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Cypher's Stories

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Teil 4 - Eine Frage der Schuld (1)

Cypher

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I.

Das Getöse der Großstadt drang in Petrovs Fahrerkabine, während er mit seinen Transporter durch die vollgestopften Straßen tuckerte. Geblendet von den ersten Sonnenstrahlen des Tages, klemmte ein Stim seiner Lieblingssorte zwischen seinen Lippen, während er sein altes Mädchen so gut wie möglich durch den Verkehr manövrierte. Im Radio nuschelte leise ein Nachrichtensprecher vor sich hin, verstummte aber als Petrov ein Schlagloch erwischte und kräftig durchgerüttelt wurde. Fluchend zog er an dem Stim. Komfort war etwas anderes, aber eigentlich wollte Petrov es auch gar nicht anders. Als er auf dem Planeten Aratea mit einem Schwung Siedler hier angekommen war, hatte es zwar viel Schrott gegeben den man ihn andrehen wollte, doch nach einer Weile hatte er genau die richtige Maschine gefunden. Mehrere Jahre fuhr er jetzt schon die verschiedensten Aufträge damit, ohne sich jemals Gedanken über den neumodischen Schnickschnack gemacht zuhaben, der sich inzwischen wie ein Virus in der Kolonie ausgebreitet hatte. Und mit seinem mickrigen Lohn, wäre er sowieso an nichts besseres gekommen.

Doch je näher er nun dem Stadtzentrum kam, so wuchs auch die Anzahl an Schwebern und Raumschiffen. Seit der Antrag auf den Status einer repräsentierten Welt draußen war, ging es hier weitaus geschäftiger zu als gewöhnlich. Durch den Zuwachs der großen Firmen, wurden aber auch zunehmend kleinere Betriebe verdrängt, dessen Konditionen ihm normalerweise wesentlich mehr zusagten. Das schlimmste war für ihn aber immer noch, dass ihm die Leute Tag für Tag suspekter wurden. Alle schwärmten nur noch von der UEE und von den Vorteilen, welche der Anschluss bringen würde. Seiner Meinung nach wurde das alles viel zu sehr aufgebauscht. Für ihn hatte sich nicht viel verändert, immer noch fuhr er Waren zwischen den drei großen Städten hin und her.

Vor ihm schraubten sich die Bürokomplexe in die Höhe, verziert mit den nun überall herumhängenden Bannern der UEE. Ihnen wurde gepredigt, dass sie Sicherheit und Wohlstand brachten. Ihre Leben verbesserten.

"Ohne euch sind wir auch zurecht gekommen...", brummte er verächtlich in seinen Bart und schnippste den Stim aus dem Seitenfenster.

Obwohl sie nicht allzu weit vom Vanduulgebiet entfernt waren, hielten sich ihre Übergriffe in Grenzen. Selbst die Piraten hatten Ruhe gegeben, nachdem sie sich ein paar Mal blutige Nasen holten.

Kontrolle und Credits. Petrov war sich sicher das war der einzige Grund. Eigentlich hatte er gehofft die UEE würde ihre Welt in Ruhe lassen, aber offensichtlich hatten sie etwas gefunden, dass sie haben wollten. Und was einmal im Griff der UEE war, würde so schnell nicht wieder frei kommen.

Fast hätte er seine Ausfahrt verpasst, lenkte aber noch rechtzeitig ein. Er musste einen Umweg nehmen, da die Hauptstraße komplett gesperrt war.

So drängte er sich noch eine ganze Weile durch die verwinkelten Straßenschluchten und kam sogar an dem Haus seiner Schwester vorbei. Kurz überlegte er sie zu besuchen, verwarf den Gedanken aber wieder. Zuviel war zwischen ihnen vorgefallen, unterstütze Sie doch aus ganzen Herzen die UEE Propaganda. Er hingegen wurde schon einige Male fast eingebuchtet, nur weil er ein wenig Kritik geübt hatte. Aber Sie hatte ihn immer wieder rausgeholt, ohne je etwas dafür zu verlangen. Familie halt.

Er lieferte seine Ladung wie besprochen ab und machte sich danach noch auf den Weg zu seiner Stammkneipe. Klein und schäbig, aber ein besseres Bier konnte man nirgends finden.

"Hey Fred, das gleiche wie immer...", sprach er den Wirt an.

"Klar, kommt sofort."

Nachdem Petrov sich auf einen der Barhocker niederließ und einen weiteren Stim hervor holte, schaute er sich um. So wie es aussah war er der einzige Gast.

Fred schob ihm ein Bier und einen Teller mit Essen rüber. Zwar sah es aus wie vorgekaut und ausgespuckt, was ihn aber nicht weiter wunderte bei den billigen Preisen.

"Hast du mit deinem Fraß jetzt auch den letzte Kunden verschreckt, oder wieso ist es hier so leer?"

"Hey, beleidige nie die Kochkünste eines Wirts klar? Die sind sich wahrscheinlich alle die Parade anschauen, haben ja ganz schön was aufmarschieren lassen."

"Der Scheiß läuft heute? Ich dacht das wär nächste Woche..."

Soweit er es mitbekommen hatte, wurde erstmal spontan eine Parade der Miliz abgehalten. Eine Parade für ihre neuen Freunde. Lächerlich.

Er wusste, wenn er mit seiner nächsten Ladung nicht im Verkehrschaos stecken bleiben wollte, musste er schon bald wieder los. Aber bis dahin blieb ihm noch etwas Zeit, also nippte er entspannt an seinem Bier, zog genüsslich an seinem Stim und lehnte sich zurück.

[08:02 AM, einige Wochen zuvor in den Mannschaftsquatieren des 83. Army Infanterieregiments]

Langsam wurde Logen wieder wach und rieb sich verschlafen die Augen. Seine Narbe am Oberschenkel hatte wieder angefangen zu jucken. Zwar war die Wunde gut verheilt, doch dieses kribbeln, es wollte einfach nicht verschwinden.

Neben sich bemerkte er Lucy, welche sich an ihn geschmiegt hatte und ihn mit ihren blauen Augen verträumt beobachtete. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen.

"Gut geschlafen?"

Behutsam strich er ihr durchs Haar.

"Sehr gut sogar."

Eine Weile lagen sie einfach nur so da, lauschten den Geräuschen des Schiffes und genossen den friedlichen Moment.

"Sag mal, was willst du machen? ... Also nach dem Militär."

Mit der Frage hatte er jetzt am allerwenigsten gerechnet. Schließlich waren sie beide noch für mehrere Jahre verpflichtet.

"Danach...Ich weiß nicht, vielleicht würde ich mir ein Schiff kaufen und ein paar einfache Jobs übernehmen."

Ein leises Lachen entfuhr ihr.

"Nachdem was du mit der Freelancer angestellt hast? Das kann ja was werden."

"So schlimm war es nun auch nicht, schließlich hab ich uns heil in den Hangar gebracht."

"Was man von dem Schiff aber nicht unbedingt behaupten kann...", nachdenklich knabberte sie an ihrer Unterlippe, "...aber möglicherweise brauchst du ja bloß eine gut aussehende Co-Pilotin..."

"Kennst du denn zufällig eine?"

Schon verfinsterte ihr Gesicht sich wieder und sie boxte ihm leicht in die Seite.

"Hey, ist ja gut. Und du meinst du kriegst das hin?"

"Deine brachialen Flugkünste zu übertreffen? Das sollte nicht allzu schwer sein."

Da konnte er ihr kaum widersprechen.

"Also ist es abgemacht?"

"Ich suche das Schiff aus.", sagte sie bestimmend, bevor sie ihm einen kurzen, schnellen Kuss schenkte.

"Auch noch Ansprüche stellen? Na warte..."

Als hätte eine höhere Macht praktisch nur darauf gewartet um ihnen dazwischen zufunken, plärrten auch schon fast gleichzeitig ihre beiden MobiGläser los.

"Ernsthaft?", stieß sie verärgert aus.

Seufzend ließ Lucy sich zurück ins Kissen sinken und schaute frustriert zu ihm auf.

"Weißt du, wir müssen ja nicht rangehen...", meinte er hoffnungsvoll, auch wenn er schon wusste wie ihre Antwort lauten würde.

"Und wenn es ein Befehl ist? Das wäre dann Befehlsverweigerung, Private.", sagte sie mehr im Spaß, als das sie es ernst meinte.

"Achja? Wenn ich dadurch etwas mehr Zeit mit dir verbringen kann, nehm ich das nur zu gern in Kauf."

Sie tat es allerdings nur mit einem vergnügten Lächeln ab.

"Der furchtlose Rebell Konarski, hmm? Hör mal ich würde auch viel lieber mit dir hier im Bett liegen bleiben, aber wenn es was wichtiges ist..."

"Ja, versteh schon.", sagte er ein wenig schroffer, als er es beabsichtig hatte und schwang sich aus dem Bett.

