
Als Logen sie wieder losließ, schaute sie ihn einfach nur sprachlos an, so als könne sie nicht fassen was gerade passiert war.
"Wie sieht es jetzt aus?"
Fast unmerklich nickte sie ihm stumm zu, während ihre katzenhaften Augen immer noch nach einer Regung in seinen Gesichszügen zu suchen schienen, dass alles was er erzählte doch nur eine Lüge war.
"Und was Lucia angeht...keine Sorge ich werd ihr nichts von Mireya verraten."
"Danke."
Logen wollte sich schon aus dem Cockpit zurückziehen, als er noch einmal stehen blieb.
"Sag mal Chassy...?
"Ja?"
"Würde es dir was ausmachen dir etwas anderes anzuziehen?"
"Was?"
"Nun wenn du noch länger in dem Fummel rumläufst, dreht Lucy wahrscheinlich noch völlig durch. Glaub mir das wäre gar nicht gut. Außerdem nun...es...es lenkt ab."
Damit wandte er sich von ihr ab und ließ sie nur noch verwirrter als vorher stehen.

Edited by Cypher
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Das sanfte Summen der Triebwerke hatte Elizabeth in einen traumlosen, ruhigen Schlaf sinken lassen.

 

Es war ein schöner Abend für sie gewesen, abseits von Akademie, militärischem Drill und all den selbstauferlegten Verpflichtungen und Bürden die sie sonst mit sich herumschleppte.

Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern wann sie das letzte Mal so gelacht hatte.

 

Die Anderen schienen nett zu sein. Unbeschwert, scherzend und immer zu einem Spaß bereit. Machte das Leben zwischen Piraten und Kommerz, die tägliche Unsicherheit wo einen der nächste Auftrag hinführen würde zu einem Menschen der die wenigen Minuten die er in relativer Sicherheit verbringen durfte umso mehr genießen konnte?

Elizabeth fand ihren täglichen Halt in militärischem Drill und einem routinierten Tagesablauf der mit Liegestützen nach dem Aufstehen und vor dem zu Bett gehen endete, und ausnahmslos minutiös durchgeplant war.

 

Das alles hatte Torin mit seiner Idee eine neue Laufbahn einzuschlagen zunichte gemacht.

 

Nein – falsch. Sie durfte nicht jedes Mal die Schuld Torin in die Schuhe schieben. Immerhin war es ihre eigene Entscheidung gewesen ihm zu folgen.

Die ersten Tage waren der Horror für sie gewesen: Jeden Tag in einem fremden Raumhafen mitten im Nirgendwo. Fremde Gesichter, fremde Speisen , und – seltsamerweise für sie am Schlimmsten: fremde Gerüche.

 

Es widerte sie an wenn es wie in der Funny Fish Bar nach Alkohol, Schweiß und Erbrochenem stank. Selbst die Betty hatte schon nach zwei Tagen einen ganz eigenen Duft entwickelt, den sie nun kaum noch aus ihrer Kleidung respektive ihrer Nase bekam.

 

Oder war sie das etwa selbst?

 

Die Körperhygiene litt definitiv auf der bisherigen Reise. Der Platz an Bord war stark beengt, und Torin schien sich in den Kopf gesetzt zu haben sie in Bezug auf Körperlichkeit wie eine Fremde zu behandeln, so dass allein schon das Umziehen in der schmalen Hygienekabine eine Tortur war.

 

Ein vertrautes Klappern ließ sie aufschrecken.

 

Metall auf Metall, als wäre eben eine Waffe zu Boden gefallen.

Schritte die sich von ihr entfernten, dann das Plätschern von Wasser.

 

~Wasser? ~ sie lachte in sich hinein als ihr klar wurde das einfach jemand zum Pinkeln gegangen war und die Türe nicht richtig geschlossen hatte.

 

Sie drehte sich wieder um und war gerade wieder dabei einzuschlafen, als sich jemand unter dem Rascheln von Laken aus der Nachbarkoje schälte und sich ebenfalls von ihr entfernte.

 

~2 Pinkler gleichzeitig? Das dürfte interessant werden~

 

Grinsend drehte sie sich wieder mit dem Gesicht zur Raummitte, und blinzelte in die relative Dunkelheit des Schiffs.

 

Die Schiffe der Constellation Serie waren üblicherweise gut beleuchtet, doch bei diesem schon etwas in die Jahre gekommenen Modell schien der Besitzer bewusst einige der Leuchtmittel entfernt zu haben.

Oder war das bei den Nicht-Militär Varianten so normal?

 

Eine Frau schlich auf Zehenspitzen in Richtung der Küche. Das sanfte Nachtlicht zeichnete die Figur der Frau deutlich ab, und Elizabeth glaubte Cesiria zu erkennen, die sich leichtbekleidet in Richtung der Küche bewegte.

 

Eine Reflektion ließ sie mit einem Schlag hellwach werden: Mattes Licht auf dem Lauf einer Handfeuerwaffe.

Diesen Anblick hätte Elizabeth sogar bei stockfinsterer Nacht in einem Tunnel mit verbundenen Augen identifizieren können.

 

~Was hat sie vor? ~

 

Vorsichtig um kein Geräusch zu machen fischte sie ihre eigene Waffe aus dem Holster, das unter dem Kopfkissen ruhte und beschloss nach dem Rechten zu sehen.

Kaum hatte sie die Füße auf den kalten Boden gesetzt, als sie aus der Küche die Stimmen von Cesiria und Logen hörte. Sie unterhielten sich normal, und kurz darauf war auch das Klappern des Kühlschranks zu hören als irgendjemand sich bediente.

 

~Merke: Offenbar ist es hier ganz normal beim aufs Klo gehen eine Knarre mitzunehmen~

 

Sie lächelte leicht als sie ihre Beine wieder unter die warme Decke steckte und die Waffe wieder unter dem Kissen verstaute.

 

Kurze Zeit darauf war sie wieder eingeschlafen.

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Lucia erwachte, krabbelte in Unterwäsche aus ihrer Koje und streckte sich laut gähnend bin in die Zehenspitzen. Sie hatte so gut geschlafen wie lange nicht mehr. Eigentlich konnte sie sich nichtmehr erinnern wann sie das letzte mal so gut geschlafen hatte.

Hier fühlte sie sich sicher.

*es geht nichts über ein Schläfchen in den eigenen vier Wänden.* dachte sie sich, *abgesehen von einer Dusche*

 

Im Bad angekommen traf sie auf Elizabeth, die gerade dabei war ihre Zähne mit einer Bürste zu reinigen.

 

„Kaptein an Deck!“ Lucias Kommando ließ sie kurz strammstehen, ein alter Reflex, den die ehemalige Soldatin nur schwer wieder loswerden würde. „Stehen sie bequem, Soldat.“  Lucia kicherte und gab Elizabeth einen freundschaftlichen Klaps auf den Hintern. „ Guten Morgen Liz. Sei so gut und check die Maschinen durch, “ Lucia begann sich völlig ungeniert ihrer letzten Kleidungsstücke zu entledigen, während sie weiter sprach. “Ich bin gleich bei dir, mittlerweile müssten wir ja erfahren haben wohin s geht.“

 

Elizabeth spuckte aus und blickte in den Spiegel in dem sich hinter ihr, die fast nackte Lucia abzeichnete. Sie kam nicht umhin hinzugucken. Lucia war ja schließlich auch einen Blick wert. Die junge Frau im Spiegel hatte den Körper einer zwanzigjährigen. Nur die zahlreichen Narben, wenn auch gut verheilt erzählten die Geschichte der Frau Anfang dreißig. Alte Schusswunden an der linken Schulter und ein am Rücken, verheilte Schnitte an Bauch und Oberschenkel,  ein paar alte und ein paar frische Blessuren und Kratzer. Sie bemerkte die Tatoos am Rücken, auf der rechten Schulter, am Bauch und im Schambereich. Jedes einzelne erzählte seine eigene Geschichte.  Eigentlich Kleinigkeiten welche die mädchenhafte Gestallt nur interessanter machten.

„Aye Sir.“ Gab Lizzy leicht spöttisch, zu Antwort, dann spülte sie den Mund aus und ging.

 

Nackt schlüpfte Lucia unter die Dusche und genoss das heiße Wasser. Der Dampf lies das Glas der Duschkabine beschlagen. Während ihr das Wasser durch die blonden Haare floss musste sie an ihre letzte Begegnung in dieser Dusche denken.

Logen… Lucia musste schmunzeln, Logen war genau das was sie gebraucht hatte. Er hatte einen guten Körper, keine Frage. Er hatte Schneid, einen gesunden Sinn für Blödeleien und er war definitiv vollkommen Irre. Eigentlich die perfekte Kombination.  Ein Teil von ihr wünschte sich, wenn auch nur sehr kurz, Logen würde genau jetzt einfach die Tür aufreißen und in der Dusche über sie herfallen. Lucia schüttelte den Gedanken schnell wieder ab. Ärgerlich mit sich selbst dreht sie das kalte Wasser voll auf und Ihr Körper erstarrte geschockt durch die eisige Dusche. Sie hatte sich insgeheim geschworen niemanden mehr so nah an sich ran zu lassen.

Es genügte ihr Sammy, der in ihren Armen verreckt ist. Das Narbengesicht hat sie angesehen als es auf Sammy geschossen hatte. Sie. Sie war der Grund das Sammy getötet wurde. Lucia hat das nie jemandem erzählt, aber tief in ihr wusste sie es, seit dem Moment als der Schuss viel. Sie war Schuld und das bricht ihr immer noch das Herz. Nie wieder sollte jemand so nah an sie rankommen wie Sammy und Cesiria damals. Sie hatte nur ein Herz das brechen konnte. Lucia begann unter der kalten Dusche zu frösteln, drehte das Wasser ab und trocknete sich ab.

 

„Sei Stark und Lebe.“ Lucia sprach ihr Mantra zu ihrem Spiegelbild, „ Lebe, und gib niemals auf.“

 

  Lucias Laune verbesserte sich wieder, während sie ihre Habseligkeiten nach Ersatzkleidung durchstöberte. Wie eine Katze beugte sie ihren schlanken, halb nackten Körper über ihren Seesack. Während ihre Hände in ihrem Krimskrams wühlten. Da war es. Ein pinkes, bauchfreies Top auf dem die Aufschrift „Go fuck Yourself“ in großen neonfarbenen Buchstaben prangte. Lucia schmunzelte als sie daran dachte wie sie, völlig betrunken dem Verkäufer erklärt hatte sie wäre nicht zu alt für sowas. Wenigstens roch es nicht nach Schweiß, Blut und Bar. Schulterzuckend schlüpfte sie hinein. Die alte Hose wich einer zerschlissenen Jean mit breitem Gürtel. Ihre Fliegerjacke, nun, Ihre Fliegerjacke hat sie ohne hin noch nie gewaschen.

Mit weiten Schritten, stolzierte sie in ihren schweren Stiefeln auf die Brücke.

Chassy küsste ihre Freundin auf die Wange und entschlüpfte in Richtung des nun freien Badezimmers. Elizabeth war gerade mit einen Systemcheck beschäftigt. Logen lungerte auf einem der Stühle, eine halbvolle Flasche Bier in der Hand und starrt über Elizabeths Schulter hinweg in die Leere des Alls.

 

„Hey.“ grüßte Lucia den Söldner der gemächlich zu ihr aufschaute. – „Hey.“  Da war er wieder. Dieser verdammte Blick. Diese verflucht hübschen braunen Augen. Lucia schluckte, sie setzte sich neben ihn und machte sich schweigend an der Komm.-Konsole zu schaffen.

 

„Was ist da eigentlich mit dir und Chassy?“ durchbrach Logans Frage die eingetretene Stille.

 

„Chassy und ich?“, Lucia hob erstaunt eine Augenbraue. Logen hatte also doch Fragen. Kein Wunder. Sie haben miteinander geschlafen, gingen in eine Bar um Ihre tote Kameradin zu verabschieden und plötzlich taucht Cesiria auf, wie ein Geist aus einem anderen Leben. Lucia entschied, dass Logen ein Recht darauf hatte es zu erfahren.

 

„Das Ganze ist gut zehn Jahre her.“ begann Lucia während sie die Komm.- Konsole aktivierte. „Ich war damals in einer Entzugsklinik für … naja, jedenfalls hab ich dort Sammy kennengelernt. Wir haben uns quasi sofort in einander verknallt. Wir sind gemeinsam abgehauen aus der Klinik und Sammy hat mich Cesiria vorgestellt. Sie war schon eine Zeit lang mit Sam zusammen und was für Sammy und mich galt, galt auch für Chassy. Ab diesem Zeitpunkt waren wir zu dritt.  Es war… eine gute Zeit. Anders, verstehst du? Wir haben echt viel Blödsinn angestellt und hatten jede Menge Spaß. Gemeinsam haben wir die Pariser Vorstädte unsicher gemacht, wir waren unzertrennlich. Damals haben wir uns für unbesiegbar gehalten, weist du.“ 

Logen stutzte, „ Das heißt du und dieser Sammy, ihr beide habt…?“

Lucia musste lachen. „ Ja, Ich und Sammy, Chassy und Sammy, Ich und Chassy, die meiste Zeit wir alle drei. Wie gesagt, wir haben alles geteilt. Es gab keine Geheimnisse, keine Eifersucht, kein Egoismus. Wir waren damals …. wie zu einem Menschen verwachsen. Das klingt vielleicht blöd aber… ich weiß nicht wie ich es anderes beschreiben soll.“ Lucia drehte sich wieder zu Logen um dem irgendetwas peinlich zu sein schien, Lucia ging darüber hinweg, „ Das Ganze ging gut zwei Jahre so bis….. bis sie Sammy umgebracht haben.“ Sie spürte wie sich ein Klumpen in ihrem Hals formte und ihr die Kehle zu schnürte. Lucia schluckte ihn hinunter und verbiss sich die Tränen. „ Etwas ist damals in mir, gemeinsam mit Sammy gestorben…. Und... es würde mich wundern wenn es Chassy nicht genauso ging wie mir. Ich liebte Cesiria genauso wie ich Sammy geliebt habe…. Aber es war einfach nichtmehr dasselbe. Sie …. hielt mich auf Abstand und irgendwann verloren wir uns aus den Augen. Ich hab dann nur mehr gehört, dass die Cops sie erwischt haben….“ Lucia zwang ein Lächeln auf ihr Gesicht. „ Ich habe nicht geglaubt sie jemals wieder zu sehen.“

 

Sie wandte sich wieder der Komm.-Konsole zu und schnalzte mit der Zunge. „Da, eine Nachricht von Mic……. Alles klar du alter Bastard…..“

Lucia sprang förmlich aus dem Sessel und klatschte in die Hände. Sie war wirklich froh das Thema zu wechseln.  „Also gut Leute, wir haben einen Auftrag. Pick-up innerhalb der nächsten acht Stunden.“

Cesiria kam aus dem Bad mit einer Zahnbürste im Mund, und Lizzy spitzte die Ohren noch mehr.

