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Skybark

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103 Über fast alle Zweifel erhaben

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About Skybark

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    Kosmischer Staub
  • Birthday 05/03/1973

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    Baden-Württemberg

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  1. In Elizabeths Bauch begann es zu kribbeln, und sie war sich selbst nicht ganz sicher ob es der vertraute Anblick von Bettys dunklem Rumpf oder die Tatsache war, dass sie gleich Torin gegenüber stehen würde und immer noch keine Ahnung hatte wie sie auf ihn reagieren sollte. Ihr Zeigefinger spielte abwesend mit der Zielerfassung, als das Haifischmaul der Freelancer sich langsam an der Tiara vorbeischob und sie hämisch auszulachen schien. ~Wehe Dir, Torin wenn Du Deine Schlampe mithierher geschleppt hast.~ Mit einem Seufzen klappte sie die Sicherheitsarretierung wieder über die rot blinkende Warnleuchte und aktivierte den Druckausgleich in den Andockschleusen. Dann huschten ihre Finger über die Kommunikationspanels, die bereits auf die Frequenz der Betty eingestellt waren. „Scheiße noch eins, Liz. Was hast Du mit dem Kübel gemacht?“ krächzte Torins Stimme aus ihrem Headset. Flackernd ratterte währenddessen die Inventarliste der Freelancer über Lizzies Bildschirm, und glich sich automatisch mit den von ihr hinterlegten, benötigten Ersatzteilen ab. Erst als die Anzeige mit grünen Blinken einen einhundertprozentigen Match verkündete, grunzte Elizabeth zufrieden und öffnete ihrerseits einen Komm-Kanal. „Steuerbord, Torin. Die Backbordschleuse ist im Arsch.“ „Ach da war mal ne Schleuse?“ versuchte dieser zu scherzen, doch Elizabeth war gerade gar nicht nach lustig zumute. „Ja, Klugscheißer. Und jetzt schwing Deinen Arsch hier rein. Wir haben ein Schiff zu reparieren und eine Kameradin zu retten.“ Einer plötzlichen Eingebung folgend fügte sie noch hinzu „ Schade dass Du keine Technikerin an Bord hast.“ Als sie hörte wie Torin die Luft einsog und ihr dann künstlich lachend zustimmte, verhärtete sich ihr Verdacht, wessen nackte Haut sie auf ihrem Mobiglass an Torins Seite erspäht hatte. Fassungslos schlug sie sich die Hand gegen die Stirn. ~Tress! Torin! Ein klein wenig mehr Niveau hätte ich Dir schon zugetraut. Herrje – von allen möglichen Frauen suchst Du Dir gerade die raus, die ihren Spitznamen von einer Matratze hat? Oh. Mein. Gott. Bist Du peinlich!~ Anstatt noch wütender zu werden musste Elizabeth nun sogar schmunzeln, als sie sich die kleine und hübsche, aber nicht besonders helle Mechanikerin an Torins Seite vorstellte. „Sag mal Torin – wie geht es Tress eigentlich?“ „Keine Ahnung. Hab sie schon ewig nicht mehr gesehen.“ „Und warum riecht dann mein Bettzeug nach Ihr?“ „Was? Woher…? Ich…“ Sie konnte sich lebhaft vorstellen wie Torin sich in der Betty hektisch umblickte und ihre Koje anstarrte, bevor er hörbar ausatmete. „Hör mal Liz. Es ist nicht wie Du denkst.“ „Schon klar, Torin. Sie hat sich nur im Bett nach einer lockeren Schraube gesucht. Und wo könnte sie die besser finden als bei Dir? Torin, Du bist echt widerlich.“ Schnaubend beendete sie die Verbindung und konzentrierte sich wieder auf das Andockmanöver, das mit den wenigen, verbleibenden Seitentriebwerken schwierig genug zu bewerkstelligen war. Die Tiara zitterte kurz als sich die Halteklammern der Schleusen miteinander verbanden, und die fast um die Hälfte kleinere Freelancer an ihren Rumpf zogen. Elizabeth drehte sich nach hinten um, wo Logen noch immer auf seiner Koje saß und sich den Kopf rieb „Logen?“ „Hm?“ „Wie viele Credits müsste ich Dir zahlen damit Du Torin, wenn er hier hereinspaziert, zur Begrüßung eine aufs Maul haust?“ Als er sie nur verwirrt ansah, winkte sie lachend ab. „Vergiss es. Ich mach jetzt die Schleuse auf. Könnte nach der letzten unsanften Kopplung allerdings etwas hakeln. Also halt Dich besser an irgendwas fest, bevor Du wieder auf dem Hintern landest.“
  2. Erst als sie hörte wie das Codefeld piepend Logens Eingabe registrierte, entspannte Elizabeth sich etwas. Ihr Nacken schmerzte und ein dumpfer Schmerz zog aus den Schulterblättern, die sie die ganze Zeit angespannt nach oben gezogen hatte bis hinauf in ihren Hinterkopf. ~Leck mich am Arsch! Wenn Torin nen Vogel hat, dann hat Logen das Zeug für ne komplett ausgestattete Menagerie!~ Sie legte den Peilsender auf die Konsole, liess die Schultern kreisen und versuchte die Verspannung zu lösen indem sie sich selbst so gut es ging massierte. Erneut fiel ihr Blick auf den Sender. Das Leben ihrer Leidensgefährtin hing also nun komplett von der Funktionsfähigkeit dieses kleinen Geräts und dem enstprechenden Sender ab, den sie vermutlich irgendwo verborgen am oder im Körper trug. ~Und falls jemand sie filzt und das Teil findet, ist Logens Plan von jetzt auf gleich im Arsch. Prima!~ Ein vorsichtiger Blick nach hinten versicherte sihr dass niemand sie beobachtete während sie ihr Mobiglass aktivierte und einen gesicherten Kanal zu Torin öffnete. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis das dunkle, stark flackernde Konterfei von Torin erschien und unwillkürlich musste Elizabeth grinsen als sie sein verwuschelte Frisur und die Falten sah, welche nur die harte Koje der Freelancer auf seinem Gesicht hinterlassen haben konnte. “Guten Morgen Sonnenschein. Ich hoffe ich habe Dich nicht geweckt?” fragte sie neckend und wohl wissend dass sie genau das getan hatte. Torins Hand erschien kurz auf dem Display, als er sich schlaftrunken über die Augen wischte “Scheisse Liz. Was gibts denn?” “Hm – wie soll ich es ausdrücken? Erst hat man versucht uns zu entern, dann bedroht und weil das nicht reichte wurde eine meiner Mitstreiterinnen am Ende auch noch entführt.” “Welcher Idiot entert zuerst und bedroht dann?” “Vergiss es Torin. Lange Geschichte. Ach und übrigens soll ich Grüße von Logen ausrichten.” “Logen?” sie konnte sehen wie er die Stirn in Falten legte, doch kurz darauf erhellte sich sein Gesicht als der Name offenbar eine Glocke in seiner Erinnerung läutete. “Logen! Gott – wer hätte gedacht dass der verrückte Kerl sich noch immer da draussen rumtreibt. Also gut Lizzy. Aber jetzt mal Tacheles: Du hast mich doch kaum angepiepst um mir Grüße von Logen auszurichten oder weil man eine Waffe auf Dich gerichtet hat? Ist ja nicht gerade das erste Mal und ich erinnere mich daran dass der letzte Kerl der dich bedroht hat jetzt eine Oktave höher spricht.” er lachte leise “Scheisse – den Gesichtsausdruck werde ich nie vergessen als Dein Stiefel seinen Nüssen das Fliegen beibringen wollte.” “Torin.” Er lachte noch immer und winkte beschwichtigend ab als er Elizabeths ernste Miene sah. “Schon gut, schon gut. Also was ist los?” “Das Schiff hat bei dem Enterrmanöver ein paar Kratzer abbekommen, und wir könnten einige Ersatzteile brauchen.” Sie übertrug die Checkliste der Tiara auf sein Mobiglas und wartete , bis er die Liste überflogen hatte. “Wow. Ein paar Kratzer sagst Du. Ich kenne einen Schrotthändler der das Teil...” “Torin!” irgend etwas kam Elizabeth an Torins Verhalten seltsam vor. Normalerweise war er nicht der Typ der Witze machte wenn man ihn aus dem Schlaf riss. “Also was ist jetzt? Da springen sicher ein paar Credits für Dich raus. Komm schon – und außerdem könnten wir die Betty als Verstärkung brauchen wenn wir auf die Suche nach unserer verlorenen