Schnell schnappte er sich die MobiGläser von dem kleinen Tisch und warf Lucy ihres rüber.

Als er die Nachricht las, stutze er umgehend. Das waren eindeutig keine Einsatzbefehle.

Zeitgleich schauten sie zueinander auf.

"Viktor?"

"Viktor."

Die Nachricht war eilig geschrieben worden und sehr knapp gehalten. Aber sie vermittelte eins, nämlich das er richtig tief in der Scheiße stecken musste.

"Oh, ich glaubs nicht! Wenn das wieder um verdammte Spielschulden geht, werde ich ihm so tief in den Arsch treten, dass er nie wieder an einem Spieltisch sitzen kann!"

Logen beschlich eine ungute Vermutung, was wirklich dahinter stecken mochte. Er konnte nur hoffen das er falsch lag.

Während sie sich eiligst anzogen, tippte er Viktors ID ein um ihn ausfindig zu machen.

"Hab ihn gefunden...irgendwo in der Nähe des Maschinendecks."

"Was macht er ausgerechnet da?"

"Finden wirs raus."

Einen Moment später, stürmten sie auch schon zur Tür hinaus.

Die Bodengitter klapperten unter ihren Stiefeln, während sie durch die Decks rannten.

Nur wenig Personal kam ihnen auf den unteren Ebene in die Quere und wenn doch mussten sie den beiden hastig ausweichen, wollten sie nicht unvermittelt umgerannt werden. Ein beherzter Sprung zur Seite war das einzigste was da noch half. Nach kurzer Zeit waren die Gänge jedoch wie ausgestorben.

"Gleich müssten wir da sein."

Als sie um die nächste Ecke bogen erblickten sie Viktor. Und er war nicht allein.

Mit einer Magnetschelle hatte man seine Armprothese an die Wand geheftet, ansonsten wäre er wohl schon längst zusammengebrochen. Blut klebte ihm im Gesicht, er hatte also bereits einige Schläge einstecken müssen.

Umringt war er von mehreren Navysoldaten, zwischen denen Logen sofort eine drahtige Gestalt wieder erkannte.

Es war Lukos Ryant, der Adjutant vom Admiral, der vor Viktor stand und ihn anbrüllte. Wild fuchtelte er mit Viktors MobiGlas vor dessen Gesicht herum.

"Wo sind die verdammten Daten?!"

"Glaubt ihr wirklich ich bin so blöd und lauf damit rum? Haha! Wich-"

Die Beleidigung kam Viktor nicht mehr über Lippen, ein weiterer Schlag ließ ihn verstummen.

"Wertloser Schrott!"

Mit einem dumpfen Aufschlag prallte das MobiGlas an der Wand ab. Sofort trat Lukos nach, bis es in tausend Stücke zersplitterte.

"Ich hab keine Zeit für Spielchen, klar? Wenn du nicht genauso wie dein Kumpel enden willst, dann-"

"Wir haben Besuch.", unterbrach ihn einer seiner Männer.

"Was? Wie...fuck.", grimmig schaute Lukos zu Lucy, "Sergeant, was wollen sie hier? Wir...führen gerade eine Festnahme durch."

Während er das sagte und sich etwas vor seinen Männern postierte, versuchten die ihnen die Sicht auf Viktor zu versperren. Stände es nicht so ernst um Viktor, wäre Logen angesichts dieser Farce in schallendes Gelächter ausgebrochen.

"Eine Festnahme? Diese Scheiße hier?!", schnauzte Lucy ihn an.

"Es herrschen nunmal...besondere Umstände. Zumal geht Sie das hier überhaupt nichts an. Also verschwindet einfach wieder."

"Das geht mich nichts an?! Das ist mein Private den ihr da zusammenschlagt! Und seit wann macht überhaupt der Laufbursche vom Admiral die Drecksarbeit von den MP´s? Was zur Hölle läuft hier ab?"

Logen bemerkte wie Lukos anfing nervös an seiner Dienstwaffe herumzuspielen, offensichtlich schien ihm die Lust am reden vergangen zu sein. Gleichzeitig machte sich ein überheblichen Grinsen bei ihm breit. Das konnte nichts gutes bedeuten.

"Ihr gehört alle zur gleichen Einheit? Heute muss ja echt mein Glückstag sein..."

Im nächsten Moment zog Lukos auch schon seine Dienstwaffe aus dem Holster und gab mehrere krachende Schüsse auf sie ab.

Geistesgegenwertig riss er Lucy im letzten Augenblick hinter eine der auf den Gang herausragenden Streben. Zischend zerteilten die Kugeln die Luft neben ihnen.

Logen spürte wie Lucy ihn fragend und wütend zugleich musterte. Er konnte das sich anbahnende Donnerwetter schon riechen, wogegen diese kleine Schießerei ihm nur wie ein laues Lüftchen vorkommen würde.

Was ihn im Moment aber mehr beschäftigte war, wieso der verdammte Alarm ausblieb.

"Keine Sorge, wir bleiben hier ungestört. Niemand wird kommen um euch zu helfen. Und selbst wenn, wem würden man wohl eher glauben?"

"Scheiße..."

Lukos Männer zogen nun auch ihre Waffen, blieben aber im Gegensatz zu ihm vollkommen ruhig.

"Ihr kommt jetzt also besser aus eurem Versteck gekrochen, oder Hays wird eurem Freund gleich den Schädel wegpusten!"

Einer von Lukos Männer trat auf Viktor zu und legte ihm die Pistole an den Kopf, wobei eine hässliche Brandnarbe auf dessen Handrücken zum Vorschein kam.

Logen kochte innerlich vor Wut. Als wenn er dem Typen noch irgendetwas glauben würde. Flucht oder Angriff, das waren die einzigen Optionen die ihnen noch blieben. Es war die einfachste Entscheidung, die er jemals treffen musste.

Mag sein, dass es Selbstmord wäre, schließlich hatte er nur sein Messer zur Verfügung, aber er würde einen Teufel tun und weglaufen. Ein kurzer Blick zu Lucy genügte, sie dachte genauso. Also gut...

Ohne eine weitere Warnung erklang da plötzlich der Knall eines Schusses und ließ sie zusammenfahren.

Logen hatte mit dem schlimmsten gerechnet, doch was er nun vor sich sah machte ihn sprachlos.

Am Ende des Ganges hatte sich gut ein halbes Dutzend Soldaten ihres Regiments aufgestellt, die Waffen im Anschlag.

"Was zum...", war er im Begriff zu sagen, als er jemanden in deren Reihen erkannte. Es war Roke!

"Ho, da bin ich genau richtig gekommen, was?", winkte er ihm freudestrahlend zu.

Angeführt von Joe, begleitete ihn ein Trupp der Logen nur allzu gut bekannt war, waren sie doch zuletzt gemeinsam auf Piratenjagd gewesen. Zwar hatten sie deren Einheit aus einer ziemlich präkeren Lage heraushauen müssen, doch hatten sie sich schon mehrmals revanchiert. Dankend nickte er Joe für ein weiteres Mal zu.

Im selben Moment kam über den Boden etwas auf ihn zugeschlittert und als er sah was es war konnte er nicht anders als zu grinsen. Einer von ihnen hatte es tatsächlich geschafft Hays die Waffe aus der Hand zu schießen. Verrückt.

Schnell griff er danach und richtete den Lauf auf Lukos.

"Tja so schnell kann sich Blatt wenden...und jetzt weg mit den Waffen!"

Lukos sah aus als würde er gleich vor Zorn platzen, irritierte ihn das plötzliche auftauchen doch sichtbar. Dennoch senkte keiner von ihnen die Waffe.

"Nein, nein, nein...fuck! Na schön, wie wäre es mit einem Deal? Wir haben Credits-"

"Oh sicher und danach ist alles vergeben und vergessen? Scheiß auf deine Credits! Ihr verschwindet, jetzt."

"Ihr macht einen riesigen Fehler.", knurrte Lukos sie an.

"Stimmt, eigentlich sollte ich dir hier und jetzt eine Kugel in den Kopf jagen...aber ich würde dem Admiral nur ungern die Sauerei erklären müssen."

Mit einem verächtlichen Schnauben wandte Lukos sich um und zog sich, gefolgt von seinen Handlangern, durch einen der freien Gänge zurück.

"Glaubt bloß nicht, dass das hier schon vorbei ist. Das wird noch Folgen haben, für alle von euch!"

Erst als die Gruppe außer Sicht war, senkte Logen die Waffe wieder und wandte sich den anderen zu.

Nachdem Lucy Viktor einigermaßen wieder zusammengeflickt und von der Magnetschelle befreit hatte, schaute der mit leicht ramponierten Gesicht zu ihnen auf.

"Danke für die Hilfe, Leute. Ohne euch wärs wohl nicht so glimpflich ausgegangen."

"In was für ein Mist bist du diesmal reingeraten? Wenn wir nicht..."