„Wir müssen versteckt in eine geheime Station eindringen und Mic und seine Leute da rausholen.“ fuhr Lucia fort, “ Mic hat uns einen Tipp gegeben. Ein Versorgungs-Flug hat in acht Stunden ein Rendezvous mit der Station. Eine Constilation, genau wie die Tiara. Das wäre unser Ticket rein. Ich lass mir was einfallen.“

Edited by Cadia
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Lucia kramte eine Zigarette hervor, zündete sie geschickt an und nahm einen tiefen Zug.

~Lass dir was einfallen Mädchen~

Rauchend ging machte sie ein paar Schritte in Richtung den Cockpits.

~Denk nach…. Die Ladung kaufen…die Signatur ändern….~  Schweigend starrte sie durch die Scheibe in die Unendlichkeit des Universums. ~ das dauert… was wenn das andere Schiff schneller ist….verflucht~

Ihre schlanke Hand fuhr durch ihre blonde Mähne.

~Sie abschießen? … Scheiße…. Ich kann doch nicht einfach …. Nein…zu riskant.~

Ein weiterer Zug. Die Finger ihrer freien Hand trommelten gegen ihren Oberschenkel.

~ Gut…. Das ist auch riskant….aber hey…das ist zumindest ein plan mit dem ich leben kann.~

 

Blitzschnell dreht sie sich wieder zu ihrer Crew um.

 

„ Ok …. Ich hab ne Idee!“ Geschwind setzte sie sich auf den zweiten Pilotensitz neben Elizabeth und klopft Koordinaten in die Konsole. „Flieg uns dahin Liz! Das liegt genau auf deren Rute.“ 

Elizabeth übernahm die Koordinaten und speiste sie in den Bordcomputer.

„ Ok?!“ antwortete sie zögerlich. "Du willst das andere Schiff doch nicht einfach überfallen? Oder?“

„So Ähnlich….“ Lucia sprang wieder von ihrem Sitz. „Also Leute! Wir spielen toter Mann. In den Constilations gibt es doch dieses Keramik-isolier-Dings das immer wieder mal durchbrennt. R-zwo-achtundzwanzig oder so“  -  „R-zwo-zweiundachtzig!“ erwiderte Liz, „ Die Keramikkompensoren  verhindert das die Fluxleitungen im Sprungantriebantrieb durchbrennen und wir alle im All verglühen. Bei älteren Modellen werden die Dinger eigentlich laufend defekt. Darum haben zumindest die militärischen Varianten immer Ersatzteile an Bord…..“ – „Danke Liz, genau R-zwo-zweiundachtzig….Chassy… funktioniert unser R-2-82?“ Chassy nickt mit der Zahnbürste im Mund. „Dann sei bitte so gut und mach es kaputt wenn wir dort sind.“  Cesira zuckte mit den Schultern und gab mit vollen Mund ein „wenn du meinft?!“ zurück.

„Also Lucia, was soll der ganze Unsinn?“ Logan war mittlerweile aufgestanden, verschränkte die Arme vor der Brust und stellte die selbe Frage die auch Elizabeth unter den Nägeln brannte „ Werden wir jetzt zu Piraten oder was?“ – „Nein, natürlich nicht Logen, aber zu Gaunern…. Passt auf das ist der Plan…“

 

_____

 

Harold Barnes legte seine Beine auf der Konsole ab. Natürlich registrierte er Namoris missbilligende Blicke. Seine dunkelhäutige Pilotin sah es nicht gerade gerne wenn er im Cockpit herumlungerte. Harold zuckte leicht mit den Schultern. Es war sein Schiff und er lungerte darauf herum wie und wo es ihm passte. Der Flug verlief recht gut, doch er wurde das dumme Gefühl nicht los, dass ihn beschlichen hatte als er den Auftrag annahm. Es war ja nur ein Versorgungs-Flug und die Bezahlung war gut. So hatte ihn zumindest Will, sein Techniker damals überzeugt.

Fast zu gut… Harold teilte die Bedenken die Namori damals geäußert hatte. Zu gute Bezahlung, und die Gerüchte die man gehört hatte. Das Ziel war eine versteckte Einrichtung außerhalb des UEE Raums. Nur ein Idiot würde glauben der Job wäre auch nur ansatzweise legal und Harold Barnes war kein Idiot. Er seufzte leise. Die Bezahlung war gut und hey, er musste schließlich seine Crew bezahlen. Dann die Hypotheken auf sein Schiff, und die Wohnung in Paradise. Seine Frau müsste schließlich die Kinder mit irgendwas füttern.

  Dennoch hatte er ein schlechtes Gefühl. Das war das erste Mal dass er einen Auftrag außerhalb der UEE angenommen hatte, seit er und Namori aus den Streitkräften ausgetreten sind. Ein einfaches Leben unter den Sternen… von wegen.

 

 „Nimm die scheiß Stiefel von der Konsole, Kap!“ Namori bedachte ihn mit einem gefährlichen Grinsen. Harold tat wie ihm befohlen, er wollte nicht mit seiner Freundin streiten und Namori konnte extrem ungemütlich werden. „Mach dir keine Sorgen Kap, wir machen das schon…..schnell rein und wieder raus.“  Harold nickte. ~ Ja…~ dachte er seufzend, ~ Schnell rein und wieder raus.~

 

 

_________

 

 

 

Sarah verfolge die Tiara durch den Sprung-Punkt. Nach dem Hyperraum Sprung checkte sie sofort ihre Tarnvorrichtung. Zufrieden dass alles in Ordnung war blickte sie auf die Koordinaten und bekam große Augen. ~die sind ins Nichts gesprungen? Was zum Teufel haben die vor? ~

Sie wagte einen vorsichtigen Scan.

~ Ihr R-2-82 ist durchgeschmort…~

Konzentriert aktivierte sie das Komm. und baute eine sichere Verbindung auf. Dieser Roche hatte ihr versichert daß das System welches er ihr gegeben hatte nicht in Konkurrenz mit ihrer Tarnvorrichtung stehen würde…. Sie musste darauf vertrauen.

 

„Salute Mademoiselle Johnson! Wie läuft die Jagt?“ Roche war wie immer betont freundlich, fast zu freundlich wie Sarah fand, aber er bezahlte gut. „Ich habe gute Neuigkeiten für sie, Roche. Ihr Ziel scheint ein technisches Problem zu haben und zappelt hir sozusagen am Hacken.“ – „Was meinen Sie mit einem Technischen Problem?“

Sarah grinste, „Ihr R-2-82 ist im Eimer. Die springen eine Weile nirgends hin.“ –„ WO!“ Roches jäher Ausbruch ließ sie kurz im Sitz zusammenzucken. „ich… Ich gebe ihnen die Koordinaten durch.“ – „Tun Sie das!  `alten sie mich auf dem Laufenden! Wir sind in sechs Stunden bei ihnen! Roche ende!“

 

Sarah runzelte die Stirn. Irgendwas gefiel ihr nicht an diesem Kerl. Dass sie wieder zum Abwarten verdonnert wurde war auch nicht gerade ihrer Stimmung zuträglich.

Sie beschloss das Sky.net nach Neuigkeiten zu durchstöbern während sie wartete. Dort erwarteten sie die üblichen Nachrichten aus diesem Sektor. Ein hochrangiger Kartell-Vertreter wurde auf CathCart Angegriffen. Ein unerwarteter Bandenkrieg hat die Sin Nombre‘ in den Horten quasi ausgelöscht und die angrenzenden Banden balgen sich jetzt um den frei gewordenen Platz. Die Abwesenheit von Joggs wurde weiter bemängelt. Dann viel ihr aber eine kleine Randmeldung ins Auge. Der allseits bekannte Gebrauchtschiffhändler Alfred Runicer wurde scheinbar auf bestialische Weise zu Tode gefoltert und seine Mittarbeiter regelrecht hingerichtet. War das wieder nur ein Zufall?  Sarah bekam das laue Gefühl im Magen, dass dem nicht so war.

 

_______

 

„Du willst ihnen das Zeug echt abkaufen?“ Chassy starrte Lucia ungläubig an während sie das ausgebaute R-2-82 in den Händen wog.  „ Ja klar… aber zu unsern Konditionen versteht sich.“ Lucia hatte es sich mittlerweile auf dem Pilotensitz gemütlich gemacht, lächelte verschmitzt und strahlte eine gewisse Selbstsicherheit aus. „ Wir fuchteln dort schließlich mit unseren Kanonen rum, was bleibt ihnen da Anderes übrig. Dann legen wir ihren Antrieb und ihr Komm lahm und lassen ihnen eine Boje da, die ein Notsignal sendet. Das hier ist zwar nicht gerade die beliebteste Handelrute, aber es ist zumindest eine. In drei – vier Tagen haben die Hilfe. Wir haben die Ladung, ändern unsere Signatur, machen unseren Job fertig und alle sind zufrieden.“

Lucia bemerkte dass Liz nicht gerade so wirkte als ob sie überzeugt davon wäre. Wieder war es Logen der ihre Bedenken zum Ausdruck brachte. „Was wenn sie nicht drauf einsteigen?“  - „Wir müssen einfach lügen bis sich die Balken biegen. Keine Sorge Logen ich krieg das hin…“ – „ Nein, du verstehst nicht Lucia. Was wenn die nicht mitspieln. Du weißt schon. Wenn die …einfach nicht mitspieln.“

Lucia lehnte sich in ihrem Sitz nach vorn, ihre Augen wurden hart, ihre Mine ernst und ihre Stimme bekam einen eisigen Unterton. „Dann müssen wir sie eben alle umbringen.“

Lucia stand auf und ging durch die gaffenden Crewmitglieder zu ihrer Koje, wo ihre alte Halbautomatik im Halfter steckte. „Also hoffen wir, dass sie nicht blöd genug dazu sind.“ Behände holte sie Ihre Waffe hervor und Lud sie mit einem Ruck durch. „In den nächsten zwei Stunden sollten sie hier durchkommen. Haltet euch bereit.“

 

 

 

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Kaum das der Sprung beendet war, entdeckte Namori auch schon ihre Constilation, welche einsam durch das All schwebte.
"Hey Kap, ich hab da was auf dem Schirm. Eine Connie."
Schnell kam Harold zu ihr ins Cockpit gelaufen, machte sich doch sogleich ein flaumiges Gefühl in seinem Bauch breit.
"Irgendwas auffälliges?"
"Nein, ist wohl komplett tot... Moment, wir werden angefunkt. Kommt direkt aus dem Schiff."
Ohne noch etwas sagen zu müssen, führte Namori auch schon einen Scan des Schiffes und der Umgebung durch, schließlich wäre der Ort perfekt für einen Hinterhalt.
"Sieht soweit alles sauber aus, Kap. Denen scheint wohl ihr R-2-82 durchgeschmorrt zu sein..."
Harold sah ihr an das ihr die Sache nicht gefiel.
"Was hälst du davon?", fragte er dennoch.
"Ernsthaft? Wir sind außerhalb von UEE kontrollierten Raum insofern... ich trau dem ganzen nicht, besser wir lassen sie links liegen und fliegen weiter."
Ihm war klar das es ein Risiko darstellte, aber er wollte auch niemanden zu einem schleichenden Tod im All verdammen. Kurzerhand hatte er eine Entscheidung getroffen.
"Stell sie durch ich will erstmal mit den reden, dann können wir immer noch weitersehen....sag du inzwischen Will Bescheid das wir vielleicht Besuch kriegen."
"Wie der Käpt'n befiehlt...aber wenn dabei was schiefgeht, will ich ne Lohnerhöhung!"
Seufzend setzte Harold sich an die Konsole und aktivierte das Kom.

-------

Als sich am anderen Ende jemand meldete, fing Lucia sofort an in ihre Rolle zu schlüpfen.
"Ich kann gar nicht sagen wie glücklich ich bin ihre Stimme zu hören! Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben, nachdem uns die letzten beiden Schiffe einfach ignoriert haben und wieder weg gesprungen sind.", ihre Stimme hatte sie sogar noch etwas verstellt, klang dadurch erst recht verzweifelt.
"Jetzt erstmal ganz langsam, meine Dame. Wer sind Sie überhaupt und wen meine sie mit Wir?"
Lucia hatte zuvor noch das Kom auf Lautsprecher gestellt, so dass sie alle mithören konnten.
"Oh entschuldigen Sie, natürlich. Ich bin Silvia Armond und mit mir ist noch mein Techniker auf dem Schiff. Und mit wem habe ich das Vergnügen?"
"Harold Barnes, zurzeit Kapitän des Schiffes das seine Waffen auf sie gerichtet hat und jederzeit feuerbereit ist, sollten sie auch nur versuchen uns reinzulegen."
"Keine Sorge, das wird nicht nötig sein, Harold. Ich darf sie doch Harold nennen, oder? Na wie auch immer, wir haben ein Problem mit unserem..."
"Mit ihrem R-2-82, ja das wissen wir bereits."
"Sie haben uns schon gescannt? Na also, dann haben sie sicher auch bemerkt das wir nichts zu verheimlichen haben. Wenn sie so einen für uns hätten, wären sie unsere Rettung, Harold. Wir könnten auch dafür bezahlen, wenn ihnen das lieber wäre."
Während Lucias Gegenüber einen Moment zu überlegen schien, hatte Elizabeth sich an einen Stuhl neben ihr gelehnt und schaute sie immer noch mit unsicherer Miene an. Als Lucia das bemerkte, warf sie ihr schnell ein paar Zeichen zu, dass schon alles glatt gehen würde.
Cesiria saß derweil an dem kleinen Tisch und war dabei ihre Waffe noch einmal zu überprüfen, schien sie doch ganz darauf zu vertrauen, dass ihre Freundin das schon irgendwie regeln würde.
Logen hingegen hatte schon das Feuer auf die bevorstehende Enterung ergriffen und lief nun immer wieder unruhig im Schiff auf und ab. Er konnte einfach nicht anders, als im Geiste bereits einige der möglichen Vorgehensweisen durchzugehen. Lucy gierte geradezu mal wieder nach einem guten Schlagabtausch und ihr Verlangen war sogleich auf ihn übergesprungen, so hatte er einfach nicht mehr still sitzen können.
Noch völlig in Gedanken versunken, wollte er gerade erneut eine Runde drehen, als er abrupt zur Seite gezogen wurde.
"Jetzt bleib gefälligst mal sitzen, du machst mich noch ganz hibbelig mit deinem rumgerenne.", fuhr Chassy ihn an, als er direkt neben sie auf die Sitzbank plumpste.
"Ich hab doch nur-"
"Hier, halt das mal.", überging sie ihn und drückte ihm ein Teil ihrer Waffe in die Hände.
~ Wunderbar, jetzt bin ich zum Waffenreinigungsassistent befördert worden... ~
Gezwungenermaßen musste er Lucy abstellen, wobei es ihr natürlich gewaltig gegen den Strich ging, das er sich schon wieder so nahe bei Cesiria befand. Schnell haucht er ihr noch ein leises "Sorry" zu.
"Was genau verschlägt sie denn überhaupt in diese Gegend, Miss Armond?", meldete sich dieser Harold wieder zu Wort.
"Nun...das gleiche wie sie würde ich annehmen, ein paar lukrativeren Geschäften nachgehen, als man in den Kernwelten finden würde. Hören sie, Harold, wir sind auch nur ganz normale Leute wie sie. Lassen sie uns ihnen ihr R-2-82 abkaufen und sie werden nie wieder etwas von uns hören, ich bitte sie!", kam es von Lucia, wobei sie sich ihre Verzweiflung diesmal täuschend echt anhörte.