Kameradin gehen.” “Wohohoho... warte – was? Ach so sieht das aus. Du fliegst die Kiste zu Schrott und ich soll Dich da rausboxen? Also ich...” irgend etwas musste ihn in diesem Moment ablenken, denn er drehte sich kurz um, so dass Lizzy nur erahnen konnte dass er mit der freien Hand irgend etwas in seiner Koje zurecht schob. “Alles klar, Torin?” “Was? Äh. Klar. Ja natürlich komme ich vorbei. Schick mir die Koordinaten und ich melde mich, sobald ich in reichweite bin. Bis dann.” Lizzies Augen verengten sich misstrauisch. Die joviale Art war seltsam, aber das er einfach so zusagte ohne zu wissen was für ihn dabei heraussprang oder worauf er sich einliess, das war in höchstem Maße verdächtig. “Torin – ist wirklich...?” Doch Torin hatte die Hand bereits sinken lassen um das Gespräch zu beenden. Lange Zeit saß Elizabeth einfach nur mit offenem Mund und hochgezogenen Brauen da. Das letzte Bild das Torins Mobiglas übertragen hatte war ein nackter Hintern gewesen, und da ihr eigener Hintern sich Millionen von Kilometern entfernt von Torins Koje befand und sein eigener so behaart wie ein Affenarsch war, war sich Elizabeth ziemlich sicher dass Torin die Nacht nicht alleine verbracht hatte. Wütend griff sie nach dem nächstbesten Gegenstand, hob die Hand und registrierte in allerletzter Sekunde dass sie eben fast den Peilsender zu Elektronikschrott verarbeitet hätte. Frustriert brüllte sie ein ohrenbetäubendes “ARSCHLOCH!” durch die Tiara, und trat ersatzweise gegen die Steuerkonsole, bevor sie sich walkürengleich auf den Kühlschrank stürzte um sich eine Dose Bier zu greifen, die sie in einem Zug leerte. Erst als die dritte und letzte Dose ihren Inhalt vollständig preisgegeben hatte, fühlte Lizzy wie sich langsam wieder ein Gefühl der Wärme in ihre kalten, verkrampften Finger schlich.
  3. Ziellos und mit der Waffe noch in der Hand wanderte Torin über Cathcart, die verwunderten Blicke gar nicht bemerkend die ihm folgten. So konnte es nicht weitergehen. Bethanys Geist schien bei allem was er tat gegenwärtig zu sein, und Lizzy ging es ganz offensichtlich keinen Deut besser. <Fuck!> Er donnerte die Handfeuerwaffe hart gegen die Wand eines Geschäfts welches er gerade passierte, und hätte sich fast von dem empörten „Hey!“ des Ladenbesitzers dem das Etablissement gehörte zu einem Streit provozieren lassen. Doch das hätte nur zu weiteren Problemen geführt, und davon hatte er schon mehr als genug. Entschuldigend hob er die Hand und steckte die Waffe weg, was dem Besitzer offenbar genügte, denn er wandte sich brummend ab und widmete sich wieder seinen Tätigkeiten. <Ich hätte Lizzy nie mitnehmen dürfen! Hätte nie nachgeben dürfen, doch irgendwie dachte ich sie würde mir helfen über Betty hinwegzukommen. Ha! Ich Idiot! Nicht nur dass sie mich jeden Tag daran erinnert was passiert ist, nein – es scheint sie selbst mehr zu quälen als mich!> Er blieb einen Moment stehen, holte tief Luft und strich sich mit der Hand über das Gesicht, als würde ihm diese Geste helfen wieder klarer zu sehen. „Auf der Suche nach Gesellschaft, Süßer?“ Verwirrt fuhr Torin herum, als sich eine Hand auf seine Hüfte legte. Er blickte in das Gesicht einer nicht mehr ganz jungen Frau, die schnell ihre Hand zurückzog und unsicher einen Schritt zurück wich, als sie Torins düstere Miene sah. „Schon gut, schon gut. Entschuldige!“ schnell wandte sie sich um und verschwand in der Menge. Torin blickte ihr noch einige Sekunden hinterher, dann schüttelte er langsam den Kopf. Nicht über die plumpe Anmache der Straßenhure sondern über sich, über Lizzy, die Situation im Speziellen und die Welt im Allgemeinen. <Verfickte Scheiße. So geht das nicht weiter. Sie hat mich angesehen als hätte sie bereits mit allem abgeschlossen. Warum habe ich die Waffe mitgenommen? Weil ich Angst hatte sie würde sich damit den Rest geben! Doch hatte ich dazu das Recht?> Seine Finger ertasteten das kalte Metall des Blasters, und einige Momente spielte er selbst mit dem Gedanken, sich hier mitten unter al diesen Fremden Menschen einfach die Birne wegzupusten. <Würde aber auch nichts helfen. Lizzy würde es noch beschissener gehen und außer dem armen Kerl der meine Blutlache wegputzen müsste hätte morgen jeder vergessen was hier passiert wäre.> Er drehte sich langsam im Kreis, und wurde dabei einige Male von Passanten angerempelt die murrend an dem menschlichen Hindernis vorbeiströmten. <Vergänglich. Jeder von denen meint er wäre ach so wichtig, doch was sie alle vergessen ist dass die Welt sich weiterdreht wenn sie den Löffel abgeben. Am Tag danach stehen alle anderen auf, gehen zur Arbeit, und versuchen die Angst davor dass sie der nächste sein könnten zu verdrängen. Scheiße vielleicht bin ich total im Arsch, vielleicht schaffe ich es nie über Betty hinweg zu kommen, aber Lizzy hat etwas Besseres verdient.> Erneut saugte er die Abendluft in seine Lungen, genoss die verschiedenen Düfte nach gebratenem Fleisch, Gewürzen, Öl Schweiß und – Gott weiß woher – irgendwelchen ihm unbekannten Blumen. Er straffte die Schultern, schob die Waffe wieder etwas tiefer in die Tasche und zog den Mantel enger um sich. Dann machte er sich auf den Weg zurück zur Freelancer, in der Hoffnung dass sich Elizabeth zwischenzeitlich wieder etwas in den Griff kommen hätte. Es dauerte länger als erwartet bis er den Hangar erreichte, die auf Cathcart recht laxe Kontrolle hinter sich hatte und sich seinem Schiff näherte. <Das Mindeste was ich für sie tun kann: Ihr helfen zu vergessen und nicht ein noch größerer Arsch zu sein als ich es früher war. Sie versucht es ja auch! Herrje sie hat sogar einen verfluchten Fisch angeschleppt! Was bin ich nur für ein böder Wichser, dass ich ihr jede Hoffnung nehme? Was sie getan hat war falsch. Leichtsinnig, draufgängerisch und falsch. Doch genau diese Eigenschaft habe ich am Meisten an ihr bewundert. Lebe den Tag als wäre es Dein letzter! Wenn es stimmt dass sie die Waffe abgefeuert haben, dann war ich es der Bethany dazu gebracht hat es zu versuchen. Wie oft lag ich ihr in den Ohren und habe ihr vorgehalten wie konservativ und steif sie ist? Und dann, als sie anfing sich zu ändern... war es bereits zu spät für uns. Sie wusste es. Hat es akzeptiert. Irgendwie hat sie es geschafft zu mir zu halten obwohl sie WUSSTE dass sie mich bereits verloren hatte. Sie mochte Lizzy und Lizzy mochte sie. Betty hätte nie gewollt dass es so endet.> "Mach sie glücklich." hatte sie einmal gesagt, als sie ahnte dass Torin sie betrogen hatte, und auch wenn sie nicht wusste mit wem - es hätte nichts geändert. Kurzzeitig spielte ein Lächeln um seine Lippen, als unerwartet Hoffnung in ihm keimte. <Sie hätte gewollt dass wir glücklich sind. Natürlich hätte sie das gewollt. Und selbst wenn ich es nicht schaffe - vielleicht gelingt es mir wenigstens Lizzy zu helfen, und sie eine Spur glücklicher zu machen.> Zwischenzeitlich hatte er die Freelancer erreicht und berührte den biometrischen Scanner, woraufhin sich die Fronttüre zischend zur Seite schob. Sein Lächeln gefror auf seinen Lippen als er die Rampe hinaufblickte und direkt über sich Lizzys frei pendelnde Füße bemerkte, die durch den Luftzug einen sanften Halbkreis nach links beschrieben und sich dann ebenso langsam wieder zurück drehten. Mit einem Schrei des Entsetzens stürzte er die wenigen Stufen hinauf, immer gleich drei auf einmal nehmend, und stemmte seinen Körper unter den seiner Partnerin, um das Seil das sich bereits fest um ihren zarten Hals gezogen hatte zu lockern.