Während Lucy sich um Viktor kümmerte, gesellte Logen sich derweil zu Joe und Roke die etwas abseits standen. Seine Leute behielten immer noch alle Gänge im Auge.

"Ich will ja nicht beschweren, aber...wo seid ihr so plötzlich hergekommen?"

"Das wüsstest du gerne, was? Erstmal waren-"

"Wir waren gerade auf dem Schießstand, als er Viks Nachricht bekommen hatte.", fiel Joe ihm ins Wort, da er nicht die geringste Lust auf eine von Rokes ausschweifenden Erzählungen hatte.

"Hey, verrat doch nicht gleich alles!"

Wie sich herausstellte, hatte Roke sie in aller Eile eingesammelt und war auf die gleiche Idee wie Logen gekommen. Zum Schluss mussten sie nur noch den Schüssen folgen.

"Da hattet ihr ja Glück, dass wir noch rechtzeitig kamen. Wollten die doch tatsächlich ernst machen..."

"Also was das angeht..."

"Nein, ich wills gar nicht wissen wo ihr da reingerutscht seid. Außerdem schulden wir euch sowieso noch was."

"Tja, dann Danke ... ach und nebenbei, wem von euch ist eigentlich dieses Kunststück gelungen?"

Die Pistole hochhaltend, tippte er auf die zerfurchte Einkerbung.

"Oh, das war Tosaka. Hey Tosaka, komm mal her."

Der Name sagte ihm jetzt nichts, musste wohl einer der Neuen sein.

Logen wollte gerade zu reden anfangen, als er bemerkte, dass sich unter der Militärkappi das zierliche Gesicht einer Frau versteckte. Unbewusst stutzte er.

"Yoko Tosaka, ist sozusagen unser neues Scharfschützen-Ass. Logen wollte mal deine Präzision loben.", beendete Joe die Vorstellung.

"Achja?"

Zweifelnd musterten ihn ihre gelben Augen, halb verdeckt durch das tiefschwarze Haar, welches ihr nur bis kurz unter die Ohren reichte.

"Sonderlich beeindruckt sieht er mir nicht aus. Glaubt er etwa eine Frau hätte das nicht hinbekommen?", fragte sie Joe mit einem lauernden Unterton.

"Was?! Nein...das war nur...dein Name...", versuchte Logen sich ungeschickt zu erklären.

Das spitzbübische Lächeln, welches sich kurz darauf bei ihr einstellte ließ ihn erneut inne halten.

"Lass gut sein Süßer, ich hab nur einen Scherz gemacht. Aber ich komm darauf zurück... vielleicht gibst du mir ja mal einen aus."

Logen wusste nun gar nichts mehr zu sagen, schaue sie einfach nur baff an.

"Logen...", erklang plötzlich Lucys Stimme hinter ihm, das es ihm eiskalt den Rücken hinunterlief.

Wie lange sie da schon stand konnte er nicht sagen, an ihrem Gesichtsausdruck sah er aber, dass sie zumindest Yokos letzte Worte mit bekommen hatte.

"Ähm...ich wollte nur..."

Logen wollte auf Yoko deuten, die war aber bereits wieder verschwunden. Hilfesuchend schaute er zu Joe, der sich aber auch schon davonmachte.

Fuck. Ich bin sowas von Tod.

II.

Mit einer Zornesfalte im Gesicht trat Lukos in seine weitläufige Kabine und ging zu seinem Schreibtisch hinnüber. Kurz darauf folgte Hays, der sich lässig in einen der gepolsterten Sessel sinken ließ.

"Der Plan hat ja wirklich super funktioniert. Hätten wir gleich..."

"Von Ihnen brauch ich keine verdammten Ratschläge!", schnitt Lukos ihm gereizt das Wort ab und holte aus einer Schublade einen Flachmann hervor.

"Sicher? Nach ihrem rumgeballere dort, wird sich uns so eine Gelegenheit bestimmt nicht noch einmal bieten."

"Ein unbedeutendes...Missgeschick, nichts weiter."

"Nur ein Missgeschick? Nachdem was ich bisher gehört habe, wird uns beim nächsten Mal vermutlich das ganze Regiment in die Quere kommen."

Lukos wollte noch etwas erwidern, als plötzlich Leben in sein MobiGlas kam.

"Bin mal gespannt wie sie denen das erklären..."

"Seien Sie still!"

Mit einem selbstgefälligen Lächeln lehnte Hays sich zurück, während Lukos sich an seinen Schreibtisch setzte. Er hatte seine Hand bereits ausgestreckt, griff dann aber noch einmal nach dem Flachmann. Nach einem kurzem zögern, klappte er schließlich sein Mobiglas auf.

"Haben Sie was wir benötigen?", schnarrte eine ungeduldige Stimme hervor.

Sein Auftraggeber musste seine Nervösität bemerkt haben, wurde doch ein gestochen scharfes Bild von ihm übertragen. Lukos konnte dagegen nur auf eine simple Audioübertragung starren.

"Nun...nicht direkt..."

Das darauf keine Antwort kam, verhieß nichts gutes.

"Es gab gewisse Komplikationen müssen Sie wissen. Wir wurden in ein Falle gelockt und die von Ihnen bereitgestellten Männer-"

"Verschonen Sie uns mit ihren Ausreden. Wenn lag es an Ihrer Inkompetenz den Trupp von Herrn Hays entsprechend sinnvoll einzusetzen. Also, können wir immer noch mit der Sicherstellung der Daten rechnen?"

"Das könnte-"

"Nur wenn Sie es auf ein Blutbad in den Mannschaftsquatieren anlegen wollen.", dröhnte plötzlich Hays Stimme in seinem Rücken hervor und ließ ihn unwillkürlich zusammmenzucken.

Es folgte eine längere Pause, wobei jede Sekunde Lukos nur noch mehr ins Schwitzen brachte. Nicht das er sich auch nur den kleinsten Gedanken um die Soldaten machte, nein. Vielmehr sah er mit jedem Wort von Hays, seine einzustreichende Summe an Credits schwinden.

"Nein, wir befinden uns noch immer im Anfangsstadium. Eine Entdeckung zu diesem Zeitpunkt können wir uns auf keinen Fall leisten. Zwar hatten wir gehofft das Problem mit Hilfe von Mister Ryant schnell und leise aus der Welt zu schaffen, aber da er dazu anscheinend nicht in der Lage ist...Von nun an übernehmen Sie das Kommando Hays, verstanden?"

"Diesem grobschlächtigen Schläger wollen sie allen ernstes-"

"Mister Ryant, wir haben Sie wegen der ihnen zur Verfügung stehenden Kontakte und Berechtigungen angeheuert, nicht wegen der bei Ihnen kaum vorhandenen Führungsqualitäten. In diesem Falle sind wir aber nunmal auf Sie angewiesen, ob es uns gefällt oder nicht. Es sei denn Sie wollen unbedingt das wir uns nach einem Ersatz für Sie umsehen."

Innerlich erschauderte Lukos, blieb ihm die unterschwellige Botschaft nicht verborgen. Bei solchen Leuten kündigte man nicht einfach so.

"Nein, natürlich nicht. Alles wird so geschehen wie Sie verlangen."

"Freut uns das zu hören. Vielleicht sind sie ja doch zu etwas nutze. Dann werden wir wohl auf eine radikalere Alternative zurückgreifen müssen. Das wir aufgrund Ihres Fehlverhaltens keinen Zugriff mehr auf die Daten erhalten ist zwar bedauerlich, aber nur von zweitrangiger Bedeutung. Vielmehr kommt es darauf an, dass niemand diese zu Gesicht bekommt."

EIn leises Piepen zeugte von einer abgeschlossen Datenübertragung, welche sich kurz darauf von selbst öffnete.

Zum Vorschein kam die Projektion eines Planeten, umgeben von den verschiedensten Informationen.

Hays beugte sich nach vorn und schien sofort zu wissen worum es sich handelte.

"Sind Sie sich ganz sicher, Sir? Bei der Nähe...die Ausmaße wären unvorhersehbar."

"Genau das ist der Punkt. Wir können es uns einfach nicht leisten, dass irgendetwas davon nach oben durchsickert. Aber denken sie doch nur einmal an die Vorteile welche sich ergeben würden. Den Aufschrei der verursacht würde...sie bekämen erheblichen Zuspruch für ihre Sache, nicht wahr?"

"Unsere Sache...", grummelte Hays.

"Aber ja, natürlich doch...mein Fehler. Wie dem auch sei, in Kürze wird sich einer unserer Kontakte bei ihnen melden. Stellen Sie sicher, dass er alles notwendige erhält und geben Sie ihm einen ihrer Männer mit. Je weniger an dieser Sache direkt beteiligt sind, desto besser."

"Sicher, ich werde es in die Wege leiten."

"Sehr schön, dann lassen sie uns jetzt-"

"Ähm...Ich...Ich verstehe nicht ganz, was soll das werden?", mischte Lukos sich vorsichtig wieder ein.