-----

"Ich sag dir die wollen uns verarschen, Kap!", wollte Namori nicht von ihrer Meinung abweichen.
"Bist du sicher? Bis jetzt hörte sich das für mich ganz überzeugend an."
Harold war zwar auch nicht ganz wohl dabei, aber er wollte auch nicht mit dem Gedanken leben, dass er diese Leute den Tod überlassen hatte nur aufgrund seiner eigenen Feigheit.

Außerdem erinnerte ihn die Stimme dieser Silvia einfach zu sehr an seine kleine Tochter, wenn sie etwas von ihm wollte. Er konnte nur hoffen, dass er nicht falsch lag.
"Was sagst du, Will?" gab Namori die Frage an ihren Techniker weiter.
Der stand in seinen grauen Overall etwas verloren da, wollte er nur ungern zwischen die Fronten der beiden geraten.
"Also...ist ja das Schiff des Käpt'n, insofern..."
"Na schön! Vertrauen wir alle der prinzessinhaften Stimme aus dem Kom...tzz, Männer...nehmt wenigstens die alten Schrotflinten mit wenn wir da andocken, klar?"

-----

Als Lucia die Zusage zu hören bekam, schickte sie noch schnell ein überschwängliches Dankeschön rüber, dann trennte sie die Verbindung.
"Jackpot! Wir sind so gut wie drin. Ich hab doch gesagt, das klappt wie am Schnürchen!"
Freudig sprang Lucia auf und fiel Elizabeth um den Hals, die erstmal erschrocken zusammen zuckte.
Logen der die ganze Zeit Cesiria bei rumhantieren mit ihrer Waffe beobachtet hatte, beugte sich noch ein Stück zu ihr rüber.
"Sowas habt ihr schon öfters gemacht, oder?"
"Hmm...vielleicht.", entgegnete sie ihm mit einen hinreißenden Lächeln.
Nachdem Lucia sich wieder von Elizabeth gelöst hatte, kam sie zu ihnen an den Tisch gesprintet.
"Was treibt ihr da noch? Wir haben jetzt ein Schiff zu entern!"

Edited by Cypher
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Gelangweilt blickte Sarah immer wieder auf ihre Anzeigen, um ihr Ziel auch ja nicht aus den Augen zu verlieren. Es war mehr eine Routine als eine Notwendigkeit. Der Computer hatte das Schiff gescannt und behielt die Tiara immer im Fokus.

Allerdings fragte sich Sarah, wo das Schiff wohl hin wollte. Sie hatte das Schiff jetzt schon eine ganze Weile verfolgt und wünschte sich eigentlich nichts sehnlicher als eine Dusche. Das Cockpit ihrer Hornet Ghost war nicht für dauerhafte Aufenthalte ausgelegt und bot kaum genug Platz, um sich einmal richtig zu strecken. Zumal sie ihre Toilette ebenfalls in den Anzug verrichten musste, der zwar über entsprechende Auffangbehälter verfügte, aber alles andere als angenehm war.

Aber der dicke Batzen Credits, der sie am Ende hoffentlich erwartete, ließ sie all dies ertragen.

"Ziel nähert sich dem Sprungpunkt", merkte der Computer an. Sarah nickte und programmierte den Computer entsprechend, so dass er an der Tiara dran blieb. Dann machte sie sich ebenfalls für den Sprung bereit. Die Welt um sie herum verschwamm als sie in den Hyperraum eintrat.

Wenig später erreichten sie wieder den Normalraum. Sarah aktivierte die Tarnvorrichtung der Ghost und wies den Computer an, die Umgebung nach der Tiara abzusuchen. "Ziel erfasst", teilte ihr der Computer nach einigen Augenblicken mit.

Zufrieden dass alles in Ordnung war blickte sie auf die Koordinaten und bekam große Augen. Sie befanden sich mehr oder weniger im Nichts. "Scanne das Schiff", befahl Sarah dem Computer und betrachtete die Ergebnisse. Überrascht sah sie auf. Kein Wunder, dass sie sich hier im Nichts befanden. Das R-2-82 der Tiara schien sich verabschiedet zu haben. Sarah lachte laut auf. Was für ein Glücksfall. Sie betätigte das Kommgerät und kontaktierte ihren Auftraggeber.

„Salute Mademoiselle Johnson! Wie läuft die Jagt?“ Roche war wie immer betont freundlich, fast zu freundlich wie Sarah fand, aber er bezahlte gut. „Ich habe gute Neuigkeiten für sie, Roche. Ihr Ziel scheint ein technisches Problem zu haben und zappelt hier sozusagen am Hacken.“ – „Was meinen Sie mit einem Technischen Problem?“

Sarah grinste, „Ihr R-2-82 ist im Eimer. Die springen eine Weile nirgends hin.“ –„ WO!“ Roches jäher Ausbruch ließ sie kurz im Sitz zusammenzucken. „Ich… Ich gebe ihnen die Koordinaten durch.“ – „Tun Sie das! `alten sie mich auf dem Laufenden! Wir sind in sechs Stunden bei ihnen! Roche Ende!“

Sechs Stunden also noch... Dann würde sie hoffentlich quasi in Geld schwimmen. Auch wenn ihr dieser Roche sehr zwielichtig vorkam. Es war eine Art von Zwielichtigkeit, die ihr sehr unangenehm war und ihr Angst machte. Dieser Typ ging garantiert über Leichen - und es war ihm scheißegal wie viele davon. Sie hoffte nur, nicht ebenfalls eine davon zu werden.

Eine Zeit des Wartens später....

"Ein weiteres Schiff nähert sich unseren Koordinaten". Sarah hatte etwas gedöst und schreckte auf. Müde rieb sie sich kurz die Augen, sah dann auf die Anzeigen und runzelte die Stirn. Ein weiteres Schiff... Hier im Nirgendwo? "Neuankömmling macht Waffensysteme bereit", teilte ihr der Computer mit. "FUCK!", rief Sarah. Wenn das zweite Schiff das Feuer eröffnen und die Tiara zerstören würde konnte sie sich die Credits abschminken. Sarah manövrierte ihr Schiff zu einem herumschwebenden Asteroiden, passte ihre Geschwindigkeit an und fuhr ihre eigenen Waffensysteme hoch. Zur Not würde sie die Tiara verteidigen, auch wenn sie dafür ihre eigene Tarnung würde aufgeben müssen. Sie wartete, aber irgendwie schien kein Schuss zu fallen.

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~Piraten?~

 

Elizabeth schüttelte ungläubig den Kopf und atmete erleichtert aus als Lucia dies verneinte, hob aber sofort wieder die Brauen als sie den Begriff dann einfach durch Gauner ersetzte.

 

~Okay. Drei Möglichkeiten:

Erstens: Knarre an den Kopf halten und abdrücken. ~

Sie schob die Unterlippe vor und hörte nebenbei besorgt Lucias Plan die eigenen Schutzmechanismen zu sabotieren.

 

~Zweitens: Mitmachen und aufpassen dass Torin keinen Wind von der Sache bekommt. Sonst hält er mir die Knarre an den Kopf und das Ergebnis wäre dasselbe wie bei Erstens. ~

 

Die rote Kontrollleuchte auf dem Armaturenbrett ließ sie mit den Zähnen knirschen.

 

~Hoffentlich weiß die Tussi was sie da treibt. Ohne Schirmung sind wir hier mächtig im Arsch.

Wo war ich? Ah richtig: Drittens. Drittens wäre dann wohl eine verflucht gute Ausrede parat zu haben wenn Torin mich fragt was ich angestellt habe. Also natürlich vorausgesetzt wir kommen heil aus der Sache raus~

 

Ihre Mundwinkel bewegten sich langsam aufwärts als ihr plötzlich ~Hey Ho trinkt aus Piraten~  durch den Kopf ging.

 

~Ach fick Dich, Torin. Jetzt wird´s lustig. Und außerdem: Vielleicht bekommen wir so die Kontakte die wir brauchen. Ehrlicher Handel hat er gesagt. Ehrlich. Handel. Ha! Das ist ja fast wie brennendes Wasser – gegensätzlicher kann man Worte kaum verwenden. ~

 

Wesentlich gelassener tippte sie nun auf die Bestätigung des Bordrechners und deaktivierte alle Meldungen zum R-2-82.

Als dann prompt das zweite Schiff auf den Sensoren erschien zuckte sie dennoch zusammen.

 

~Warum sitzt keiner im Geschützturm? Warum ist die P52 unbemannt? Scheiße wenn das Piraten sind! Ach verdammt – warte. Wir sind ja hier im Dschungel das Raubtier. ~

 

Sie versuchte gezwungen auszuatmen, was ihr jedoch nur schwer gelang da Lucia ihr so ungestüm um den Hals fiel dass ihr fast die Luft weg blieb.

 

Es war ein schönes Gefühl umarmt zu werden und sie genoss den Moment der Berührung mehr als sie erwartet hätte. Mit Torin war seit dem Tod seiner Familie quasi nichts mehr anzufangen was sie ihm aber auch kaum verübeln konnte.

 

Logens Kommentar veranlasste sie dann aber dazu sich schnell und ungelenk aus der Umarmung zu lösen. Mit hochrotem Kopf blickte sie wieder nach vorne, zupfte die Uniformjacke zu Recht und versuchte sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, die vor ihnen lag.

 

~Immerhin kann ich sitzen bleiben und auf das Schiff aufpassen während die anderen sich den Schädel wegblasen lassen… Oder? Die werden ja kaum so bescheuert sein und die Tiara unbemannt zurücklassen. Auf der anderen Seite waren sie aber auch bescheuert genug die Schildung ins Nirwana zu blasen. Ach was soll´s. ~

Mit einem Seufzen kontrollierte sie Sitz und Ladestand ihrer Waffe, dann nickte sie Logen zu.

 

„Von mir aus kann´s losgehen.“

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Lucia fuhr sich mit der Hand durch die blonden Haare, Alles musste jetzt sehr schnell gehen.

 „Also gut. Logen, Chassy, ihr kommt mit mir. Fergesst nicht, wir wollen da oben niemanden umlegen wenn’s nicht unbedingt sein muss. Ich hab das Gefühl die wissen gar nicht für wen sie da arbeiten.“ Sie sah wie Elizabeth ihre Waffe durchlud.

„Liz! Tut mir leid aber ich brauch dich auf der Tiara. Bleib an den Konsolen. Wir brauchen da oben einen Drop bevor wir rein gehen.“

Elizabeth sah sie mit großen Augen an. Ein „Drop“ war ein Standard Militär Manöver bei Enter-Aktionen. Im Endeffekt bedeutet es nur das angedockte Schiff kurz anzustupsen um die Verteidiger aus dem Gleichgewicht zu bringen und der Entermannschaft einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Die Cutlass waren dafür bestens geeignet aber eine Constilation war viel behäbiger. Nur ein kleiner Fehler und die Andockschleuse würde sich verformen und jeden der sich darin befindet entweder zerquetschen oder auf schlimmere Art umbringen.

„Einen….einen Drop? Mit einer Consti? Bist…bist du dir da sicher?“

„Bekommst du das hin?“ Lucia war sich darüber im Klaren was sie dieser Liz da abverlangte.

~Beste Pilotin der Streitkräfte. Mal sehen ob Logen nicht übertrieben hatte. Wenn, dann würden sie alle Draufgehen. Keine Zeit für Zweifel, keine Zeit für übertriebene Vorsicht. Jetzt war der Moment an dem jeder zeigen musste was er Wert war. Vor allem sie selbst. Sie musste Mic beweisen, dass sie die Dinge auf ihre Art regeln konnte. Nein, sie musste es sich in erster Linie selbst beweisen.

 Die Sache musste klappen, oder sie könnte ihr neues Leben gleich an den Haken hängen. Eine Crew ein Leben. Vertrauen war wichtig. Sie musste jedem in ihrer Crew uneingeschränkt Vertrauen. Nur so konnte es funktionieren. Keine Lügen, keine Eifersucht. Die Crew wie zu einem Menschen verwachsen.

Lucia grinste. ~ Zeit wieder unbesiegbar zu sein. ~

 

Lucia beobachtete wie es hinter Lizzy Augen zu arbeiteten begann. Sie hatte gerade ihr Leben, das ihrer Freunde und ihres Schiffes in die Hände einer Frau gelegt die sie kaum kannte. Ganz so, als wäre das die natürlichste Sache im Universum.

 

„Liz?“

 

 Elizabeths Blick wurden entschlossener. Schultern nach hinten Brust raus. „Ich schaff das!“ Sagte sie, so als ob sie sich selbst noch davon überzeugen müsste, salutierte und marschierte Richtung Pilotenkanzel, während sie ein, „das... oder ich bring euch alle um.“ murmelte.

 

Harold beobachtet wie das fremde Schiff an den seinem Andockte. Namori stand breitbeinig neben ihm und zielte mit ihrer Schrotflinte auf das Schott. William, der Techniker hatte sich neben dem Knopf positioniert der die Schleuse öffnen sollte und umklammerte seine Pistole so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten.

„Ich halte das immer noch für eine beschissene Idee Kap!“  - „Ganz ruhig Nami. Wenn wir in deren Lage wären, wär ich auch froh wenn uns jemand aus der Scheiße reitet.“

Namori schnaubte verächtlich. „Ich glaub der Schlampe kein Wort. Ich wette die wolln uns hochnehmen.“ -

Harold seufzte,„Es ist ja nicht so dass wir Platinbarren geladen hätten. Nami…. Niemand überfällt einen beschissenen Nahrungsmitteltransporter.“ – „Wir werden ja sehnen.“ Namori beendete die Diskussion mit einem Nicken in Richtung der Andockschleuse. Das andere Schiff hatte sanft angedockt und man konnte Bewegung hinter der Verglasung ausmachen.

Harold ging zum Guckloch und erspähe das Gesicht der Frau mit der er vorhin über Funk gesprochen hatte.

 

Lucia lächelte ihn an und winkte ihm freundlich zu. Der Mann hinter dem Glas nickte nur, ging ein paar Schritte zurück und stellte sich neben der dunkelhäutigen Frau mit dem Gewehr.

„Scheiße, ich glaub die ahnen was.“ Lucia zog ihre Halbautomatik. Hinter ihr machten sich Logen und Chassy bereit. „Ich hab drei Leute gesehen. Zwei voraus, einer links neben dem Schott. Macht euch bereit.“ Lucia klammerte sich mit der linken Hand am Laufgitter fest und beugte die Knie leicht um den Drop abzufedern. Ihre Teamkameraden taten es ihr gleich.

