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Geschichten aus dem All II

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Ein Tag in der Grauzone

blog-0186280001381165782.jpgDer Kater

Vier Uhr dreißig Nachmittags und ich war spät dran. Die Frau in meinem Bett lag nackt da, halb von der sanften, weißen Bettdecke verdeckt und schlief. Wir hatten uns gemeinsam am Abend zuvor volllaufen lassen, einiges an Lustigmachern konsumiert und ordentlich die Matratze durchgeknetet. Die Raumluft war nun eine nicht mehr ganz so sexy Mischung aus Hormonen, Schweiß und Bierfürzen.

Richtig viel Lust auf die Tour hatte ich schon die ganze Woche nicht, aber einem meiner Hauptkunden wollte ich das natürlich nicht abschlagen. Eine spezieller Auftrag von der Art, wie ich ihn vielleicht fünf oder sechs mal pro Jahr erhalte. Sehr gut bezahlt. Sehr gefährlich. Und ich war sehr spät dran. Mein Kopf brummte als ich mir gerade mein Holzfällerhemd zuknöpfte. Ich schlug der Dame mit der flachen Hand auf den Hintern. "Aufstehen, Missi. Genug geschlafen. Ich muss los und ich glaube Du auch. Zieh einfach die Tür zu wenn Du gehst." Sie gab ein erstickendes "Auuu" von sich und dreht sich zur Seite. "Pass auf Dich auf, Gowan." murmelte sie.

Zehn Minuten später erreichte ich den Raumhafen, denn ich kannte den Taxifahrer und dieser hatte Mittel und Wege die Verkehrsregeln zu missachten. Der Fahrstuhl zu meinen Bereich surrte in der Resonanzfrequenz meines Kopfbrummens. Abdockerlaubnis erteilt, Vollgetankt, Orbit. Ich war auf Autopilot und auch meine Freelancer schaltete ich in diesen Modus. Ein paar Brausetabletten gegen den Kater sollten es richten und ich hatte noch ein Röhrchen als Notreserve in der Küchenzeile. Nach kurzer Zeit konnte ich wieder Hell von Dunkel unterscheiden. Immerhin.

Die Freelancer meldete "Zielkoordinaten erreicht".

Ich hasste das, was jetzt kam. Ich erinnere mich gar nicht mehr daran, dass ich das mal cool fand. Muss Jahrzehnte her sein. Das Raumschiff hatte Ihre Position vor dem kleinen Asteroidenfeld erreicht und schwebte bewegungslos. Jetzt musste ich ran. Ich schnallte mich fest, setzte mir den Helm auf und versiegelte den Schutzanzug, den ich kurz zuvor angezogen hatte. Zwei mal kurz Vorwärtsschub beförderten mich an den ersten Brocken vorbei. Ich trieb vorsichtig hinein und rammte auch schon den ersten kleineren Stein, der noch zweimal hörbar anschlug, als er über die Außenhülle rollte.

Scheiße. Ich musste zu mir kommen. Alter, beim nächsten mal säufst Du nicht vorher.

Dann war er da. Der größere Brocken, den ich gesucht hatte. Ich nannte ihn "The Grey One". Nicht zu groß, nicht zu klein. Er hatte gerade genug Masse, dass die Freelancer aufsetzen konnte.

Zwei Meter... ein Meter. Es rumpelte bedenklich und ich wusste, dass ich mir sicherlich einen Landefuß beschädigt hatte. Egal. Keine Zeit. Weiter.

Die Luke öffnete sich und die Dekompression und Kälte ließ die feuchte Atemluft im Inneren auf den Wänden gefrieren. Da stand ich nun auf diesem steinigen Klumpen irgendwo im Nichts. Kaum Gravitation dafür um so mehr Kopfschmerzen. Da war es nicht verwunderlich dass ich beinahe von diesem Ding geflogen wäre, hätte ich nicht mit den kleinen Steuerdüsen an meinem Anzug benutzt. Hinter mir schloss sich die Freelancer wieder und die Lichter im inneren dimmten langsam herab bis mein Mädchen sich hinter dem unsichtbaren Vorhang aus Dunkel und Schwarz behutsam versteckte.

Zwanzig Meter legte ich zurück und tippte die Zugangsdaten in mein Mobiglas, welches als Armcomputer befestigt war. Die hier auf mich wartenden M50 bestätigte die Eingaben mit dem Aufleuchten der Außenlichter und dem automatischen Öffnen des Cockpits. Ich stieg ein und lud die aktuelle Schiffs-ID in den Computer. Die Triebwerke surrten. Es dauerte immer ein wenig, bis die Origin Jumpworks M50 bereit war zu starten. Zwei immense Triebwerke an welchen ein Cockpit angeschweißt war. Aus viel mehr bestand die M50 nicht, und das war auch gut so. Sie ist klein, einigermaßen wendig und schneller durch das Wurmloch geflogen, als die UEE Zollbehörde den Laderaum scannen kann.

Wenn es gut lief, kam es nicht dazu aber gute Vorrbereitung war alles in diesem Geschäft. Ich überprüfte den Signaturleveler, Scandisortion, Schubwelle, Mischungsgeber - alles war perfekt.

Die Triebwerke fuhren sanft hoch und ich entkoppelte mich vom Ankerhaken, den ich in den Fels getrieben hatte und an dem in diesem Falle die M50 hing. Sie war dunkelgrau und hatte einen speziellen optischen Lack, der je nach Winkel und Position zum Schiff andere Kennziffern erkennen ließ. Das war nicht viel und bestimmt nicht die beste Lösung, aber sie würde ggf. für Verwirrung sorgen.

Das Asteroidenfeld ließ ich hinter mir und steuerte im Eiltempo den vereinbarten Treffpunkt hier im System an. Ohne genaue Koordinaten ist eine abgeworfene Kiste irgendwo da Draußen in der Unendlichkeit praktisch nicht zu lokalisieren. Einfacher kann man keine Waren an den Augen der UEE vorbei schaffen. Ich erreichte den Punkt und musste schon noch etwas suchen bis ich den kleinen, silberenen Koffer sah, auf dem ein winzig kleines, blinkendes Licht befestigt war. Ich näherte mich, justierte, kam zum stillstand und öffnete das Cockpit. Hatte ich die Lebenserhaltung im Raumanzug noch aktiv? Es schoss mir durch den Kopf als ich den Override für die Cockpitkanzel aktivierte, aber da war es sowieso schon zu spät. Die Druckluft entwich und ich atmete erleichtert auf. Alles war ok. Der Anzug war versiegelt und stabil.

Ich hatte einen einen kleinen Teleskop-Greifarm dabei mit dem ich nun nach dem herumschwebenden Koffer angelte und schließlich zu mir heran zog. Bald schon war ich auf dem Weg zu meinem Ziel. Den Koffer hinter mir verstaut raste ich mit brachialem Antriebsdruck durchs All.

Abgemacht war den großen Koffer mit unbekannten Inhalt wie schon in den beiden Jahren zuvor im Goss System auf dem Urlaubsparadies Cassel an meine Kontaktperson zu übergeben. Nicht besonders weit bis dahin, aber es musste schnell gehen. Und so tief unter dem Radar wie möglich. So war der Plan. Bis gestern morgen.

Die Geschehnisse flossen erneut an meinem inneneren Auge vorbei.

Die erste Rückblende

Mein Intercom meldete einen eingehenden Anruf. Verdammt ungünstiger Zeitpunkt, dachte ich, denn ich saß gerade in wichtigen Verhandlungen auf dem Scheißhaus. Also ließ ich den Videoschirm deaktiviert, denn mein schwitzendes Gesicht war nicht besonders ansehnlich und außerdem musste niemand über meine Verdauungsstörungen Bescheid wissen.

"Ja, was ist denn?" fragte ich barsch als ich den Anruf entgegen nahm.

"UEE Advocacy. Miro Tennent hier." seine Stimme klang wie immer fahl und genervt. Ich konnte auch ohne Videoschirm sehen, wie er seinen Diensthut zurecht rückte und seine faltenlose Uniform makellos positioniert über seinen Schultern trug.

"Ach, Captain Tennent. Schön dass sie anrufen. Ich habe gerade an Sie gedacht. Jagen Sie schon wieder Gespenstern hinterher?"

"Ich bin Commander, nicht Captain. Und das wissen Sie genau."

"Oh, Commander. Wie konnte Ihnen denn dieser Rang passieren? Haben Sie die Tochter von ...." er unterbrach mich hart, noch bevor ich meinen Witz vollenden konnte.

"Hören Sie mir zu, Citzien. In meiner Funktion im Bereich Untergrundhandel habe ich die Befugnis und Aufgabe Ihnen ein Geschäft vor zu schlagen."

"Ein Geschäft? Mir? Die UEE will mit mir ein Geschäft machen? Lassen Sie sich von meiner Sekretärin einen Termin geben. Für Sie machen ich einen guten Preis. Was wollen Sie denn transportiert haben? Hoffentlich nicht ihre Mutter. Schwertransporte kosten nämlich extra."

Ich konnte ihn kurz mit den Zähnen knirschen hören. Ich mochte ihn irgendwie. Miro Tennent versuchte mir schon seit zwei oder drei Jahren etwas anzuhängen, fand aber nie die notwendigen Beweise.

"Ich weiß von Ihrem Lagerhaus mit der Nummer 43398." Mehr sagte er nicht. Mir stockte der Atem und meine gute Laune verflog. Ich wischte mir den Hintern ab und zog meine Hose hoch.

"Was für eine Lagerhalle?" log ich fragend und durchaus gekonnt.

"Die Lagerhalle bei diesem Opa. Ansgar Jur. Muss ich deutlicher werden? Gut. Die Halle mit den zwei schwarzen Säcken darin. Auf dem einen steht eine Zahl. Neun. In der Ecke der Halle steht eine alte Kommode. Ich glaube sie gehörte ihrem Vater. Zedernholz. Und raten sie mal was in der untersten Schublade drin ist."

"Schon gut schon gut. Mal angenommen ich wüsste wovon Sie da reden. Was wollen Sie von mir? Und warum müssen wir das am Comlink besprechen?" Ich war perplex. Für die Sache in der kleinen Lagerhalle wäre ich mindestens 10 Jahre in den Knast gekommen. Woher wusste dieser kantige Korinthenkacker davon?

"Warum am Com? Meinen Sie die UEE hört unser Gespräch ab?" er lachte und ich kam mir etwas dumm vor. "Sie haben morgen eine Lieferung. DIE Lieferung. Da gibt es etwas, was Sie wissen müssen und ich wette das wird ihnen nicht gefallen. Wir müssen in dieser Sache zusammen arbeiten. Was sagen Sie dazu? Und ich rate Ihnen die Antwort gut zu überlegen, denn es wäre mir eine Freude wenn sie nein sagen. Mein Vorgesetzter möchte allerdings, dass Sie zustimmen. Also?"

Puh. Das war jetzt übel und es würde noch übler werden, sollte ich ablehnen. "Kann ich Sie zurück rufen?"

"Nein. Wenn Sie auflegen, werden meine Kollegen ihre Lagerhalle öffnen. Sie müssen sich natürlich jetzt entscheiden. Meinen Sie wir spielen hier nach Ihren Regeln?"

Das sah nicht gut aus für mich. "Ja. Klar helfe ich Ihnen. Aber dann vergessen Sie die Sache mit dem Lager, richtig?"

"Nein, natürlich nicht. Wir sind die UEE. Aber der Beschluss zum Öffnen wird dann erst in zwei Tagen freigegeben. Mehr kann ich nicht tun."

"Ja, gut. Damit kann ich leben. Worum geht's?" frage ich, während ich ein paar Codes auf meinem Mobiglas eintippte. Der schleimige UEE Offizier sülzte seine Erklärungen herunter und ich wusste, was ich zu tun hatte. Theoretisch zumindest.

Heiße Ware

Jetzt befand ich mich also auf dem Weg nach Cassel. Drei Sprungtore lagen vor mir, aber ich durfte nicht entdeckt werden. Nicht gescannt werden. Naja, eigentlich durfte ich schon gescannt werden, aber nicht zu gut. Die Ware war so heiß, dass sie fast mir ein Loch ins Cockpit brannte. Normalerweise jedenfalls. Mein Preis war einfach zu niedrig für sowas. Aber das würde sich ja bald von alleine erledigen.

Sprungtor Ellis-Kilian. Keine große Sache an sich, denn hier schmuggelte fast niemand. Und wenn, wäre er verrückt so etwas zu tun. So wie ich. Nach und von Kilian kamen fast nur Militärs und alles was damit zu tun hatte. Dementsprechend streng waren die Überwachungen an der Passage. Mein Comlink begann zu plärren als sich einer der Offiziere der Wurmlochstation bei mir meldete: "Das Schiff mit dem Kennzeichen Teta-Teta 923 Epsilon 12, ich rufe Sie".

"Teta-Teta 923 Epsilon 12 hört. Sie sprechen mit Bob Lannigton." meine falsche Identität als Manager eines kleinen Racingteams war fast schon zu meiner eigenen geworden.

"Mister Lannigton, was ist der Grund der Reise nach Killian und führen Sie illegale Güter bei sich?" die Stimme klang gelangweilt. Das macht die Sache meist etwas leichter.

"Ich überführe diese M50, die an einem Ausscheidungsrennen teilgenommen hat, nach Goss. Ich verkaufe das Schiff dort." log ich. Kühl gelassen. So wie ich es schon hunderte Male getan hatte.

"In Ordnung, bitte Reihen Sie sich ein bis Sie aufgerufen werden. Vielen Dank für Ihre Kooperation."

Damit war das Gespräch beendet. Ich hatte mehr erwartet und war etwas gekränkt, da sie mich noch nicht einmal gescannt hatten. Vielleicht hatte ich zu gut gelogen. Ich überlegte eventuell beim nächsten mal ein ganz kleines Zittern in meine Stimme mit ein zu bauen. Hm. Besser doch nicht.