"Sie haben ihm nichts erzählt, Hays?"

Als Lukos den genervten Unterton in dessen Stimme vernahm, wünschte er sich er hätte den Mund gehalten. Was interessierten ihn auch schon die schmutzigen Geschäfte seines Auftragsgebers? Er wollte eigentlich nur endlich sein Geld kassieren und sich dann irgendwohin absetzen, stattdessen ritt er sich immer weiter in die Scheiße hinein.

"Nein, Sir. Ich hielt es für besser-"

"Ja, ja, sicher doch. Diesen Umstand sollten wir jetzt aber schnellstmöglich ändern. Es wird Zeit ihnen unsere Art der Problemlösung vorzustellen..."

Als Lukos mit anhören musste wie ihr nächster Schritt aussah, kam ihm die Idee die Mannschaftsquartiere zu stürmen, geradezu lächerlich einfach vor. Was diese Typen aber vorhatten, war verdammt nochmal wahnsinnig.

Zurück in ihrer Kabine angelangt, lauschte Lucy schweigend ihren Ausführungen. Wohl oder übel erzählten sie ihr alles was sie wussten, eine Lüge hätte sie sofort durchschaut, da war Logen sich sicher.

"Damit ich das richtig verstehe, ihr beklaut einen Konzern, wisst noch nicht einmal was ihr da überhaupt klaut und dazu noch mitten in einem Rettungseinsatz?!"

Aufgebracht ging Lucy immer wieder in der Kabine auf und ab, war sie doch alles andere als begeistert.

"Verdammt Logen, das ist Plünderung! Normalerweise müsste ich euch sofort melden!", sagte sie gereitzt, wobei sie ihn vorwurfsvoll anschaute.

Es folgte ein Fluch nach dem anderen, während sie sich wütend durch die Haare fuhr.

"Dann versucht dieses Arschloch auch noch uns abzuknallen. Hier, auf diesen gottverdammten Träger! Ihr seid doch...ohh, ich fass es einfach nicht!"

Keiner traute sich etwas zu erwidern, denn das Resultat wäre wohl nur eine gebrochen Nase gewesen. Selbst Rokes Belustigung, dass er diesmal nicht involviert war hielt nicht lang an.

"Und was ist jetzt mit den Daten, hinter den diese Typen her waren? Ich dachte ihr habt die gelöscht?", herausfordernd sah sie Viktor und Logen an.

"Das...ähm...stimmt nicht so ganz.", kam es leise von Viktor.

"Du und deine verdammte Neugier, ich hätte es wissen müssen.", sagte Logen leicht verägert. "Aber egal... was hast du damit gemacht?"

"Also... ich hatte zwar die Daten auf dem MobiGlas gelöscht, aber sie vorher noch auf einem externen Chip gespeichert... nur zur Sicherheit."

Unnachgiebig starrte Lucy ihn an.

"Wo ist er?"

Wortlos gab Viktor sich geschlagen und verschob den Tisch unter den Lüftungsschacht. Mit schnellen Handgriffen hatte er das Gitter entfernt und fummelte im Inneren herum.

Es zischte leise und er verzog noch das Gesicht, aber schließlich hielt er etwas in der Hand das eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Datenspeicher aufwieß.

"Das hast du als Versteck benutzt? Ernsthaft?", fragte Logen ungläubig.

"Hat funktioniert oder nicht? Hier, steck den in dein MobiGlas."

Logen tat wie ihm geheißen und warte die Übertragung ab. Währenddessen fing Viktor an zu erklären.

"Ich sags euch gleich, allzu viel kann ich euch nicht verraten. aber was ich zwischen den ganzen Datenmüll über Pflanzen und Tiere gefunden hab, interessiert euch bestimmt. Das Rückverfolgungssystem konnte ich aushebeln-"

"Das hat ja großartig geklappt..."

"Ja, gefunden haben sie mich trotzdem, aber ich glaub das lag eher daran das der alte Bastard geredet hat. Jedenfalls-"

Ein lautes Klopfen an der Kabinentür unterbrach ihn und verleitet nicht nur Logen dazu, seine Pistole zu entsichern.

Zwar hatten Joe und seine Leute dafür gesorgt, dass jeder informiert war das sie vielleicht noch unangemeldeten Besuch bekämen, aber man konnte ja nie wissen. Logen war immer noch etwas verwundert, dass es für die anderen keine große Rolle zu spielen schien, worum es dabei überhaupt ging. Der Zuspruch durch Joe und seine Einheit hatte alle Zweifel wie weggeblasen. Das 83. hielt zusammen, komme was da wolle.

Als Lucy die Tür gewaltsam aufriss, ließ er seine Gedanken hinter sich.

"Was ist?!", blaffte sie den Störenfried an.

Die Hand noch erhoben um ein weiteres Mal anzuklopfen, stand unerwarteterweise Colonel Calendorn vor ihr. Die wohl einzige Person im Regiment, die noch nichts von ihrer aktuellen Lage wusste.

"Komme ich ungelegen...Sergeant?"

"Äh...Sie...ähm...Sir, Nein, Sir!", versuchte sie es noch zu retten und salutierte schnell.

Logen ebenso überrascht, ließ schnellstens die Waffe verschwinden und tat es ihr gleich. Roke und Viktor schlossen sich umgehend an.

"Gibt es ein Problem? Sie wissen Sie können jederzeit zu mir kommen." Calendorns Blick blieb an Viktor hängen. "Egal um was es sich handelt."

Lucy zögerte, dass konnte Logen ihr anmerken. Sie könnten jetzt alles beichten, aber war das schlau? Wenn es sich doch nur um legalen Firmeneigentum handelte, hätten sie ein ziemlich großes Problem. Bevor Lucy noch etwas sagen konnte ging er dazwischen.

"Nein, Sir, alles ist bestens. Er war nur etwas... übereifrig beim Training heute, nicht wahr?" Eifrig nickte Viktor, zu seiner beruhigung spielte er mit.

"Weshalb wollten sie uns denn sprechen, Sir?", wechselte er schnell das Thema.

"Nun gut... Also in kürze findet eine Besprechung im CIC statt und ich würde ihre Einheit gerne dabeihaben. Es gibt da einen kleinen Sonderauftrag für den mich einige Trupps begleiten müssten.", er musterte sie alle noch einmal sorgfältig, "Worum es auch immer gerade ging, sie haben eine Stunde es zu klären, dann treffen sie mich dort, ja?"

"Natürlich, Sir."

Nickend verabschiedete er sich und ging wieder.

Mit einem erleichterten Seufzer schloss Lucy die Tür. Langsam schien ihre Wut auch nachzulassen.

"Ein Sonderauftrag? Was meint ihr was dürfen wir diesmal platt machen?", spielte Roke sich wieder auf.

"Das finden schon noch früh genug raus. Im Moment haben wir dringendere Probleme, meinst du nicht? Viktor, was war jetzt mit den Daten?"

"Also was das angeht... Ich hab eine verschlüsselte Datei gefunden, aber wenn ich das mit den Programmen versuche zu knacken die ich hier habe, ist die Gefahr recht groß das ich aus versehen alles dabei lösche. Bisher hab ich mich da also nicht rangewagt."

"Hast du überhaupt was rausgefunden?"

"Sicher, aber das wird euch nicht gefallen.", sagte er und tippte in schneller Reihenfolge etwas in Logens MobiGlas.

Verschnörkelte Symbole bildeten sich heraus, was eindeutig eine Schriftart war. Logen war sich sicher soetwas schonmal gesehen zu haben.

"Was soll das sein?"

Viktor grinste ihn wehmütig an.

"Lass mich das mit einer Gegenfrage beantworten. Spricht einer von euch zufällig Vanduul?"

Logens Gedanken überschlugen sich, dass hatte er nun am wenigsten erwartet.

"Du verarscht uns, oder? Was haben die Dinger damit zutun?", fand Roke als erstes seine Worte wieder.

"Glaubt mir das würde ich auch nur zu gerne wissen, aber nachdem ich es durch jeden mir bekannten Übersetzer gejagt hatte, kam bei allen nur das gleiche raus ... Unbekannter Dialekt."

"Wir haben also gar nichts, einfach großartig.", sprach Lucy aus was sie alle dachten.

Es konnte sich alles möglich darin befinden, schoss es Logen durch den Kopf. Ob es sich nun um neuartige Technologie, Informationen zu Flottenbewegungen oder doch einfach nur um nutzlose Essenspläne von den Viechern handelte, konnten sie aber nur spekulieren.

"Was machen wir jetzt damit? Doch dem Colonel geben?"

Kaum hatte Roke es ausgesprochen, bekam er von Lucy auch schon einen Schlag auf den Hinterkopf.