Namori stand breitbeinig neben Harold, die Schrotflinte fest in den Händen.  Aus dem Augenwinkel beobachtete sie, wie er William mit einem Nicken zu verstehen gab das Schott zu öffnen. Sie konnte einfach nicht glauben, dass der Kap so naiv sein konnte. Sie waren hier nicht im UEE Raum unterwegs. Hier draußen war niemand nett. Sie hatte Geschichten gehört. Geschichten von Leuten die einfach so, aus Spaß, Schiffe überfielen. Andererseits musste sie ihrem Kap auch Recht geben. Eine Constilation war nicht gerade ein klassisches Piratenschiff. Zu behäbig. Zu groß, zu…

Das Schott glitt, begleitet von schrillen Warntönen, langsam zur Seite. Namori konzentrierte sich.

~ Drei Leute… scheiße die sind bewaffnet….die klammern sich fest… die werden doch nicht…ein Drop?... Ach du Scheiße!~

 

Lucia wappnete sich innerlich gegen den Drop. Während die Schleusentür zur Seite rollte, schrie sie nur ein Wort in ihr MobiGlass. „JETZT!“

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~0.3 Grad Korrektur Steuerbord, 0.15 Grad Korrektur Topthrust, Haupttriebwerk auf 0.~

 

Einen Moment schloss Elizabeth die Augen als Zahlenkolonnen vor innerem Auge abliefen.

 

~Warum zittere ich eigentlich nicht?~

 

Tatsächlich waren ihre Hände völlig ruhig, und ihre Gedanken so klar wie seit Jahren nicht mehr. Der Adrenalinschub wischte jeden Selbstzweifel, jeden Gedanken an ein mögliches Versagen mit der Macht eines Tsunami beiseite, und ließ nur Platz für das fast digital arbeitende Pilotenhirn das Lizzy einst zu einer der besten Pilotinnen der Streitkräfte gemacht hatte.

Als Lucia ihr von dem Drop erzählt hatte, wäre ihr das Herz fast in die Hose gerutscht, doch jetzt war einfach keine Zeit dazu über ein mögliches Versagen nachzudenken.

 

~Fuck. Was machen die Penner da?!~

 

Die Zahlen auf Lizzys Bildschirm sanken viel zu schnell, und mit gehetztem Blick prüfte sie erneut Annäherungswinkel, Geschwindigkeit und Zustand der Trägheitsdämpfer.

Es sollte alles perfekt sein, dennoch kam das andere Schiff viel zu schnell auf sie zu.

 

~Wie Du mir so ich Dir oder was? Diese Vollpfosten wollen uns rammen? Haben die nicht mehr alle Socken im Spind?~

Ihre Finger huschten so schnell über das Bedienfeld dass ein Betrachter ihre Manöver kaum noch hätte  nachvollziehen können.

 

~Na gut ihr Anfänger. Dann wollen wir mal sehen wer hier fliegen kann.~

 

„Festhalten!“ schrie sie nach hinten, bevor sie die dem anderen Schiff zugewandten Schubdüsen auf volle Kraft stellte.

 

Mit der rechten Hand drosch sie auf den Notverschluß, um die sich öffnende Schleuse zu unterbrechen und die Insassen vor einem kalten Tod in der Unendlichkeit des Alls zu bewahren.

 

Der massige Rumpf der alten Constellation ächzte schwer, und einen Moment befürchtete Liz das Schiff würde auseinanderbrechen, doch die Dämpfer blieben knapp unter dem roten hängen und pendelten sich recht schnell wieder auf gelb ein, als die Constellation langsam ein Rollmanöver um die Längsachse begann.

 

„Ich bringe uns obenrum rüber!“

 

~Klopf Klopf – schau mal wer zum Lieferanteneingang hereinkommt.~

 

Lautes Poltern aus dem Einstiegsbereich ließ sie kurz zusammenzucken, dann jedoch machte sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht breit.

 

~Naja.  Kollateralschaden gibt’s halt immer. Und wo gehobelt wird…

So jetzt weiter im Text: Schub unten auf einhundert Prozent, Seitentriebwerk steuerbord ebenfalls Vollgas.~

 

Ein Rucken ging durch die Constellation. Als die Oberseite der Tiara über den Rumpf des anderen Schiffes schrammte, und dabei so ziemlich alles abriss was sich zwischen den beiden Weltraumkolossen befand.

 

Die Beiden Schiffe drehten sich nun langsam Rücken an Rücken übereinander, und jedes mal wenn eine Antenne oder ein Triebwerk abgerissen wurde ging ein Ruck durch den Rumpf der Lizzy zusammenzucken ließ.

Einen Moment konnte sie durch die Kanzel einen Blick auf den Piloten des anderen Schiffes sehen, der sie fassungslos und mit Tellergroßen Augen über Kopf anstarrte.

Dann neigte die die Tiara weiter um die eigene Achse, bis sie nun mit der Unterseite nach oben auf der anderen Seite des zu enternden Schiffes ankam und mit einem leichten Gegenschub zum Stehen kam.

 

~Knock Knock~

 

Ein kurzer Schub aus den Steuertriebwerken warf die schwere Conni zum Abschluss noch gegen ihr Ziel, und erneut klapperte es aus dem Laderaum.

„Willkommen bei Suicide-Airlines. Wir hoffen sie haben den Flug genossen. Der Ausstieg befindet sich heute über Kopf. Bitte vergessen sie nicht ihr Gepäck!“

Damit entriegelte sie die Schleuse und zog grinsend den Kopf ein, als irgendjemand eine Getränkedose nach ihr warf.

 

~War doch ganz einfach… Nur etwas schade um die Schiffe.

Naja. Aber sie wollte ja unbedingt nen Drop~

Edited by Skybark
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Während die Warntöne der Schleuse auf ihn einschallten, hatte Logen seine Finger fest mit den Maschen im Laufgitter verankert. Das Gewehr hatte er sich über den Rücken geschnallt, damit es nicht störend vor ihm herumbaumelte. Sobald sich dieses Schott aber öffnete, würde er sofort danach greifen können. Mindestens zwei waren bewaffnet, dass hatte er sehen können.
~ Ist zwar ganz nett der Plan, dass niemand auf der Strecke bleibt, aber hier draußen...nicht umsonst heißt es fressen oder gefressen werden. ~
Da würde nicht viel Zeit bleiben um Höflichkeitsfloskeln auszutauschen. Er kannte diese Typen nicht und sollte einer von denen wirklich dumm genug sein eine Waffe auf ihn zu richten, würde Lucy heute ihre Chance noch bekommen, da war er sich sicher.

Bereit den bevorstehenden Drop abzufangen, meinte er schon den überraschten Gesichtsausdruck von einem der Leute zu sehen, als dem klar wurde was sie vorhatten.

~ Damit habt ihr wohl nicht gerechnet, hm? ~
Kurz darauf versperrte ihm jedoch graues Metall die Sicht, was ihn nicht minder Überrascht drein schauen ließ.
"Hey!", entfuhr es ihm empört und ließ das Gitter los, "Liz, was machst d-"
"Festhalten!", übertönte sie ihn, wobei er sich zu spät seines Fehlers bewusst wurde.
Der Schub riss ihn auch schon nach hinten, nur um durch das Rollmanöver wieder nach vorne geworfen zu werden. "Fuuuck..." Er sah die Schleuse auf sich zukommen, konnte aber gerade noch verhindern das er mit dem Kopf zuerst aufschlug. Weniger schmerzhaft war es dadurch aber auch nicht.
"Verdammt, will sie uns umbringen..?", murmelte er leicht angeschlagen. Zwar versuchte er noch irgendwo einen Halt zu finden, doch neigte sich das Schiff bereits wieder.
"Scheeeiße!", kam es ihm über die Lippen, während er an Lucia und Cesiria vorbeisegelte. Leider hatten die beiden genug Mühe damit sich selbst festzuhalten, und so begrüßte ihn scheppernd eine Ansammlung von alten Kisten und losen Gerümpel.

~ Irgendwie hatte ich ihre Flugkünste anders in Erinnerung... ~ "Das nächste Mal flieg ich, kapiert!?", brüllte er zum Cockpit, was aber durch den anhaltenden Lärm größtenteils verschluckt wurde. ~ Wie? Was soll das heißen, das wäre keine gute Idee? ~
Lucy wollte ihm schon einige seiner glorreichen Katastrophen aufzählen, als auf einmal ein kreischender Frauenkörper heranrauschte. Er wurde buchstäblich umgehauen.
Wer immer ihn da traf, sie landete wenigsten einigermaßen weich.
"Mist, alles in Ordnung?"
"Ja, ja.", kam es genervt zurück.
Bevor er feststellen konnte, wer ihm da ein Besuch abgestattet hatte, bemerkte er dass ihm etwas Blut über die Stirn lief. ~ Jetzt hab ich aber langsam genug... ~
Sein Geduldsfaden riss, und das nicht zu knapp. Während er sich wieder aufrappelte, ging ein letzter Ruck durch das Schiff, diesmal konnte er jedoch das Gleichgewicht halten.
Elizabeths Kommentar bedachte er nur mit einem schlecht gezielten Dosenwurf und einem wütenden Schnauben.

Das Gewehr mit aufgesteckten Bajonett vor der Brust, stürmte er auch schon los, darauf vertrauend das Cesiria und Lucia nicht allzu weit hinter ihm waren.
"Jetzt sind wir mal mit Spaß haben dran..."

Edited by Cypher
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Elizabeths Blick huschte über die Konsole, und pfeifend sog sie die Luft durch die Zähne als ihr klar wurde wie groß der Schaden an der Tiara tatsächlich war.

 

~Immerhin ist der Antrieb noch ganz, und die Steuerdüsen sollten uns...~ just in diesem Moment gab die Konsole ein wimmerndes Piepen von sich, dann erlosch das komplette Licht im Cockpit.

 

~ ...Fuck. ~

 

Einen Moment saß Elizabeth nur stumm da und lauschte den Geräuschen die aus dem Laderaum hinter ihr drangen.

 

Mit hochgezogenen Brauen betrachtete sie ein paar Trümmer die an der Kanzel vorbeizogen, und versuchte sie ihrem ursprünglichen Zweck zuzuordnen.

 

~Ich könnte mir die Merlin schnappen und einfach abhauen. Tolle Idee die Kompensatoren zu verjucken.~

 

Frustriert schlug sie mit der Faust auf die Kontrollen, und fuhr überrascht zurück als einige davon träge flackernd wieder zum Leben erwachten.

 

~Und ich dachte sowas gibt’s nur im Film. Hm - okay. Bestandsaufnahme: Klasse - die Küche hat noch Saft. Immerhin kann ich mir also ein kühles Bier hinter die Binde gießen während ich darauf warte dass mich das andere Schiff zu Brei schießt.

Waffensysteme – im Arsch. Triebwerkskontrolle – bye bye. Toll, echt. Die Triebwerke wären online aber die Steuerung ist hin. Wer hat diese Scheissvögel eigentlich konstruiert?~

 

Sie betätigte einige Schalter und nickte zufrieden, als ein stilisiertes Liniendiagramm auf dem Display erschien und die Verbindung der Konsole zu den Energiekupplungen anzeigte.

 

~Na also. Immerhin hats ein Bypass System. Wollen doch mal sehen…~

 

Wenige Tastenkombinationen später meldete der Kühlschrank mit einem lautstarken Piepen das Ende seiner Stromversorgung, während die Verbindung zu den Triebwerken zuerst orange und dann wieder grün dargestellt wurde.

 

<Bypass established> leuchtete kurz unter dem Diagramm auf, was Lizzy mit einem zufriedenen Brummen quittierte.

 

~Waffen wären auch nice, allerdings habe ich das ungute Gefühl dass die gute Tiara so ziemllich all ihre Zähne im Raum verteilt hat als ich ihren dicken Arsch an diesem Dreckseimer da drüben entlangeschrubbt habe. Was haben wir denn noch so zu bieten? Ah, gut. Die Schotts haben noch Energie. Mal sehen ob es irgendwo größere Lecks gibt.~

 

Sie betätigte die Hüllenüberprüfungsroutine, und zuckte nervös zusammen als sie erkannte dass der Rumpf gleich an drei Stellen aufgerissen worden war.

 

~Doppelfuck! Aber wie sagte Sergeant Weatherly immer? Wozu löchrige Socken stopfen wenn man auch Barfuß gehen kann? ~

 

Mit einigen weiteren Kommandozeilen aktivierte sie die Umleitung des Sauerstoffs auf die Atemmasken und die interne Versorgung der Raumanzüge.

 

~So das sollte erst einmal reichen. Hoffe nur niemand kommt auf die bescheuerte Idee den Kampf  in der Tiara auszutragen~

mit geübtem Griff schnappte sie sich eine der Atemmasken und zog sie sich über das Gesicht.

 

~Andererseits: Wäre sicher eine nette Überraschung wenn man plötzlich ganz ohne Sauerstoff dasteht.~

Über das Intercom wählte sie Logens Frequenz  und war froh als er ihr mit einem knappen

 

"WAS?!" antwortete.

 

„Ich dachte nur es könnte Euch interessieren dass die Tiara so im Eimer ist, dass…“

 

„Liz! Mach´s kurz!“

 

„Ja ja schon gut. Der Sauerstoff ist weg. Ich mach jetzt die Luke zu und…“

 

Mit einem Rauschen brach die Verbindung ab, und Elizabeth wartete  noch einige Sekunden bevor sie schulterzuckend die Verriegelung betätigte.

 

~Und jetzt mal sehen ob die Merlin noch funktioniert. Natürlich nur für den Notfall~

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Lucia rappelte sich in der Schleuse wieder auf die Beine. Leise fluchend nahm sie Logens Dosen Wurf und seine kurze komm Diskussion zur Kenntnis. Sie wusste der Drop würde unsanft verlaufen aber…

 

~Verflucht, wehe du hast meine Tiara Schrottreif geflogen Lizzy. ~

 

Wenn dem so war musste die gute Liz, jetzt alleine sehen wie sie damit zurechtkommt.

 

~ es geht los! Weiter im Text.~

 

Ein kurzer Blick zu Chassy hinüber verriet ihr das ihr alte Freundin ebenfalls auf den Beinen war. In der einen Hand das Messer in der Anderen eine Pistole, die schwarzen Haare die ihr ins Gesicht hingen. Sie sah wirklich furchterregend aus. Logen hatte bereits sein Bajonett aufgepflanzt und stand breitbeinig da. Man konnte unmöglich sagen ob er sich im Griff hatte oder nicht. Sein Gesicht war eine Maske. Ein eingefrorenes ausdrucksloses Lächeln, Augen die gleichgültiger nicht sein konnten.