  4. "Hast Du mir nicht zugehört?" ohne zu wissen warum war Logen empörter über Elizabeths Frage als er es hätte sein sollen. Beruhigend legte sie die Hand auf seinen Arm "Doch natürlich aber..." sie presste kurz die Lippen aufeinander während sie überlegte wie sie am besten ausdrücken konnte was sie bewegte. "Ich habe den Eindruck dass nicht alles was hier gesagt wird dem entspricht was man zu tun beabsichtigt." Logen richtete sich energisch etwas auf um darauf zu antworten, doch Lizzy hob abwehrend die Hand und fuhr unbeirrt fort. "Versteh mich bitte nicht falsch, aber..." sie deutete pauschal in Richtung der Türe, hinter der Logen Cesiria eingesperrt hatte "...warum sonst steckt sie da drin? Entweder sie glaubt Dir nicht, oder sie zweifelt daran dass wir eine reale Chance haben, Lucia zurück zu holen. Deshalb meine Frage: Meinst Du das was Du sagst? Hast Du wirklich einen Plan? Du sagst wir holen erst diese anderen Typen raus und suchen dann nach ihr, aber..." Sie seufzte und drehte sich ein wenig von Logen weg. Ohne den Blick konkret auf etwas zu richten starrte sie durch die Cockpitscheibe der Tiara ins Nichts und sammelte sich kurz. "Ich verstehe einfach nicht wie man einen Kameraden zurücklassen kann. Halte mich für bescheuert, aber wenn wir in den Hornets saßen und auf der Oberfläche Eure Ärsche unter Beschuss waren, dann hätte Torin uns die Köpfe abgerissen wenn wir abgehauen wären, bevor auch der Letzte von Euch entweder tot oder in Sicherheit war." Sie lächelte schief als sie sich an Torins gebetsmühlenartiges Briefing vor jedem Einsatz erinnerte, das die Piloten genau darauf einschwor: Niemand wird zurückgelassen koste es was es wolle! "Logen, ich habe nachgedacht, und wenn ihr das wollt könnte ich versuchen Torin zu erreichen. Er wird zwar kaum begeistert sein und mir vermutlich den Hintern so weit aufreißen dass Du mit einer Idris quer darin parken kannst, aber... vielleicht hilft er uns die Tiara wieder flott zu machen?"
  5. Psychologie stand nicht gerade ganz oben auf der Ausbildungsliste der UEE Piloten und Elizabeth war darüber hinaus alles andere als eine gute Menschenkennerin, dennoch sog sie zischend die Luft ein, als sie sich von Logen abwandte und ins Cockpit eilte. ~Scheisse noch eins, was war DAS denn? Der Typ hat mich eben angesehen als wäre ihm ein Geist oder sowas erschienen. Oder besser: Er hat die Wumme angestarrt als ob sie gleich in die Luft fliegt!~ Kopfschüttelnd betrachtete sie ihre Hände, nur um sicher zu gehen dass die Waffe keine Spuren hinterlassen oder sonst irgendwie auf sie abgefärbt hatte. ~Dass die Frontschweine ihre Knarren lieben ist ja Nichts Neues, aber bei dem Blick hätte man meinen können dem Ding wachsen gleich Titten.~ Sie lachte leise in sich hinein und widmete sich wieder der Konsole. ~Andererseits auch kein Wunder: Wenn sich zwischen Dir und dem Feind nur ein Gewehrlauf befindet, und das Tag ein Tag aus? Vielleicht ist es ganz normal dass man irgendwann eine Art Gefühle für das entwickelt was einen am Leben erhält. Auf der anderen Seite war ich immer froh wenn mir meine Hornet nicht unter dem Arsch weggeschossen wurde und ich aus dem Cockpit kam. Okay. Ist vielleicht auch der Unterschied zwischen Mann und Frau. Wir denken mit dem Hirn, sie… mit den Eiern. Kann ja Nichts Vernünftiges rauskommen.~ Seufzend fuhr sie sich durchs Haar. Dass sie Lucia zurückgelassen hatten schmeckte ihr überhaupt nicht. Man ließ Kameraden nicht im Stich! Doch der Befehl war eindeutig gewesen, ganz egal wie sehr sie sich im Innersten dagegen sträubte. ~Diese Menschen sind so völlig anders. Sie handeln instinktiv. Selbst Logen, der sicher einmal ein Soldat war scheint sich fast ausschließlich von Gefühlen leiten zu lassen. Okay: Von Profit und Gefühlen. Will ich wirklich so enden? Alleine wie Lucia hinter einem Bullauge, dem Rest der Mannschaft hinterher blickend wie sie ihre Ärsche in Sicherheit brachten und mich verkauften? Wir hätten das Scheiß Schiff rammen sollen! Oder … ach was weiß ich?! Torin hätte sicher eine Lösung gehabt.~ Plötzlich erhellte sich ihr Gesicht, als ihr eine Idee kam. Gerade als sie nach Logen rufen wollte, hörte sie von Hinten seine Stimme: "Hey Liz, brauchst du Hilfe?" „Ähm – Logen? Darf ich Dich mal ganz offen was fragen?“ Seine Schritte näherten sich und die massige Gestalt schälte sich geisterhaft aus der Notbeleuchtung der Tiara. „Sicher. Was hast Du auf dem Herzen?“ Sie legte die Hände auf den Schoß und begann nervös an ihrem Daumennagel zu spielen, während sie den Blick starr auf ihre Knie richtete. „Wegen Lucia…“ „Ja?“ „Nun ich meine – wir holen sie doch da raus, oder?“
  6. ~ Gute Arbeit?~ Einen Moment stutzte Elizabeth, doch als Lucia sich wieder von ihr abwandte sah sie ein dass das Kompliment wohl irgendwie ernst gemeint gewesen war. Sie salutierte zackig, dann schlenderte sie grinsend zurück zum Cockpit und warf sich in den Pilotensessel, all die herumhängenden Kabel ignorierend. Bei den Streitkräften hätte sie im besten Falle den Kasernenhof mit einem Wischmop ohne Stiel bei Starkregen scheuern dürfen, oder noch wahrscheinlicher ein Verfahren wegen mutwilliger Beschädigung von Militäreigentum mit anschließender Degradierung zum Latrinenputzer auf Lebenszeit erwartet. Hier jedoch wurde sie dafür gelobt, ein – wenn auch schon betagtes – Schiff zu einer fliegenden Konserve umfunktioniert zu haben. ~Vermutlich macht einen das Leben am Rande des Gesetztes einfach zu einem Menschen der jede Handlung schätzt die einen am Leben hält, koste es was es wolle. Hier zählen wohl weniger die Abschuss Quote oder der Erfolg eines Geschwaders, sondern einzig und allein das persönliche Bestehen. Interessant.~ Sie war so sehr mit ihren Gedanken über das Leben dieser fremden Menschen beschäftigt, dass ihr die Lichtpunkte der sich enttarnenden Hornet zuerst völlig entgingen. ~Primal instincts? Überleben des Einzelnen? Aber warum funktionieren Sie dann als Gruppe? Klar: Logen hat eine militärische Ausbildung hinter sich, und weiß die Stärke eines gut organisierten Teams sicher zu schätzen, aber der Rest? Warum knallen sich die Typen nicht einfach über den Haufen, sobald sie einen persönlichen Vorteil sehen? Oder unterscheidet uns das etwa von echten Piraten? ~ Erschrocken hielt sie inne. Hatte sie eben tatsächlich von diesen Menschen als „uns“ gedacht? Zählte sie sich nach der kurzen Zeit schon zu diesem Haufen Wahnsinniger, die ihren Lebensunterhalt am Rande des Gesetzes verdienten? Eilige Schritte rissen sie aus ihren Gedanken, und gerade als sie den Kopf hob um den sich nähernden Logen zu begrüßen begann der Raketenalarm zu schrillen. ~Oh nein. Oh neinohneinohnein!~ Hastig begannen ihre Finger über die kläglichen Reste der Konsole zu huschen, doch egal welche Manöver sie dem Schiff auch in den taktischen Computer prügelte, die Antwort war immer ein klagendes „Fehler“ Geräusch. Irritiert bemerkte sie aus dem Augenwinkel noch dass sich zu Logens Füßen eine Pfütze bildete, was sie aber kopfschüttelnd abtat. ~Scheiße! Irgendetwas MUSS doch in diesem Kahn doch noch funktionieren!~ Sie spürte wie ihre Hand zu zittern begann, als die Innenwände der Constellation sich auf sie zuzubewegen schienen. ~Flipp jetzt nur nicht aus – das ist nur eine Rakete… okay Korrektur … .das sind nur zwei… drei… Raketen die gerade auf uns zukommen…~ Ihre Stimme klang unnatürlich schrill in ihren eigenen Ohren, als sie sich mit weit aufgerissenen Augen zu den anderen umdrehte die an ihr vorbei auf die Hornet und die sich nähernden Lichtstreifen blickten. „Ähm Logen?“ „Was?“ „Da Du Dir ja offenbar gerade ins Hemd gepisst hast ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt einen Schritt zur Seite zu machen und auf die Knie zu fallen. Ne bessere Idee hab ich nämlich ehrlich gesagt gerade nicht!“