In Ellis angekommen war alles genauso einfach. Das UEE Militär ist selbstverliebt, hochnäsig und glaubt es sei nahezu unfehlbar. Vor allem in einem System wie Kilian. Hier wimmelte es nur so vor Streitkräften. Nur in der Nähe des Planeten McArthur musste man aufpassen, da sich dort eine Menge übereifriger Kadetten herumtrieben, die sich genauso schnell wie übereifrig Knöpfe und Streifen für Ihre Kleidung verdienen wollten.

Ich erreicht das Sprungtor nach Terra. Hier wurde ich dann endlich gescannt, aber man fand nichts. Natürlich nicht. Es war ein bisschen Genugtuung gepaart mit Erleichterung für mich. Nicht gerade der Kick den ich gewohnt war, aber es reichte aus um mich lebendig zu fühlen.

Der Sprung nach Goss war wieder wesentlich einfacher. Ich musste gar nicht lange warten bis mand dort einen Freelancer Piloten unter Feuer genommen hatte, der unvermittelt versuchte durch das Wurmloch an der Kontrolle vorbei zu fliehen. Augen die in eine andere Richtung schauen als in meine sind mir am liebsten.

Cassel erreichte ich dann nach gut 20 Minuten. Mein Landeplatz war einer der gewaltigen Hangarbereiche, die für die zahlreichen Gäste vorgesehen waren. Die Dockinggebühren waren erträglich und die Sicherheitskontrollen aufgrund der schieren Menge von an- und abfliegenden Schiffen sozusagen nicht vorhanden. Cassel - Perle für die Erholungssuchenden.

"Nur einen Tag. Kurzerholung." sagte ich Kopfnickend zur freundlichen Dame am Eingangsbereich eines der Mega-Spaß-Zentren. Ich bezahlte und nahm mir eines der frei verfügbaren Buggys. Ich kannte den Weg und steuerte durch die weit angelegten Indoor-Wege bis zu einem Fahrstuhl, fuhr in den obersten Stock und ließ den Buggy dort einfach stehen. Die bunten Lichter und melodiösen Geräusche zogen mich ins Casino hinein. Marleys Casino. Eine Spielhölle von vielen.

"Mit dem Koffer kommen sie hier nicht rein, Sir." sagte der Türsteher und hielt mich an der Schulter fest. Sein Griff war hart.

"Ich mit mit Marley verabredet." sagte ich. "Mein Name ist Parker."

Einen Augenblick und ein kurzes Comgespräch später bedeutete mir der Mann im Anzug den Weg hinein. ich erinnerte mich daran wie ich beim ersten Mal den falschen Namen benutzte und anschließend recht lädiert in einem Hinterzimmer aufgewacht bin. Jeder fängt mal an.

Im hinteren Teil des Casinos ging ich auf eine Doppeltür zu. Einer der beiden Bodyguards öffnete mir eine der Türen wortlos sodass ich ungehindert weiter laufen konnte. Marleys Wohnbereich. Ausladend und viel kühler als die bunten, warmen Lichter des Casinos. Ich setzte mich ungefragt in weiches Leder an den gläsernen Tisch und sah der Frau im Sessel vor mir in die Augen.

"Hat alles geklappt?" fragte sie, als ich den Koffer auf den Tisch legte. Sie lehnte sich zurück und grinste.

"Ja sicher Marley. Alles wie immer."

"Gut..." sie wollte gerade noch etwas sagen, da fiel ich ihr ins Wort.

"Bis auf eine Sache vielleicht." sie hob eine Augenbraue und blickte mich erstaunt an. "Das ist das Letzte mal, dass Du mich in so eine Situation bringst, ok?" Die Frau im Geschäftsanzug grinste nicht mehr und stand auf. Sie kam zu mir auf die andere Seite des Tisches und ließ sich auf die Armlehne neben mir nieder. Dann legte sie mir die Hand auf die Schulter. "Gowan, natürlich nicht. Ist das letzte Mal. Versprochen."

In die andere Richtung geblickt

Als ich wieder zu mir kam, saß ich in einem härtern Sessel als dem, wo ich mein Bewusstsein offenbar verloren hatte. Geräusche und Bewegungen drangen auf mich ein und langsam erhellte sich meine Situation. Ich befand mich in der Wartehalle des Spaßkomplexes auf Cassel. Um mich herum saßen und standen Leute die auf Ihren Transport oder ankommende Freunde warteten. Mir brummte der Schädel doch ich hatte diesmal nichts getrunken.

Zwischen meinen Beinen stand ein kleiner, schwarzer Koffer. Ich stieß sanft mit dem Fuß dagegen und wusste sofort was sich darin befand, denn der Koffer war sehr schwer. Gold. Ein gutes Zahlungsmittel für Leute, die mittels eines Rennstalles in der Lage sind Geld zu waschen. Ich fasste den Griff des Koffers und stand auf um mir in der Nähe einen Kaffee zu besorgen. Das Gewicht des Gepäcks stimmte mich so fröhlich, dass ich meine Rückenschmerzen gerne ignorierte.

Ich nahm den Kaffee von einem, in Einheitslook des Konzerns gekleideten Mannes entgegen, rührte den synthetischen Zucker ein und sah auf dem Großbildfernseher hinter ihm die Bilder ablaufen, die zu erwarten waren.

"Machen Sie mal lauter bitte." ich zeigte auf den Fernseher. Der Mann hinter dem Tresen drehte auf.

"Falls Sie uns jetzt erst zugeschaltet haben: Es hat sich im Terra System auf Terra Prime ein Anschlag auf das UEE Intelligence Center ereignet. Das Gebäude wurde dabei nur geringfügig beschädigt. Die Informationen deuten darauf hin, dass der ranghöchste, interplanetare Anwalt im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, Alberto Guerra sowie zahlreiche seiner Mitarbeiter Ziel des Anschlags waren. Über seinen Zustand ist zur Zeit nichts bekannt. Die Behörden sprechen aber von etwa einem Dutzend Toten. Guerra ermittelte aktuell im Prozess um die sogenannten Cassel Syndikate. Ob es Verbindungen zu diesem Fall gibt kann zur Zeit nicht ausgeschlossen werden. Als Sicher gilt, dass ein Berater aus dem engsten Kreis des Anwalts in die Explosion verwickelt war oder sie herbeigeführt hat. Überwachungsbilder zeigen UEE Commander Miro Tennant kurz vor dem Ereignis mit einem metallenen Koffer, der eindeutig das Zentrum der Explosion gewesen sein muss."

"ist gut. Danke." ich winkte ab und nickte, dass mir die Informationen reichten.

Der Mann, der mir Kaffee serviert hatte reduzierte die Lautstärke und kommentierte ungefragt "Meine Güte. Verdammte Terroristen. Nicht zu fassen, oder?" Ich hörte ihn schon gar nicht mehr, nahm mir einen Buggy und fuhr zum Ausgang der Erholungseinrichtung.

Ich dachte über den gestrigen Tag nach.

Die Party zuvor

Das Telefonat mit dem UEE Commander war kurz, informativ und einfach nur ätzend gewesen. Als ich auflegte ruhte mein Blick noch eine Weile auf meinem Mobi. Ich grübelte und kaute dabei auf meiner Unterlippe. Dann rief ich Jamie an. "Na Süße? Heute Abend schon was vor?"

Ich holte Jamie gegen acht Uhr ab und wir fuhren noch etwa eine Stunde bis wir an der Diskothek ankamen. Wir liefen an der langen Schlange von Menschen vorbei bis direkt zum Einlaß. Ich drückte dem Türsteher 50 Kröten in die Hand und wir waren drin. Die Bässe schlugen uns entgegen und die Lichter waren typisch hypnotisch. Wir erreichten eine geschlossene, unscheinbare Tür, an der ich rhythmisch anklopfte. Der dahinter befindliche Türsteher öffnete, erkannte mein Gesicht und ließ mich und meine Begleitung in den speziellen Teil der Lokalität. Hier war die Musik zwar nicht lauter, aber die Serviererinnen trugen wenig Kleidung. Hier konnte man sich der Diskretion aller Anwesenden sicher sein. Das betraf sowohl den Konsum von Drogen als auch die Geschäfte die hier getätigt wurden.

Wie verabredet traf ich Rogal Dorn dem ich freundschaftlich auf die Schulter klopfte. Er drehte sich zu mir um. "Gowan. Oh, ich meine Mister Lennigton. Warum treffen wir uns hier?" Ich gab ihm gab die Koordinaten des Koffers.

"Du musst mir helfen. Ich brauche Sprengstoff. Und zwei Koffer die so aussehen wie den, den Du bei diesen Koordinaten finden wirst. Den Koffer tauscht Du gegen einen mit Sprengstoff aus und den anderen ebenfalls mit Sprengstoff gefüllt musst Du in meine M50 auf dem The Grey One deponieren." Viel mehr brauchte ich nicht zu sagen, außer: "Ich habe nicht viel Zeit. Den echten Koffer bringst Du am besten zu Korben. Die wollen uns verarschen, Rogal. Wir müssen aufräumen und vielleicht müssen wir auch hier weg. Korben wird wissen was zu tun ist falls mir etwas zustößt."

Korben ist auch einer meiner Freunde, genau wie Rogal. Korben ist analytisch, kennt sich mit der UEE gut aus und ist ein Stratege. Rogal ist ein kampferprobter Taktiker, weiß mit allen Arten von Waffensystemen umzugehen, kennt viele Waffenhändler und kommt so ziemlich an alles ran was Löcher in Dinge macht.

"Du hast von mir gesprochen?" Korben grinste mich breit an und umarmte mich freundschaftlich.

"Mann, was machst Du denn hier?" fragte ich erstaunt.

"Ich hab mit Rogal gesprochen und der sagte mir Du wärst mit ihm verabredet. Ich hatte nichts zu tun und war ganz in der Nähe."

Rogal murmelte: "Naja, Spider ist jetzt nicht so ganz in der Nähe, finde ich."

Korben zuckte mit den Schultern und grinste weiterhin. "Du scheinst ja in Schwierigkeiten zu sein."

"Ich würde sagen wir alle sind ständig in Schwierigkeiten. Aber kommt mal mit, wir gehen dort rüber. Ich muss euch was erzählen. Jamie, geh Dir doch mal die Nase pudern." Meine Begleitung fort zu schicken war kein Problem. Sie kannte die Szene. Wir setzten uns in schlecht gepolsterte Sessel die schon bessere Zeiten gesehen hatten. Eine kleine Lampe beleuchtete den runden Holztisch vor uns.

Ich kam ohne Umschweife zum Thema: "Der terranische UEE Anwalt untersucht doch das Cassel Syndikat, nicht wahr?"

"Ja, das läuft regelmäßig in den News." sagte Korben.

"Die sind jetzt an mich herangetreten und wollen mich erpressen. Ich soll für die ein Paket austauschen und denen das Original zukommen lassen, anstatt es nach Cassel zu bringen."

"Das wirst Du wohl nicht tun, oder?" fragte Rogal entrüstet.

"Naja, schon irgendwie. Also sozusagen nicht. Wenn es stimmt was die sagen, wird das sowieso meine letzte Lieferung dorthin gewesen sein." Ich blickte in fragende Gesichter. "Das Paket, dass ich nach Cassel bringen soll... Mein Auftraggeber war und ist die UEE Marine."

"DIE MARINES?" meinen Freunden fielen die Kinnladen runter. "Du machst Geschäfte mit den Marines?"

"Die zahlen gut für krumme Geschäfte. Eingestielt hatte das ja auch eigentlich meine Kontaktperson Marley von Marley's Casino auf Cassel. Ihr kennt sie, oder? Bis heute morgen hatte ich außerdem noch keine Ahnung worum es dabei geht. Aber die Sache scheint mir jetzt sehr plausibel zu sein."

"Kannst Du mal zur Sache kommen?" Rogal stupste mir in die Rippen.

"Ja doch. Viel wollte mir der Typ von der Advocacy - der mich erpresst - nicht erzählen, aber was er sagte ergab plötzlich Sinn. Ihr habt doch bestimmt davon gehört, dass ein paar bombensichere Jobs in den letzten Monaten aufgeflogen sind und Andere mit hohem Risiko problemlos durchgingen, oder? Offenbar tauscht das Cassel Syndikat mit einigen hochrangigen Marines Informationen aus. Offenbar versucht diese Marley ihre Geschäfte zu erweitern und diese Schlampe lässt dazu den ein oder anderen Kriminellen über die Klinge springen. Dafür bekommt Sie von den Marines Einsatzpläne, Routen und so einen Kram."

"Boar. Die Alte wird rösten." Rogal schlug mit der Faust in die offene Hand und brachte die Sache auf den Punkt. "Aber was hat die Advocacy jetzt damit zu tun? Ich dachte die Marines sind die bösen?"

"Ja eben." warf ich zurück. "Die Advocacy hat das herausbekommen und will nun den Spieß umdrehen. Sie wollen die Verantwortlichen bei den Marines sowie das Cassel Syndikat in einem Rutsch erledigen. Und dazu wollen Sie die Informationen aus dem Paket von mir. Ich soll ein paar nichtssagende Dokumente abliefern, bis die Advocacy alles klären kann."

"Wirst Du nun das Zeug bei der Advocacy abliefern oder nicht?" Korben blickte mich sorgenvoll an.

Ich schüttelte den Kopf: "Die werden einen bomben mäßigen Spaß haben, wenn sie das Ding von mir erhalten. Ich habe Abwurfkoordinaten für den echten Koffer von denen bekommen."

Aber Korben war noch nicht überzeugt: "Selbst wenn Du den echten Kram nicht bei der Advocacy ablieferst, werden Sie Dich einsacken. Auch wenn Du soviel Glück hast und dieser Advocacy Mann erleidet einen geplanten Unfall. Das wird die nicht aufhalten."