"Idiot! Was glaubst du was der mit uns machen wird, wenn wir irgendwas von einem gestohlenen Datensatz erzählen, ohne auch nur den leisesten Schimmer was wir da überhaupt gefunden haben? Wahrscheinlich sitzen wir dann erstmal bis zur nächsten Kernwelt in der Brick fest."

Während Roke sich über den schmerzenden Schädel rieb, kam Logen plötzlich eine Idee.

"Wir machen doch als nächstes halt im Centauri System, da finden wir doch bestimmt alles was du brauchst, oder Vik?"

"Hmm...", nachdenklich fasste er sich an die Stirn, "Klar, wenn ich mich ein wenig umhöre..."

"Gut, denn was auch immer da drauf ist sie wollens anscheinend unbedingt wieder haben. Sollte Lukos also etwas versuchen, können wir das immer noch als Druckmittel einsetzen. Solange müssen wir uns einfach bedeckt halten. Was meint ihr?"

Viktor und Roke stimmten ihm nach kurzem überlegen zu, nur Lucy schaute ihn noch einen Moment abschätzend an. Schließlich nickte sie jedoch zustimmend.

"Na gut, dann haben wir fürs erste einen Plan. Als nächstes müssen wir aber erstmal ins CIC, schon vergessen? Vik, Roke bewegt eure Ärsche hier raus, wir treffen uns später dort.", scheuchte Lucy die beiden auch schon aus der Kabine.

Klappernd fiel die Tür ins Schloss und bevor er sich versah, fand er sich auch schon mit dem Rücken zur Wand wieder, Lucy nur wenige Zentimeter vor sich.

"Also Logen...", wisperte sie ihm verführerisch ins Ohr, während ihre Hand langsam in seinen Schritt glitt.

"Was hast-"

Schmerzhaft musste er nach Luft schnappen, als sie begann mit ihren Fingern zuzudrücken.

"...zuerst wird wegen euch auf mich geschossen, dann erfahr ich das du im Einsatz was mitgehen lässt und dann auch noch diese...Tosaka, was sollte das werden?!", fragte sie jetzt weitaus energischer und einem eisigen Unterton in der Stimme, wobei sie Tosakas Namen geradezu ausspie, als hätte sie in einen verdorbenen Apfel gebissen.

"Was das..? Gar nichts, sie hatte damit angefangen. Tosaka sieht zwar nicht schlecht aus, aber-"

Das ihr die Antwort nicht gefiel, ließ sie ihn sogleich fühlen, wobei sie noch ein wenig fester zupackte.

"Findest du ja?"

"So war das nicht gemeint, ich...", erneut musste er aufstöhnen.

"Das heißt du wolltest ihr nicht in nächster Zeit bei einem Drink Gesellschaft leisten?"

"Nein, nein, das..."

Logen stutzte, als sich ihr Griff leicht veränderte und er ihr lüsternes Lächeln bemerkte, welches sie ihm zuwarf. Er war schon wieder drauf reingefallen, dämmerte es ihm. Sie hatte die ganze Zeit nur mit ihm gespielt, wusste er doch eigentlich, wie sehr sie es liebte ihn zappeln zu lassen, kurz bevor...

"Du bist ein Biest, weißt du das?", raunte er ihr zu.

"Ich weiß eben was dir gefällt..."

Ihr Lächeln wurde nur noch breiter und als sie merkte wie sich Logens Erregung zu steigern begann, küsste sie ihn unvermittelt.

"Machen wir da weiter, wo wir heute Morgen unterbrochen wurden und treiben dir auch den letzten Gedanken an diese Tusse aus..."

"Zu Befehl, Sergeant.", sagte er noch und zog sie zu sich heran.

Kurzerhand hob er sie hoch und Lucy schlang ihre Arme und Beine um ihn, so dass sie wie ein Äffchen an ihm klammerte.

Mit einem Ruck warf er sie herum und drückte sie mit seinem Gewicht gegen die Wand, was ihr ein leises Stöhnen entlockte.

"Gott, ich liebe dich..."

Sie schaute ihn daraufhin mit ihren tiefblauen Augen an und es kam ihm so vor, als könne sie direkt in seine Seele blicken. Was würde er nur ohne diese Frau tun?

"Ich liebe dich auch.", hauchte Sie ihm zu und erneut versanken sie in einen leidenschaftlichen Kuss.

Schließlich stießen sie sich wieder von der Wand ab und stolperten noch ein paar Schritte durch den Raum, bevor sie fest umschlungen in eine der Kojen fielen.

In der abgedunkelten Kammer des CIC´s hatten sich die angeforderten Squads des 83. eingefunden. Beleuchtet von den unzähligen Amaturen der Navigationsoffiziere, stand Lucy mit den anderen Truppführern um einen riesigen Holo-Tisch verteilt und wartete auf das Erscheinen des Colonels. Ein Stück dahinter stand Logen und der Rest der Einheiten, während leise miteinander getuschelt wurde, wusste doch keiner so recht weshalb sie eigentlich hier waren.

"Was grinst du eigentlich so dämlich?", fragte Roke ihn nach einer Weile.

"Hm? Tu ich das? Ist mir gar nicht aufgefallen..."

Roke folgte seinem Blick und konnte sich sofort alles zusammenreimen.

"Oh verstehe, ihr hattet wohl noch eine kleine Nachbesprechung? Kein Wunder das ihr fast zu spät gekommen seid."

"Ein Gentleman genießt und schweigt."

"Ja, ja, schon klar. Wie kannst du nur so ein verfluchtes Glück haben ... meinst du ich könnte es mal bei der neuen, Tosaka, versuchen?"

"Oh, tu dir da bloß keinen Zwang an.", sagte er noch zu Roke und wandte sich auch schon Viktor zu, "Hey Vik, wie wärs mit einer kleinen Wette ... wann Tosaka ihm zuerst in die Eier tritt?"

"Sehr hilfreich, Jungs...", grummelte Roke dazwischen, während die beiden ihr Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekamen.

"Achtung!", schallte es vom Eingang her, als der Colonel eintrat.

Colonel Calendorn trat ein, gefolgt von einigen seiner niedrigrangigeren Offzieren.

Seine schlichte graue Uniform saß ihm wie angegossen, während sich mehrere kleine Orden auf Brusthöhe befanden. Die einfachen Kampfstiefel erzeugten ihren typischen Klang, als er sich an der Spitze des Holo-Tisches einfand und seine Mütze darauf ablegte.

In vielerlei Hinsicht wirkte er mehr wie ein einfacher Soldat und nicht wie der Befehlshaber über ein ganzes Regiment. Nur seine Gesicht verriet seinen langjährige Erfahrung und spiegelte eine Selbstsicherheit wieder, welche durch unzählige Einsätze geprägt war.

Im Gegensatz zu vielen anderen, mischte er sich gerne unter die Truppe und genoss auch entsprechende Sympathien. Das er ihr Squad zu dieser Besprechung persönlich eingeladen hatte, war nichts ungewöhnliches.

Alle nahmen sofort zackig Haltung an und salutierten.

Er erwiderte die Geste leicht und deutete ihnen sich wieder zu rühren, bevor er anfing.

"Wie sie alle wissen sind wir zurzeit im Anflug auf das Centauri System, um uns dort neu aufzumunitionieren und einige notwendige Wartungen durchzuführen. Dort wird das Regiment auch die Möglichkeit auf Landurlaub haben. Von dort werden wir eine Zeit lang an der Grenze patroullieren, bis wir neue Einsatzparameter erhalten."

Bei der Ankündigung hob sich die Stimmung leicht, waren sie doch schon zu lange auf dieser fliegenden Metallbox gefangen. Logen bemerkte aber, dass Calendorn den Enthusiasmus nicht recht teilte, offenbar hielt er noch etwas zurück.

"Ich weiß sie können es kaum erwarten sich an Land mal wieder auszutoben, aber vorher habe ich noch einen kleinen Sonderauftrag für sie, wie ich schon erwähnte. Während wir uns also auf Centauri zubewegen, fliegen wir an den Randsystemen vorbei, dort befindet sich eine Kolonie die wohl demnächst den Status einer repräsentanten Welt erhalten wird. Einige Inspektoren vom Subkomitee Expansion und Entwicklung werden sich dort einen letzten Überblick über die dort herrschenden Zustände machen und alles weitere einleiten. Sie werden zugleich für den persönlichen Schutz zuständig sein, als auch unsere geliebte Army zu repräsentieren. Zusätzlich werden sie mit mir die planetare Miliz inspizieren, um eine flüssige Übernahme in die UEE Army zu garantieren."

Im nächsten Moment rückte auch schon ein makelos gekleideter Anzugträger an und begab sich an Calendorns Seite. Ein perfekt geübtes Lächeln schlug ihnen entgegen, konnte aber über die unverfrorene Verschlagenheit nicht hinwegtäuschen.

"Ich darf mich vorstellen, Calvin Morray, ich bin der Leiter dieser Abteilung."

