Jump to content
  • Einträge
    14
  • Kommentare
    38
  • Aufrufe
    7.571.547

Pokern... und was sonst noch interessant ist #4

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  
Kefka

985 Aufrufe

Zwei Stunden später war Wolfgang in Begleitung von goox und Captain Talby in einem der hier üblichen Transportshuttles unterwegs. Talby hasste es, Taxi zu fahren, die Kontrolle abzugeben: „Diese verdammten, automatisierten Konservenbüchsen!“ Er schlug mit der Faust an die blecherne Decke der Kabine und einige der anderen Fahrgäste, darunter sogar ein paar Banu, die vermutlich wegen des Murray Cups hierhergekommen waren, drehten sich zu ihnen um. In den Gesichtern der Banu war nichts abzulesen, verdammte Fischköpfe. Aber es war natürlich klar, dass einige von denen hier sein würden, schließlich ist ein Banu-Captain namens Bal´en Do´Ash der Favorit auf den Cup. Der wird noch sein blaues Wunder erleben.

Das Shuttle dockte in Sektion 33-15-Gamma an und entließ seine plaudernden Fahrgäste, die automatische Stimme, die blechern aus dem Kabinenvox drang wünschte einen angenehmen Tag und viel Spaß beim Murray Cup. Menschenskinder, die reißen sich ja den Arsch auf, passen sogar ihre Voxdurchsagen an das Ereignis an.

Nun ja, sie mussten sich auch alle Mühe geben, denn Spider war nicht gerade als Touristenhochburg bekannt, wurde allerdings in diesem Standardjahr ausgewählt, Gastgeber des Murray Cups zu sein. Das größte, aufregendste und gefährlichste Rennen im ganzen Imperium. Es gab neue Regeln. Der Commissioner, so wurde Marco Verender, der Rennleiter dieses Großevents, im Volksmund und in den Medien genannt, hatte diese Regeln nach monatelangen Debatten durchgesetzt. Der Grund dafür war ein denkbar unglücklicher: Der Champion des letzten Jahres, Zack Hughs kam in einem Unfall ums Leben. In seiner finalen Runde überrundete Zack einen Amateur-Piloten, der genau in dem Moment die Kontrolle über sein Schiff verlor und direkt mit Zacks Maschine kollidierte.

Die drei Geschäftsmänner gingen direkt zu den High-Level-Appartments des Xi´Ori-Komplexes. Xi´An-Funktionäre, besser gesagt Mafia-Gauner, hatten diesen Laden hochgezogen. Glücksspiel, Drogen, Prostitution, Pomp und Luxus, so weit das Auge reichte.

„Ich bin Baraksh´Al, ich komme im Auftrag meines Meisters und darf Sie zu seinem Refugium geleiten.“ Gowan „goox“ Terrox erkannte ihn wieder. Einer dieser schmierigen, langgliedrigen Servitoren, die sich stets im Hintergrund ihres Meisters befanden und eigentlich kaum wahrgenommen werden. Die meisten von Ihnen sind darüber hinaus auch sehr effektive Personenschützer. Oder einfach nur Killer, wenn man die höfliche Verpackung weglässt. Gowan hatte sich den hier aber eingeprägt, er hatte seine Umgebung beim letzten Treffen gut beobachtet und auch Personen, die im Schatten verborgen sind, gehen ihm nicht durch die Lappen.

„Wenn Sie mir nun bitte folgen würden, meine Herrschaften.“

Sie kamen in das Foyer des „Hotels Xi´Ori", eine Verkörperung der Xi´An-Macht - erbaut, um zu beeindrucken. Zu Recht, denn selbst goox, der den Laden schon mehrfach von innen gesehen hat, war in der Tat aufs Neue beeindruckt. Captain Talby grummelte missmutig vor sich hin, schien aber auch sehr impressiert. Wolfgang alias Terence war ebenso hin und weg von all der Pracht. Sie alle kannten Spider sehr gut, war es doch einer ihrer besten Handelspunkte und einige von ihnen hatten hier sogar ihr Büro. Doch so viel Luxus in dieser Kaschemme von Sternensystem vorzufinden, das war ungewohnt.