"Das ist mir klar. Aber ich bin im Gegensatz zur UEE ja nicht total bescheuert. Mein Lagerraum, den die gefunden haben, steht schon längst in Flammen. Und damit auch alle Beweise gegen mich. Ich hatte für so einen Fall Vorkehrungen getroffen." meine Augenbraue hob sich zur kurzen Siegerpose. "Es ist zwar schmerzlich für mich, weil da einige Erinnerungen in dem Lager verbrennen, aber das ist immer noch besser als 10 Jahre einzusitzen."

Rogal lachte und schlug mir ziemlich fest auf die Schulter. "Hahaha. Der Gowan mal wieder."

"So sehr ich Dir zustimme, dass diese Marley von der Bildfläche entfernt werden muss, so wirst ihr bestimmt nicht einfach einen Koffer mit Sprengstoff unterjubeln können. Das ist Dir klar, oder? Sie wird bei der Übergabe reinschauen und Du wirst -PUFF- mit draufgehen." Korben hatte immer etwas an meinen Plänen auszusetzen.

"Risiko gehört -PUFF- zum Spiel. Ich krieg das schon irgendwie hin. Vertrau mir." Dann zwinkerte ich den Beiden zu. "Jetzt muss ich dringend etwas trinken."

"Na, und ich muss dann los." sagte Rogal im Aufstehen begriffen, der zwischenzeitlich schon ein paar Mitteilungen an seine Kontakte verschickt hatte. "Ich kümmere mich um Dein Zeug. Das geht klar, Dicker."

Die Rückreise

"Hör zu Marley, da gibt es noch etwas." ihre Hand lag noch auf meiner Schulter und sie saß etwas erhöht auf der breiten Lehne des edlen Sessels in dem ich Platz genommen hatte. "Mir ist die Sache etwas peinlich, aber ich habe mich diesmal nicht ganz an unsere Abmachung gehalten."

"Was genau meinst Du? Ich mag keine Überaschungen." Ihre Stimme wurde kalt.

"Der Koffer... ich habe ihn gescannt. Und der Inhalt hat mir ehrlich gesagt nicht gefallen." Ich ging in meiner Rolle als hervorragender Lügner voll auf. Das hatte ich wirklich drauf.

"Das heißt?" jetzt klang sie ungeduldig. Einer der Männer im Zimmer öffnete sein Jakett und bereitete sich offenbar darauf vor seine Waffe zu ziehen.

Jetzt modulierte ich bewusst meine Stimme, sodass sie besorgt und ernst klang. "Du lässt mich mit einer scharfen Antimaterie-Bombe durch die Gegend fliegen? Was soll ich davon halten? Wir arbeiten so lange so gut zusammen und mein Auftraggeber und Du ihr schickt mich auf einer Bombe und was weiß ich für einem Zünder durch die Gegend? Das kostet extra, meine Liebe. Das musst Du verstehen."

"Was? Ist die da drin?" sie war bestürzt, stand von der Sessellehne auf und ging einen Schritt vom Tisch zurück.

"Nein. Ich hab sie entfernt und woanders deponiert. Ich dachte mir das wäre erstens sicherer und zweitens können wir dann neu verhandeln."

Sie atmete auf und setzte sich wieder in den Sessel. Als sie den Koffer vom Tisch herunter nahm und ihn auf den Boden neben sich stellte wurde mir allerdings etwas mulmig. Natürlich war die Bombe noch im Koffer. Meine Bombe. Ich wollte nicht all zu hoch pokern, daher hatte ich Rogal gebeten einen Unterbrecher einzubauen, den ich per Fernsteuerung wieder scharf schalten konnte. Dennoch war mit Antimaterie nicht zu spaßen.

"Diese miesen Schweine." sie kochte vor Wut. Mein Ziel hatte ich erreicht. Sie nahm offenbar an, die UEE Marines würden sich ihrer entledigen wollen und hätten mir eine Bombe anstelle der Informationen mitgegeben. "Max, ruf die Viko Brüder an. Die sollen sofort her kommen." Dann wandte Sie sich wieder mir zu. "Gowan, Du hast ja keine Ahnung wie froh ich bin, dass Du reingeschaut hast. Da ist offenbar etwas schief gelaufen. Es soll Dein Schaden nicht sein. Würdest Du mir wohl verraten, wo Du den Inhalt des Koffers hinterlassen hast? Die Bombe?"

"Darum bin ich hier. Ich verstehe zwar nicht worum es geht, aber für den richtigen Preis wird es wie gesagt keine Probleme geben." Ich hätte mich vor Schadenfreude auf den Boden werfen können, aber ich bewahrte mein steinernes Gesicht. Es ging schließlich um mein Leben.

"Ich zahle dir den zehnfachen Betrag. Das ist nicht verhandelbar. Dafür werde ich vergessen, dass Du Deinen Ehrenschwur gebrochen und die Ware untersucht hast. Warum hast Du das eigentlich gemacht?" man konnte sehen wie es in ihr rumorte. Dieses miese Stück. Ehrenschwur. Pah, das erzählte mir die Richtige.

"Naja, ich hatte irgendwie das Gefühl verfolgt zu werden. Ein ungutes Gefühl. Intuition vielleicht. Aber das mit dem Preis kann ich akzeptieren. Hier sind die Daten." Ich hatte sie fest am Haken und entspannte mich wieder etwas. Sie kaufte mir die Geschichte ab. Wenn ich Glück hatte, würde sie sich nochmal vergewissern wollen, welches Negativbild die Bombe wohl im Koffer hatte. Bis dahin war ich hoffentlich schon weg.

Sie nahm den Datenstick an und murmelte "Verfolgt zu werden... hm... Gowan, wir müssen Dich leider auf einem anderen Weg hinausbringen, als Du rein gekommen bist. Leider ist dieser Weg sehr ... inoffiziell und ich muss Dich sedieren, Süßer. Aber keine Sorge, auf mein Wort kannst Du Dich verlassen."

Na sicher konnte ich das. Verräterin. Ich hatte an dieser Stelle leider keine Wahl, also nickte ich zustimmend und hoffte inständig wieder zu erwachen.

"Es ist nur eine leichte Betäubung und tut nicht weh." sagte sie.

Das war gelogen, es tat sehr weh. Meine Venen fühlten sich heiß und zum zerreißen an, aber dann wurde es recht schnell schwarz um mich herum.

Rien ne va plus

Ein Mann um die dreißig mit einem Holzfällerhemd bekleidet, normal groß und mit einem Vollbart betrat die Abflughalle des Vergnügungszentrums der Lucretia Airsite Company. Er legte einen quadratischen Kunststoffchip auf den Tresen: "Teta-Teta 341 Omikron 33, hier ist meine Hangarkarte."

"Ihren Kaffee dürfen Sie nicht mit durch die Schleuse nehmen. Es tut mir Leid. Sicherheitsbestimmungen. Ich hoffe aber Sie hatten einen angenehmen Aufenthalt auf Cassel." sagte der livrierte Mann in der Uniform, der die Karte entgegennahm.

Der Mann im Holzfällerhemd leerte den Becher und warf ihn in den nebenstehenden Abfallbehälter. Dann steckte er seine rechte Hand in die Jackentasche und fühlte ein kleines Gerät, das einen Klappmechanismus und einem Kippschalter darunter aufwies. Den hatte er beinahe vergessen. Er sprach leise zu sich selbst. "Ihre Einsätze bitte."

Hastig legte er den Schalter um und sicherte die kleine Klappe wieder. Seine Bombe war nun scharf.

Wenig später saß er wieder in seinem Schiff, linkte sein Mobiglas mit Boardcomputer und lud diesmal die echte Kennung ins System der seiner M50. "Nach Hause zu kommen heißt, zu wissen wer man ist." sagte er zu sich selbst, während Staub und Partikel auf dem Schild seines davonrasenden Raumschiffes aufblitzten.

In Marleys Casino kamen zwei Männer im Hinterzimmer an. Min Vikor und sein Bruder Wen. Durchschnittlich gekleidet, durchschnittlich groß, durchschnittlich insgesamt. Doch das täuschte gewaltig, denn Sie waren Profis.

Die Frau namens Marley, die mit bürgerlichem Namen Susan Idwina Hunter hieß, redete wütend und energisch auf die Männer ein. Diese nickten eifrig und einer von Ihnen machte sich Notizen. Casinobesitzerin Susan machte eindeutige Handbewegungen wie z.B. die ausladende Geste des Hals durchschneidens. Immer wieder stand sie nervös auf, setzte sich wieder in die Polster und schlug mit der Faust auf den Tisch. Selbst der dümmste Bauer konnte erahnen, dass ihre Laune nicht besonders gut war und die beiden Brüder bald ordentlich zu tun bekommen würden. Dann deutete einer der Männer fragend auf den übergroßen, silbernen Koffer, der unter dem Tisch stand. Die Frau saß im Sessel, die Beine übereinander geschlagen und blickte zurückgelehnt die Brüder an. "Bitte" konnte man von ihren Lippen ablesen.

Einer der beiden holte den Koffer hervor, legte ihn auf den Tisch und betätigte den Öffnungsmechanismus.

Kefka

Zwei Stunden später war Wolfgang in Begleitung von goox und Captain Talby in einem der hier üblichen Transportshuttles unterwegs. Talby hasste es, Taxi zu fahren, die Kontrolle abzugeben: „Diese verdammten, automatisierten Konservenbüchsen!“ Er schlug mit der Faust an die blecherne Decke der Kabine und einige der anderen Fahrgäste, darunter sogar ein paar Banu, die vermutlich wegen des Murray Cups hierhergekommen waren, drehten sich zu ihnen um. In den Gesichtern der Banu war nichts abzulesen, verdammte Fischköpfe. Aber es war natürlich klar, dass einige von denen hier sein würden, schließlich ist ein Banu-Captain namens Bal´en Do´Ash der Favorit auf den Cup. Der wird noch sein blaues Wunder erleben.

Das Shuttle dockte in Sektion 33-15-Gamma an und entließ seine plaudernden Fahrgäste, die automatische Stimme, die blechern aus dem Kabinenvox drang wünschte einen angenehmen Tag und viel Spaß beim Murray Cup. Menschenskinder, die reißen sich ja den Arsch auf, passen sogar ihre Voxdurchsagen an das Ereignis an.

Nun ja, sie mussten sich auch alle Mühe geben, denn Spider war nicht gerade als Touristenhochburg bekannt, wurde allerdings in diesem Standardjahr ausgewählt, Gastgeber des Murray Cups zu sein. Das größte, aufregendste und gefährlichste Rennen im ganzen Imperium. Es gab neue Regeln. Der Commissioner, so wurde Marco Verender, der Rennleiter dieses Großevents, im Volksmund und in den Medien genannt, hatte diese Regeln nach monatelangen Debatten durchgesetzt. Der Grund dafür war ein denkbar unglücklicher: Der Champion des letzten Jahres, Zack Hughs kam in einem Unfall ums Leben. In seiner finalen Runde überrundete Zack einen Amateur-Piloten, der genau in dem Moment die Kontrolle über sein Schiff verlor und direkt mit Zacks Maschine kollidierte.

Die drei Geschäftsmänner gingen direkt zu den High-Level-Appartments des Xi´Ori-Komplexes. Xi´An-Funktionäre, besser gesagt Mafia-Gauner, hatten diesen Laden hochgezogen. Glücksspiel, Drogen, Prostitution, Pomp und Luxus, so weit das Auge reichte.

„Ich bin Baraksh´Al, ich komme im Auftrag meines Meisters und darf Sie zu seinem Refugium geleiten.“ Gowan „goox“ Terrox erkannte ihn wieder. Einer dieser schmierigen, langgliedrigen Servitoren, die sich stets im Hintergrund ihres Meisters befanden und eigentlich kaum wahrgenommen werden. Die meisten von Ihnen sind darüber hinaus auch sehr effektive Personenschützer. Oder einfach nur Killer, wenn man die höfliche Verpackung weglässt. Gowan hatte sich den hier aber eingeprägt, er hatte seine Umgebung beim letzten Treffen gut beobachtet und auch Personen, die im Schatten verborgen sind, gehen ihm nicht durch die Lappen.

„Wenn Sie mir nun bitte folgen würden, meine Herrschaften.“

Sie kamen in das Foyer des „Hotels Xi´Ori", eine Verkörperung der Xi´An-Macht - erbaut, um zu beeindrucken. Zu Recht, denn selbst goox, der den Laden schon mehrfach von innen gesehen hat, war in der Tat aufs Neue beeindruckt. Captain Talby grummelte missmutig vor sich hin, schien aber auch sehr impressiert. Wolfgang alias Terence war ebenso hin und weg von all der Pracht. Sie alle kannten Spider sehr gut, war es doch einer ihrer besten Handelspunkte und einige von ihnen hatten hier sogar ihr Büro. Doch so viel Luxus in dieser Kaschemme von Sternensystem vorzufinden, das war ungewohnt.

Sie bestiegen einen Turbolift, Baraksh´Al zückte eine goldene Keycard aus seinem Handrücken. Wolfgang drehte sich der Magen um, er hatte das erste Mal direkt mit Xi´An zu tun und wusste nicht, dass zu deren Kultur auch chirurgisch geschaffene Körpertaschen gehörten. Ekelhaft. Das Ding sah aus wie Fotze frühst um Fünf, nur weniger schleimig. Er lächelte innerlich über diesen Vergleich. Ein Xi´An könnte sich buchstäblich ins Knie ficken. Er musste aufpassen, dass er jetzt nicht die Mundwinkel verzog, er spürte, wie der Lachkrampf in ihm tobte. Doch er konnte sich noch beruhigen.

Stockwerk Dreihundert-dreiunddreißig, das war das Ziel. Hier residierte Pak. Schlicht und ergreifend Pak. Er dachte wohl, dass ein kurzer Name kulturell neutraler wäre und irgendwie ist er das auch. Pak, Baraksh´Al. Definitiv. Das war wie Ahmed Jallal Abdullah und Mark. Talby würde einen Mark auch eher auf eine eiskalte Serveza einladen, als einen Ahmed Schieß-mich-tot.