Was folgte war ein endloser Vortrag nach UEE Standardprotokoll, darüber wie wichtig und bedeutsam ihre Rolle hier bei doch war. Doch im Nachhinein lief es für Logen nur darauf hinaus, dass sie für ein paar arrogante Schnösel die Babysitter spielen sollten. Mal abgesehen vom Colonel vielleicht. Es könnte nicht besser werden.

III.

Zischend drückte Petrov seinen letzten Stim aus und warf ein paar Credits auf den Tresen.

"Ich würd ja liebend gern noch bleiben, aber ich hab keine Lust hier noch bis morgen früh festzuhängen."

Fred griff sich sofort die Credits und zählte sorgfältig nach.

"Kein Trinkgeld?", fragte der mürrisch.

"Trinkgeld? Für den...ach vergiss es. Hier, du elender Halsabschneider."

Auf den Weg nach draußen, schnappte Petrov sich in einem unbeobachteten Moment noch eine Packung Stims und verschwand dann in Windeseile durch den Vordereingang.

Draußen schlängelte Petrov sich durch die Passanten, die ihm hin und wieder ein paar komische Blicke zuwarfen. Sein blauer Arbeitsoverall, überall mit Flicken übersäht, passte nunmal nicht recht ins Stadtbild. Vielleicht brauchte er aber auch bloß mal wieder eine Dusche.

Während er weiterhin nach einem der Stims kramte, versuchte er die aufdringliche Werbung von den Videoleinwänden und die vorbeihuschenden Gleiter zu ignorieren. Gerade als er einen gefunden hatte, bog er um die Ecke und lief direkt in irgendjemanden hinein. Fluchend glitt ihm der Stim aus den Händen und landete, was auch sonst, in der einzigen Pfütze weit und breit.

"Welches dumme-", war er im Begriff zu sagen, als er eine Gruppe UEE-Soldaten und eine Straßensperre vor sich ausmachte. Eine Straßensperre?

"Fuck, ihr wollt mich wohl verarschen. Was soll das hier?", schimpfte er los, dass sich einige Passanten neugierig zu ihnen umdrehten.

"Ist gesperrt.", kam die Antwort, als wäre damit alles gesagt.

"Das seh ich selbst, Arschloch! Aber einige Leute müssen da auch durch um zu arbeiten."

"Dann suchen Sie sich halt einen anderen Weg, hier gehts auf jeden Fall nicht weiter."

Petrov hätte diesen Typen am liebsten eine reingehauen, aber dann wäre eine verspätete Lieferung wohl sein geringstes Problem gewesen.

"Scheiß UEE...", murmelte er noch vor sich hin, drehte sich dann aber wieder um.

Ziellos wanderte er danach noch eine Weile durch die Straßen, ihm fiel aber nichts mehr ein wie er noch rechtzeitig zu seinem Transporter kommen sollte.

Irgendwann fand er sich auf einer kleinen Anhöhe in der Stadt wieder, von der man einen idealen Blick auf die Parade haben würde. Da er heute sowieso nirgendswo mehr hinkommen würde, beschloss er kurzerhand sich die Parade anzutun. Wenn denen ein ähnliches Missgeschick wie bei den Proben passierte, könnte es vielleicht noch ganz amüsant werden.

Gelangweilt lehnte er sich an das weitläufige Geländer, an dem sich bereits ein paar andere Schaulustige versammelt hatten. Den Stim schon zwischen den Finger, wurde er auf einen gestriegelten Kerl neben sich aufmerksam, der verärgert auf sein MobiGlas einredete.

"Joslin? Joslin? Verdammt, warum muss ausgerechnet jetzt die Verbindung abreißen!"

Trottel, dachte er sich. Bei den ganzen Leuten hier war es kein Wunder, wenn das Netz überlastet würde.

Er nahm noch einen tiefen Zug und schaute auf die Prozession hinunter die soeben seinen Anfang nahm. Zu seiner Entäuschung war der bisherige Ablauf absolut fehlerfrei und so wich sein Blick zu der übergroßen Tribühne aus, wo sich die hohen Tiere versammelt hatten. Zwar konnte er von hier aus nicht viel erkennen, dennoch war er sich sicher das ihre ehrwürdigen Würdenträger schon längst damit begonnen hatten den Abgestellten der UEE in den Arsch zu kriechen. Schließlich würde eine neue Regierung gebildet und jeder wollte ein größtmögliches Stück vom Kuchen abhaben. Zum Glück war seine Schwester nicht zwischen all den unterwürfigen Feiglingen.

Plötzlich legte sich ein dunkler Schatten über Petrov und alle Anwesenden, was ihn automatisch dazu veranlasste nach oben zu schauen. Wie sich herausstellte war gerade ein Frachter, gerade noch groß genug um in die Atmosphäre einzudringen, mitten im in den Startvorbereitungen und würde wohl erst vollständig durch das Wolkenmeer entschwinden, wenn es die Parade passiert hatte.

"Wenigstens einer der von hier verschwinden kann..."

"Scheinen wohl nicht alle glücklich mit unserer Anweseheit zu sein, was?"

Roke nickte zu dem Stänkerer hinüber, der gerade wieder in der Menschenmenge verschwand. Grummelnd stimmte Logen zu.

Er hätte nichts gegen eine kleine Abwechslung gehabt, standen sie doch nun schon fast eine halbe Ewigkeit an der Absperrung herum. Dazu kam noch die ständige Kälte die auf dem Planeten herrschte und ihm in den Leib fuhr. Die ganze Nichtstuerei zerrte an seinen Nerven.

Seit einigen Tagen waren sie nun schon auf Aratea unterwegs, welcher seinen Namen wirklich alle Ehre machte. Hauptsächlich waren sie bei irgendwelchen Inspektionen des Colonel dabei. Das sie dabei eine ziemlich untergeordnete Rolle zu spielen hatten war abzusehen und so gab es für sie meist auch nicht mehr zutun, als daneben zu stehen und stumpf alles abzunicken. Ihre Aufgabe hier stellte nur einen weiteren Tiefpunkt ihrer Reise dar.

Über Funk kam nur das aktuelle Geschnatter, einmal ausgenommen von der letzten Meldung. Im Schiff des Colonels schien wohl irgendetwas durchgeschmorrt zu sein, wodurch sich ihre Abreise noch um ein oder zwei Tage verzögern würde.

Logen ächzte als er das hörte. Großartig, jetzt hängen wir hier...

Fast hätte er ein kleines blondes Mädchen übersehen, dass auf einmal aus der Menge kam und an ihm vorbeilaufen wollte. Sie konnte höchsten acht sein.

"Moment mal, hier gehts nicht durch." Schnell stellte er sich ihr in den Weg, wo sie dann plumpsend von seinen Beinen zurückfederte.

"Hörst du schlecht? Hau wieder ab.", sagte er barsch, da er keine lust hatte sich allzu lange mit ihr aufzuhalten.

Eingeschüchtert schaute sie zu ihm auf, ragte doch sein dunkler Schatten über ihr auf. Wollte sie etwa anfangen zu heulen?

Gerade wollte er sie erneut auffordern, da tauchte plötzlich Lucy neben ihm auf.

"Hey Kleine, hast du dich verlaufen?", sprach sie das Mädchen freundlich an und hockte sich zu ihr.

Unsicher schaute sie zuerst von Lucy zu Logen, nur um dann vorsichtig zu nicken.

"Oh, vor dem blöden Grobian hier brauchst du dich nicht zu fürchten.", Lucys strafender Blick dabei entging ihm nicht. "Der ist bloß neidisch auf den schönen Schal den du da hast." Nach kurzem zögern lächelte das Mädchen zurück.

"Wie ist denn dein Name, hm?" - "Ta...Talia." - "Wirklich? So heißt meine kleine Schwester auch, weißt du? Sie hat sich auch gerne mal verlaufen, aber ich hab sie immer wieder gefunden. Komm lass uns nach deiner Mutter ausschau halten."

Logen seufzte. Frauen und Kinder...

Es dauerte nicht lange, dann kam bereits eine verzweifelt aussehende Mutter angelaufen. Erleichtert schloss sie ihre Tochter in die Arme, und bedankte sich überschwänglich bei Lucy. Fröhlich trabte sie zu ihm zurück.

"Kinder sind nicht so dein Ding, oder?"

"Nein, nicht wirklich. Sie sind so...ach ich weiß auch nicht." Keck lächelte sie ihn an und ging an ihm vorbei. "Hey, die Ablösung ist da."

"Das wurde aber auch Zeit.", beschwerte Roke sich. "Ich brauch unbeding was zu futtern!"

Nicht weit von der Straßensperre entfernt hatten sie ihr Shuttle abgestellt, wo sich auch ein kleiner Laden mit allerlei Leckereien befand. Natürlich hatte Roke den von Anfang an ins Auge gefasst. Zwar war Lucy zuerst noch dagegen, doch als Logen seinen Arm um ihre Hüfte schlang und sie mit sich zog, hatte sich die Frage erledigt.