Lucia nickte den beiden zu. Sie bemerkte ihre alte Halbautomatik, sie lag jetzt locker in ihrer Hand. Ihre Fingerknöchel waren immer noch weiß. Ihre schlanken Finger hatten sich während des Drops um ihre Waffe gekrampft wie ein Schraubstock und langsam fand das Blut wieder einen Weg in Hand. Beiläufig schlug sie mit Knauf auf den Öffnungsmechanismus des Schotts und sie stürmten los.

 

Der Mann neben dem Schott versuchte gerade unbeholfen die Laserpistole hochzureißen. Cesiria flog förmlich um die Ecke. Ein Tritt nagelte die Hand mit der Waffe auf Augenhöhe an die Wand. Sie machte eine schwungvolle halbe Drehung über den Ballen ihres Standfußes und ließ ihren Ellenbogen auf das schmerzverzerrte Gesicht des verdutzten Mannes krachen, Sein Kopf schnellte zurück knallte gegen die Wand. Als William langsam wieder zu sich kam, war Cesiria bereits hinter ihm, drückte ihm die Pistole ins Kreuz und das Messer an die Kehle.

 

Logen stürzte Vorwärts auf die Dunkelhäutige Frau zu, die selbst gerade wieder auf die Beine kam und ihre Shotgun in die Höhe Riss. Logan machte zwei schnelle Schritte und stieß mit dem Bajonett zu. Die Klinge verhakte sich irgendwo in der Shotgun und drückte den Lauf zur Seite. Ein Schuss löste sich  prasselnd und Logen verspürte ein entfernter, dumpfer Schmerz im Wadenbereich. Ein Kopfstoß schickte Namori auf das Deck. Als sie wieder zu sich kam blickte sie direkt in Lucys geschwärzten, vernarbten Lauf.

Sie war noch nicht besiegt. Blut sickerte hinter Logans linkem Schienbein Panzerung hervor und tropfte durch die Maschen des Gitterbodens. Sie vollführte einen schnellen, harten Tritt gegen das linke Bein. Der Schmerz wurde plötzlich realer, Logen wurde fast ohnmächtig.

Die Frau rollte sich zur Seite, Logens blinder Schuss ging ins Leere. Ein weiterer Tritt, nun  gegen das Standbein. Logen verlor das Gleichgewicht und fiel. Die dunkelhäutige Wildkatze war über ihm, kaum berührte sein Rücken den krachend Boden. Ein Knie auf seinen Solarplexus gedrückt, raubte ihm die Luft, das alte Armeemesser an seiner Kehle raubte ihm die Optionen. Namori hatte ihn auf gute alte Marines Art, festgenagelt.

 

Lucia hechtete aus dem Schott, der Mann vor ihr, der Captain dieses Schiffes hatte den Drop wohl am besten weggesteckt. Und er war schnell. Beide standen da, die Waffe gezogen. Die Läufe ihrer Pistolen waren nur wenige Zentimeter von einander entfernt. Wie zwei Statuen aus Stein, inmitten eines kurzen Sturms der Gewalt. Ihre Blicke trafen sich über die Läufe ihrer Waffen hinweg. Es war ein Wettstreit des Willens. Jeder wusste sein Schuss würde treffen, ebenso wie die Erwiderung ihres Gegenüber nicht ins Leere gehen würde. Man wog ab, den Schmerz und den möglichen Tod mit der Genugtuung dem Anderen dasselbe zu bescheren. Ein paar schnelle verstohlene Blicke in die Augenwinkel. Die Situation einschätzen. Eins zu eins. Ein Patt. Lucias Augen bohrten sich förmlich in die des Captains. Jeder wusste, wenn jemand die Waffe senken würde, würden Leute sterben, wenn jemand abdrückt, werden Leute sterben. Alle Augen ruhten nun auf den Beiden. Harold dachte an seinen Freund William, seine Frau, die Kinder. Namori hatte Recht behalten. Der Auftrag war zu gefährlich, von Anfang an. Er war zu leichtsinnig gewesen. Zweifel und die Last der Verantwortung wogen schwer in diesem Moment. Verflucht. Das war der Grund warum er die Armee verlassen hatte? Um irgendwo, weit weg von zuhause zu sterben?

 

 Lucia zitterte am ganzen Körper, nur die Hand mit der Halbautomatik blieb ganz ruhig. Alles begann schief zu gehen. Lizzy hat den Drop verbockt, sie konnte ihr nicht die Schuld daran geben, schließlich hat sie nur gemacht was Lucia von ihr wollte hatte. Sie hat gespürt wie ihre Tiara gelitten hat. Sie konnte förmlich den Schmerz des Schiffes spüren, oder zumindest bildete sie es sich ein. Warum das alles? Sie wollte nur ein gewöhnliches Leben. Freiheit, ein eigens Schiff. Selbst bestimmen wie der nächste Tag anfängt und wie er enden wird.

Aber nein, sie musste ja mit diesem Mic gemeinsame Sache machen, musste sich ja auf seinen beschissenen Krieg einlassen. Sie musste ja Logen, Chassy und selbst diese Lizzy mit hinein ziehen.  In ihrem Kopf begann wieder zu arbeiten.

 

Sie drückte ab. Kugeln durchbohrten den fremden Mann vor ihr. Doch der erwiderte augenblicklich und ein scharfer Schmerz durchzuckte ihren Bauch. Die dunkelhäutige Frau schrie auf und schlitzte Logen die Kehle durch. Verrückt vor schmerz stürzte Sie sich auf Lucia. Mitten im Sprung wurde sie zur Seite geschleudert. Cesiria Messer steckte in ihrer Brust. Der Mann den Ihre Freundin unter Kontrolle hielt riss sich los verpasste Chassy einen Tritt der sie halb in die Schleuse zurück schickte. Hastig aktivierte den Türmechanismus. Cesirias Körper wurde von der automatischen Schleuse eingeklemmt und in zwei Teile geteilt. Schüsse zuckten durch den Raum, als der verblutende, nach Luft ringende Logan ein letztes Mal sein geliebtes Gewehr sprechen ließ. Der Mann an der Schleuse wurde von Lucys Zorn fast in Stücke gerissen. Lucia kniete zwischen all den Leichen und blutete Langsam auf das Deck dieses Fremden Schiffs. Sie konnte nur noch das panische Gewimmere von Elisabeth aus ihrem MobiGlass vernehmen, während die Hülle der Tiara nachgab und das alte Schiff auseinander brach.

 

Lucias Augen öffneten sich wieder. Sie waren nur einen Sekundenbruchteil geschlossen gewesen. Nur ein Blinzeln. War es das? Ist das das Ende. Sie hatte diese Scheiße satt. Wenn das Schicksal es so schlecht mit ihr meint soll es sehen was es davon hat.

Ihr Finger krampfte sich um den Abzug ihrer Pistole. Harold Bemerkte diesen Blick in den Augen der jungen Frau. Sie würde es tun.

Lucia fühlte wie sich ihr Finger langsam bewegte, wie sie mit den Schmerzen rechnete, ja, wie sie sich fast darauf freute. ~ Komm und hol mich, Schicksal. Hol mich Tod. Galaxis, scheiß drauf. Ich hab’s so satt. ~

„Warte!“ Harold hob beschwichtigend die andere Hand. „Warte.“ Er ließ seine Waffe sinken.

Lucia machte ein fast enttäuschtes Gesicht.

 

„Das … das muss nicht so ausgehen. Ok?“

 

Lucia nickte. Sie fühlte wie die Tränen in ihr aufstiegen. ~ nicht jetzt…~

 

„HEY Cap? Was soll das werden?!“ – „Lass den Mann los Nami.“ – „Spinnst du?“

 

  Harold wandte sich wieder an Lucia, „Wir können doch darüber reden oder?“ – Sie nickte erneut, langsam senkte sie die Waffe ein wenig.  

 

„Chassy! Lass den Kerl los!“ - Lucias Stimme klang kalt und emotionslos, wie ein säufzer aus einem Grab.

 

Cesiria ließ das Messer sinken und schubste William quer durch den Raum. Der suchte hinter seinem Captain Schutz. 

Dann schritt sie anmutig hinüber zu Logen und der, auf ihm knienden Frau, und drückte Namori den Lauf ihrer Pistole an die Schläfe.

 

„Nami! Na mach schon!“ – „Ich glaub das alles nicht!“ fluchend ließ sie von Logen ab, bedachte Cesiria mit einem wilden Blick und gesellte sich trotzig zu ihrer Crew.

 

Lucia merkte wie sich der angestaute Fatalismus in ihr langsam löste. Hatte sie das gerade tatsächlich gemacht? Wollte sie es einfach so eskalieren lassen? Es hier und jetzt beenden? Der Raum fordert seinen Preis…. Ist sie nun endgültig Irre geworden, ohne es zu bemerken?

 

Harold war der Erste der seine Stimme  wieder fand. „ Also, ich weiß nicht was sie wollen, wir haben Versorgungsgüter geladen, also…..“ – „Genau dass!“ Lucia fand ihre Fassung schnell wieder. Zurück zum Plan. So tun als wäre nichts passiert.

„Die Sache sieht so aus, wir übernehmen eure Ladung. Alles. Wir sind aber keine Piraten… also werden wir euch den Einkaufspreis ausbezahlen. Dann werden wir eurer Komm und euren Antrieb kaputtmachen und euch hier zurücklassen. Wir lassen euch natürlich eine Boje da, die ein Notsignal sendet.“  - „ ist das Alles?“ gab Harold eisig zurück.

  „ Ja.“ – „Und wenn wir uns weigern?“ – „Dann bringen wir euch alle um, rauben euch aus, und jagen diesen Kahn in die Luft.“  Lucias Blick ließ keinen Zweifel an dem was sie sagte, sie war selbst ein wenig überrascht darüber. Sie würde es tatsächlich tun. So eine Kaltschnäuzigkeit hatte sie sich gar nicht zugetraut.

 

Harold schluckte schwer, er war eigentlich nicht eingeschüchtert von der frechen blonden Göre, er war eher stink sauer. Zum einen, auf diese Bande Idioten, die ebenso ihr eigenes Leben wie das seiner Crew, riskieren. Beide Schiffe zu Schrott fliegen nur um ihm seine Scheiß Versorungsgüter abzukaufen. Zum anderen auf sich selbst, aus einer Vielzahl von Gründen.

 

„Das… mit dem abkaufen klingt gar nicht so übel, denke ich.“

Lucia setzte ihr Gewinnerlächeln auf. „Großartig!“ Sie streckte ihre schlanke Hand fordernd aus. „Ihre Waffe Captain Harold, bitte.“ Harold drückte ihr, begleitet von einem Schnauben Namoris, die Pistole in die Hand.

 

Lucia wandte sich ab, und aktivierte das MobiGlass an ihrem Handgelenk. „Lizzy! Wie schlimm ist es?“ – „ Oh hey, ähm….schön dass ihr noch am Leben seit….“

– „Liz! Wie schlimm?“

- „ ähh naja, die … Schadenkontrolle läuft noch und naja, um ehrlich zu sein…ziemlich.“

– „Scheiße, ok wir kommen jetzt rüber und….“ – „Nein! … Ich meine…ähh… Wir haben derzeit keine Atmosphäre auf der Tiara, wir haben ein paar Löcher und so ….“

 

Lucia stutzte, sie hatte nicht gedacht dass es so schlimm war.

„ Ok…hör zu Liz. Ich hab zwei Wartungsdrohnen von diesem Runicer gekauft.“

– „ Drohnen? Echt? Ich hab keine gesehen? Wo? …"

  -  „In der Merlin Bucht. Die war sowieso leer.“

– „ Scheiße!“

– „ was? Lizzy?“

– „Oh! .. hehe, nichts.“

– „Also, starte die Drohen und lass sie die Löcher ausbessern! Beeil dich, wir haben nicht viel Zeit.“

– „ Aye aye Cap!“

– „ Melde dich wenn die Atmosphäre wieder steht, Logen muss in die Med. bay.“

–„ Aye, Over und aus!“

 

Lucia fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Die Nachricht über den zustand ihres Schiffs drückte ihr die Tränen in die Augen.

Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen weg, da bemerkte sie Chassy, wie sie auf sie zu kam.

"Hey, Chassy. Ist...ist alles in Ordnung?"

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Cesirias legt ihrer Freundin die Hand auf den Rücken und ließ den Blick über die anwesenden schweifen.

„Wir sollten die Crew fesseln.“ mit einer Kopfbewegung deutete sie auf Namori. „Die da wird Ärger machen.“

 

„Wir haben eine Abmachung, keiner von uns wird gefesselt.“ meldete sich Captain Harold zu Wort.

„Hey! Mir gefällt ihr Befehlston nicht klar“ fauchte Cesiria ihn an und verlagerte angriffslustig das Gewicht.

Namori bewegte sich ebenfalls und hielt abrupt inne, als eine Pistole auf sie gerichtet wurde.

„Versuchs ruhig, dann haben wir ein Problem weniger“

 

„Niemand wird gefesselt und nimm die Waffe runter! Das gilt auch für dich Logan!“

widerwillig ließen beide die Waffen sinken.

„Wir sollten sie wenigstens durchsuchen“

 

„Captain?“
 

„Nun, ich würde es nicht anders machen.“ war Captain Harolds knappe Antwort.

 

Nach einem wortlosen Befehl ihres Captains stellte sich die Crew breitbeinig an die Schiffswand und ließ die die Durchsuchung

über sich ergehen,Namori verspannte sich, als Logen sie unsanft gegen das kalte Metall der Schiffshülle drückte und schließlich

ein Stilett aus dem Schaft ihres Stiefels zog.

„Sauber“ bestätigte Logen knapp und schob erst die vor Wut kochende Pilotin und anschließend denn noch immer verängstigt

wirkenden Schiffstechniker in Richtung der halbrunden Sitznische.

„Hinsetzen und lasst die Hände auf dem Tisch, wo ich sie sehen kann!“

Einzig Harold wirkte ruhig und gefasst.

 

„Hast du die Beiden im Auge?“

„Worauf du wetten kannst. Wir haben die zwei im Blick, keine Sorge:“ Logen lehnte gegenüber der Sitzecke an einer Konsole ,

tätschelte sein Sturmgewehr und wartete darauf jede unachtsame Bewegung mit ein paar Kugeln zu stoppen.

 

„Ich sollte mir das ansehen. Du tropfst hier noch alles voll.“ der gespielte Vorwurf und das bemühte Lächeln überspielten ihre Sorge

nur unzureichend aber zur Hölle, wem mache sie hier etwas vor, sie mochte den Söldner trotz oder vielleicht wegen seiner etwas

undurchsichtigen Art.

„Der Verbandskasten ist unter dem Pilotensitz“ vernahm sie die unsichere Stimme des Schiffstechnikers.

„Willst du ihn vielleicht noch für sie holen?“ bluffte Namori ihn an.“

„Wenn wir dann schneller aus der Nummer raus sind.“ Er lehnte sich mit verschlossener Miene zurück und betastete prüfend seinen Hinterkopf.

„Und wenn sie schon dabei sind, ich glaube ich habe eine Platzwunde.“

 

Chassy holte den Verbandskasten aus dem Cockpit und kniete sich vor Logan.