Im Turbolift sagte niemand ein Wort, also öffnete sich nach langem Schweigen unter einem kristallenen Ping die Lifttür, glitt nach links und rechts davon und offenbarte... noch mehr Prunk. Noch mehr Erhabenheit. Goldbestickte, karminrote Sepuaseidenteppiche, Tische und Kommoden aus edelstem Vallnorholz, goldene Becher und Karaffen, platinüberzogene Bestecke und Kerzenhalter. Ja Kerzenhalter, wie antiquiert-snobistisch-elitär-.... ach er fand keine Worte, Talby konnte dem Pomp hier einfach nichts Positives abgewinnen. Es sei denn, Pak braucht mal nen "Umzugshelfer". Dann könnte der Überfall auf einen der Transporter durchaus lohnen. Nun, ein Gedanke den Talby einstweilen in einem tiefen Winkel seines Gedächtnisses abspeicherte. Man konnte ja nie wissen.

„Bitte setzen Sie sich, Meister Pak wird Sie in Kürze empfangen.“ Nach einer merkwürdig verdrehten Verbeugung entfernte sich Baraksh´Al und ließ die drei Menschen allein im Loft.

„Was für ne Hütte.“ staunte Wolfgang. „Das Zeug kostet mehr, als jeder von uns in seinem ganzen Leben erbeuten kann.“ Gowan war da anderer Meinung: „Genau deshalb sind wir ja hier, um mit Glück am Ende mehr zu erbeuten, als du hier siehst. Du hast Kefkas Ausführungen gehört. Ich habe die Liste selbst durch gecheckt. Was da an Überbleibseln von diesem Goldsteen-Kartendingens wartet, das wird uns alle steinreich machen. Steinreich.“

„Ruhe Männer, wer weiß, ob die Wände hier nicht Ohren haben.“ gemahnte ein mürrischer Talby Bowman, der am liebsten gar nicht mitgekommen wäre. Doch ein Captain kümmert sich um seine Männer.

Im hinteren Teil des Lofts kam Bewegung ins Spiel. Zwei hübsche Menschenfrauen kamen durch eine Tür und streuten Rosenblätter auf den Boden, gefolgt von einem großen Xi´An. Pak.

Wie theatralisch, der hat zu viele alte Filme gesehen. „Verehrter Meister Pak...“ setzte Talby an. „Captain Bowman, Sie sind viel herumgekommen, aber scheinbar ist Ihnen die Etikette der Xi´An so fremd, wie dem Tier die Sprache. Als Gastgeber in diesem Haus, gewähren Sie mir die Ehre, das Gespräch zu eröffnen und das Wort an Sie zu richten. Ich hoffe, das führt jetzt nicht zu Missmut, Mister Bowman.“ Zugeknöpftes Aristokratenarschloch. „Verzeihen, Sie Meister Pak. Mein Freund Talby meinte es mit Sicherheit nicht unhöflich. Unhöflichkeit ist nämlich nicht seine Art.“ Oh man goox, du kannst Blasen quatschen.

„Ah Gowan, Gowan, Gowan, du alter Gauner, es ist schön, dich zu sehen. Ich hoffe meine Investition ist noch intakt, hm?“

Pak hatte goox am Abend zuvor, nachdem er erfahren hatte dass sein Pilot das eigene Schiff in einem Antriebstest geschrottet hatte, ein nagelneues Schiff bereitgestellt. Einen M50Mil Interceptor - die Militärversion. Tja, für einige war es schwierig bis unmöglich ein Sturmgewehr der imperialen Army zu beschaffen, für Pak war selbst ein Militärischer Abfangjäger nichts Außergewöhnliches.

„Ja, dem Baby geht’s sehr gut, wir haben es schon soweit an unseren Piloten angepasst und morgen kann es losgehen.“

„Unser Pilot, der Schlüssel zu unserem Vorhaben und Kern unseres Treffens. Wo steckt denn unser Glückskind, der berüchtigte Terence Skill, der Aufsteiger der Saison, das Starlett der Quali-Läufe? Terence, gestatten, ich bin Pak. Ihr Finanzier, Ihr Wettpate, Ihr Schirmherr. Ihnen ist bewusst, um was es geht, oder?“

„Ja, Meister Pak, das ist mir durchaus bewusst. Ich danke Ihnen, auch im Namen meiner beiden Begleiter, des ehrenwerten Gowan Terrox und des nicht minder ehrenwerten Captain Talby Bowman, für ihre Einladung. Ihr Refugium ist sehr beeindruckend und...“ Er spielt seine Rolle wirklich sauber, dachte sich goox, während er sich im Raum umschaute und nach verdächtigen Gerätschaften fahndete. Es ist vielleicht sogar zu unserem Vorteil, wenn I-Flow das hier durchzieht, sein Bruder hätte gegenüber einer solchen Persönlichkeit bestimmt die Muffe bekommen. Er ist zwar ein harter Hund in den Kneipen und dunklen Gassen von Spider, aber das hier hätte ihn sicher überfordert.

„Ich danke ihnen für Ihr Lob, es freut mich, dass Sie sich wohlfühlen. Nun verraten Sie mir eins, Mister Skill“, Pak schaute I-Flow direkt in die Augen, er starrte ihn regelrecht an, „Trauen Sie sich das wirklich zu? Sind Sie der Mann, den unser gemeinsamer Freund Mister Terrox mir versprochen hat?“ Freund... das ich nicht lache, diese aufgesetzte Höflichkeit, diese Tirade, ein Bühnenstück sondergleichen. Aber so redet man wohl in diesen Kreisen. Gerade noch ein guter Freund und bei Versagen ein toter Freund. Pech gehabt, so läuft das hier. Pah... goox ließ sich seine Gedanken nicht anmerken und lächelte zustimmend bei der Erwähnung seines Namens.

„Meister Pak, ich bin genau der Richtige für diesen Job. Sie haben meine Rennen gesehen. Mein fliegerisches Talent kann sich mit den besten Rennpiloten messen. Ich bin zwar eher mit größeren Gerätschaften unterwegs, aber ihre M50 werde ich sauber ins Ziel bringen.“ konstatierte Wolfgang, ohne zu zögern, ohne zu zaudern. Seine Worte strahlten Selbstsicherheit aus und sein plastisch verändertes Gesicht zeigte kein Anzeichen von Nervosität. Natürlich ein positiver Nebeneffekt der Operation. Xi´An sind bekannt dafür, in den Gesichtern ihrer Gesprächspartner lesen zu können. Ein Umstand, der in der frühen Phase der Kommunikation einigen Politikern des Imperiums durchaus teuer zu stehen kam.

Wolfgangs frisch operiertes Gesicht, war oberflächlich bereits sauber verheilt, doch die Gesichtsmuskeln waren noch ziemlich gelähmt und nicht in der Lage, einen Gemütszustand zu äußern. Es lief perfekt.

„Ich glaube Ihnen, Mister Skill, Sie scheinen mir wirklich meines Vertrauens würdig.“ Pak reichte ihm eine große, kräftige Hand: „Enttäuschen Sie mich ja nicht.“ Ein fester Griff, etwas fester und Knochen würden brechen. „Da Sie drei nun hier sind, möchte ich mit Ihnen nur noch einmal festhalten, worum es hier geht. Ich möchte, dass Sie den Murray Cup gewinnen. Nicht mehr, und nicht weniger. Platz Eins, haben wir uns da verstanden. Für mich und meine Wettpartner zählt kein zweiter Platz. Millionen von Credits und wichtige Beziehungen kann ich entweder gewinnen – das ist dann gut für Sie; oder verlieren – das ist dann schlecht für Sie. Es ist eine seltene Gelegenheit, jetzt wo auch die Banu-Stämme Gelder auf einen der ihren setzen. Die Quoten auf einen Außenseiter-Sieg sind hoch, extrem hoch. Höher als es noch zu Zeiten Zack Hughs der Fall war. Ihr gewinnt das Rennen, ich mache Profit. Ich mache Profit und Ihr bekommt die Codierung für das Xi´An-Territorium. Zumindest eine temporäre Kennung, die meinen Volksleuten an den Grenzposten und innerhalb der grenznahen Zone mitteilt, dass Ihr ein Xi´An-Handelskonvoi des Hauses Pak seid. Ist das in etwa das, was wir ausgemacht hatten, Mister Gowan Terrox?“

„Ja, das ist exakt das was wir ausgemacht hatten. Eine bescheidene Frage habe ich noch, großzügiger Meister Pak.“

„Stellt Sie, Terrox.“

„Wenn wir das Rennen gewinnen und Ihr den gewünschten Profit erhaltet, ist es uns kleinen Geschäftsleuten gestattet, eine ebenso kleine Gefälligkeit zu erhalten?“ Oh man, jetzt bloß Fingerspitzengefühl, goox, nicht verzetteln, nur nicht zu viel wollen. Die Ehre dieses Mannes wird ihn dir in die Arme treiben. goox der alte Feilscher kannte diese Art von Mann, er kannte Xi´An und ihr Ehrgefühl.

„Jede Gefälligkeit, die ich mir leisten kann und die angemessen erscheint, mein lieber Gowan. Sprich nun und halte mich nicht unnötig lange von meinen Geschäften ab.“

„Nun... das Schiff. Wir hatten unser eigenes Schiff als Einsatz mit in den Plan gebracht. Terence hat sein Schiff verloren, im Bestreben, es renntauglich zu machen und Ihnen Ihren Profit zu bescheren. Nun setzt er auch noch sein Leben beim Rennen aufs Spiel. Einen Verlust hinzunehmen ist hart. Als Risikoabsicherung und Ersatz für bereits entstandene Schäden... wäre uns die Übernahme des M50Mil eine Ehre.“

Pak wusste natürlich, dass die zerstörte 250i ein schnelles, aber altes Modell war. Er wusste, dass sie nicht Terence´eigentliches Schiff war und ahnte, dass sie günstig bei einem Gebrauchthändler erstanden worden ist. Er war kein Dummkopf. Er war ein Patriarch. Doch nun zu zaudern, würde seinem Image schaden – und Image war alles in diesem Geschäft: „Nun, so sei es denn, dann ergänzen wir die Abmachung um das Schiff und nun darf ich Euch entlassen. Viel Erfolg, Mister Skill, viel Erfolg.“

Pak stolzierte langsam und bedächtig den Pfad der Rosenblätter, zurück in seine Gemächer während zwei Bedienstete diese hinter ihm bereits auflasen. Baraksh´Al war lautlos hinter ihnen aufgetaucht und brachte sie wieder hinunter ins Foyer und blieb solange am Eingang stehen, bis er sah, dass Talby, goox und I-Flow wieder in einem der Automatisierten Taxishuttles verschwunden waren.

"Beim Klabautermann, das lief perfekt. Super, I-Flow, das hast du super gemacht." goox konnte sich kaum zurückhalten.

"Ruhig Männer, wir wissen nicht, ob diese Kabine Ohren hat." typisch Talby. In Gedanken konnten es die drei gar nicht fassen. Wenn das hier sauber über die Bühne ging, dann winkt ein militärischer Abfangjäger. Sehr klein, sehr schnell, sehr wendig, schwer bewaffnet - genau das Richtige, wenn es um kleine Mann-gegen-Mann-Gefechte ging. Der Verlust des Luxus-Fighters wird Pak finanziell nicht wehtun, aber ausschlaggebend war: So eine moderne Militärmaschine wie der M50Mil Interceptor war nicht käuflich. Ein unschätzbarer Vorteil, den andere "Freiberufler" nicht haben.

Morgen steigt das Rennen. Alles oder nichts...

Kefka

6 Wochen später...

Die Luft im Innenraum stank nach Ozon, die Lebenserhaltungssysteme arbeiteten im kritischen Bereich. Die Luft war toxisch, ein neu von ihm entwickeltes Biopolymer ist durch zu hohe Temperatur über den kritischen Punkt hinausgelangt und in einer unkontrollierbaren Kettenreaktion verdampft. Terence Skill schwitzte sich das Leben aus dem Leib, die Gasmaske saß zum Glück fest, jedoch konnte das Zeug auf Dauer auch über die Haut ins Körperinnere gelangen. „Fuck, macht, dass Ihr die Sicherheitsprotokolle außer Kraft setzt, mir geht’s hier echt an den Kragen, wenn Ihr nicht hin macht!“ Er hatte die Triebwerke bereits abgeschaltet, das System lief auf Leerlauf, während alle Energie in die lebenserhaltenden Luftfilter gepumpt wurde. Ein ersticktes Husten drang unter der offensichtlich nicht für diese Art von Gas konzipierten Schutzmaske. Terence bedeckte fluchend seine Augen. „Und warum habt Ihr hier nur Schutzmasken der Permeabilitätsstufe 6? Scheiße ey, hier kann man draufgehen!“ Er hetzte vom Pilotensessel durch die kleine Küchensektion zur manuellen Maschinenkontrolle und tippte den Code ein, der ihm soeben von seinem Bruder aufs Display gesendet worden ist. „Der Code ist falsch, falsch falsch, verdammt!“ brüllte er gedämpft gegen die Innenseite seiner Maske, sein Herz raste, Speichel troff ihm aus den Mundwinkel und füllte langsam den Hohlraum der Maske, der zum Atmen gedacht war. Wieder im Pilotensessel, sendete er die Info zurück an seinen Bruder. Die Zeit lief, genauso wie sein Schweiß. Warum waren auf diesem Schiff noch keine Mikrofone installiert. Wertvolle Sekunden glitten ihm unter den tippenden Fingern hinweg, die jeweils noch einen Atemzug gewähren könnten. „Ruhig, ganz ruhig, bloß nicht den Kopf verlieren“ sagte er zu sich selbst und das Blubbern der kleinen Speichelpfütze hörte sich irgendwie nach einem dieser billigen Sciencefiction-Filme an, die goox immer so gern guckt. In diesen Filmen rettete ein genialer Einfall des Helden immer die gesamte Situation. An so ein Glück glaubt Terence allerdings nicht mehr, seit seine Deckung beim Chronos-Netzwerk durch eine genauso schicksalhafte Wendung aufgeflogen war. Nun der Preis dafür war ein Bruder und eine neue Familie. „Verdammt, jetzt behalt endlich eine klaren Kopf!“ Terence wusste, dass es arg um ihn stand, wenn er schon solche Gedanken hatte und sich dann auch noch selbst zureden musste. Er kam sich lächerlich vor, selbst in dieser Lage hatte er noch ein erstaunlich objektives Verständnis für das Wort ´Lächerlich´.