Qualmend lehnte Petrov immer noch an dem Geländer und versuchte ein paar Kringel aus Rauch zu formen, scheiterte aber kläglich.

Unterdessen näherte sich die Parade langsam dem Ende zu und da er von dem ganzen Trubel allmählich genug hatte, wollte er sich auch schon abwenden. Bei dem Geräusch von aufheulenden Triebwerken hielt er jedoch noch einmal an. Mehrere Cutlasses zogen mit Höchstgeschwindigkeit über seinen Kopf hinweg, wobei er bemerkte wie überall in der Stadt verteilt weitere Schiffe starteten.

"Auch noch eine Flugshow? Da will wohl einer richtig Eindruck schinden."

Gespannt beobachte Petrov die weitere Flugbahn, doch statt wie erwartet an der Tribühne vorbeizuziehen, stießen die Maschinen plötzlich durch die Wolkendecke und verschwanden aus seinem Sichtfeld.

"Wie? Das wars?", fragte er sich verwundert, hatte er doch wenigsten ein kleines Künststückchen oder ähnliches erwartet.

Aus den Augenwinkel nahm er noch wahr wie Bewegung in die Leute auf der Tribühne kam. Irgendwas schien hier nicht zu stimmen.

Seine Aufmerksamkeit wurde wieder auf den Himmel gelenkt, als in den Wolken kleine Lichtpunkte aufflackerten.

"Was zur...", weiter brachte er es nicht, blieb ihm doch vor Schreck der Mund offen stehen.

Der übergroße Frachter, welcher sich eigentlich schon längst in der Umlaufbahn befinden sollte, brach plötzlich aus den Wolken hervor und stürzte in einer beängstigenden Geschwindigkeit dem Boden entgegen. Flammen hatten sich über die ganze Hülle ausgebreitet und kleinere Explosionen sprengten immer wieder Trümmer ab. Es sah nicht so aus als hätten die Piloten noch Kontrolle über das Schiff, wodurch der Aufschlag wohl mitten in der Parade erfolgen würde.

Während Petrov noch nach einer Erklärung für diese Katastrophe suchte, sah er wie mehrere kleine Schiffe um den Frachter herum flitzten. Im ersten Moment dachte er noch sie wären dabei die aufkommenden Brände zu löschen, merkte aber schnell wie falsch er mit dieser Annahme lag. Sie schossen eindeutig auf den Frachter und lieferten sich mit den vereinzelten Cutlasses die noch übrig waren, heftige Feuergefechte.

Er konnte einfach nicht fassen was da vor ihm passierte und die ganze Stadt schien in eine unheimliche Stille verfallen zu sein, starrten doch alle ungläubig auf den herabfallenden Frachter. Der Startschuss zur allgemeinen Panik wurde aber erst abgegeben, als sich die düstere Silhoutte eines zweiten Schiffes aus der Wolkenschicht schälte. Die Bauart war unverkennbar.

"Nein, nein...Alex!", rief er den Namen seiner Schwester, auch wenn klar war das sie ihn nicht hören konnte.

Im gleichen Moment wie er losrannte, schlug der Frachter der Länge nach auf und riss unzählige Gebäude mit sich. Unmengen von Dreck, Staub und Asche erhoben sich in die Luft und würden wohl in Kürze die ganze Stadt eingehüllt haben. Die Erschütterung erreichte ihn nur wenige Sekunden später, doch schaffte er es irgendwie sich aufrecht zu halten.

Seine Gedanken kreisten jetzt nur noch um seine Schwester, alles andere war egal.

IV.

Kaum das sie wieder aus dem Laden kamen, stieß Roke erstmal einen dröhnenden Rülpser hervor.

"So gut hab ich schon lange nicht mehr gegessen!"

"Du wirst dich auch nie zusammenreißen können oder?" - "Unwahrscheinlich." Sofort wiederholte er das Schauspiel ein zweites Mal.

Viktor winkte nur ab und während sie beide schon fast beim Shuttle angekommen waren. Logen hatte Lucy wieder zu sich rangezogen und so schlenderten sie langsam hinterher.

"Sagt unser kleiner Vielfraß, wie?", flüsterte er ihr zu, so dass nur sie ihn hören konnte.

Dafür das sie zuerst nichts essen wollte, hatte sie aufeinmal reingehauen, als hätte sie Tagelang nichts gegessen.

"Hey, pass auf was du sagst, ich bin immer noch deine Vorgesetzte...", versuchte sie ihn mit ihrer strengen Stimme zu maßregeln, er bemerkte aber das ihr das ganze doch etwas peinlich war.

"Stimmt, wie konnte ich das nur vergessen.", meinte er neckisch und zwickte sie spielerisch in den Hintern.

Er wollte sich schon vor ihren Zorn in Deckung bringen, als plötzlich sein Funkgerät ansprang. Statisches Rauschen unterbrach immer wieder die Funksprüche, ließ ihn nur verzerrte Wortfetzen verstehen, bis die Verbindung ganz abbrach.

Während er sich daran machte das Signal wieder zubekommen, drehten sich Roke und Viktor neugierig zu ihnen um.

"Was ist los, braucht ihr... ach du Kacke."

Rokes Augen weiteten sich vor Schreck und konnte nicht aufhören in den Himmel hinter ihnen zu starren. Viktor erging es ebenso, schüttelte es aber gleich wieder ab. Kurz darauf rief er ihnen irgendetwas zu, aber Logen achtete nicht wirklich darauf, versuchte er doch das Signal wiederzubekommen.

Nun hatte sich auch Lucy umgeschaut, nur um dann blitzschnell nach seinem Arm zu greifen.

"Weg hier, jetzt!"

"Warte kurz, ich glaub ich habs gleich..."

"Renn du Idiot!", schrie sie ihn an und wurde auch schon von ihr mitgerissen.

Als er losrannte erhaschte er noch eine Blick darauf, was sie so beunruhigte.

Einem flammenden Inferno gleich, raste ein riesiger Frachter ungehindert auf die Stadt zu und würde in wenigen Augenblicken aufschlagen. Und sie standen mitten im Weg. Gar nicht gut.

"Alle in das Shuttle, das ist unsere einzige Chance!" Die Straße war bereits wie leergefegt, von ihren Leuten war auch niemand mehr zusehen.

In höchster Eile quetschten sie sich alle hinein, während Logen sich gleich auf den Pilotensitz gleiten ließ, hatte er doch als einzigster eine Flugausbildung absolviert. Nunja, so halbwegs.

"Mal schauen was diese Kiste drauf hat..."

"Quatsch nicht soviel und starte einfach!", rief Roke panisch.

Er schaute durch die Cockpitscheibe und sah was Roke meinte. Der Frachter krachte keine fünfhundert Meter vor ihnen auf den Planeten, was einem Erbeben gleichkam. Häuser knickten einfach wie Grashalme weg und verschwanden unter dem riesigen Rumpf, während es Menschen und alle Arten von Fahrzeugen geradezu verschluckte.

Schnell ließ er seine Finger über die Kontrolltafel fliegen und brachte das Shuttle dazu sich langsam in die Luft zu erheben.

Inzwischen hatte der Frachter ihre Position fast erreicht, wobei es ihm so vorkam als würde sich ihr Shuttle in Zeitlupentempo drehen.

"Verdammt, das wird knapp!"

Gerade wurde der Coffee-Shop von den riesigen Ausmaßen des Schiffes zermalmt, als das Shuttle explosionsartig seine Triebwerke zündete und sie in letzter Sekunde dem bevorstehenden Tod entriss.

Erst als sie sich in einiger Höhe über der Stadt befanden, kamen sie wieder zu Atem.

"Alle in Ordnung?", erkundigte sich Lucy.

Bestätigendes Nicken machte die Runde, niemand schien etwas abbekommen zu haben.

"Das war doch eben kein Unfall, oder? Ich mein so ein Teil stürzt doch nicht einfach so ab."

"Das sollten wir lieber schleunigst rausfinden. Logen, wie siehst mit dem Funk aus, haben wir eine Verbindung?"

"Nein, immer noch-"

"Pass auf!", preschte Viktor plötzlich dazwischen.

Ohne dessen Warnung hätte ihn die trudelnde Cutlass wohl frontal gerammt, so konnte er noch geradeso ausweichen. Brennend rauschte die Cutlass an ihnen vorbei und verschwand in der Schuttwolke.

"Fuck, die wurde abgeschossen oder? Haben die jetzt so kurz vorm Eintritt noch einen Städtekrieg angefangen?", sprudelten die Fragen aus Rokes Mund hervor.

"Ich wünschte es wäre so einfach...", meinte er, als er sah was da auf sie zugeflogen kam.