Vorsichtig lößte sie die Schienbeinpanzerung und schob den blutgetränkten Stoff nach oben.

„Der Kratzer ist halb so wild“

„Nimm die hier und halt die Klappe.“ Sie reichte ihm 2 Pillen aus ihrem privaten Vorrat und goss etwas destilliertes Wasser

über seine Wade um das Ausmaß beurteilen zu können. Wenigstens waren sie gut ausgerüstet...

2 große Kompressen und eine Verbandsrolle später stand sie auf und warf Namori einen weiteren Verband zu.

„Mach dich nützlich“
„Fick dich!“

„Du kannst es auch lassen, es ist sein Kopf Herzchen“

Ja, sie würde jede Gelegenheit nutzen sich zu rächen so viel war sicher. Ihr war es nur recht, Logan würde sie ohne zu zögern erschießen.

Was ihr wirklich Sorgen machte war Lucy, die sich mit Harold unterhielt und jetzt, wo das gröbste vorbei war,

völlig entspannt wirkte. Chassy wusste es besser. Klar, Lucy war bereits früher nicht zögerlich, wenn es hart auf hart kam.

Aber das eben!?  Lucy wollte abdrücken. Früher hätte sie nie so mit dem Tod gespielt. Kopflose Aktionen waren eher ihr

eigenes Ding und Lucy war normalerweise diejenige die sie davor bewahrte es über die Kante zu treiben.
Lucy bemerkte ihren Blick und hob fragend eine Augenbraue.

 

„Will sonst noch jemand was trinken?“ Chassy setzte sich in Bewegung, begann im fremden Kühlschrank zu wühlen und griff

sich ein paar Flaschen Wasser. Sie stellte eine Flasche vor William, ließ Namori mit einem Lächeln aus und stellte ungefragt

eine weitere neben Logan. Sie selbst griff sich wahllos 3 Pillen aus ihrer Innentasche und spülte sie mit einem Schluck eiskaltem

Wasser runter. Lassen wir uns überraschen.

 

„Es ist euch vielleicht nicht klar aber wir tun euch hier einen gefallen. Ich glaube nicht, dass ihr die Lieferung überlebt hättet.

Ihr habt nicht die leiseste Ahnung wen ihr da beliefern wollt."

 

Langsam breitete sich ein warmes Kribbeln in ihrem Körper aus und Chassy lehnte sich neben Logan. Die Anspannung

viel von ihr ab, sie schloss einen Moment die Augen und genoss einfach das Gefühl der Leichtigkeit.

Als sie die Augen öffnete blieb die pulsierende wärme, das Farbspektrum hatte sich allerdings verschoben,

die harten Kanten des Schiffes pulsierten im Takt ihres Herzschlags.

 

„Sie hat recht Captain“ Lucias Stimme vibrierte durch Cesirias Körper und sie unterdrückte einen Seufzer.

 

„Alles klar bei dir“? Logan schickte eine weitere Welle durch ihren Körper und sie lehnte sich an ihn.

„Alles bestens, du bist der mit der Schusswunde“. Es stimmt sogar, sie fühle sich großartig. Vielleicht etwas zu gut

aber wer war sie schon das zu beurteilen.

 

Lizzys stimme riss sie aus ihren Tagträumen.

„ Statusupdate! Die Protokolle sehen gut aus. Gib mir noch zehn Minuten, die Atmosphäre sollte dann wieder stehen.

Ich melde mich, wenn ihr die Schleuse öffnen könnt.“

 

„Ok Lizz, beeil dich, wir wollen hier fertig werden“

„ Aye aye Cap!“

 

„Ihr habt sie gehört.Wenn alle Ruhe bewahren sind wir in spätestens einer Stunde verschwunden.“

Edited by Dawn
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„Wir wollen hier fertig werden… Nänänänänä…“

äffte Liz Lucia nach während sie sich hastig durch die Luft und schwerelose Constellation hangelte, immer darauf bedacht keine der Leitungen zu berühren die sie skrupellos aus Decke und Wänden gerissen hatte um die Querverbindungen wiederherzustellen.

 

Im Großen und Ganzen sahen die Systeme der Tiara wieder relativ brauchbar aus, was man vom Schiff allerdings nicht wirklich behaupten konnte.

 

~Kosmetik. Ich bin mir sicher Lucia hat Verständnis dafür dass ich ein wenig um dekorieren musste. Naja, ist ja eh ein alter Schrotthafen – sie wird´s mit Fassung tragen… hoffe ich~

 

Als sie das Cockpit erreichte stellte sie zufrieden fest dass sich die Energiebänke weitgehend stabilisiert hatten, und die Schwerkraftsysteme wieder über ausreichende Energie zur Aktivierung verfügten.

 

~Na dann Rock and Roll~

 

Sie betätigte den Auslöser und kniff sicherheitshalber kurz die Augen zusammen, da sie ihren eigenen Fähigkeiten als Bormechanikerin soweit traute wie sie das Schiff hätte werfen können.

Mit einem sanften Brummen gingen beide Generatoren wieder in Betrieb, und grinsend öffnete Lizzy die Augen.

 

~Na also! War doch ganz… UAH!~

Mit dem Bauch voran plumpste Sie durch die Kanzel auf den harten Boden.

 

~Scheißkiste! Haben diese verdammten Konstrukteure schon mal was von stufenweiser Anpassung der Atmosphäre gehört?~

 

Einen Moment war sie versucht gegen die Konsole zu treten, besann sich aber eines Besseren als nun auch die Sauerstoffversorgung mit einem blinken ihre Bereitschaft signalisiert.

 

~Ich. Bin. Genial! Lucia wird mir SOWAS von dankbar sein. HA!~

 

Mit einem triumphierenden Lächeln deaktivierte die die Sauerstoffversorgung ihres Helmes und sog die vermeintlich frische Luft gierig in ihre Lungen – nur um sich kurz darauf röchelnd an der Lehne des Pilotensessels abzustützen.

 

~Filter! Die Filter sind im Arsch! Na super… Immerhin ist die Brühe atembar.~

 

Sie verzog das Gesicht und holte erneut Luft, den beißenden Gestank nach altem Schweiß ignorierend.

Kopfschüttelnd begab sie sich dann zur Schleuse, entriegelte das manuelle interne Schloss und ließ das Schott nach einem letzten Kontrollblick durch das Guckloch hinaufgleiten.

 

Zuerst trat Lucia durch das Schott und Lizzy bemerkte sofort wie sich ihre Augen kurz weiteten als sie das Chaos bemerkte das Lizzy in den letzten Minuten in ihrem Schiff angerichtet hatte.

 

Auch der angewiderte Blick als sich ihre Nüstern blähten und sie den widerlichen Gestank der kollabierten Filter wahrnahm entging Lizzy nicht, und vorsichtshalber machte sie einen Schritt zurück, um sich außerhalb von Lucias Reichweite zu bringen.

Edited by Skybark
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Was auch immer sie getan hatten... Anscheinend waren sie damit so langsam irgendwie fertig.

Sarah sah auf ihren rechten Zeigefinger hinab der leicht nervös vor der Raketenkontrolle zuckte. Sie zog ihn zurück. Sarah mochte Feuerwerk, aber im Moment wäre das wohl nicht angebracht gewesen.

Lucia schien zumindest, soweit Sarah das beurteilen konnte, noch am Leben zu sein. ~Es hätte alles soooooo einfach sein können~, dachte sie bei sich. ~Aber nein...~

Die ehemalige Testpilotin seufzte, dachte kurz nach und gelangte dann zu dem Schluss, dass sie ein Problem hatte. Ihre F7C-S Hornet Ghost war zwar prinzipiell ein tolles Schiff, hatte aber einen entscheidenden Nachteil: Sie war ein Einsitzer und der Sitz war nicht groß genug, um noch für einen zweiten Menschen Platz zu bieten.

Allerdings schien sich das Problem von selbst zu erledigen, als auf einem der Displays eine Nachricht erschien und ihr mitteilte, dass Sarahs zweites Schiff, eine Aurora, gerade das System erreicht hatte. Sie hatte das Schiff in einiger Entfernung 'geparkt' und angewiesen, ihrer Hornet automatisch zu folgen und auf Abstand zu bleiben.

Alleine die beiden Schiffe zu kapern dürfte wohl auch eher schwierig zu sein. Überhaupt hoffte Sarah, dass das zweite Schiff sich bald aus dem Staub machen würde. Beide waren nach dem offensichtlich gescheiterten Rammmanöver ordentlich beschädigt worden. Ihre Schilde waren derzeit offline und Sarah hoffte, dass dies auch für die Waffensysteme galt. Zumindest waren die Türme derzeit nicht bemannt, so dass niemand auf sie schießen konnte.

"Problem gelöst", sagte sie halblaut zu sich selbst, als ihr ein relativ verwegener, aber doch recht erfolgsversprechender Plan einfiel. Sie übermittelte eine kodierte Nachricht an ihre Aurora und gab ihr Anweisung, sich ihrer aktuellen Position zu nähern. Sarah konnte die Aurora komplett von ihrer Hornet aus steuern, so dass Lucia im Inneren nichts würde machen können außer zuzusehen. Jetzt musste sie nur noch auf den richtigen Augenblick warten...

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Lucia betrat ihr Schiff mit gemischten Gefühlen. Das Innere war das reinste Chaos. Das gesamte Interieur lag im Raum verteilt herum, nichts war mehr da, wo es hätte sein sollen. Die Glasfront am Cockpit wies einen beachtlichen Sprung auf. Eine der Drohnen war draußen gerade dabei, den Sprung behelfsmäßig zu flicken. Eine Steuerkonsole war durchgebrannt, Leitungen hingen von der Decke und sprühten manchmal bedrohlich Funken.

Sie sog die warme muffige Luft tief in ihre Lungen. Die Filter waren ausgefallen.  Sie bemerkte wie Liz ängstlich ein paar Schritte zurückwich. Am liebsten hätte Lucia sie, sie hätte sie…. Aber der Wutausbruch kam nicht. Es waren Ihre Befehle, die zu dem Desaster geführt hatten. Ihr dämlicher Plan hatte sie fast das Schiff gekostet. Hätte sie fast um ihr neues Leben gebracht. Ihre Befehle, ihre Verantwortung. Sie wusste, ein sauberer Drop mit einer Constilation war fast unmöglich. Die Tatsache, dass sie alle noch am Leben waren, hatten sie Liz zu verdanken. Ruhig atmete sie die stickige Luft wieder aus.

 

„Fliegt sie?“, fragte sie ruhig aber bestimmt.

„Ja.“

Nichts, was nicht wieder repariert werden konnte. Ein Schiff ist wie ein Pferd. Solange es noch galoppieren kann, ist alles in Ordnung.

 

„Gut ….. Gute Arbeit.“

Das ließ Elizabeth stutzen, sie hatte ganz und gar nicht das Gefühl, eine gute Arbeit gemacht zu haben. Warum haute ihr diese Lucia keine runter? Warum brüllte sie nicht rum, warum gab sie ihr nicht die Schuld an dem allem? Alles in allem ärgerte sich Liz darüber, nicht den Kopf gewaschen bekommen zu haben. Auch wenn ihr bewusst war, dass es vielmehr ihr schlechtes Gewissen war, das ihr Schwierigkeiten bereitete. Hatte sie wirklich daran gedacht, die Merlin zu nehmen und einfach abzuhauen?

 

 

Lucia schluckte ihre Wut runter. Sie hatten es geschafft. Das Wie spielt nun keine Rolle mehr. Sie hatten es geschafft und waren alle am Leben. Soweit so gut.

 

„Logen?! Sei so gut und weise unsere neuen Freunde an, mit dem Umladen der Ladung zu beginnen.“ –„ Alles klar!“ tönte es aus ihrem MobiGlass.

 

„Eine der Drohnen soll unsere Signatur ändern. Sobald wir alles haben, verschwinden wir und machen mit der eigentlichen Aufgabe weiter.“

Während sie sprach, stieß sie mit dem Fuß gegen ihr kleines schwarzes Büchlein, das ihr Runicer mitgegeben hatte. Es musste bei dem Tumult aus ihrer Koje hier auf den Gang gefallen sein. Lucia bückte sich, hob es vorsichtig auf und steckte es sich in die Jacke.

 

„Liz, mach bitte weiter mit den Reparaturen, mach unsre Tiara wieder so flott wie möglich.“ Liz nickte und machte sich wieder an die Arbeit.

 

Chesira wartete mit dem Rücken an die Wand gelehnt, die Arme lässig verschränkt, bis Liz außer Hörweite war.

„ Du hättest echt abgedrückt, oder? Wenn dieser Harrold nicht klein bei gegeben hätte… scheiße, du hättest es echt getan, oder Lucy?“ 

Lucia wandte sich an ihre alte Freundin. „Er hat doch klein bei gegeben, oder?“

– „ Lenk nicht ab, Liebes. Du hättest es gemacht, ich hab‘s in deinen Augen gesehen. Du hättest alles hingeschmissen und einfach abgedrückt.“

– „ …Ja.“ 

- „ Wieso?“

Lucia schluckte schwer. Sie fühlte wie ihre Augen sich mit Tränen füllten und kämpfte dagegen an, so gut sie konnte. „ Ich …. Ich weiß es nicht…“, schluchzte sie.

Chesira kam näher und nahm ihre Freundin in den Arm. „Schhhh. Hey. Schon gut.“

Lucia vergrub ihr Gesicht in Chassy, „ nichts ist gut, Chassy, gar nichts“, schluchzte sie. „Ich hatte mich nicht unter Kontrolle… ich ... hätte euch fast alle umgebracht….Scheiße…Ich … ich bin mir einfach über so vieles nicht im Klaren. Ich meine ... du bist wieder da. Was … was gut ist. weil … weil ich dich immer noch liebe, weißt du? Aber das erinnert mich alles an Damals… und das wollte ich vergessen, obwohl ich‘s nicht kann, aber ich versuch‘s trotzdem. Und dann ist das das mit Logen…. Ich … ach Scheiße! Schniefend löste sie sich wieder von Chassy und sah ihr tief in die Augen, während ihre Stimme wieder fester wurde.

„Und jetzt steh ich da und heul wie ein kleines Mädchen. Tut mir leid…“

– „ Muss es nicht, Kleines… es ist okay.“

– „Nein, ist es nicht… Ich hab mich wieder im Griff, Chassy, ok? Sei stark und lebe….“

– „ Lebe und gib niemals auf“, beendete Chesira das Mantra ihrer Freundin.

 Lucia ertrank förmlich in Chesiras Augen. Wie einem alten Reflex folgend küssten sich die Beiden. Es fühlte sich gut an, richtig. Lucia fühlte die Lippen ihrer Freundin, warm und sanft. Ihre Zungen tanzten miteinander. Wie früher, Lucia fühlte sich wieder unbesiegbar. Am liebsten hätte sie Chassy auf der Stelle ausgezogen, aber dafür war jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. Chesira löste sich wieder von Ihr, zwinkerte ihr verspielt zu. „Ich sehe, ob ich Elizabeth bei irgendwas helfen kann“, sagte sie verschmitzt grinsend, bevor sie sich abwandte, um nach Elizabeth zu sehen. Lucia nickte, sie brauchte dringend eine Pause.