Sekunden verstrichen...

Die Antwort von I-Flow: [bruderherz, das war der richtige Code, so wie er im Begleitbuch steht, du musst dich vertippt...]

„Verdammte Scheiße, ich habe mich nicht vertippt“ Terence las den Text gar nicht erst weiter, er wurde panisch. Das Denken setzte aus, der Überlebensinstinkt meldete sich stärker und stärker und mit steigender Unvernunft zu Wort. Er rannte wieder nach hinten und hämmerte wie wild mit geballten Fäusten auf die Armaturen. Die Kabinentemperatur betrug mittlerweile 64°C, seinen dicken Overall musste er anbehalten, damit die gasoiden Bestandteile des sich zersetzenden Biopolymers nicht zu schnell in die Haut eindrangen.

„Holt mich hier raus, ich machs nicht mehr lange!“

Terence war gerade im Begriff Abschiedsworte durch das System zu jagen, doch sein Blick verschwamm, seine Lippen wurden kalt und kribbelten, genauso wie seine Fingerspitzen. Er verlor jegliche Körperspannung und sackte regungslos auf den Boden des Innenraums des Schiffes und blieb dort liegen. Das Feuer an Bord hätte durch Sprenkleranlagen gelöscht werden können. Diese waren noch nicht installiert.

Sein Hörvermögen stürzte langsam über eine Klippe und landete in einem Morast. Nur dumpf vernahm er die Geräusche seiner Umgebung. Das infernalische Brodeln des Feuers in der Frachtkammer, das Platzen einiger Rohrleitungen, aus denen prompt und unter ständigem Zischen und hohem Druck flüssiger Stickstoff entwich, der beim Auftreffen auf die erhitzten Oberflächen Risse in dieser verursachte. Das Knacken von verzogenem Titan rumpelte durch die Steuerbordseite und ein stetiges Pochen oder Klopfen gesellte sich dazu. All das nahm er wenige Sekunden nach dem Sehverlust noch wie ein Taucher am Meeresboden wahr, bevor sein Hirn auch diesen Sinneskanal abschaltete Dunkelheit ihn umschloss.

I-Flow, Terence´ Bruder, bebte. Er wusste nicht was er hätte tun können, er war so ohnmächtig gewesen. Er bebte einfach nur. Anspannung unter der Haut, wie ein Orca dicht unter der Meeresoberfläche, bereit zum Sprung.

Der Sprung war nicht nötig, Terence öffnete gerade zaghaft und flatternd seine Augen und sah erstaunlich gesund aus. Wolfang alias I-Flow atmete endlich aus: „Man, hab ich mir Sorgen gemacht!“ Keine Träne, aber mit Bruderliebe in den Augen und einem so aufrichtigen Lächeln im Gesicht schaute I-Flow auf Terence hinab. Der lag an ein Bett gefesselt unter einem Lumenschirm auf der inoffiziellen Krankenstation.

„Oh man und ich dachte schon, das war´s...“ Terence sank wieder zurück in sein Bett „Wem hab ich meine Rettung zu verdanken?“

„Uns allen, kleiner Rennfahrer.“ ,brach Talby die brüderliche Zweisamkeit, „Nachdem wir das passende Werkzeug in goox Hangar gefunden hatten, konnten wir auch die verdammte Notluke des Schiffs aufschweißen. War ne Heidenarbeit sag ich dir und dank in erster Linie goox, dass er nen HS-75er hatte, mit nem Standard-Schweißer wären wir ganz sicher nicht durch ne Schiffshülle gekommen. Das war echt haarscharf, Skiller. Jetzt sollte dir klar sein, warum wir das neue Zeug erstmal im Hangar ausprobieren wollten. Ein Trockenversuch kann Leben retten, wie du selbst spürst."

„Wo sind die anderen gerade?“ "

Nun, goox ist immer noch dabei, einige Händler hier im System zu besuchen, seine üblichen Kontakte pflegen. Kefka ist zum Murray Cup, schaut sich ide konkurrenz beim Training an. Er geht im Moment nicht an sein Intercom, hat in der Loge bestimmt wieder ne schicke Lady aufgerissen, der alte Charmeur.“

„Wenn er dich jetzt hören könnte!“ sagte chueche, der gerade am Hydrospender war und jedem eine Tüte Wasser mitgebracht hatte. „Hier Kleiner, fang, das bringt dich auf Vordermann!" Chueche warf Terence eine Tüte Nährwasser zu. Eine Lösung, hauptsächlich aus recyceltem Wasser, viel Calcium, einem Syntheticum, welches das Knochenwachstum fördert und diversen semi-komplexen Eiweißverbindungen zur Stumulation des Muskelwachstums. Ein typisches Getränk für Stationen, die mit verminderter Schwerkraft arbeiteten.

„Man, danke dir chueche, das ist genau das Richtige für mich, schmeckt genauso widerlich wie der restliche Krankenhausfraß!“

„Tja und nun, deine alte 250i kannst du vergessen, dein selbst entwickeltes Polymer hat einen ordentlichen Schaden angerichtet. Vielleicht hättest du ja auf deinen Bruder hören sollen, als er dir den Tipp mit den neuen Kühlleitungen gab.“

„Egal, es war ein altes Schiff und ich wollte es kostengünstig auf ein renntaugliches Niveau bringen. Mist ist nur, dass unser Plan jetzt natürlich so nicht stattfinden kann.“

„So sicher wäre ich mir da nicht!“ schmiss goox mit einem belustigten Bariton in den Raum und alle drehten sich um. „Ich hab ein paar Leute abgeklopft, alle direkt oder indirekt finanziell beteiligt am Murray Cup. Die planen ihre Wetten schon seit dem letzten Murray Cup und der ein oder andere hatte sogar Terence´ Kiste auf dem Wettzettel, hehe.“

„Hey, das ist ein Schmuckstück! Und ich bekomms wieder hin, ich brauch nur genug Zeit.“

„Ja ich vertrau dir da voll und ganz, ich hoffe doch dass du sie besser wieder hinbekommst, als die Ärzte dich wieder hinbekommen haben. In einen Spiegel hast du nach dem aufwachen noch nicht geblickt oder, Terence? Ich bin ungern derjenige der es dir sagt... es sollte eigentlich dein Bruder machen...“

goox beobachtete Terence Skills Gesicht sehr genau und sah wie sich eine erschrockene Blässe aufbaute. „Ha, erwischt! Es klappt immer wieder, harrrharrr!“ goox juxte und gluckste vor sich hin, fand dann aber schnell wieder zu seiner leichten Sachlichkeit zurück: „ Jedenfalls bist du den Leuten ein Begriff, die Rennen am Mittwoch und vorletzten Samstag liefen so weit ganz gut und deine Quote hat einen Wettpaten der Xi´An aufmerksam gemacht. Ein ganz dicker Fisch. Einer von der Sorte, deren Schiffe wir zu gern mal kapern würden. Er möchte ein treffen mit dir und ich habe natürlich zugesagt. Nun schau dich an, du bist echt nicht vorzeigbar. Und schon gar nicht in der Lage so ein Rennen zu fliegen. Kefka hat unsere Wette schon platziert. So zumindest seine letzte Meldung vor 3 Standardstunden. Die Wette ist genau über besagten Wettpaten gegangen, Kefka steht dort auch in den Büchern drin. Auffällig, aber wir brauchten die Aufmerksamkeit dieses Schurken. Ich habe ihn ein wenig abgeklopft, seichte Fragen, unauffällige Angelhaken, die gute Antworten an Land ziehen konnten. Er will die Quote nutzen. Die Quote für deinen Sieg ist verdammt hoch Terence, du bist der krasse Außenseiter. Also, kannst du in den nächsten drei Tagen wieder fit sein?“

„Talby, kann schon sein, frag doch den Doc, der wird’s wissen“

„Uhhhh, den Doc fragen, Terence du Schwerenöter.“ Das könnte ein typisch kefka´scher Satz sein, doch wieder war goox zur Stelle, um ihm in seiner Abwesenheit alle Ehre zu machen mit allerlei provokanten, aber nett gemeinten Sprüchen.

Talby ignorierte es und betätigte die grün illuminierte Touchfläche.

>Was wünschen Sie?<

„Hallo Doktor Laitresse, Talby Bowman hier, wir besuchen gerade den Patienten auf Station 10, Zimmer 45-3, ob wir Sie in den nächsten Minuten hier empfangen dürften, Doktor? Es wäre sehr nett, danke schön.“

Die Krankenstation zog einige Umlaufminuten weiter um den Planeten, die Tür zu Zimmer 45-3 glitt mit einem ganz leisen Zischen auf und da stand sie: lange Beine, länger als der Hals einer Giraffe, mit athletischen Oberschenkeln, die sich in einer enganliegenden, hellblauen Hose abzeichneten, leichte Stilettos umrahmten ihre schmalen Füße und streckten die ohnehin schon langen Beine weiter in die Höhe. Der Blick der versammelten Raumbären glitt weiter empor, ein Körperbetonter, weißer Kittel um-schmiegte eine entzückend schmale Taille und den zarten Ansatz nicht zu klein geratener Brüste. Smaragdgrüne Augen, garantiert genetisch modifiziert, schauten konzentriert auf ein Datentablett und volle, rosa Lippen öffneten sich: „Jungs ich hab euch auch lieb und jetzt hört endlich auf, mich die ganze Zeit Doktor Laitresse zu nennen. Sieht einer von euch hier irgendwo eine Lizenz an der Wand kleben?“

Armandine Laitresse, eine ehemalige Liebschaft von Kefka, die er noch aus seinen Zeiten als Student auf MacArthur kennt. Eine intelligente Frau, die ihre medizinische Fachkunde gern ohne Steuerabgaben zu Geld macht. Sie hat weder einen Doktortitel, noch eine Lizenz, unterhält jedoch eine kleine „private“ Krankenstation und fragt nicht nach dem ´Warum´. Nachdem Kefka sie den anderen vorgestellt hatte, freundete sie sich schnell mit allen an, ihre kumpelhaftige Art und das verdammt gute Aussehen ergänzten sich einfach gut mit ihrer fachlichen Kompetenz.

„Nun, ehrenwerte Doctresse, wie geht es denn dem Patienten?“ fragt goox, der heute irgendwie was komisches getrunken zu haben scheint.

„Augenscheinlich ist er wach, sonst würde er wohl kaum auf meine Brüste starren können.“

Terence konnte den Blick gar nicht abwenden, so eine schöne Frau hatte er im echten Leben noch nie gesehen. „Ähm... Verzeihung Misses... ähm... Miss... ich meine Frau Doktor“ er verhaspelte sich, die Frau brachte ihn ganz aus der Fassung. „Ich bin kein Doktor, jetzt hab ich hier schon die nächste Matschbirne, die das nicht kapiert...“

„Ja... ich meine... nein, also entschuldigung Ma´am. Und Kefka hat wirklich schon mit Ihnen...“

„Ja, ich mit ihm auch, man glaubt es kaum oder? So nun erzählt, warum sollte ich meinen schönen Popo jetzt hier zu euch zwängen Jungs, hm? Außer, dass ich euch natürlich alle fürchterlich gern habe, muss ich mich auch noch um Patienten kümmern, man glaubt es kaum, oder?“

„Na ja, Armandine, wir brauchen den jungen Frauenhelden hier im Bett schnellstmöglich in einem Rennschiff und zwar in drei Tagen.“

„Hmmm, okay, dem Tod von der Schippe zu springen, um ihn dann gefesselt auf ein paar Schienen zu legen. Ihr Scherzbolde, der wird mindestens acht Tage hier bleiben. Die Toxine müssen alle raus, die Nanozyten zur Nervenregenration arbeiten noch mindestens sechs Tage lang und das Trauma muss abklingen. Keine Chance Jungs. Ach ja, Kleiner... ich bin Armandine, ich hab dich soweit hochgepäppelt.“

„Danke Ma´am, ich bin Trence, ähm.. Trerränce, ich meine... ich bin Terrence.“

„Dein Sprachzentrum ist noch nicht ganz wieder da, hm?“ zwinkerte Armandine ihm zu, die es von einigen Herren durchaus gewohnt war, dass die Artikulation abhanden kam, wenn so eine Schönheit wie sie auftauchte und damit charmant umzugehen wusste.

„Tja, dann brauchen wir einen Plan, Männer. „Warf chueche ein, der bisher den Anblick der Doctresse stillschweigend und ohne unnötige Aufmerksamkeit genossen hatte. „Wir brauchen dringend nen guten Ersatzmann und wir müssen den Genscanner von der Rennleitung irgendwie austricksen. Vorschläge?“

„Ich mach´s.“ I-Flow stand auf. „Ich bin sein Bruder. Wir sehen uns ähnlich und mit ein paar oberflächlichen Eingriffen und eines temporären Gencode-Serums sollte es klappen. Ich bin nicht ganz so gut wie er, aber wenn alles nach plan läuft, ist das auch egal. Wir sind mit 20 Punkten qualifiziert, stehen in den Büchern, haben eine Quote und Kefka ist vor Ort in der Loge dieses Xi´An Wett-Patriarchen.“

„Okay, dann machen wir das so. Armandine du hast mitgehört?“

„Nein, ich habe gerade darüber nachgedacht, dass Terence schon wieder auf meine Brüste starrt. Gleich sabbert er. Ja aber ich habe auch mitgehört, ich werde euch da helfen, gegen Aufpreis versteht sich.“ Sie zwinkerte Terence erneut zu, die Frau war taff und mit ihr konnte man Späße machen, dachte sich Terence. Das war wie im Himmel – bis aufs Essen.