Sie bestiegen einen Turbolift, Baraksh´Al zückte eine goldene Keycard aus seinem Handrücken. Wolfgang drehte sich der Magen um, er hatte das erste Mal direkt mit Xi´An zu tun und wusste nicht, dass zu deren Kultur auch chirurgisch geschaffene Körpertaschen gehörten. Ekelhaft. Das Ding sah aus wie Fotze frühst um Fünf, nur weniger schleimig. Er lächelte innerlich über diesen Vergleich. Ein Xi´An könnte sich buchstäblich ins Knie ficken. Er musste aufpassen, dass er jetzt nicht die Mundwinkel verzog, er spürte, wie der Lachkrampf in ihm tobte. Doch er konnte sich noch beruhigen.

Stockwerk Dreihundert-dreiunddreißig, das war das Ziel. Hier residierte Pak. Schlicht und ergreifend Pak. Er dachte wohl, dass ein kurzer Name kulturell neutraler wäre und irgendwie ist er das auch. Pak, Baraksh´Al. Definitiv. Das war wie Ahmed Jallal Abdullah und Mark. Talby würde einen Mark auch eher auf eine eiskalte Serveza einladen, als einen Ahmed Schieß-mich-tot.

Im Turbolift sagte niemand ein Wort, also öffnete sich nach langem Schweigen unter einem kristallenen Ping die Lifttür, glitt nach links und rechts davon und offenbarte... noch mehr Prunk. Noch mehr Erhabenheit. Goldbestickte, karminrote Sepuaseidenteppiche, Tische und Kommoden aus edelstem Vallnorholz, goldene Becher und Karaffen, platinüberzogene Bestecke und Kerzenhalter. Ja Kerzenhalter, wie antiquiert-snobistisch-elitär-.... ach er fand keine Worte, Talby konnte dem Pomp hier einfach nichts Positives abgewinnen. Es sei denn, Pak braucht mal nen "Umzugshelfer". Dann könnte der Überfall auf einen der Transporter durchaus lohnen. Nun, ein Gedanke den Talby einstweilen in einem tiefen Winkel seines Gedächtnisses abspeicherte. Man konnte ja nie wissen.

„Bitte setzen Sie sich, Meister Pak wird Sie in Kürze empfangen.“ Nach einer merkwürdig verdrehten Verbeugung entfernte sich Baraksh´Al und ließ die drei Menschen allein im Loft.

„Was für ne Hütte.“ staunte Wolfgang. „Das Zeug kostet mehr, als jeder von uns in seinem ganzen Leben erbeuten kann.“ Gowan war da anderer Meinung: „Genau deshalb sind wir ja hier, um mit Glück am Ende mehr zu erbeuten, als du hier siehst. Du hast Kefkas Ausführungen gehört. Ich habe die Liste selbst durch gecheckt. Was da an Überbleibseln von diesem Goldsteen-Kartendingens wartet, das wird uns alle steinreich machen. Steinreich.“

„Ruhe Männer, wer weiß, ob die Wände hier nicht Ohren haben.“ gemahnte ein mürrischer Talby Bowman, der am liebsten gar nicht mitgekommen wäre. Doch ein Captain kümmert sich um seine Männer.

Im hinteren Teil des Lofts kam Bewegung ins Spiel. Zwei hübsche Menschenfrauen kamen durch eine Tür und streuten Rosenblätter auf den Boden, gefolgt von einem großen Xi´An. Pak.

Wie theatralisch, der hat zu viele alte Filme gesehen. „Verehrter Meister Pak...“ setzte Talby an. „Captain Bowman, Sie sind viel herumgekommen, aber scheinbar ist Ihnen die Etikette der Xi´An so fremd, wie dem Tier die Sprache. Als Gastgeber in diesem Haus, gewähren Sie mir die Ehre, das Gespräch zu eröffnen und das Wort an Sie zu richten. Ich hoffe, das führt jetzt nicht zu Missmut, Mister Bowman.“ Zugeknöpftes Aristokratenarschloch. „Verzeihen, Sie Meister Pak. Mein Freund Talby meinte es mit Sicherheit nicht unhöflich. Unhöflichkeit ist nämlich nicht seine Art.“ Oh man goox, du kannst Blasen quatschen.

„Ah Gowan, Gowan, Gowan, du alter Gauner, es ist schön, dich zu sehen. Ich hoffe meine Investition ist noch intakt, hm?“

Pak hatte goox am Abend zuvor, nachdem er erfahren hatte dass sein Pilot das eigene Schiff in einem Antriebstest geschrottet hatte, ein nagelneues Schiff bereitgestellt. Einen M50Mil Interceptor - die Militärversion. Tja, für einige war es schwierig bis unmöglich ein Sturmgewehr der imperialen Army zu beschaffen, für Pak war selbst ein Militärischer Abfangjäger nichts Außergewöhnliches.