 

Auf ihren Weg  zurück in das fremde Schiff kamen ihr Harrold und seine Crew unter, die gerade die schweren Kisten mit den Gütern in die Tiara brachten. Logen überwachte alles, mit seinem Gewehr in Griffweite. Lucia bemerkte den Ausdruck der blanken Wut in den Augen ihrer Gefangenen. Sie verstand gut, wie sich Harrold und seine Crew jetzt fühlen mussten, es würde ihr nicht anders gehen.

Das war etwas, wo sie allein durch mussten. Sie hatten sich mit den falschen Leuten eingelassen und jetzt mussten sie die Suppe auslöffeln, die sie sich eingebrockt hatten. Zumindest kamen sie gesund und lebendig aus der Sache raus. Solange sie Kisten schleppten, hatten sie wenigstens keine Zeit, Unsinn zu machen.

Logen schien über irgendwas zu brüten. Es war nicht das Bein, das ihm Probleme bereitete. Sein Ego war angekratzt. Jedes Mal, wenn ihm diese Namori einen dieser herausfordernden Blicke zuwarf, fühlte er das Blut in sich hochkochen.

„Hey Logen, was macht dein Bein?“ Lucia wusste, dass ihm sein Stolz gerade mehr zu schaffen machte als seine Schusswunde, aber sie machte sich dennoch Sorgen um ihn. „Es geht schon“, brummte er. Die Antwort war ruppiger als er es  beabsichtigt hatte. Lucia konnte sich denken, warum. „Wenn du es drauf angelegt hättest, sie umzubringen, wäre sie tot, bevor sie auch nur ihr dämliches Grinsen aufsetzen hätte können. Aber du hast sie nicht umgebracht….und das ist gut so.“

– Logen schnaubte. -  „Ich meine nur… ich glaube, diese Leute gehören zu den Guten. Sie waren nur… zur falschen Zeit am falschen Ort. Wir sind auch die Guten, weißt du?“ Sie legte die Hand sanft auf seine Brust.“ Auch wenn es manchmal weh tut…“ Ihr Blick blieb länger an seinen Augen heften als es angemessen war. Lucia zog die Hand schnell wieder zurück. Grazil marschierte sie weiter in das fremde Schiff hinein.

 

 

Auf der Brücke angekommen, setzte sie sich auf einen der Stühle, zündete sich eine Zigarette an und nahm einen tiefen Zug, während sie ihre langen Beine auf eine der Konsolen ausstreckte. Sie hatte ein paar alte Schmugglerprogramme, die sie in die Schiffssoftware einspeiste. Nichts besonders Subtiles. Die Software schrieb sich überall drüber. Ein geübter Techniker würde das in drei bis vier Tagen behoben haben und Lucia hielt diesen William für einen sehr guten Techniker. Außerdem wollte sie diesen Leuten nicht noch mehr Ungemach bereiten, wie sie es ohnehin schon getan hatte.

Die Software brauchte eine Zeit, alles zu überspielen. Zeit genug, sich zu entspannen. Sie nahm das kleine schwarze Büchlein zur Hand, schlug die erste Seite auf und nahm einen tiefen Zug. Genüsslich blies sie den Rauch wieder aus und begann zu lesen.

Lucias Augen wurden immer größer, die Zigarette fiel ihr aus der Hand und rollte unbeachtet über den gebürsteten Metallboden. Ein kleiner Klumpen bildete sich in ihrer Magengrube. Mit jeder gelesenen Zeile wurde dieser Klumpen immer größer, immer schwerer, immer scharfkantiger. Er begann ihr die Luft zum Atmen zu rauben. Lucia japste leise, während sie weiter und immer weiter las. Ihre Haut fühlte sich kalt und klamm an. Das Herz schlug ihr bis zum Hals. Mit dem Handrücken wischte sie sich die Tränen aus den Augen, hinter denen langsam ein Bild seine Form annahm, das dem Schmerz Ihres Daseins plötzlich Gestalt, Form und Namen gab.

 Dann hatte sie alles gelesen, was dieses Büchlein her gab und es fiel Lucia aus den zitternden Händen. Das war es also. Die Antwort auf jedes „Warum?“, das sie sich ihr ganzes Leben lang gestellt hatte.

 

 Plötzlich hatte sie das Gefühl, diesen Klumpen in ihrem Magen auskotzen zu müssen. Schwankend eilte sie auf die Toilette. Sie würgte und hustete und als nichts mehr als Schmerz in ihr war, blieb sie weinend und das Universum leise für seine Grausamkeit verfluchend über die Schüssel gebeugt liegen.

Edited by Cadia
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Sarah wurde langsam unruhig. Sie konnte sehen, wie die Anzeigen auf den beiden Schiffen langsam besser wurden. ~Wo bleibt meine Aurora?~, schimpfte sie vor sich hin. Nach dem ziemlich dämlichen Drop, der beide Schiffe zum Glück für sie ziemlich stark beschädigt hatte, schien es jetzt wieder ruhiger geworden zu sein.

Durch die Kameravergrößerung konnte sie erkennen, dass ein Besatzungsmitglied der Tiara (Logan glaubte sie sich zu erinnern) offensichtlich Wache hielt während die Besatzung des anderen Schiffes Kisten auf die Tiara schleppte. Sarah hätte laut gelacht, wenn nicht so viel Geld auf dem Spiel stände. Lucia Monrowe schien also unter die Piraten gegangen zu sein und plünderte gerade fröhlich vor sich hin.

Der Rest von Lucias Besatzung schien wohl das Schiff zu reparieren, während sich Lucia selber nach einiger Zeit in das Cockpit der anderen Conny gesellte und dort irgendetwas an den Konsolen machte. Keiner schien auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, die Geschütztürme der Connies zu bemannen.

Und dann - nach einer schier endlosen Zeit des Wartens, erschien auf Sarahs Radar ein weiterer Blip. Ihre Mundwinkel formten sich zu einem Lächeln, während ihre Finger Befehle eintippten. Ihre unbemannte Aurora positionierte sich in einiger Entfernung hinter den beiden Schiffen.

Die ehemalige Testpilotin seufzte. "Wir hätten das auch einfacher regeln können... Du hättest doch einfach nur auf Cathcart mitkommen müssen und wir alle wären glücklich und zufrieden gewesen, aber nein..."

Sarah unterdessen verließ ihre Deckung ihrerseits so weit, dass sie freie Schussbahn hatte. Sie fuhr die Waffensysteme und Schilde zu voller Stärke hoch und...

Kurze Zeit später erklangen Warnmeldungen der Bordcomputer auf beiden Schiffen: "Achtung! Wir sind erfasst worden! Raketenalarm!"

Die Aura hatte mit ihrem Zielerfassungssystem auf die zweite Conny aufgeschaltet und dort den Antrieb anvisiert, während Sarahs Raketenwerfer genau auf das Cockpit der Tiara zielte.

Kurz darauf rief sie die beiden Schiffe und wartete darauf, dass man ihr antwortete.

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~ Die Guten? ~ Logen hätte fast verächtlich aufgelacht. Es war schon lange her das ihn jemand so genannt hatte... eine Zeit an die er nur ungern zurückdachte.
Bevor er jedoch noch tiefer in dunklere Erinnerungen abdriften konnte, spürte er auf einmal wie sich beruhigend eine Hand auf seine Brust legte. ~ Lucy? ~, ging es ihm sofort durch den Kopf.
Doch es war Lucia die immer noch vor ihm stand und mit ihren wunderschönen grau-grünen Augen zu ihm aufschaute. Genau so wie Sie damals.
Viel zu schnell seiner Meinung nach, glitt Lucias Hand wieder von ihm, ließ aber ein geisterhaftes kribbeln auf seiner Haut zurück.
Logen wusste nicht was er von ihr erwartet hatte, doch verspürte er eine wachsende Ernüchterung mit jedem Schritt den sie sich von ihm entfernte.

Mit einem mulmigem Gefühl im Magen, wandte er sich wieder ihren neuen "Partnern" zu. Das er dabei nicht aufhören konnte, nervös am Abzug seines Gewehrs herumzuspielen, lag nun aber nicht mehr gänzlich an den Blicken dieser Namori. Er wusste, wenn Lucy das von eben auch nur ansatzweise spitz kriegen sollte, wäre die Hölle los. Doch nicht immer bekam sie alles mit, manchmal war auch sie mit ihren Gedanken woanders. Vielleicht hatte er ja Glück. Besser er-
Die schallende Ohrfeige traf ihn wie aus dem nichts, als hätte Lucy nur darauf gewartet. Das er sich dabei fast sein eigenes Bajonett in den Fuß rammte, schien sie nicht groß zu kümmern. Wäre seine Waffe dazu nicht gesichert gewesen, hätte er jetzt wohl auch einige Zehen weniger.
"...das heißt wohl du hast doch alles mitbekommen."
Auch wenn ihre Antwort nur für ihn hörbar war, fiel sie nicht weniger lautstark aus.
"Ich hatte gar nichts vor, sie hat doch nur....moment mal, das wurde mit keinem Wort gesagt. Hör doch..."

----

Logens kleine Darbietung blieb allerdings nicht lange unbemerkt.
"Hat der sich gerade selbst geschlagen?", fragte Will zögerlich und deutete auf ihren Bewacher.
Namori blieb nun auch stehen und besah das Schauspiel, dass sich ihnen bot. Wild schien der Kerl mit einer Unsichtbaren zu streiten, während er sich jetzt bereits zum zweiten Mal eine klatschte. Ein breites Grinsen stahl sich sogleich auf ihr Gesicht. "Ich hab eine Idee...und wenn wir noch etwas warten, brauchen wir uns um den Spinner wohl nicht mehr kümmern."
"Lass es sein, Nami.", meinte Harold hinter ihr.
"Was..?", verständnislos drehte sie sich zu ihrem Captain um. "...hat dir die Tusse nun endgültig den Verstand vernebelt?"
"Mit gefällt das ebenso wenig wie dir, aber wirken die etwa auf dich wie Piraten? Also halt einfach die Füße still, dann verdienen wir in diesem ganzen Schlamassel vielleicht auch noch ein paar Credits."
"Du... wir kennen deren Gesichter, meinst du die lassen uns einfach so gehen? Jetzt ist unsere beste Chance, wenn wir den da überwältigen sinds nur noch drei, die wir...Was ist? Was schaust du so, Cap?"
Sachte tippte ihr im gleichen Moment jemand gegen die Schulter.

---

"Red ruhig weiter, wir würden gerne auch den Rest des Plans hören..."
Logens Stimme war mindestens so schneidend wie sein Bajonett geworden, welches sich nur Milimeter von Namoris Halschlagader entfernt befand. Kalt lächelte er sie an.
Der Techniker der daneben stand, ließ vor Schreck gleich die ganze Kiste fallen, die ihm auch direkt auf den Fuß knallte. Klappernd verteilten sich die Gegenstände auf dem Boden. Von dem fremden Captain kam nur ein resigniertes Kopfschütteln.
"Nein? Dann würde ich vorschlagen ihr macht euch jetzt wieder daran die Ware zu verladen, meinen Sie nicht auch Captain?"
Der blickte ihn noch einen Moment finster an, nickte dann aber zähneknirschend. "Natürlich..."
"Sehr schön...", beiläufig griff Logen nach Williams Schulter , "...aber sollte ich nochmal sowas hören, wird er hier der erste sein dem ich einen Freiflug im All spendiere, klar?."
"Was?! Aber dein-"
"Oh ich weiß was Sie gesagt hat...aber Missgeschicke passieren nicht wahr?", grinste Logen zurück, wobei sein Tonfall nicht verriet ob er nur scherzte, oder es wirklich ernst meinte.
Der schien dadurch nur noch eine Spur bleicher zu werden, sofern das überhaupt möglich war. Mit einem fast schon freundschaftlichen Schulterklopfer, lenkte Logen ihn zur Schleuse hin. "Keine Sorge, solange deine Freunde brav bleiben wirds schon nicht dazu kommen..." ~ Was ich allerdings bezweifle... ~
"Was ist eigentlich aus deinem kleinen Streit geworden?", fragte Namori ihn, als Sie eine der Kisten wieder aufhob.
Misstrauisch hob Logen eine Augenbraue, was wollte sie mit der Frage bezwecken? Dann ließ er sich aber doch zu einer Antwort hinreißen.
"Sagen wir es wurde eine... vorläufige Einigung erzielt.", grummelte er nur und strich an seiner schmerzenden Wange entlang.
"Und jetzt beweg dich!", schnauzte er und schubste sie voran, um ihr schadenfrohes Lächeln nicht sehen zu müssen.