Die Genmuster von Terence waren ohnehin frisch eingescannt und Wolfgang stellte seine notgedrungen zur Verfügung. Nicht dass er Armandine nicht vertraute, er war in dieser Hinsicht nur vorsichtig. Mit Genen wurde heutzutage viel Schindluder getrieben.

Zur Mittagszeit des darauffolgenden Tages war das Serum frisch aus dem Sequenzierer und es war ausreichend Zeit, es einwirken zu lassen. Während der Wirkphase modellierte Armandine das Gesicht um, passte die Körpergröße geringfügig an, injizierte eine leichte Nanitensäure, die die Iris für etwa 48 Stunden umformen konnte und färbte ihm sogar die Haare. Wolfgang genoss das Einmassieren der Haarfarbe.

„Fertig.“ Wolfgang schaute in den Spiegel. Schaute in den Spiegel, schaute zu seinem im Bett liegenden Bruder. „Jetzt seh ich erst mal beschissen aus.“

goox ließ es sich nicht nehmen: „Ja, wie die beiden hässlichen Zwillinge aus der Tab-Buster-Show. Nur dass Ihr weniger Haare auf dem Kopf habt! Übrigens, es ist noch keinem von euch in den Sinn gekommen, dass wir ein neues Schiff brauchen, aber ich hab uns gestern eins geborgt. Der Xi´An hat mir gestern ein recht gutes Rennschiff zugesichert, er möchte Wolfgang... hähäm, ich meine er möchte Terence vorher nur gern kennenlernen.“

goox

blog-0451504001361351642.jpg"Kleine Planänderung die Herren!" I-Flow kaute auf einem Kaugummi herum, sodaß seine Worte schmatzend klangen. Er schaltete den Comlink seines Handgelenkcomputers ab, blickte zu uns in die Runde herüber und gab uns mit nachdenklichem Gesichtsausdruck die neueste Info: "Seveneyes wurde wie geplant geschnappt, hat sich dann aber den Weg freigeschossen. Vier oder fünf Personen sind dabei drauf gegangen."

"Mit meinem Schiff?" ich war entsetzt. "Wie hat dieser Typ das nur geschafft? Oh bitte nicht meine Tendu."

"Nein, nicht mit Deinem Freelancer. Die hatten Seveneyes schon in ihren Transporter umgeladen und dann muss er irgendwie das Schiff der UEE unter seine Kontrolle gebracht haben." I-Flow spuckte das zerkaute Stück Kautschuk auf den Boden.

"I-Flow, doch nicht auf den Boden!" grummelte ich. "Der ist brandneu."

"Hm... das ist nicht gut." Talby fasste sich ans Kinn und dachte nach.

Wir befanden uns in meiner kleinen Lagerhalle der terranischen Handelsstation im Kellog System, wo ich auch mein Büro hatte. Es roch nach Multiplastkleber, denn ich hatte erst kürzlich eine Spezielle Dämmung zur Störung von Tiefenscans angebracht. Der Lagerraum war noch ziemlich leer. Zur Einweihung hatte ich vorgeschlagen, dass wir uns hier auf ein Bier treffen. So saßen wir also in den dunkelgrünen Sesseln um einen ausladenden Tisch herum und sahen ein Spiel der Lunatic Scourgers gegen die Nebula Celtics an.

"Na, zum Glück nicht mein Schiff." sagte ich erleichtert.

"Was hat Dein Informant noch gesagt, I-Flow?" Talby hatte den Blick nicht erhoben.

"Nicht viel. Unser guter Seven wäre plötzlich von den scannern verschwunden. Das ist wohl so eine halbe Stunde her. Mehr wusste er auch nicht."

"Er wird Dich sicherlich suchen, Kef." sagte ich zu Kefka, der sein Bier in und her schwenkte während er durch das bräunliche Glas blickte.

"Also ganz ehrlich, ich freue mich darauf." Kefs Tonfall verhehlte nicht, dass er diesen Typen schon beim ersten Zusammentreffen gerne über den ewigen Fluß geschickt hätte. "Na ich sage mal, wenn ich mich gleich ins Krell System aufmache und mich ein wenig 'dumm' anstelle... dann wird er mich bestimmt finden." Kef grinste.

Ich war nicht so zuversichtlich: "Vergiß nicht, Murdock Pulko hat diese Cutlass. Die soll hoch getuned sein. Und er ist noch dazu ein verdammt guter Pilot ohne jeglichen Skupel am Abzug. Und ein Schwein obendrein. Du siehst ihn gar nicht kommen und fängst Dir von hinten ein paar Raketen aus kürzester Distanz ein. Glaub mir, das sind keine Ammenmärchen. Da kannst Du mal Rico Banites aus der Ausbildung fragen. Der hat einen Bruder so verloren."

"Wir kennen alle die Geschichten um diesen Drecksack, goox. Wir müssen eine Lösung finden. Wenn die UEE ihn nicht Dingfest macht, wovon ich mal ausgehe, dann wird er Kef suchen. Dann stattet er bestimmt auch dem Anwalt einen Besuch ab und der wird einknicken und von unserer Crew erzählen. Ich glaube nicht, dass er unter Gewaltandrohung dicht hält." Talby knackte mehr unbewusst mit den Fingerknöcheln, stand auf und ging auf und ab.

"Dann trifft es also die ganze Exchange Corp. hm?" Chueche kam soeben von der Toilette, zog seinen Gürtel fest und brachte seine Hose in den richtigen Sitz. "Dann bleiben uns ja nicht viele Alternativen übrig, oder?" Er starrte die widerspenstige Gürtelschnalle an, die eindeutig das UEE Symbol trug. Ein Überbleibsel aus seiner Zeit bei der Armee.

Unsere Köpfe nickten einhellig, aber schweigend.

"I-Flow, Du sagst den anderen Piloten Bescheid. Die sollen erstmal nicht rausfliegen und die Füße still halten. Hier im Kellog System sind wir ja schon mal richtig. Er wird früher oder später hier auftauchen, nachdem er Albert Wienur einen Besuch abgestattet hat. An den Stationen wird er uns wohl nicht direkt angreifen, dafür gibt es hier zu viel Polizei. Aber weiter draussen vielleicht." Talby machte eine Gedankenpause.

Kefka warf ein "Ich bin sicher er wird versuchen uns am Wurmloch zu abzufangen."

Talby fuhr hoch "Ja. Natürlich Kef - am Wurmloch!" er biss den Kiefer zusammen und ärgerte ein wenig darüber, dass ihm dieser Gedanke nicht gekommen war. Dann dachte er laut "Wir werden einen Lockvogel brauchen." und blickte mich mit erhobenen Augenbrauen an.

Chueche grinste breit in meine Richtung und gackerte belustigt: "Ja, wir werden einen Lockvogel brauchen... aber wer würde das nur machen?" Auch er hob eine Augenbraue.

"Jaja... ich habs schon kapiert. Lockgoox stets zu Diensten." sagte ich etwas genervt und pustete Luft zwischen engen Lippen heraus. So ist das in Teams - jeder hat seine Aufgabe. "Ich mache meine 300i klar. Da hab ich ja auch noch mein 'Spielzeug' eingebaut, das ich sonst in der Tendo habe. Aber seht bloß zu, dass ihr kampfbereit seid." ich hob meinen Finger und wedelte damit herum.

Chueche klopfte mir mit seiner Pranke wie immer etwas zu heftig auf die Schulter und sagte "Nana, Herr goox, mach Dir mal nicht in die Hose. Wir werden wie immer da sein." dann zwinkerte er mir zu und drückte seine Hand auf meiner Schulter zusammen bis es schmerzte.

Ich streifte sie mit einem Arm ab und dreht mich weg während ich ihn anspottete "Hör auf Du grober Klotz. Ist ja gut."

"Leute, ihr wisst wir müssen die Sache zuende bringen?" Talby war es ernst. "Murdock Pulko wird keine Ruhe geben, falls wir ihn nicht loswerden." Wir sahen uns gegenseitig in die Augen. Der Moment war angefüllt mit Einverständnis und Respekt. Es brauchte keine weiteren Worte um die das Unmissverständliche zwischen uns zu untermauern. Das war einer dieser typischen Momente, die ich so sehr schätzte. Wir waren eine Crew.

Dann gingen wir an die Arbeit und besprachen die letzten Details.

Ein paar Stunden vergingen. In der Nähe der Dockingbay saß ich in einem Aufenthaltsraum, in dem man sich mit Kaffee und Gebäck versorgen konnte. Man durfte nur nicht dem dort anwesenden Pöbel zuhören, denn diese Geschichten stanken nach Pilotengewäsch mit einer extra starken Portion Laserbeschuss.

Mein Interkom meldete sich mit seiner typischen Melodie. Chuche brachte endlich die erwarteten Neuigkeiten: "Ich glaube ich habe hier einen Fan von Dir gesehen. Fliegt einen schwarzen Karton der wie eine Cutlass aussieht. Ich denke es geht los, goox."

"Alles klar." Damit war das Gespräch auch schon beendet.

Chueche hatte sich am Wurmloch ins Garron System postiert und den Scanner angworfen. Die anderen überwachten die restlichen Tore und den Haupthandelsposten im System. Es war zu erwarten, dass Seveneyes durch Garron kam, aber wir mussten sicher gehen. Daher bewachten wir alle Eingänge nach Kellog. Ich trank schnell meinen vierten Kaffee aus und legte den Newsflip zur Seite, in dem ich die ganze Zeit gelesen hatte um mir die Zeit zu vertreiben.

Dann eilte ich zu meinem zweiten Schiff, der Dirty-Dream. Es war eine überarbeitete Version der 300i mit einer speziellen Effektbeschichtung sowie ein paar Modulen, die mich viel Geld gekostet hatten. Meinen Freelancer hatte zu diesem Zeitpunkt ja immer noch nicht zurück und bei dem Gedanken daran spuckte ich innerlich auf die UEE, welcher auch ich einmal angehört hatte. Ich kannte ihre Vorgehensweise, die Prozeduren und die heuchlerischen Konzepte dieser Leute. Es war mir zu wider, denn es waren schon immer die einfachen Piloten, welche die Entscheidungen von ganz oben mit ihrem Leben begleichen mussten. Deshalb bin ich da weg so schnell ich nur konnte. Wenn ich schon sterben sollte, dann nicht weil irgend so ein Schmierlappen einen Befehl erteilte. Das soll einzig und alleine mir überlassen bleiben.

Es dauerte nicht lange, da saß ich auch schon startbereit im Cockpit und hatte Abdockerlaubnis. Ich tippte den Wackelpiraten am Armaturenbrett an, sodaß sein Kopf lustig hin und her schwang. "Segel setzen, erster Maat." sagte ich zu der Plastikfigur während mich die Steuerdüsen ins Weltall entließen.

Wenn alles gut lief, sollte Seveneyes in diesem Moment hier ankommen und mich starten sehen. Einen erweiterten Umgebungsscan in der Nähe der Station zu initiieren hätte die UEE mit einem empfindlichen Strafgeld versehen, also versuchte ich mich auf meine Augen zu verlassen. Ich blieb etwa 4 Minuten in der Nähe der Station und wurde langsam nervös. Er war einfach nicht auszumachen. Es hatte keinen Zweck. Mir blieb keine Wahl. Wenn er bereits hier war würde er sich bald fragen, worauf ich warte. Andererseits konnte er mich vielleicht schon gesehen haben und in Richtung Wurmloch aufgebrochen sein um mich dort zu stellen. Ich wählte den Kurs aus dem Navi und schaltete den Autopiloten ein. Die Triebwerke beschleunigten und schliesslich schaltete sich das Hyperraumaggregat zu. Auf dem Seitendisplay erschien "Ankunft in 69 Klicks". Ich bereitete mich darauf vor die Schilde einzuschalten. Wenn ich Glück hatte, war seine Waffenaufschaltung nicht schnell genug.

"Mist. Der Verzerrer! Ach goox..." ich raunte mich selbst an. Ich war nervös und wer nervös ist, der macht Fehler. Die Signalverzerrer hätte ich fast vergessen, die es dem Gegner deutlich schwerer machen sollte mich aufzuschalten. Die konnte ich im Gegensatz zu den Schilden auch schon im Überlichtflug einschalten. Ich drehte den Jammer auf volle Leistung. Es war ein recht altes aber solides Teil, das ich aus einem alten RT94, zusätzlichen Verkabelungen und ein paar Softwarehacks selbst gebaut hatte.

"Ankunft in 9 Klicks." das Seitendisplay tickte langsam herunter.

"7 Klicks, 6 Klicks." Meine Hand schwitze aber ich hielt den Finger am Auslöseknopf als hinge mein Leben davon ab, was es wahrscheinlich auch tat. "3 Klicks, 2, 1 ..." Ich verließ den Hyperraum und die Sterne die vorher nur als blaue und verzogene Linien zu sehen waren wurden wieder zu flackernden weißen Lichtern in einer schwarzen Suppe aus Nichts.

Die erste Salve traf mein Schiff, als ich die Schilde noch nicht oben hatte. Mein linkes Triebwerk fiel aus, aber jetzt waren die Schilde erstmal oben. Zwei feindliche Schiffe beschleunigten auf mich zu, während ein drittes auf seiner entfernten Position verblieb aber mit den Steuerdüsen eine Aufwärtsbewegung durchführte. Das war die Cutlass.

"Scheisse scheisse scheisse, goox... weg hier... scheisse scheisse..." Ich war irgendwie nicht mehr so gut drauf, also sang ich Fäkalwörter vor mich hin. Das half aber nichts.

Mein Comlink meldete einen offenen Nearby-Channel, wie er üblicherweise für die Kommunikation im Nahbereich genutzt wird. Ich hatte nicht das Bedürfnis nach einer Konversation mit Seveneyes.