  7. „Wir wollen hier fertig werden… Nänänänänä…“ äffte Liz Lucia nach während sie sich hastig durch die Luft und schwerelose Constellation hangelte, immer darauf bedacht keine der Leitungen zu berühren die sie skrupellos aus Decke und Wänden gerissen hatte um die Querverbindungen wiederherzustellen. Im Großen und Ganzen sahen die Systeme der Tiara wieder relativ brauchbar aus, was man vom Schiff allerdings nicht wirklich behaupten konnte. ~Kosmetik. Ich bin mir sicher Lucia hat Verständnis dafür dass ich ein wenig um dekorieren musste. Naja, ist ja eh ein alter Schrotthafen – sie wird´s mit Fassung tragen… hoffe ich~ Als sie das Cockpit erreichte stellte sie zufrieden fest dass sich die Energiebänke weitgehend stabilisiert hatten, und die Schwerkraftsysteme wieder über ausreichende Energie zur Aktivierung verfügten. ~Na dann Rock and Roll~ Sie betätigte den Auslöser und kniff sicherheitshalber kurz die Augen zusammen, da sie ihren eigenen Fähigkeiten als Bormechanikerin soweit traute wie sie das Schiff hätte werfen können. Mit einem sanften Brummen gingen beide Generatoren wieder in Betrieb, und grinsend öffnete Lizzy die Augen. ~Na also! War doch ganz… UAH!~ Mit dem Bauch voran plumpste Sie durch die Kanzel auf den harten Boden. ~Scheißkiste! Haben diese verdammten Konstrukteure schon mal was von stufenweiser Anpassung der Atmosphäre gehört?~ Einen Moment war sie versucht gegen die Konsole zu treten, besann sich aber eines Besseren als nun auch die Sauerstoffversorgung mit einem blinken ihre Bereitschaft signalisiert. ~Ich. Bin. Genial! Lucia wird mir SOWAS von dankbar sein. HA!~ Mit einem triumphierenden Lächeln deaktivierte die die Sauerstoffversorgung ihres Helmes und sog die vermeintlich frische Luft gierig in ihre Lungen – nur um sich kurz darauf röchelnd an der Lehne des Pilotensessels abzustützen. ~Filter! Die Filter sind im Arsch! Na super… Immerhin ist die Brühe atembar.~ Sie verzog das Gesicht und holte erneut Luft, den beißenden Gestank nach altem Schweiß ignorierend. Kopfschüttelnd begab sie sich dann zur Schleuse, entriegelte das manuelle interne Schloss und ließ das Schott nach einem letzten Kontrollblick durch das Guckloch hinaufgleiten. Zuerst trat Lucia durch das Schott und Lizzy bemerkte sofort wie sich ihre Augen kurz weiteten als sie das Chaos bemerkte das Lizzy in den letzten Minuten in ihrem Schiff angerichtet hatte. Auch der angewiderte Blick als sich ihre Nüstern blähten und sie den widerlichen Gestank der kollabierten Filter wahrnahm entging Lizzy nicht, und vorsichtshalber machte sie einen Schritt zurück, um sich außerhalb von Lucias Reichweite zu bringen.
  8. Elizabeths Blick huschte über die Konsole, und pfeifend sog sie die Luft durch die Zähne als ihr klar wurde wie groß der Schaden an der Tiara tatsächlich war. ~Immerhin ist der Antrieb noch ganz, und die Steuerdüsen sollten uns...~ just in diesem Moment gab die Konsole ein wimmerndes Piepen von sich, dann erlosch das komplette Licht im Cockpit. ~ ...Fuck. ~ Einen Moment saß Elizabeth nur stumm da und lauschte den Geräuschen die aus dem Laderaum hinter ihr drangen. Mit hochgezogenen Brauen betrachtete sie ein paar Trümmer die an der Kanzel vorbeizogen, und versuchte sie ihrem ursprünglichen Zweck zuzuordnen. ~Ich könnte mir die Merlin schnappen und einfach abhauen. Tolle Idee die Kompensatoren zu verjucken.~ Frustriert schlug sie mit der Faust auf die Kontrollen, und fuhr überrascht zurück als einige davon träge flackernd wieder zum Leben erwachten. ~Und ich dachte sowas gibt’s nur im Film. Hm - okay. Bestandsaufnahme: Klasse - die Küche hat noch Saft. Immerhin kann ich mir also ein kühles Bier hinter die Binde gießen während ich darauf warte dass mich das andere Schiff zu Brei schießt. Waffensysteme – im Arsch. Triebwerkskontrolle – bye bye. Toll, echt. Die Triebwerke wären online aber die Steuerung ist hin. Wer hat diese Scheissvögel eigentlich konstruiert?~ Sie betätigte einige Schalter und nickte zufrieden, als ein stilisiertes Liniendiagramm auf dem Display erschien und die Verbindung der Konsole zu den Energiekupplungen anzeigte. ~Na also. Immerhin hats ein Bypass System. Wollen doch mal sehen…~ Wenige Tastenkombinationen später meldete der Kühlschrank mit einem lautstarken Piepen das Ende seiner Stromversorgung, während die Verbindung zu den Triebwerken zuerst orange und dann wieder grün dargestellt wurde. <Bypass established> leuchtete kurz unter dem Diagramm auf, was Lizzy mit einem zufriedenen Brummen quittierte. ~Waffen wären auch nice, allerdings habe ich das ungute Gefühl dass die gute Tiara so ziemllich all ihre Zähne im Raum verteilt hat als ich ihren dicken Arsch an diesem Dreckseimer da drüben entlangeschrubbt habe. Was haben wir denn noch so zu bieten? Ah, gut. Die Schotts haben noch Energie. Mal sehen ob es irgendwo größere Lecks gibt.~ Sie betätigte die Hüllenüberprüfungsroutine, und zuckte nervös zusammen als sie erkannte dass der Rumpf gleich an drei Stellen aufgerissen worden war. ~Doppelfuck! Aber wie sagte Sergeant Weatherly immer? Wozu löchrige Socken stopfen wenn man auch Barfuß gehen kann? ~ Mit einigen weiteren Kommandozeilen aktivierte sie die Umleitung des Sauerstoffs auf die Atemmasken und die interne Versorgung der Raumanzüge. ~So das sollte erst einmal reichen. Hoffe nur niemand kommt auf die bescheuerte Idee den Kampf in der Tiara auszutragen~ mit geübtem Griff schnappte sie sich eine der Atemmasken und zog sie sich über das Gesicht. ~Andererseits: Wäre sicher eine nette Überraschung wenn man plötzlich ganz ohne Sauerstoff dasteht.~ Über das Intercom wählte sie Logens Frequenz und war froh als er ihr mit einem knappen "WAS?!" antwortete. „Ich dachte nur es könnte Euch interessieren dass die Tiara so im Eimer ist, dass…“ „Liz! Mach´s kurz!“ „Ja ja schon gut. Der Sauerstoff ist weg. Ich mach jetzt die Luke zu und…“ Mit einem Rauschen brach die Verbindung ab, und Elizabeth wartete noch einige Sekunden bevor sie schulterzuckend die Verriegelung betätigte. ~Und jetzt mal sehen ob die Merlin noch funktioniert. Natürlich nur für den Notfall~