Logen wollte schon hinterher, als er aus dem Augenwinkel Lucia durch das Cockpit stolpern sah. "Lucia?"
Sie schien ihn jedoch gar nicht zu hören und verschwand schon wieder aus seinem Blickfeld. Misstrauisch geworden, aktivierte er sein MobiGlas.
"Chassy? Ich schick die drei jetzt wieder durch, pass mal kurz auf das die keine Dummheiten machen. Bin gleich wieder da."
"Sicher... was ist denn los, gibst Probleme?"
Er zögerte kurz bevor er antworte. "Weiß ich noch nicht..."
Klickend brach die Verbindung ab und er marschierte zurück ins fremde Cockpit.
Halb sah er Lucia aus dem kleinen Kabuff für die Toilette ragen, nur um kurz darauf mit anhören zu müssen, wie sie sich geradezu die Seele aus dem Leib kotzte. Vorsichtig kam er näher.
"Lucia..? Was ist-"
"Nein! Verpiss dich! Lass... lass mich einfach hier liegen!", schrie sie Logen an.
Erschrocken wich er sofort einen Schritt zurück. Nichtmal nach den Ereignissen rund um den Schiffsnamen der "Tiara" hatte er sie so aufgelöst erlebt.
~ Du willst das ich ihr etwas aufmunterndes sage? Du weißt schon noch wie du sie eben- Nein, natürlich nicht...ich weiß ja nichtmal was sie...da liegt was? ~
Hätte Lucy ihn nicht drauf aufmerksam gemacht, hätte er das kleine schwarze Büchlein wohl kaum weiter beachtet. So aber stand er kurz darauf zwischen den Stühlen im Cockpit und hielt ebenjenes in den Händen. Erneut ärgerte er sich darüber, dass sie solche Dinge immer als erstes zu entdecken schien.
Neugierig fing Logen an zu blättern - nur um seufzend feststellen zu müssen, dass alles in Französisch geschrieben war.
"Da kennt man schon so einige Nicht-Menschliche Sprachen, aber das..."
Er wollte schon den nächstbesten Übersetzer anschmeisen, als sich hinter der Cockpitscheibe nach und nach mehrere kleine Lichtpunkte abzuzeichnen begannen. Was er zuerst nur für eine abstruse Lichtbrechung gehalten hatte, entpuppte sich jedoch beim genaueren Betrachten als waschechte Hornet. Und sie fuhr die Waffen hoch.
"Oh, ich wusste die würden sich nicht dran halten."
Schnell vergrub er das schwarze Büchlein in einer seiner Manteltaschen und beeilte sich zu Lucia zukommen.
"Lucia wir haben...ach scheiße!"
Das Elend stand ihr praktisch ins Gesicht geschrieben, während sie ihn nur teilnahmslos anschaute. Kurzerhand zog er Lucia mit einem Ruck wieder auf die Füße.
"Jetzt reiß dich wieder zusammen! Wir kriegen ungebetenen Besuch."
Sie hörte ihm aber gar nicht richtig zu. "Verdammt Logen, lass mich in Ruhe!"
Schließlich sah er ein, dass das so nichts werden würde. Dann kam ihm jedoch eine passende Idee.
Ihre halbherzigen Befreiungsversuche ignorierend, zerrte er Lucia vor sich her und drückte sie gegen die Kabinenwand.
"Ich hoffe das bringt dich wieder zur Vernunft."
Kreischend riss Lucia Augen auf, als sich eiskaltes Wasser aus dem Duschkopf über sie ergoss und in jede noch so kleine Spalte drang.
"Gehts wieder?"
Doch statt einer Antwort, griff sie nach seinem Kragen und drehte den Spieß um. Wütend funkelte sie ihn an.
"Fuck! Was sollte das?! Ich hatte...moment mal, was hast du eben gesagt?"
"Das da Ärger auf uns zu kommt. Eine Hornet um genau zu sein."
Logen bemerkte wie es in ihrem Kopf zu arbeiten begann, während das Wasser immer noch an ihnen herablief.
"Weiß Liz das schon?"
"Äh...Nein?"
Wie zur Krönung des ganzen sprang just in dem Moment der Raketenalarm an.
"Du...ohh, ich fass es nicht! ... Los, komm mit!"
Schon zog sie ihn mit sich und gemeinsam eilten sie zurück zur Tiara.


Die Schleuse zur Tiara öffnete sich und ließ Logen noch ein paar Wortfetzen hören, bevor er eintreten konnte. "...doch total verrückt."
Dann sah er auch schon Harold und seine Crew mit den Händen hinter den Köpfen verschränkt an der gegenüberliegenden Wand sitzen, während Cesiria mit gezogener Waffe daneben stand. Anscheinend war sie nicht ganz untätig geblieben. Dennoch gefiel ihm nicht, wie Namori von Cesiria zu ihm aufschaute.
Mit wenigen Schritten war er bei ihnen. Lucia schnellte unterdessen ins Cockpit, wo Elizabeth fluchend über den Konsolen hing.
"Lass mich raten, ihr habt absolut keine Ahnung wer uns da erfasst hat, oder?", fragte er lauernd.
Erst jetzt bemerkte Cesiria die kleine Pfütze welche sich langsam um Logen bildete. Verwundert blickte sie ihn an, doch er hatte nur Augen für Namori, die schon zu einer bissigen Antwort ansetzte.
"Vielleicht, vielleicht auch nicht. Aber hoffentlich-"
Logens Gewehrkolben ruckte so schnell nach oben das sie nicht mehr reagieren konnte. Mit einem Schlag gegen die Schläfe, rutschte sie bewusstlos zur Seite.
"Bastard! War das wirklich nötig?!"
Harold hätte sich wohl am liebsten auf ihn gestürzt, wäre da nicht der Lauf von Logens Waffe direkt vor seiner Nase gewesen.
"Sonst noch jemand was sinnvolles hinzuzufügen?"
"Ähm...Logen?"
"Was?!"

Edited by Cypher
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~ Gute Arbeit?~

 

Einen Moment stutzte Elizabeth, doch als Lucia sich wieder von ihr abwandte sah sie ein dass das Kompliment wohl irgendwie ernst gemeint gewesen war.

 

Sie salutierte zackig, dann schlenderte sie grinsend zurück zum Cockpit und warf sich in den Pilotensessel, all die herumhängenden Kabel ignorierend.

 

Bei den Streitkräften hätte sie im besten Falle den Kasernenhof mit einem Wischmop ohne Stiel bei Starkregen scheuern dürfen, oder noch wahrscheinlicher ein Verfahren wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum mit anschließender Degradierung zum Latrinenputzer auf Lebenszeit erwartet.

 

Hier jedoch wurde sie dafür gelobt, ein – wenn auch schon betagtes – Schiff zu einer fliegenden Konserve umfunktioniert zu haben.

 

~Vermutlich macht einen das Leben am Rande des Gesetztes einfach zu einem Menschen der jede Handlung schätzt die einen am Leben hält, koste es was es wolle. Hier zählen wohl weniger die Abschuss Quote oder der Erfolg eines Geschwaders, sondern einzig und allein das persönliche Bestehen.  Interessant.~

 

Sie war so sehr mit ihren Gedanken über das Leben dieser fremden Menschen beschäftigt, dass ihr die Lichtpunkte der sich enttarnenden Hornet zuerst völlig entgingen.

 

~Primal instincts? Überleben des Einzelnen? Aber warum funktionieren Sie dann als Gruppe? Klar: Logen hat eine militärische Ausbildung hinter sich, und weiß die Stärke eines gut organisierten Teams sicher zu schätzen, aber der Rest? Warum knallen sich die Typen nicht einfach über den Haufen, sobald sie einen persönlichen Vorteil sehen? Oder unterscheidet uns das etwa von echten Piraten? ~

 

Erschrocken hielt sie inne.

 

Hatte sie eben tatsächlich von diesen Menschen als „uns“ gedacht? Zählte sie sich nach der kurzen Zeit schon zu diesem Haufen Wahnsinniger, die ihren Lebensunterhalt am Rande des Gesetzes verdienten?

Eilige Schritte rissen sie aus ihren Gedanken, und gerade als sie den Kopf hob um den sich nähernden Logen zu begrüßen begann der Raketenalarm zu schrillen.

 

~Oh nein. Oh neinohneinohnein!~

 

Hastig begannen ihre Finger über die kläglichen Reste der Konsole zu huschen, doch egal welche Manöver sie dem Schiff auch in den taktischen Computer prügelte, die Antwort war immer ein klagendes „Fehler“ Geräusch.

 

Irritiert bemerkte sie aus dem Augenwinkel noch dass sich zu Logens Füßen eine Pfütze bildete, was sie aber kopfschüttelnd abtat.

 

~Scheiße! Irgendetwas MUSS doch in diesem Kahn doch noch funktionieren!~

 

Sie spürte wie ihre Hand zu zittern begann, als die Innenwände der Constellation sich auf sie zuzubewegen schienen.

 

~Flipp jetzt nur nicht aus – das ist nur eine Rakete… okay Korrektur … .das sind nur zwei… drei… Raketen die gerade auf uns zukommen…~

 

Ihre Stimme klang unnatürlich schrill in ihren eigenen Ohren, als sie sich mit weit aufgerissenen Augen zu den anderen umdrehte die an ihr vorbei auf die Hornet und die sich nähernden Lichtstreifen blickten.

 

„Ähm Logen?“

 

„Was?“

 

„Da Du Dir ja offenbar gerade ins Hemd gepisst hast ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt einen Schritt zur Seite zu machen und auf die Knie zu fallen.

Ne bessere Idee hab ich nämlich ehrlich gesagt gerade nicht!“

Edited by Skybark
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„ Ganz ruhig.“ Lucia setzte sich in den Sitz neben Eliziabeth. Sie sah verheult aus und wirkte so als ob sie jemand durch einen Fleischwolf gedreht hatte, aber ihre Stimme war gefasst und ihre Augen strahlten eine wilde, ansteckende Entschlossenheit aus.

Lucias Hände huschten über die Konsolen. Niemand würde ihr Schiff zerstören, niemand wird ihre Leute umbringen, jedenfalls nicht kampflos. ~nur über meine Leiche … was tatsächlich bald passieren könnte~

Keine Zeit für Zweifel oder Selbstmitleid, es war Zeit für sie zu handeln, alles zu geben, bis zu letzten.

 

„Logen! Bring die Leute da auf ihr Schiff zurück, schnell!“ Rief Lucia während ihre Finger weiter über die Konsolen glitten.

 

„Scheiße …. Die kommen immer näher… Scheiße…“ Liz war völlig ratlos, ungläubig blickte sie den drei Raketen entgegen, die gnadenlos auf das Cockpit der Tiara zurasten. Sie bemerkte die beiden Reparatur-Drohen die plötzlich von der Arbeit abließen und auf Abfangkurs einschwenkten.

 

 „Hey… Lucia was machen die dämlichen Dinger da? … warst das du?“

 

„Liz, leite die Energie in die Frontschilde!“  - „ Was? … was für Energie bitte?!“

 

Lucia sah kurz zu Liz hinüber, „Alles!“

 

Liz begann zu verstehen. Ihre Hände flitzten flink über die Konsolen während sie nur sanft den Kopfschüttelte.

~Zu wenig Zeit, Das wird knapp. Und dann? Was ist dann? Wie sinnlos das unvermeidliche hinauszuzögern. ~ diese Gedanken gingen ihr durch den Kopf während ihre Hände so schnell wie noch nie zuvor eine Energieumleitung einleiteten. Doch es machte Liz auch Mut, sie hatte was zu tun, für Lucia schien noch Hoffnung zu bestehen, Hoffnung und Zuversicht waren genau die Dinge die einen von einem unausweichlichen Tod ablenkten.

 

Die beiden Drohnen sausten tapfer den Raketen entgegen. „…. Sei stark und lebe…“ murmelte Lucia leise vor sich hin. Die Drohen gingen in gleißenden Explosionen unter. Die dritte Rakete bahnte sich ihren Weg durch die Feuerbälle und hielt weiter auf die Tiara zu.

 

„Luft anhalten!“ Liz schrie es förmlich heraus, nahm einen tiefen Zug von der stickigen Luft und beendete ihre Eingaben. Schlagartig wurde es dunkel auf der Tiara, Lucia spürte wie die künstliche Schwerkraft aufhörte sie in den Sitz zu pressen. Sie legte den Gurt an. Die Frontschilde flackerten kurz in einem bläulichen Knistern von Energie auf. Ein Blick auf die Anzeige zeigte ihr 40% an.  Die Rakete prallte gegen den Schild. ~… Lebe und gib niemals auf…~ Die Explosion ließ die Tiara erzittern.  

 

Sarah fluchte leise. Als ihre Sensoren alle Lebenszeichen an Bord des Zielschiffes angezeigt hatten, konnte sie nicht wiederstehen diese neuen Raketen zu verwenden die ihr Roche gegeben hatte. Die neueste Errungenschaft von Monrowe Enterprise. Die Stunner-Rocket hatte bei weiten nicht die Sprengkraft die normalen Raketen aufwiesen. Ihr Zweck war es auch nicht, Schiffe zu zerstören sondern sie Sturmreif zu schießen. Sie lösen einen Neuronenimpuls aus, der dafür sorgen sollte, dass die Mannschaft des getroffenen Schiffs das Bewusstsein verlieren und einem Enterangriff hilflos ausgeliefert sein würde. Hätte auch nur eine Rakete das ungeschützte Schiff getroffen wären Alle darauf, nun für ein paar Stunden im Land der Träume und sie hätte sich nur zurücklehnen und auf Roche warten müssen. Es wäre perfekt gewesen. Nun hatte sie alle verschossen. Wer konnte schon damit rechnen dass sie ihre Lebenserhaltung aufgeben um die Schilde wieder hochzufahren. Und der Trick mit den Drohnen. Diese Lucia schien klüger zu sein als es den Anschein hatte, oder verrückter. Sarah hoffte jedenfalls diese Monrowe Göre würde zumindest klug genug sein einzusehen, wann sie verloren hatte.  Siegessicher aktivierte sie ihr Com.

 

Lucia nahm die Maske die ihr Chassy reichte dankend an. Liz leitete die Energie wieder in die Lebenserhaltung zurück, was jedoch noch ein paar Minuten dauern konnte. Unter ihrer Maske schien sie tatsächlich etwas euphorisch zu sein.

 

„Das war knapp.“ Lucia war sich nicht sicher ob Chesiras Feststellung ein Kompliment war oder eben nur eine Feststellung. Ihre Freundin beugte sich nah über Lucias Schulter und zeigte mit dem Finger auf die grün blinkende Anzeige an Lucias Konsole.

„Da will wohl jemand mit uns reden.“  Lucia nickte nur und legte das Signal auf die Schiffslautsprecher. Dann stand sie auf und schritt nach vorne um aus der Scheibe des Cockpits durch die Leere zu dem angreifenden Schiff hinüber starren zu können.

Lucias Stimme klang gefasst, wenn der Angreifer sie alle hätte töten wollen hätte er das schon längst getan.  Sie konnte sich schon denken wer das da draußen war. Sie hätte dieses hartnäckige Miststück einfach im Funny fish erschießen sollen.

 

„Was willst du?“   fragte sie eisig.

 

Lucia wusste bereits was sie wollte, und nun war diese Kopfgeldjägerin in der besseren Position was Verhandlungen anging.

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Es dauerte nicht mehr lange, bis jemand auf Sarahs Ruf reagierte.

"SIE", antwortete Sarah knapp. "Falls Ihnen mein zweites Schiff auf sechs Uhr noch nicht aufgefallen sein sollte, werfen Sie vielleicht einmal einen Blick nach hinten."

Sarah war innerlich ziemlich nervös, aber irgendetwas war seltsam. Das zweite Schiff hatte seine Schilde nicht hochgefahren und es machte auch keinerlei Anstalten, die Waffensysteme hochzufahren. Ihre Vergrößerung zeigte auch niemanden im Cockpit. Hatte die Crew der Tiara vielleicht die Besatzung festgesetzt oder gar schlimmeres...?

Sarah tippte schnell einige Befehle ein. Die Aurora schwenkte in Richtung der Tiara und das Zielerfassungssystem markierte diese als Ziel für die nächste Raketensalve. "Wenn Sie auf Cathcart direkt mitgekommen wären, hätte es uns beiden eine Menge Zeit und Arbeit erspart. Sorry, dass es dann jetzt auf die harte Tour sein muss."

Sarah senkte den Blick kurz zu ihren Anzeigen und sah dann wieder auf. "Nette Idee die Lebenserhaltung auszuschalten, um die Schilde hochzufahren. Ich glaube aber kaum, dass sie die nächste Salve aufhalten können."

Ihr Blick wurde ernst und die Stimme nahm einen drohenden Unterton an. "Also, hier ist der Deal: Ihre Besatzung, Ihr Schiff und auch das zweite Schiff sind mir völlig egal. Ich will nur SIE. Ich bin allerdings bereit, gewisse... Kollateralschäden dafür in Kauf zu nehmen."

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