Weitere Salven hämmerten auf meinen Schild ein, während die Cutlass eine Hitzesuchende Rakete auf mich abfeuerte. Meine automatische Rakentenabwehr schoss das Ding ab, bevor es einschlagen konnte. Das war eine meiner kleinen Überaschungen. Der Schub baute sich langsam auf und von rechts driftete eine Hornet auf das Wurmloch zu um mir den Weg hindurch zu versperren. Wenn ich mich beeilte könnte das gerade noch so passen. Ich holte alles aus meinem verbliebenen Triebwerk heraus. Erfreulicherweise vermittelte mir die taktische Anzeige, dass mein Störsignal zwei Aufschaltungen unterbrochen hatte. Bei 55% Schilden war ich mehr als nur dankbar. Jetzt mussten die Hornets zumindest erstmal auf Sicht schiessen. Die Cutlass drehte sich ein um mir zu folgen. Seveneyes wusste wo ich hin wollte. Dieses fast unsichtbare Auge aus gekrümmtem Raum war mein einziger Ausweg. Wo war meine Crew nur?

Als ich fast am Wurmloch war, versperrte mir die Hornet gänzlich den Durchflug. "Mist." Mir blieb nicht viel mehr zu tun als auf das wabernde Gebilde zu zu fliegen. In ein paar Sekunden würden ich mit der Hornet kollidieren, die meine Schilde schwer mit ihren Lasern beackerte. Also feuerte ich meinerseits die einzigen beiden Raketen ab, die ich ausgerüstet hatte. Ungelenkt. Einfach gerade aus. Aus Meinem Cockpit sah ich sie davonzischen und sie hinterließen einen Schweif aus ionisiertem Gas. Eine Explosion riss der Hornet das linke Steuersegment ab und schleuderte es gerade weit genug von der Öffnung weg, dass ich hindurch gelangen konnte. Einschlagende Triebwerksteile ließen meinen Schild aufblitzen. Schildleistung auf 11% und fallend. Ein kribbeln überströmte meinen Körper. Ich war in Charon.

"Ich hoffe ihr seid da." brüllte ich in den Gruppenfunk "Da kommt gleich Siebenaugen und er hat Freunde dabei. Leute?" Dann sah ich wie I-Flow und Kefka in einer typischen Zangenbewegung eine M50 verfolgten um dem feindlichen Piloten aus seinem Fluggerät zu helfen. Es befand sich auch schon anderer Weltraumschrott in der Nähe. Das musste eine weitere Hornet sein, die mit glühenden Rändern von Einschusslöchern in einer Trudelbewegung keinen Mucks mehr von sich gab. Einer der Druckbehälter sprudelte unkontrolliert Gas ins All hinaus, was wohl für die Rotation verantwortlich war. Eine Rettungskapsel verließ das Geschehen von uns unbeachtet.

Ich hatte mich eben orientiert und sah chueche und Talby genau vor mir im All stehen. Als ich erkannte, dass sie ihre Schiffe auf das Wurmloch und mich gerichtet hatten, drückte ich die den Hebel nach vorne und tauchte nach unten. Sie entließen die erste Salve Raketen in Richtung Durchgang nach Kellog. Die beiden Hornets kamen zuerst hindurch und waren sicherlich erstaunt, als die Raketen auf sie zuflogen. Es blieb kaum Zeit zu reagieren. Die bereits angeschlagene Hornet explodierte in einem Feuerball der genauso schnell verschwand wie er entstand. Die zweite Hornet bekam einen Seitentreffer und drehte ab. Talby nahm die Verfolgung auf während chueche seine Laserkanonen warm laufen lies und ein paar weitere Raketen in Richtung Wurmloch abfeuerte.

"Wieviele kommen da noch goox?" frage er.

"Nur noch das Arschloch." ich war froh nicht mehr direkt beschossen zu werden. Meine Schilde bauten nicht mehr ab.

Dann kam die Cutlass. Sie war wirklich schlecht vor dem schwarzen Hintergrund zu erkennen. Eine alte aber bewährte Taktik. Seveneyes zog seine Maschine sofort hoch und nach rechts. Nur ein paar Lasertreffer musste er hinnehmen.

Von der vorangegangen Verfolgungsjagd nahmen nun auch Kef und I-Flow die Verfolgung nach Murdock Pulko auf. Es war nicht verwunderlich das Kef über alle Kanäle funkte: "So, pass mal auf Du Mann mit den richtigen Eiern. Wir zeigen Dir jetzt mal wie man das richtig macht Du braungebrannte Fummeltrine. Noch irgendwelche letzten Worte bevor wir Dir ne Rakete hinten rein schieben?"

"Ihr miesen Wixer, so macht ihr also eure Geschäfte, hm? Ich werde mir jeden von euch vorknöpfen. Ehrloser Abschaum." Seveneyes sprudelte offensichtlich nicht vor Heiterkeit. Es fühlte sich für mich irgendwie gut an.

Talby und und ich folgten nun dem M50 Piloten. Dieser versuchte allerdings sich in Sicherheit zu bringen. Die M50 war wirklich schnell - kein Wunder, denn dafür war sie entwickelt worden.

Kef, Chueche und I-Flow hingen sich an die Cutlass. Und verdammt, Seveneyes war ein schockierend guter Pilot. Er manövrierte I-Flow gleich zu Beginn aus und deaktivierte mit einem EMP-Geschütz seinen kompletten Antrieb. Dann befand er sich hinter Kef, doch Chueche drängte ihn ab. Währenddessen hatte ich es schwer mit Talby und der M50 mithalten zu können. Wir attackierten den Piloten, doch irgendwann war er ausser Wirkungsreichweite bis er kurz darauf in den Hyperraum überging.

Als wir dann zu den anderen stießen, sah die Sache nicht so gut für uns aus. Chueche und Kef klebten an der Cutlass, hatten aber Schwierigkeiten dran zu bleiben und ihn zeitgleich wirksam zu bekämpfen. Talby und ich schlossen langsam auf. Wir feuerten aus allen Rohren. Zu viert waren wir nun deutlich überlegen. Seine Schilde hatten wir fast runter, doch schliesslich schaffte es Murdock Pulko einen gewissen Abstand zwischen uns aufzubauen. Er hatte mittlerweile seinen Hyperraumantrieb hochgefahren. Die Signaturanalyse auf meinem Taktikbildschirm war eindeutig was das anging.

"Der springt gleich, Leute. Tut doch was." ich wusste nicht, was ich sonst sagen sollte.

"Wir sind zu weit weg. Ich bin schon auf voller Leistung." sagte chueche, der den schnellsten Antrieb von uns hatte.

Seveneyes speite in den Funk "Wir sehen uns wieder ihr Pisser." Man brauchte kein Hellseher sein um zu wissen was er damit meinte. "Und grüßt den Anwalt schön von mir. Ich werde seiner Frau Blumen schicken."

"Einen Klitzekleinen Moment noch, Sevenheinz." sagte I-Flow und feuerte alles was er noch abzufeuern hatte. Irgendwie musste er es fertig gebracht haben seine Triebwerke wieder flott zu bekommen und sich unbemerkt auf einem Abfangkurs zu nähern, während wir ins Scharmützel mit Seveneyes verwickelt waren. Meine Kinnlade hatte offenbar eine Gravitationsquelle gefunden, denn sie stand offen.

Nun muss man erwähnen, dass bei den Dingen, die I-Flow noch abfeuern konnte unter anderem etwas aus den Laboren von Talon war. Eine Talon IR5 Stalker mit Antimateriekern. Ich weiß bis heute nicht wo er das Ding her hatte oder wie er es an seinem Schiff abschussfähig installieren konnte. Die Wirkung allerdings, die ist mir sehr deutlich im Gedächtnis geblieben.

Als Seveneyes Cutlass von der Rakete getroffen wurde war ich froh, dass er ein bischen mehr Abstand zwischen sich und uns gebracht hatte. Die Detonation riss die Cutlass in zwei Teile während sich Materie und Antimaterie gegenseitig zerstrahlten.

Er muss sofort tot gewesen sein. Mir fiel ein Stein vom Herzen.

Wir brüllten und jubelten in den Gruppenfunk bis uns unser Captain zur Ruhe mahnte. Dann sammelten wir auf, was nach dem Kampf übrig geblieben und verwertbar war. Die Beute würde die Schäden ersetzten und was übrig bliebe, würde geteilt.

"Können wir jetzt gleich mal wieder zurück? Ich habe Hunger." sagte ich, als mein Magen knurrte.

"Du hast immer Hunger." wie aus einem Mund kam es über die Lautsprecher, als Kef, I-Flow und Chueche antworteten.

Talby lachte sich schlapp.

Als wir an diesem Abend wieder in meinem Lagerraum auf der Station im Kellogsystem waren, feierten wir ausgiebig unser Überleben.

Denn Siege im Kampf feiern nur Verlierer.

Wir tranken, lachten und erzählten uns die Einzelheiten der Konfrontation, wie sie jeder für sich erlebt hatte. Dann stießen wir auf einen der zähesten und besten Piloten an, den wir je gekannt hatten: Murdock 'Seveneyes' Pulko.

Es gab nur einen einzigen Grund, warum er heute Abend nicht an unserer Stelle feiern konnte: er hatte keine Crew.

Ende.

Kefka

[...] Sei es wie es sei, folgendes ging mir nicht aus dem Kopf: Gewisse Einträge in den Archiven waren mit Schadcode unleserlich gemacht worden und da wurde ich neugierig."

I-Flow lehnte sich in seinen schweren, braunen Nappa-Sessel, grinste anzüglich durch seine Zigarre und hustete dann förmlich heraus: "Kefka, du mein lieber, du findest alles interessant. Hättest Gelehrter werden sollen, oder einfach ein Bibliothekar. Aber Scheiße nochmal, trotzdem bist du ein Goldjunge, wenn´s um Geschäfte geht. Egal, jetzt komm aber langsam zum Punkt, okay! Ach ja.... Zigarre gefällig?"

Kefka lehnte schweigend aber höflich ab, er machte sich nichts aus legalen Drogen. Außer Whisky natürlich: "Vielleicht ist in der Kristall-Karaffe noch ein Tropfen für mich..."

Talby hatte schon Glas und Karaffe in der Hand und einige Augenblicke später spülte sich Kef die rauchbefallene Kehle. Monsun gegen die Dürre, herrlich.

"Nun gut... lange rede kurzer Sinn: Was passiert, wenn man ein Kartenhaus zu hoch baut? Richtig, es fällt in sich zusammen. Und so kam es dann auch. Direkt vor dem ersten tevarischen Krieg, in dem die UPE sich das Elysium-System einverleibte, hatte ein tevarischer Kriegsherr den Großteil von Goldsteens illegalen Infrastrukturen übernommen oder zerstört. Es heißt weiter, dass die Überreste des Kartenhauses, die meisten Führungspersonen der Banden und Logistiker, sich von Goldsteen lossagten, sich auf die Flucht vor dem tevarischen Kriegsherrn begaben und in ein anderes System flogen - samt aller Schätze, die noch übrig waren. Ich konnte mir Bestandslisten ansehen. Die UPE konnte nach dem gewonnenen Krieg lückenlos aufzeigen, was alles fehlte. Megatonnenweise Virenbomben. Ich meine die Virenbomben, die ganze Planeten von organischer Materie befreien und deren virale Fracht sich dann rückstandslos zersetzt!"

Die Augen von Talby, I-Flow und goox wurden größer. Jeder war Geschäftsmann, um die Möglichkeiten zu erkennen. "Kefka... hast du mal darüber nachgedacht, WARUM diese Dinger seit drei langen Jahrhunderten von keinem Volk dieser Galaxie gebaut werden? Das sind Planetenkiller, diese Teufelswerkzeuge löschen Milliarden Leben innerhalb einer Woche aus und wenn jemand infiziertes mit einem Shuttle zum nächsten Planeten des Systems floh, so war auch dieser Planet dem Tod geweiht! Ich weiß nicht, ob ich es moralisch vertreten kann, überhaupt weiter darüber nachzudenken!"

"Nun ja..." wandte Talby ein, "Sehen wir es mal so: Noch erzählt uns Kefka eine schöne Geschichte, ein Märchen von vor knapp 500 Jahren. Fünfhundert Jahre!!! Alles ist erst mal rein hypothetisch und ich bin einfach auf den Rest gespannt. Meistens wird heißer gekocht, als gegessen. Ich denke gerade an viel Leid, aber auch an viel Geld. Darüber hinaus mag ich Kefkas Märchenstunden" ein kindliches Lächeln flog über seine Lippen.

Zustimmende Gesten rund um den Pokertisch.

Kefka fuhr fort: "Ich kann deine Bedenken nur zu gut verstehen. Ich habe bereits Flügelmänner verloren. Familie auch... das brauch ich hier niemandem nochmal erzählen und ich stimme dir zu, goox. Ich komme später nochmal zu den Virenbomben. Des Weiteren stehen in den Listen der Archive 53 Tonnen elaquirianisches Harz, bekannt für seine Supraleitfähigkeit und die vielen Verarbeitungsmöglichkeiten. Ihr wisst genauso gut wie ich, dass man es nur von den Kr´Thak bekommt. Und die siedeln nun mal auf der anderen Seite des Xi´An-Territoriums, also unerreichbar für 99,999% der UEE-Bevölkerung. Es gibt keine bekannten Sprungverbindungen dorthin, die nicht erst über Xi´An-Raum führen. Der Tod für jeden Händler... oder Schlimmeres. Goldsteen aber hat es geschafft, er hatte die Flotte, die Informanten, die Routen. Er war im Krell-System, welches bis heute offiziell als von Menschen unbetreten gilt! Das alles zu einer Zeit, in der die Kr´Thak dort noch keine Vorherrschaft hatten. Das ist einmalige Ware, Männer!" Kefka sang schon fast.

"Das stimmt und außerdem..."

"Dazu kommt" unterbrach Kefka, der nun völlig euphorisch wurde und I-Flow unbewusst über den Mund fuhr "dass seltene medizinische Pflanzen - natürlich in Permafrostzellen - raus geschafft wurden, bevor die UPE oder die tevarischen Kriegsherren Zugriff darauf hatten. Sagt einem das Hades-System noch etwas?