  9. „Hey Torin! Schau was ich gefunden habe!“ Stolz trug Elizabeth das kleine runde Glas mit den beiden Ribbon-Fischen vor sich her. Fast wäre es ihr herunter gefallen als sie mit einer Hand die Türe der Betty entriegelte, doch in letzter Sekunde hatte sie die beiden kleinen zukünftigen Haustierchen vor einem zappelnden Ende auf einem ölverschmierten Hangarboden bewahrt. Sie hörte Torins schwere Schritte, als er aus dem Bad auf sie zukam. „Ich dachte wir können…“ Der Schlag traf sie so unerwartet und brutal ins Gesicht, dass sie nicht einmal die Chance hatte zu reagieren. Mit einem Schrei stolperte sie rückwärts, während das Glas ihren Händen diesmal endgültig entglitt, und wie in Zeitlupe in einem großen Bogen an ihr vorbeiflog. Torins kräftige Hand hielt sie jedoch davon ab, das Schicksal des Aquariums zu teilen und hart auf dem Boden aufzuschlagen. Während das Gefäß in tausend Scherben zerbrach und sich die Flüssigkeit die Rampe der Betty hinab ergoss, schnappte Torin sie am Kragen und riss sie so hart zu sich heran dass ihr Genick protestierend knackte. Erst als sich ihr Gesicht kaum eine Handbreit von seinem befand, setzten der Schmerz und die Realisation dass er sie eben mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen hatte ein. „Au?“ Doch kaum hatte sie den Mund geöffnet warf er sie auch schon mit einem Wutschrei durch die halbe Kabine. Die Kante des Stockbettes stoppte ihren Sturz unsanft, und kurze Zeit rang Elizabeth darum ihre Besinnung nicht zu verlieren, bevor sich das Bild vor ihren Augen schwankend wieder klärte. „Torin! Was…?“ sie zog schützend die Beine an den Körper als er erneut auf sie zukam, die Hände zu Fäusten geballt und mit einem Gesichtsausdruck der Mord verhieß. „Torin!“ verzweifelt griff sie nach ihrer Waffe, und riss sie aus dem Halfter bevor der ihr körperlich weit überlegene Major a.D. sie erneut in die Mangel nehmen konnte. „Gut. Bring es zu Ende.“ seine Stimme klang völlig fremd in ihren Ohren. Elizabeths Gedanken rasten. ~Was ist in ihn gefahren? Ist mein Kiefer gebrochen? Was meint er mit zu Ende?~ „Torin! Beruhig Dich verdammt noch mal!“ Sie hatte die Waffe auf seine Brust gerichtet, und schob sich nun langsam an der Seitenwand der Koje nach oben, ohne ihn jedoch aus den Augen zu lassen. „Los hinsetzen.“ Einen Moment zögerte er, und seine Fäuste öffneten uns schlossen sich immer wieder mit einer Kraft, die die Fingerknöchel laut hörbar knacken ließ. ~Wenn er die jetzt um meinen Hals geschlossen hätte wäre ich so tot wie die beiden armen Fische. Scheisse!~ Dann jedoch schien urplötzlich alle Luft aus ihm zu entweichen, und wie ein nasser Sack sank er auf die untere Koje. „Warum, Lizzy?“ „Was warum?!“ so langsam wurde es ihr zu bunt, und so wurde ihre Stimme auch deutlich lauter als sie sich nun vom Bett wegbewegte, ohne jedoch die Waffe zu senken. „Spinnst Du eigentlich?!“ Mit der linken Hand fühlte sie ihren Kiefer, und zuckte schmerzerfüllt zusammen als ihre Finger die Stelle berührten an der er sie erwischt hatte. „Was hast Du getan?“ „WAS?! Ich… Die Fische… Torin! Du tickst aus weil ich weg war?!“ Der nun völlig ins Leere starrende Torin winkte kopfschüttelnd ab. Seine Schultern hingen kraftlos nach unten und sein Blick sank auf seine Füße, als hätte er nicht einmal mehr die Kraft den Kopf zu heben. „Nein. Was hast Du getan als Du den Prototypen abgefeuert hast? Warum Lizzy? Hat Bethany Dich überredet? Du warst die Pilotin, Liz. Du hattest die Verantwortung. Warum hast DU mich belogen?“ Eine Gänsehaut ließ sich die feinen Härchen an ihren Unterarmen aufrichten und trieb ihr einen Schauer über den Rücken. „Was… ich verstehe nicht.“ Jetzt hob sich sein Blick, und seine Augen funkelten voll abgrundtiefem Hass. „Doch, Lizzy. Du weisst genau wovon ich spreche. Ihr habt die Behring abgefeuert. Und Bethany hat die Blackbox manipuliert.“ Seine ohnehin schon kalte Stimme wurde noch eine Nuance kühler. „Du hast meinen Sohn getötet.“ Elizabeths Hand sank langsam hinab, während sie versuchte zu begreifen was Torin ihr da eben vorgeworfen hatte. „So ein Unsinn Torin!“ doch ihre Worte wollten sie selbst nicht wirklich überzeugen. War es so gewesen? Bis heute war ihre Erinnerung nicht vollständig zurückgekehrt, doch auf seltsame Art schienen Torins Worte eine bekannte Glocke zu läuten. „Ich… nein. Warum sollten wir…“ sie brach mitten im Satz ab und sank nun an der dem Bett gegenüberliegenden Wand in die Hocke. „Ich kann mich nicht erinnern, Torin.“ Sie kniff die Augen zusammen und presste die Handballen an die Schläfe, den kalten Griff der Waffe und ihren schmerzenden Kiefer ignorieren. „Das behauptest Du seit dem Unfall, Elizabeth.“ ~Bethany hat davon gesprochen. Ich erinnere mich dass sie davon gesprochen hat! Aber wir hätten doch nie wirklich… Oder doch? Mein Gott habe ich tatsächlich seine Familie auf dem Gewissen? Ich dachte der Alptraum wäre vorüber und nun beginnt der ganze Mist von Vorne? ~ Erschrocken fuhr sie zusammen als es laut klapperte, doch es war nur die Waffe die ihr aus der zitternden Hand geglitten war. „Du konntest das andere Schiff nicht sehen Lizzy. Du konntest es nicht sehen weil es nicht auf dem Radar war.“ Seine Stimme wurde schärfer als er fortfuhr „Und weißt Du WARUM? Weil der beschissene Radar AUSSER BETRIEB WAR! WEIL IHR MIT EUREN SCHEISS EXPERIMENTEN FAST DAS GANZE SCHIFF IN DIE LUFT GEJAGT HABT! Und als die System wieder hochfuhren sprang dieser Unglückspilot mitten in Eure Bahn. Ja Lizzy! Denk mal drüber nach! DER konnte Euch nämlich AUCH nicht sehen, weil auch Eure Ortungs- und Kommunikationssysteme im Arsch waren und erst langsam wieder hochfuhren!“ „Nein!“ Elizabeth schüttelte heftig den Kopf, und presste die Hände noch fester vors Gesicht. „NEIN!“ Sie hörte wie Torin sich von der gegenüberliegenden Koje erhob und auf sie zuging. Durch die Tränen und die Finger erkannte sie die Kuppen seiner schweren Stiefel, und rechnete damit dass er sie nun damit treten würde um ihr den Rest zu geben. Dann erschien kurz seine Hand in ihrem Blickfeld und einen Moment hoffte sie dass er ihr wie damals im Krankenhaus über die Wange streicheln würde, doch er griff an ihr vorbei und hob die Waffe auf die sie hatte fallen lassen. Ihre Gedanken beruhigten sie plötzlich, und nur das gelegentliche Aufbäumen ihres Körpers unter einem unkontrollierten Schluchzen zeugte von der Gefühlsflut, die in ihr tobte. ~Bitte lass ihn abdrücken. Ich will nicht mehr! Ich KANN nicht mehr. Lass es zu Ende sein.~ Sie konnte förmlich spüren wie Torin innerlich mit sich rang, dann hörte sie wie seine schweren Schritte sich von ihr abwandten, knirschend das zerbrochene Glas des Aquariums unter sich begruben und sich die Rampe hinunter von ihr entfernten. Leise weinend kippte sie zur Seite, die Beine noch immer in Fötushaltung an den Körper gezogen und Torin dafür verfluchend dass er die Waffe mitgenommen hatte.