„Ja, dem Baby geht’s sehr gut, wir haben es schon soweit an unseren Piloten angepasst und morgen kann es losgehen.“

„Unser Pilot, der Schlüssel zu unserem Vorhaben und Kern unseres Treffens. Wo steckt denn unser Glückskind, der berüchtigte Terence Skill, der Aufsteiger der Saison, das Starlett der Quali-Läufe? Terence, gestatten, ich bin Pak. Ihr Finanzier, Ihr Wettpate, Ihr Schirmherr. Ihnen ist bewusst, um was es geht, oder?“

„Ja, Meister Pak, das ist mir durchaus bewusst. Ich danke Ihnen, auch im Namen meiner beiden Begleiter, des ehrenwerten Gowan Terrox und des nicht minder ehrenwerten Captain Talby Bowman, für ihre Einladung. Ihr Refugium ist sehr beeindruckend und...“ Er spielt seine Rolle wirklich sauber, dachte sich goox, während er sich im Raum umschaute und nach verdächtigen Gerätschaften fahndete. Es ist vielleicht sogar zu unserem Vorteil, wenn I-Flow das hier durchzieht, sein Bruder hätte gegenüber einer solchen Persönlichkeit bestimmt die Muffe bekommen. Er ist zwar ein harter Hund in den Kneipen und dunklen Gassen von Spider, aber das hier hätte ihn sicher überfordert.

„Ich danke ihnen für Ihr Lob, es freut mich, dass Sie sich wohlfühlen. Nun verraten Sie mir eins, Mister Skill“, Pak schaute I-Flow direkt in die Augen, er starrte ihn regelrecht an, „Trauen Sie sich das wirklich zu? Sind Sie der Mann, den unser gemeinsamer Freund Mister Terrox mir versprochen hat?“ Freund... das ich nicht lache, diese aufgesetzte Höflichkeit, diese Tirade, ein Bühnenstück sondergleichen. Aber so redet man wohl in diesen Kreisen. Gerade noch ein guter Freund und bei Versagen ein toter Freund. Pech gehabt, so läuft das hier. Pah... goox ließ sich seine Gedanken nicht anmerken und lächelte zustimmend bei der Erwähnung seines Namens.

„Meister Pak, ich bin genau der Richtige für diesen Job. Sie haben meine Rennen gesehen. Mein fliegerisches Talent kann sich mit den besten Rennpiloten messen. Ich bin zwar eher mit größeren Gerätschaften unterwegs, aber ihre M50 werde ich sauber ins Ziel bringen.“ konstatierte Wolfgang, ohne zu zögern, ohne zu zaudern. Seine Worte strahlten Selbstsicherheit aus und sein plastisch verändertes Gesicht zeigte kein Anzeichen von Nervosität. Natürlich ein positiver Nebeneffekt der Operation. Xi´An sind bekannt dafür, in den Gesichtern ihrer Gesprächspartner lesen zu können. Ein Umstand, der in der frühen Phase der Kommunikation einigen Politikern des Imperiums durchaus teuer zu stehen kam.

Wolfgangs frisch operiertes Gesicht, war oberflächlich bereits sauber verheilt, doch die Gesichtsmuskeln waren noch ziemlich gelähmt und nicht in der Lage, einen Gemütszustand zu äußern. Es lief perfekt.

„Ich glaube Ihnen, Mister Skill, Sie scheinen mir wirklich meines Vertrauens würdig.“ Pak reichte ihm eine große, kräftige Hand: „Enttäuschen Sie mich ja nicht.“ Ein fester Griff, etwas fester und Knochen würden brechen. „Da Sie drei nun hier sind, möchte ich mit Ihnen nur noch einmal festhalten, worum es hier geht. Ich möchte, dass Sie den Murray Cup gewinnen. Nicht mehr, und nicht weniger. Platz Eins, haben wir uns da verstanden. Für mich und meine Wettpartner zählt kein zweiter Platz. Millionen von Credits und wichtige Beziehungen kann ich entweder gewinnen – das ist dann gut für Sie; oder verlieren – das ist dann schlecht für Sie. Es ist eine seltene Gelegenheit, jetzt wo auch die Banu-Stämme Gelder auf einen der ihren setzen. Die Quoten auf einen Außenseiter-Sieg sind hoch, extrem hoch. Höher als es noch zu Zeiten Zack Hughs der Fall war. Ihr gewinnt das Rennen, ich mache Profit. Ich mache Profit und Ihr bekommt die Codierung für das Xi´An-Territorium. Zumindest eine temporäre Kennung, die meinen Volksleuten an den Grenzposten und innerhalb der grenznahen Zone mitteilt, dass Ihr ein Xi´An-Handelskonvoi des Hauses Pak seid. Ist das in etwa das, was wir ausgemacht hatten, Mister Gowan Terrox?“