Drei Scythes tauchten in solch einer präzisen Formation vor ihnen auf, dass jeder Navypilot neidisch geworden wäre. Sie hatten es eindeutig auf sie abgesehen, steuerten sie doch direkt auf ihr Shuttle zu. Er wusste bereits das die Raketen der Vanduuls sie erfassen würden, lange bevor überhaupt die Warnung dafür ansprang.

"Wieviele von den Raketen können wir abwehren?", fragte Lucy leise.

"Nicht genügend..."

Da das Shuttle auf über keinerlei Bewaffnung verfügte, blieb ihnen nur eins übrig. Flucht.

Statt aber wie von der Vanduul Jagdtruppe angenommen, kehrt zu machen, beschleunigte er das Shuttle auf Höchstgeschwindigkeit. Das die damit nicht gerechnet hatte, zeigte sich als er zwischen ihnen hindurch schlüpfen konnte, ehe sie darauf kamen die Hauptwaffen abzufeuern.

Doch wendeten die Jäger sofort und nahmen die Verfolgung auf. Raketenwarnungen blickten sogleich wieder auf.

Fluchend zündete er die Täuschkörper, wissend das trotzdem welche durchkommen würden.

"Logen, flieg da dran vorbei!"

Lucy zeigte auf einen Truppentransporter, vollgestopft mit Vanduuls, der gerade zur Landung ansetzen wollte.

Wenn sie hierblieben, wurde ihm nun klar, waren sie sowas von am Arsch. Sie mussten von diesem Planeten runter.

"Alles klar dann wollen wir dochmal sehen, wie gut eure Zielerkennung wirklich ist..."

Er riss das Shuttle herum und ging tiefer, bis sie sich auf Höhe der noch stehenden Häuser befanden. Die G-Käfte zerrten an ihm, während er unter dem Truppentransporter hindurchflog und das Shuttle fast Senkrecht in den Himmel stieß.

Mehrere Raketen konnte ihre Flugbahn nicht mehr rechtzeitig korrigieren und jagten in das Vanduulschiff, was durch eine spektakuläre Explosion in Fetzen gerissen wurde.

Rauchend stürzten die Reste der Erde entgegen, derweil ihr Shuttle an Abstand gewann.

"Verdammt, da haben wir ja echt Schwein gehabt, das die dich nicht in die Navy behalten haben.", meinte Roke beiläufig.

Der kurze Moment der Erleichterung verschwand sofort wieder, als sie erneut als Ziel aufgeschaltet wurden. Eine Rakete hing immer noch hinter ihnen.

Er versuchte noch den letzten Rest an Beschleunigung aus der Maschine zu holen, hoffte er doch darauf, dass der Rakete bald der Treibstoff ausgehen würde.

Diesmal hatten sie jedoch kein Glück. Ihr linkes Triebwerk zerbarst unter der Explosion und warf ihr Shuttle herum. Wenigstens hatten sie mit dem verbleibenden Triebwerk noch genügend Auftrieb, um nicht wie ein Stein zu Boden zu fallen.

"Haltet euch an irgendwas fest, wir gehen runter!", brüllte er, während er angestrengt versuchte das Shuttle nicht ausbrechen zulassen.

Die Scythes schienen sich im Moment nicht mehr um sie zu kümmern, sollten sie wohl nur dafür sorgen, dass niemand entkam. Ein geringer Trost, aber immerhin etwas.

"Scheiße, wir sind sowas von Tod!", schrie Viktor, als er sah wie die Stadt immer näher kam.

"Schnauze Privat, hier geht niemand ohne meinen ausdrücklichen Befehl drauf, klar?!"

Trotz der ernsten Situation musste Logen schmunzeln, hatte sie doch genau die richtigen Worte gefunden, damit Viktor sich wieder zusammen riss.

"Was gibts da zu grinsen?", wand sie sich sogleich an ihn.

Er schaute sie einen Moment an, bevor er antwortete.

"Ich musste nur gerade daran denken, wie sehr ich dich liebe."

Sie stutze, war das nicht wirklich der beste Zeitpunkt dafür. Dann schenkte sie ihm aber ihr wunderschönstes Lächeln und krallte sich noch etwas fester in den Sitz.

"Wenn du nicht willst das ich uns noch früher zum abstürzen bringe, hälst du jetzt besser die Klappe."

"Nun, runter gehen wir so oder so..."

"Leute ernsthaft, muss das sein?! Wir krachen gleich in eine Stadt in der es nur so von Vanduul wimmelt, die uns umbringen wollen!"

"Was beschwerst du dich eigentlich, Roke? Dir war es hier doch von Anfang an zu langweilig und kaum passiert mal was..."

"Ja, ja. Verdammt, mach einfach keine Bruchlandung wie beim letzten Mal."

"Hey, das war-"

"Scheiße, schau nach vorne!"

Kurz darauf wurden sie auch schon von der aufgewirbelten Schuttwolke verschluckt. Was folgte war ein ohrenbetäubender Lärm, der sich erst nach einer halben Ewigkeit zu legen schien.

Schlagartig wurde Logen aus der Bewusstlosigkeit gerissen, als ihn eine schallende Ohrfeige traf.

Krächzend schnappte er nach Luft und hustete ein paar Mal schwer, ehe er wieder klar denken konnte. Einen Augenblick orientierungslos, schaute er sich verwirrt um.

Er hing immer noch im Pilotensitz fest, während vor ihm die Cockpitscheibe von mehreren Rissen durchsät war, doch schien sie noch zu halten. Dahinter konnte er gerade noch so die Überreste von der Inneneinrichtung einer Wohnung erkennen.

Als er neben sich Lucy bemerkte, atmete er erleichtert auf. Ihr ging es gut. Dann sah er jedoch ihren besorgten Blick.

"Was ist passiert?", kam es ihm mit rauer Stimme über die Lippen.

"Einen riesen Schrecken hast du mir eingejagt, das ist passiert. Schwafelst erst solchen Schwachsinn und dann bewegst du dich nach dem Absturz nicht mehr. Mach sowas nie wieder mit mir!", meckerte sie ihn an, während sie ihn aus den Gurten befreite.

"Du machst dir zu viele Sorgen, mir gehts gut.", sagte er leichthin.

"Ich meins ernst, Logen. Ich... ich will dich wegen so einer Scheiße nicht verlieren, klar?"

Das leichte zittern in Ihrer Stimme fiel ihm erst jetzt auf. Sie war nicht einfach nur vom Crash aufgewühlt, sie schien vielmehr richtig Angst um ihn gehabt zu haben. Kurzerhand stemmte er sich aus dem Sitz und schloss sie in seine Arme.

Hämmernde Schläge auf Metall drangen währenddessen aus dem Passagierraum zu ihnen durch, was wohl hieß das Roke und Viktor an der verklemmten Shuttletür herum hantierten. Sie würden also noch einen kurzen Moment für sich allein haben. Anderfalls hätte sie wohl auch kaum ihre Verletzlichkeit so zur Schau gestellt.

"Hey...meinst du etwa ich würde es zulassen, dass mir schon bei der erstbesten Gelegenheit das Licht ausgeknipst wird? Da müssen die schon schwerere Geschütze auffahren, wenn die mich loswerden wollen."

Zufrieden nahm er wahr, dass sie sich durch seine Worte ihre Anspannung etwas zulegen schien.

"Was glaubst du eigentlich ist für mich das wichtigste in dieser riesigen Galaxie, hm?"

Mit großen Augen sah Lucy ihn an, fürchtete sie sich womöglich davor etwas falsches zu sagen? Unmöglich.

"Na was wohl, du natürlich! Und nichts und niemand wird mich davon abhalten können, bei dir zu sein, verstanden?"

Sie schniefte einmal leise und nickte ihm dann zu, nur um ihm darauf zu einem leidenschaftlichen Kuss heranzuziehen, welchen er auch sofort erwiderte.

"Danke."

"Wofür?"

"Für... einfach für alles.", sagte sie zögerlich.

Auch wenn es nur für den Bruchteil einer Sekunde dauerte, merkte er das da noch mehr war. Sie schien ihm noch etwas sagen zu wollen, änderte ihre Meinung aber schnell, als das Geräusch der herabfallenden Shuttletür zu hören war. Der Moment dafür war vorbei.

Die Rufe von Roke und Viktor holten auch ihn in die Gegenwart zurück und es ließ ihn innerlich schmunzeln, dass sie inmitten einer brennenden Stadt noch Zeit für ein wenig Gefühlsduselei fanden.

"Und jetzt brauchen wir wieder unseren unerbittlichen Sergeant zurück, klar? Ohne dich sind wir hier aufgeschmissen, wenn du also das Shuttle verlässt, erwarte...nein, weiß ich das du uns hier rausholen wirst."

Flüchtig küsste er sie auf die Stirn, wobei sie sich sogleich etwas straffte und entschlossener denn je aus dem Shuttle kletterte.

Hier gehts weiter -> http://www.star-citizens.de/blog/48/entry-256-teil-5-eine-frage-der-schuld-2/



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