  10. ~0.3 Grad Korrektur Steuerbord, 0.15 Grad Korrektur Topthrust, Haupttriebwerk auf 0.~ Einen Moment schloss Elizabeth die Augen als Zahlenkolonnen vor innerem Auge abliefen. ~Warum zittere ich eigentlich nicht?~ Tatsächlich waren ihre Hände völlig ruhig, und ihre Gedanken so klar wie seit Jahren nicht mehr. Der Adrenalinschub wischte jeden Selbstzweifel, jeden Gedanken an ein mögliches Versagen mit der Macht eines Tsunami beiseite, und ließ nur Platz für das fast digital arbeitende Pilotenhirn das Lizzy einst zu einer der besten Pilotinnen der Streitkräfte gemacht hatte. Als Lucia ihr von dem Drop erzählt hatte, wäre ihr das Herz fast in die Hose gerutscht, doch jetzt war einfach keine Zeit dazu über ein mögliches Versagen nachzudenken. ~Fuck. Was machen die Penner da?!~ Die Zahlen auf Lizzys Bildschirm sanken viel zu schnell, und mit gehetztem Blick prüfte sie erneut Annäherungswinkel, Geschwindigkeit und Zustand der Trägheitsdämpfer. Es sollte alles perfekt sein, dennoch kam das andere Schiff viel zu schnell auf sie zu. ~Wie Du mir so ich Dir oder was? Diese Vollpfosten wollen uns rammen? Haben die nicht mehr alle Socken im Spind?~ Ihre Finger huschten so schnell über das Bedienfeld dass ein Betrachter ihre Manöver kaum noch hätte nachvollziehen können. ~Na gut ihr Anfänger. Dann wollen wir mal sehen wer hier fliegen kann.~ „Festhalten!“ schrie sie nach hinten, bevor sie die dem anderen Schiff zugewandten Schubdüsen auf volle Kraft stellte. Mit der rechten Hand drosch sie auf den Notverschluß, um die sich öffnende Schleuse zu unterbrechen und die Insassen vor einem kalten Tod in der Unendlichkeit des Alls zu bewahren. Der massige Rumpf der alten Constellation ächzte schwer, und einen Moment befürchtete Liz das Schiff würde auseinanderbrechen, doch die Dämpfer blieben knapp unter dem roten hängen und pendelten sich recht schnell wieder auf gelb ein, als die Constellation langsam ein Rollmanöver um die Längsachse begann. „Ich bringe uns obenrum rüber!“ ~Klopf Klopf – schau mal wer zum Lieferanteneingang hereinkommt.~ Lautes Poltern aus dem Einstiegsbereich ließ sie kurz zusammenzucken, dann jedoch machte sich ein Grinsen auf ihrem Gesicht breit. ~Naja. Kollateralschaden gibt’s halt immer. Und wo gehobelt wird… So jetzt weiter im Text: Schub unten auf einhundert Prozent, Seitentriebwerk steuerbord ebenfalls Vollgas.~ Ein Rucken ging durch die Constellation. Als die Oberseite der Tiara über den Rumpf des anderen Schiffes schrammte, und dabei so ziemlich alles abriss was sich zwischen den beiden Weltraumkolossen befand. Die Beiden Schiffe drehten sich nun langsam Rücken an Rücken übereinander, und jedes mal wenn eine Antenne oder ein Triebwerk abgerissen wurde ging ein Ruck durch den Rumpf der Lizzy zusammenzucken ließ. Einen Moment konnte sie durch die Kanzel einen Blick auf den Piloten des anderen Schiffes sehen, der sie fassungslos und mit Tellergroßen Augen über Kopf anstarrte. Dann neigte die die Tiara weiter um die eigene Achse, bis sie nun mit der Unterseite nach oben auf der anderen Seite des zu enternden Schiffes ankam und mit einem leichten Gegenschub zum Stehen kam. ~Knock Knock~ Ein kurzer Schub aus den Steuertriebwerken warf die schwere Conni zum Abschluss noch gegen ihr Ziel, und erneut klapperte es aus dem Laderaum. „Willkommen bei Suicide-Airlines. Wir hoffen sie haben den Flug genossen. Der Ausstieg befindet sich heute über Kopf. Bitte vergessen sie nicht ihr Gepäck!“ Damit entriegelte sie die Schleuse und zog grinsend den Kopf ein, als irgendjemand eine Getränkedose nach ihr warf. ~War doch ganz einfach… Nur etwas schade um die Schiffe. Naja. Aber sie wollte ja unbedingt nen Drop~
  11. ~Piraten?~ Elizabeth schüttelte ungläubig den Kopf und atmete erleichtert aus als Lucia dies verneinte, hob aber sofort wieder die Brauen als sie den Begriff dann einfach durch Gauner ersetzte. ~Okay. Drei Möglichkeiten: Erstens: Knarre an den Kopf halten und abdrücken. ~ Sie schob die Unterlippe vor und hörte nebenbei besorgt Lucias Plan die eigenen Schutzmechanismen zu sabotieren. ~Zweitens: Mitmachen und aufpassen dass Torin keinen Wind von der Sache bekommt. Sonst hält er mir die Knarre an den Kopf und das Ergebnis wäre dasselbe wie bei Erstens. ~ Die rote Kontrollleuchte auf dem Armaturenbrett ließ sie mit den Zähnen knirschen. ~Hoffentlich weiß die Tussi was sie da treibt. Ohne Schirmung sind wir hier mächtig im Arsch. Wo war ich? Ah richtig: Drittens. Drittens wäre dann wohl eine verflucht gute Ausrede parat zu haben wenn Torin mich fragt was ich angestellt habe. Also natürlich vorausgesetzt wir kommen heil aus der Sache raus~ Ihre Mundwinkel bewegten sich langsam aufwärts als ihr plötzlich ~Hey Ho trinkt aus Piraten~ durch den Kopf ging. ~Ach fick Dich, Torin. Jetzt wird´s lustig. Und außerdem: Vielleicht bekommen wir so die Kontakte die wir brauchen. Ehrlicher Handel hat er gesagt. Ehrlich. Handel. Ha! Das ist ja fast wie brennendes Wasser – gegensätzlicher kann man Worte kaum verwenden. ~ Wesentlich gelassener tippte sie nun auf die Bestätigung des Bordrechners und deaktivierte alle Meldungen zum R-2-82. Als dann prompt das zweite Schiff auf den Sensoren erschien zuckte sie dennoch zusammen. ~Warum sitzt keiner im Geschützturm? Warum ist die P52 unbemannt? Scheiße wenn das Piraten sind! Ach verdammt – warte. Wir sind ja