„Ja, das ist exakt das was wir ausgemacht hatten. Eine bescheidene Frage habe ich noch, großzügiger Meister Pak.“

„Stellt Sie, Terrox.“

„Wenn wir das Rennen gewinnen und Ihr den gewünschten Profit erhaltet, ist es uns kleinen Geschäftsleuten gestattet, eine ebenso kleine Gefälligkeit zu erhalten?“ Oh man, jetzt bloß Fingerspitzengefühl, goox, nicht verzetteln, nur nicht zu viel wollen. Die Ehre dieses Mannes wird ihn dir in die Arme treiben. goox der alte Feilscher kannte diese Art von Mann, er kannte Xi´An und ihr Ehrgefühl.

„Jede Gefälligkeit, die ich mir leisten kann und die angemessen erscheint, mein lieber Gowan. Sprich nun und halte mich nicht unnötig lange von meinen Geschäften ab.“

„Nun... das Schiff. Wir hatten unser eigenes Schiff als Einsatz mit in den Plan gebracht. Terence hat sein Schiff verloren, im Bestreben, es renntauglich zu machen und Ihnen Ihren Profit zu bescheren. Nun setzt er auch noch sein Leben beim Rennen aufs Spiel. Einen Verlust hinzunehmen ist hart. Als Risikoabsicherung und Ersatz für bereits entstandene Schäden... wäre uns die Übernahme des M50Mil eine Ehre.“

Pak wusste natürlich, dass die zerstörte 250i ein schnelles, aber altes Modell war. Er wusste, dass sie nicht Terence´eigentliches Schiff war und ahnte, dass sie günstig bei einem Gebrauchthändler erstanden worden ist. Er war kein Dummkopf. Er war ein Patriarch. Doch nun zu zaudern, würde seinem Image schaden – und Image war alles in diesem Geschäft: „Nun, so sei es denn, dann ergänzen wir die Abmachung um das Schiff und nun darf ich Euch entlassen. Viel Erfolg, Mister Skill, viel Erfolg.“

Pak stolzierte langsam und bedächtig den Pfad der Rosenblätter, zurück in seine Gemächer während zwei Bedienstete diese hinter ihm bereits auflasen. Baraksh´Al war lautlos hinter ihnen aufgetaucht und brachte sie wieder hinunter ins Foyer und blieb solange am Eingang stehen, bis er sah, dass Talby, goox und I-Flow wieder in einem der Automatisierten Taxishuttles verschwunden waren.

"Beim Klabautermann, das lief perfekt. Super, I-Flow, das hast du super gemacht." goox konnte sich kaum zurückhalten.

"Ruhig Männer, wir wissen nicht, ob diese Kabine Ohren hat." typisch Talby. In Gedanken konnten es die drei gar nicht fassen. Wenn das hier sauber über die Bühne ging, dann winkt ein militärischer Abfangjäger. Sehr klein, sehr schnell, sehr wendig, schwer bewaffnet - genau das Richtige, wenn es um kleine Mann-gegen-Mann-Gefechte ging. Der Verlust des Luxus-Fighters wird Pak finanziell nicht wehtun, aber ausschlaggebend war: So eine moderne Militärmaschine wie der M50Mil Interceptor war nicht käuflich. Ein unschätzbarer Vorteil, den andere "Freiberufler" nicht haben.

Morgen steigt das Rennen. Alles oder nichts...

Melde dich an, um diesem Inhalt zu folgen  


0 Kommentare


Empfohlene Kommentare

Keine Kommentare vorhanden

Erstelle ein Benutzerkonto oder melde dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Benutzerkonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Benutzerkonto erstellen

Neues Benutzerkonto für unsere Community erstellen. Es ist einfach!

Neues Benutzerkonto erstellen

Anmelden

Du hast bereits ein Benutzerkonto? Melde dich hier an.

Jetzt anmelden

×