hier im Dschungel das Raubtier. ~ Sie versuchte gezwungen auszuatmen, was ihr jedoch nur schwer gelang da Lucia ihr so ungestüm um den Hals fiel dass ihr fast die Luft weg blieb. Es war ein schönes Gefühl umarmt zu werden und sie genoss den Moment der Berührung mehr als sie erwartet hätte. Mit Torin war seit dem Tod seiner Familie quasi nichts mehr anzufangen was sie ihm aber auch kaum verübeln konnte. Logens Kommentar veranlasste sie dann aber dazu sich schnell und ungelenk aus der Umarmung zu lösen. Mit hochrotem Kopf blickte sie wieder nach vorne, zupfte die Uniformjacke zu Recht und versuchte sich auf die Aufgabe zu konzentrieren, die vor ihnen lag. ~Immerhin kann ich sitzen bleiben und auf das Schiff aufpassen während die anderen sich den Schädel wegblasen lassen… Oder? Die werden ja kaum so bescheuert sein und die Tiara unbemannt zurücklassen. Auf der anderen Seite waren sie aber auch bescheuert genug die Schildung ins Nirwana zu blasen. Ach was soll´s. ~ Mit einem Seufzen kontrollierte sie Sitz und Ladestand ihrer Waffe, dann nickte sie Logen zu. „Von mir aus kann´s losgehen.“
  12. Torin sah die Falten auf der Stirn seines Gesprächspartners trotz der schlechten Videoqualität die sein Mobiglass hier produzierte. „Hast ganz schön abgenommen.“ Torin lächelte gezwungen und konterte „Vielleicht solltest Du es auch mal in der Privatwirtschaft versuchen, Miles. Würde Deiner Wampe nicht schaden.“ „Ach leck mich. Was gibt’s denn?“ Torin fuhr sich mit der Hand über das unrasierte Kinn, dann sah er kurz zur Decke der Betty die in einem abgelegenen Teil des riesigen Hangars stand und deren Systeme im Standby nur ein mattes Licht auf seine Koje warfen. „Du hast doch seinerzeit mit Bethany an der Behring gearbeitet.“ Miles hob nichtssagend die Schultern „Und?“ „Nun… ich weiß nicht so recht wo ich anfangen soll. Als die Waffe nach Odin II geschickt wurde um sie zu testen…“ er hielt inne und überlegte kurz wie er dem Waffentechniker die Informationen die er brauchte entlocken konnte ohne ihm auf die Füße zu treten. „Ich meine – ihr testet die Waffensysteme doch bevor sie in den Live-Test gehen, oder?“ „Hier unten? Bist Du bescheuert? Wenn ich das Teil hier abgefeuert hätte wäre mir der Alte mit nacktem Arsch ins Gesicht gesprungen. Und glaub mir darauf verzichte ich lieber.“ „Und wie stellt ihr sicher dass die Dinger den Schützen auf Odin nicht um die Ohren fliegen wenn sie zum ersten Mal abgefeiert werden?“ Miles lachte und schüttelte den Kopf, was auf Torins Mobiglass von einem starken Ruckeln begleitet wurde. „Was glaubst Du warum wir die Dinger nach Odin schaffen? Genau damit sie niemandem um die Ohren fliegen oder wenn, dann nur den armen Schweinen die für das Risiko bezahlt werden.“ Torin nickte „Das heißt die Waffen sind nicht einsatzbereit bevor sie Odin II erreichen?“ Miles´s Finger schoss nach oben und wackelte verneinend hin und her „Neee – DAS hab ich so nicht gesagt. Die Dinger sind fertig montiert und angeschlossen. Der Prototyp auf der Betty war zu einhundert Prozent einsatzfähig. Allerdings…“ Torin musste sich zurückhalten um den Techniker nicht anzubrüllen als er in seinen Ausführungen genau an der Stelle inne hielt, die Torin interessierte.“ „Ja?“ „Ach nichts.“ „Miles. Sei kein Arsch. Was ist allerdings?“ „Naja, die Behring war n Elefantenpimmel.“ „Äh – wie bitte?“ „Na Du weißt schon: Einfach ne Nummer zu dick. Wenn Du die auf der alten Betty gezündet hättest…“ er machte eine Geste mit den Händen die Torin aufgrund einer Bildstörung nicht richtig sehen konnte. „Was wäre dann gewesen? Komm mach´s nicht so spannend, Miles.“ „Naja. Entweder hätte es die Energiebänke zerrissen, oder Du hättest zumindest einen Totalausfall gehabt.“ Torin schloss kurz die Augen als seine Befürchtungen sich bestätigten. „Aber das hat Bethany gewusst. Oder?“ „Worauf willst Du hinaus, Torin? Beth ist tot. Lass sie in Frieden.“ „Miles. Bitte. Sie hat das gewusst. Sie hätte die Waffe nie abgefeuert. Richtig?“ Miles seufzte und hob in einer Geste der Ratlosigkeit die Hände „Offen gesagt habe ich keine Ahnung. Die Energieversorgung war mein Part, und ich ging ja immer davon aus dass wir die Betty auf Odin erst einmal neu verkabeln, bevor das Teil in die Live-Tests geschickt wird.“ Seine Augen wurden schmal. „Torin – ich glaube ich ahne auf was Du hinaus willst. Vergiss es. Selbst wenn Bethany die Waffe einem inoffiziellen Test unterzogen hätte, müsste die Blackbox des Schiffes das aufzeichnen. DAS hätte sie auf jeden Fall gewusst und sie war zwar viel aber nicht bescheuert. Ihre Karriere hätte sie dafür sicher nicht riskiert.“ Torins Gedanken rasten. ~Energie – Überladung – Blackbox…~ Es dauerte einen Moment bis er bemerkte dass Miles etwas gesagt hatte. „Danke Miles. Du hast mir sehr geholfen.“ Er beugte sich über das Mobiglass um die Verbindung zu trennen, doch Miles Stimme unterbrach ihn. „Torin? Warte! Torin lass es. Lass sie ruhen. Sie hat nichts Unrechtes getan und selbst wenn sie es gewollt hätte wäre sie nicht dazu in der Lage gewesen die Waffe abzufeuern. Das System war für die Testrange auf dem Eisfeld geriggt. Eine Person bedient die Steuerung und die Waffe, der Rest wird remote gesteuert. Ohne den Piloten…“ Torin drückte die Verbindung weg und presste die Augenlider so fest zusammen dass sich Sterne vor seinem Sichtfeld bildeten. ~Scheiße…~
  13. Dankeschööööön Bin schon dran...
  14. Das Bier auf Torins kleinem Beistelltisch war schon lange nicht mehr kalt, und um die Dose herum hatte sich ein feuchter Rand aus Kondenswasser gebildet. Die Bilder auf dem Display hatten auch nach der tausendsten Wiederholung nichts an Schrecken eingebüßt. Immer wieder spulte er vor und zurück, um vielleicht ein Detail zu erkennen das er bisher übersehen hatte: Die Freelancer wie sie von dem fremden Schiff gerammt und der Länge nach aufgeschlitzt wurde, das entsetzte Gesicht seiner Frau Bethany, deren beider Spitzname Betty er bis zu dem Unglücksflug für ein gutes Omen gehalten hatte und die abrupt verstummenden Schreie als der Sauerstoff explosionsartig ins Nichts gesogen wird. Wieder und wieder ergab er sich dem Martyrium, ohne dem Rätsel woher das Schiff gekommen sein mochte auch nur ein Stück näher zu sein als damals. Er war sich sicher dass es Piraten waren, die es auf die Waffentechnologie abgesehen hatten, und die Militärjustiz war seiner Theorie mit ihrem Urteil gefolgt. Immerhin war die Waffe weg, und man hatte bisher keine Spur von der verbesserten Behring V82 die das Lebenswerk seiner Frau hätte werden sollen gefunden. Erneut spulte er zu der Markierung zurück an der die Constellation direkt vor der Betty auftauchte, doch als er nach seinem Bier griff glitten seine Finger an der noch feuchten Oberfläche des Metalls ab. Fast hätte er es noch geschafft die Dose vor dem Kippen zu bewahren, doch dann rutschte sie über die Kante und schlug klappernd auf dem Kunststoffboden auf, wo sich der Rest des Bieres langsam auf dem Boden verteilte. Fluchend bückte sich Torin um die Dose wieder aufzuheben, doch dabei vergaß er die Aufnahme an der üblichen Markierung zu stoppen. Als er sich mit der verschmierten Dose in der Hand wieder aufrichtete, zuckte es wie ein Stromschlag durch seine Eingeweide als sein Blick ganz zufällig auf die Zeit und die Koordinaten blickte, welche die Blackbox der Betty aufgezeichnet hatte. ~Eine Abweichung von fast drei Minuten?~ Systemfehler kamen vor, aber sie bewegten sich in der Regel bei wenigen Millisekunden. Sekunden waren die Ausnahme und Glitches im Bereich von Minuten seit vielen Jahren praktisch ausgeschlossen. Torins Augen verengten sich und er spulte die Aufnahme erneut zurück. Nach dem vierten Durchlauf war er sicher: Es fehlten Zwei Komma sieben Minuten im internen Speicher der Blackbox. Das kuriose war nur: Es waren 2.7 Minuten die VOR dem Aufprall fehlten. Wer konnte Interesse daran haben die Aufnahme zu manipulieren? Die vermeintlichen Piraten? Kaum. Wenn sie ihre Herkunft hätten verbergen müssen dann hätten sie auch den ganzen Unfall anders arrangieren können. Auf die Blackbox konnte nur aus dem Innern des Schiffs zugegriffen werden und nur ein erfahrener Programmierer wäre überhaupt dazu in der Lage gewesen die Verschlüsselung zu knacken. Als er die Box gefunden hatte waren die Bordsysteme der Freelancer tot. Der Ausfall war deutlich registriert worden und das konnte eigentlich nur bedeuten dass auch die Manipulation vor dem Aufprall durchgeführt worden sein musste. Aber warum? Und von wem? Lizzy war viel, aber sicher keine Programmiererin. Seinem Sohn traute er dieses Geschick ebenfalls nicht zu. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, als ein Verdacht in ihm keimte: ~Scheiße Bethany. Was zum Teufel hast Du da nur angestellt?~
  15. ~So sieht also Größenwahn aus. Hammer! ~ Elizabeth pfiff beeindruckt durch die Zähne. Sie hatten Hazzards Büro durch eine unscheinbare Türe betreten… …und waren mitten auf dem Ozean, an Bord einer Dreimastbark herausgekommen. ~Verdammt es RIECHT sogar nach See~ stellte sie kopfschüttelnd fest. Holographische Segel flatterten auf feucht schimmernden Masten, bei denen man nicht erkennen konnte wo die Realität endete und die Täuschung in Form einer Projektion begann. ~Schwankt der Scheiß Boden oder spinne ich jetzt komplett? ~ Tatsächlich neigte sich der ebenfalls virtuelle Horizont sanft von einer Seite auf die andere, während kreischende Möwen sie umkreisten und sich eine rotgoldene Sonne über den Meeresrand schob. Einzig das Steuerrad war einem hölzernen Schreibtisch gewichen, ansonsten wirkte die ganze Bark so authentisch dass sich Elizabeth nicht gewundert hätte wenn sie einem Seemann vor die Füße gelaufen wäre. „Nicht schlecht, was?“ flüsterte nun auch Torin, der seinen Blick dabei auf der stattlichen Gestalt Hazzards gerichtet hielt, der eben seinen Schreibtisch umrundete und mit strahlendem Lächeln auf sie zukam. ~Warum assoziiere ich den Typen gerade irgendwie mit einem Hai? Muss an den Zähnen liegen. Immerhin hat er kein Holzbein. ~ dachte sie noch schmunzelnd, dann nahm Torin neben ihr Haltung an und salutierte zackig. „Sir, Colonel, Sir. Major Torin….“ Doch der ehemalige Colonel winkte mit einem Lachen ab. Lässig klopfte er Torin auf die Schulter und schüttelte dabei den Kopf „Nicht so förmlich, Torin. Ich darf doch Torin sagen, nicht wahr?“ Ohne eine Antwort abzuwarten drehte er sich zu Lizzy, und seine Augen musterten sie einen Moment zu lange um als beiläufig durchzugehen. „Und Elizabeth. Willkommen an Bord!“ dabei machte er eine ausladende Geste, die das virtuelle Schiff und vermutlich sein ganzes Unternehmen einbeziehen sollte. „Sir.“ Bestätigte Elizabeth, der schlicht und ergreifend die Worte fehlten. „Aber bitte, nehmt doch Platz!“ Hazzard deutete auf seinen Schreibtisch, was Elizabeth fragend zu Torin blicken ließ, der jedoch genauso ratlos aussah, denn von Stühlen war außer dem großen, ledernen Sessel Hazzards weit und breit nichts zu sehen. Kaum hatten sie jedoch einen Schritt auf den Schreibtisch zugemacht, tauchten wie aus dem Nichts zwei transparent schimmernde Schalensessel auf, während der schwere hölzerne Schreibtisch geräuschlos im Boden verschwand bis dort wo er gestanden hatte nur noch Deckplanken zu sehen waren. „Eindrucksvoll“ entfuhr es Torin, doch wiederum winkte Hazzard lachend ab. „Eine Spielerei die ich dem holografischen Trainingsprogramm zweckentfremdet habe.“ Er ließ sich immer noch lächelnd in seinen Sessel fallen, und auch Torin und Elizabeth setzten sich etwas vorsichtiger auf die semitransparenten Stühle, die sich unerwartet angenehm an ihre Körper schmiegten. „Wir trainieren hier größtenteils mit Simulatoren. Aber das wisst ihr ja sicher bereits.“ Elizabeth sah mit hochgezogenen Brauen zu Torin, und als sie sah dass er nickte tat sie es ihm einfach gleich. „Schön. Dann fangen wir mal an: Elizabeth wird unsere Kadetten an der Gladiator und der Hornet ausbilden. Taktik, Manöver und Waffensysteme.“ Er sah Lizzy nur kurz an, und da sie nicht wusste was von ihr erwartet wurde quittierte sie seine Feststellung einfach mit einem nondeskripten „Sir.“ „Torin übernimmt die Weiterbildung unserer Trainer.“ Er seufzte wohlig „Ah – es tut gut einen alten Kameraden an seiner Seite zu haben, nicht wahr, Torin?“ ~Dafür dass er eben fragen musste ob er ihn Torin nennen darf, scheint er aber plötzlich sehr vertraut.~ verwirrt hob sie eine Braue und beschloss, sich das Spiel einfach weiter anzusehen. „Elizabeth wird in den Mannschaftsunterkünften einquartiert und Torin erhält ein Studio hier im Firmenhauptsitz. Stand ja aber alles so im Vertrag.“ ~Vertrag? ~ erbost blickte sie zu Torin, der sie jedoch keines Blickes würdigte. „Jawohl Sir, Col…“ Tzkend schüttelte der Colonel den erhobenen Zeigefinger „William. Oder einfach Will. Wir sind hier schließlich eine große Familie und ich freue mich, dass wir heute so prominenten Zuwachs bekommen dürfen. ~Prominent? Naja, so gesehen dürfte mein Hintergrund es auf jeden Fall in irgendwelche Medien geschafft haben. <Familie durch Pilotenfehler ausgelöscht> ist genau die Schlagzeile die man gerne von sich lesen möchte. Wenn mir nicht zuerst von dem virtuellen Geschaukel schlecht wird kotze ich ihm wegen seinen blöden Sprüchen vor die Füße. Blödmann.~ Es kam Elizabeth wie eine Ewigkeit vor, bis Hazzard sie endlich entließ und sie ihr sehr zweckmäßiges Appartement gezeigt bekommen hatte. Alles hier duftete neu und sauber, als hätte man diese Wohnung gerade erst für sie gebaut. ~Na immerhin~ dachte sie, als sie auf das weiche Bett sank und ohne die Schuhe auszuziehen die Füße hochlegte. Etwas knisterte als sie sich bewegte, und mit einem genervten Grummeln zog sie eine Notiz hervor, die sie mit ihrem Rücken zerknittert hatte. „Bitte finden Sie sich umgehend in der Schneiderei ein, damit wir die Maße für ihre Uniform nehmen können.“ ~Maßgefertigte Uniformen?~ ein Lächeln huschte über Elizabeths Gesicht. ~Geil!~
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