Talby wusste natürlich sofort, was gemeint war: "Natürlich, ein toter Haufen Schutt. Nach einem fürchterlichen Krieg ging das ganze System vor die Hunde. 3 Völlig zerbombte Scheißhaufen von Planet und der vierte ist sogar zerbrochen. Das Ding kreist da immer noch rum. Da lebt nichts, da handelt nichts, da IST nichts!"

"Talby, wenn ichs nicht zu gut wüsste, dann würde ich fast sagen, dass ein gewisser Talby dort schon Handel getrieben hat!" amüsierte sich goox, der höchstpersönlich den Flügelmann in dieser gottlosen Kanalisation von Planetensystem gespielt hat. "War ein übler Anblick von soviel planetoider Masse auf dem Radar und 0,0 Lebens- oder Energiesignaturen weit und breit. Junge mir lief ein Schauer über den Rücken."

"Ich soll langsam zum Punkt kommen und ihr zelebriert hier eure Albtraummissionen. Grandios, macht rruhig weiter! Jedenfalls stammen diese Pflanzen von Hades II, dem größten Massengrab der Geschichte. Also auch hier wieder einmalige Ware! Die Liste lässt sich noch fortsetzen, ich habe hier der Kürze halber aber eine Kopie für jeden von euch." Er zog drei Exemplare mit jeweils 13 Seiten Papier hervor.

"Papier? PAPIER? LEBEN wir jetzt schon in einem Märchen? goox konnte fast nicht mehr vor Lachen, seine Zigarre wackelte bedenklich und drohte fast den letzten Flug anzutreten, bevor er sich wieder fasste und die Tabakröhre geschäftig zurechtrückte.

"Na ja... Ihr denkt doch nicht, dass ich mir eine Softcopy aus dem Archiv mitnehmen konnte! Das wäre registriert worden, da könnt Ihr euch drauf verlassen. Habe schon genug mit Militärarchiven zu tun gehabt. Außerdem lässt sich Papier leichter verbrennen, als ein Datenknoten und bei weitem nicht so leicht wiederherstellen! Bei dieser Geschichte gehe ich auf Nummer sicher. Auch ein Grund warum ich persönlich und völlig unangemeldet herkomme."

Die allgemeine Stimmung hatte sich nun wieder etwas beruhigt und die drei Freibeuter, oder auch Freihändler - das legte jeder für sich ein wenig anders aus - studierten mit leuchtenden Augen die Liste, blätterten vor und zurück, weil sie manchmal dachten, sich einfach verlesen zu haben.

"Und das Zeug lagert noch irgendwo da draußen? Im Ernst? Nach 500 Jahren?" erkundigte sich Talby durchaus skeptisch.

"Ich habe keinen Bericht gefunden, der das Gegenteil andeutet. Ich habe Missionsbriefings gelesen, in denen es um die Suche und Bergung dieser Güter ging. Es gelang niemandem, da die Spuren nach den Tevarischen Kriegen mühsam rekonstruiert werden mussten. Nur die UPE wusste davon. Die Missionen wurden etwa 20 Jahre nach Kriegsende begonnen, scheiterten aber immer wieder an den instabilen Machtverhältnissen der Region. Die Xi´An weiteten ihr Einflussgebiet aus, Sprungpunkte wurden ein für alle Mal unzugänglich und die Xi´An selbst wussten gar nicht, was sich da auf einem gewissen Planeten unter ihren Füßen befand. Ich sollte wohl lieber sagen: Befindet."

"Und du meinst jetzt allen Ernstes, diese verdammten Kaltblüter von Xi´An haben diesen Schatz noch nicht gefunden?"

"Da bin ich mir sogar sehr sicher, denn eines steht fest: Wenn ein Volk wie diese schuppigen Kriegstreiber Virenbomben gefunden hätte, die sie aufgrund ihres mangelnden Verständnisses für transgene Viren einfach mal nicht selbst herstellen können, dann hätten wir es irgendwo mitbekommen. Wenigstens eine Bedrohungsstudie wäre in den verschlüsselten UEE-Datenbanken aufgetaucht! Und ich sag euch was: Da war NICHTS! Kein Eintrag, keine Erwähnung. Das Zeug liegt immer noch dort, wo es vor 500 Jahren versteckt wurde und WIR vier wissen davon. Nicht mal meinem Kontaktmann auf der Eisenstein habe ich davon etwas erzählt, er hat lediglich ein paar Flaschen seltenen Whisky aus meinem Privatbestand erhalten, sowie eine frische Ladung graues Öl, damit er auch wirklich dicht hält.

"Okay" I-Flow war auf einmal todernst "ich sage mal, wir überprüfen noch ein paar Sachen, ich kenne da jemanden... jeder von euch kennt irgendwo irgendjemanden. Wir behalten alle wichtigen Details zurück. Nur das Nötigste teilt euren Informanten mit. Wir müssen zaghaft unsere Fühler ausstrecken, denn ich rechne fast damit, dass wir nicht die einzigen sind, die diesem Schatz hinterherjagen. Ich hatte es heute morgen schon irgendwie im Urin, dass das ein verdammt interessanter Tag werden wird..."

"Tja, du sagst ja immer, Mittelstrahl birgt Wahrheit, hehe! Könnte sein, dass du ausnahmsweise mal keinen Bockmist erzählt hast, I-Flow" Talby griente sich regelrecht einen ab. "Fangen wir mal ganz nüchtern an. Grundlegendes gilt es zu klären: Wir brauchen die genauen Koordinaten des Planeten."

"Nun ich weiß schonmal, dass es einer der beiden geheimgehaltenen Bioreservatplaneten im Eealus-System sein muss. Ich werde nach dem Lunch einen Sprung machen und mich mit jemandem treffen, der mir vielleicht helfen kann. Ein Historiker und Xi´An-Kenner" steuerte Kef hinzu.

"goox, ich weiß, dass du hier der beste Logistiker von uns bist, auch wenn ich mich ungern unter den Scheffel stelle" Talby kam gar nicht mehr raus aus dem Grimassen-schneiden, dieses kleine Märchen schien ihn regelrecht zu beflügeln, "kannst du mal einen fachkundigen Blick auf die Stückzahlen und Güterarten werfen?"

"Klaro, das versteht sich doch von ganz alleine. Ich werd erstmal schauen, was wir von dem ganzen Zeug auch wirklich los werden, rechne mal unsere Schiffe zusammen und schau ob am Ende noch Kapazitäten übrig sind oder ob wir mehrere Flüge machen müssen. Wir kommen zwar mit unserer Tarntechnologie heutzutage relativ leicht in die Territorien rein, aber mit DER Ladung wieder heil rauszukommen... Ich check das einfach alles mal durch..."

"Alles klar, Logistik, Koordinaten... Talby und ich werden uns mal ganz leise umhören, ob da jemand etwas ähnliches planen könnte. Ach ja und nochwas Leute, das brennt mir schon seit Kefkas Auftauchen auf der Seele, wie billiger Fusel in der Kehle: STRAIGHT FLUSH, HARRR HARRR HARRRR!"

Süß-saure Mienen drehten sich erst zu I-Flow, dann zu Kefka und wieder zu I-Flow. "Ihr beiden... das war doch alles ein abgekartetes Ding!!!" donnerte goox in herzlich-rauhem Tonfall. in Anbetracht des baldigen Gewinns, konnte er den Verlust dieser Runde leicht verschmerzen.

So setzte Kefka sich mit dem halbvollen Whiskyglas zu den anderen Schlitzohren, ließ sich träge in einen der antiken Sessel fallen und das Pläne-schmieden begann.

---wird fortgesetzt---

(Anmerkung: ein Erstversuch, einige Elemente aus verschiedenen Stories hier im SC-HQ zu verflechten, Meinungen, Anregungen und vor allem Ideen sind sehr willkommen!)

goox

Hungrig im Weltraum Teil 4

blog-0557223001360661769.jpgSein Schiff hatte am Haupttriebwerk Schaden genommen, sodass er nicht mehr volle Leistung im Normalraum aufbringen konnte. Neunzig Prozent schaffte die elegante Konstruktion aus Hightech-Verbundstoffen vielleicht noch. Die Abschirmung seiner Antimateriebehälter hatte auch etwas abbekommen. Er wäre, hätte er den Überlichtantrieb gestartet, zu einem hübschen Feuerwerk geworden ohne das jemand mit einem Glas Sekt darauf angestoßen hätte. Oder zumindest applaudiert. So flog Kefka bereits seit 20 Stunden auf Autopilot, während er dem donnernden Bass seiner Lieblingsband zuhörte und mit einem Bein rhythmisch wippte, welches er aus der kleinen Koje im Bauch seines Freelancers baumeln ließ. Noch 2 Stunden, dann würde er die Orbitalstation um den Planeten Walleye erreichen, der offiziell unter der Bezeichnung Ellis IV geführt wird.

Ich nahm ein Miet-Shuttle nach Ellis, damit mir niemand so einfach folgen konnte. Die Hinweise darauf, dass die UEE unseren geheimen Umschlagplatz auf dem Asteroiden im Tyrol-System zu enttarnen versuchte, verdichteten sich. Ein paar Tage schon hatten wir uns nicht mehr dorthin getraut und auch unseren Mitwissern entsprechende Instruktionen gegeben. Die Peilsender, die wir immer noch nicht in den Schiffen gefunden hatten, funkten laut Aussage eines sehr begabten Technikers auf einer verschlüsselten Standardfrequenz der UEE im Takt von 50 Micron. Wir mussten es irgendwie hinbekommen, dass die UEE zufrieden gestellt würde und wir weiter unseren Geschäften unbehelligt nachgehen konnten. Nur wie sollten wir das anstellen? Wie!

Wie nur?

WIENUR! Albert Wienur - ein Bekannter von mir. Er war Anwalt für Transportrecht und hat mich einmal ganz sauber aus einer üblen Situation rausgeboxt. Ihm konnte ich Vertrauen und er würde für einen kleinen Obulus einen Kontakt zwischen Seveneyes und unserem Lockvogel herstellen. Wie ich später erfuhr, hatte dieser kurz zuvor ein kleines Problem mit seinem Schiff.

Ich kontaktierte Albert Wienur und Kefka, der zufällig mit seinem Schiff auf Walleye gelandet war. Nach ein paar amüsanten Gesprächen willigten die Partner ein und der Plan nahm seinen Lauf.

Es war einer der selten stillen Tage in Handelshafen Radok auf Walleye, als Kefka sich einfach an den Tisch des Fremden setzte. Ein üblicher Ort für Geschäfte. Albert Wienur stand genauso plötzlich vor dem Tisch an dem Seveneyes saß, denn er begleitete Kefka als Leumund zum verabredeten Treffpunkt.

Albert nickte dem Gebräunten zu und sagte: "Das ist der Mann mit dem ich Sie bekannt machen will. Viel Vergnügen." bevor der Anwalt die Szenerie verließ, wandte er sich noch Kefka zu und ergänzte eingeprobt um den Schein zu wahren: "Das mit der Bezahlung machen wir später."

"Ja, wie verabredet." sagte Kefka und blickte nun den überdurchschnittlich gut gestyleten Seveneyes an, der seinen blank polierten Schädel mit auffälligen Tribal-Tattoos zur schau stellte. Dieser saß in einem Korbsessel und betrachtete über die Kaffeetasse hinweg die Situation.

Kefka begann: "Ich bin ... Frachterpilot. Mein Name ist, sagen wir ... Peterson. Ich benötige jemanden für einen Auftrag. Unser gemeinsamer Freund hat Sie empfohlen."

Seveneyes setzte die Tasse ab, sagte kein Wort und blickte den Mann mit aufeinander liegenden Fingerspitzen an. Vielleicht eine Minute. Endlich begann er zu reden: "Wissen Sie, der Anwalt hat mich noch nie jemandem empfohlen. Er muss sehr verzweifelt sein oder es muss um viel Geld gehen." Er griff erneut zur Tasse.

"Nunja, um ganz ehrlich zu sein hatte er es zunächst bei jemand anderem Versucht. Aber der ist leider schon tot." Kefka war normalerweise besser im improvisieren, jedoch war sein Tonfall authentisch genug. Er verabscheute diese Type jetzt schon, obwohl er erst ein paar Worte mit Ihm gewechselt hatte. Er hoffte, dass man ihm seine Abneigung nicht anmerkte. In seinen Gedanken flogen Bilder vorbei, in denen er Optionen durchspielte. Ob er zum Beispiel diesen Möchtegern mit einer Hand erwürgen könnte, oder ob er zwei Hände bräuchte. Er sah recht kräftig aus. Vielleicht müsste er ihm aber auch ein Stuhlbein in die Brust rammen.

Seveneyes verzog keine Mine. "Also, sagen wir Peterson, mein Name ist Seveneyes und jeder kennt mich hier. Worum geht es? Kommen Sie auf den Punkt. Meine Zeit ist kostbar."

Kefka fühlte, dass er ihn zumindest schon mal an der Angel hatte, jetzt musste er nur noch vorsichtig den Fang einholen.

"Also da gibt es diese Crew... das sind ein paar Leute. Ich habe aus sicherer Quelle erfahren, dass es da etwas zu holen gibt. Tyrol System. Da sollen Sie ein kleines Lager haben und ... das ist momentan voll mit Dingen die normalerweise nicht ganz einfach zu erwerben sind."

Seveneyes rückte sich auf dem Stuhl zurecht und stützte sich nun auf dem Tisch ab. "Ich höre. Tyrol System, da hat sich in letzer Zeit für mich sowieso etwas aufgetan. Vielleicht kommen wir ins Geschäft. Und ich rate ihnen jetzt nicht mehr um den heißen Brei herum zu reden."

Kefka zog an der Leine. Der Fisch war nicht nur groß, sondern auch bereit mit dem Angler einen Tanz zu wagen. "Naja, ich brauche jemanden der das Zeug da rausholt und es abtransportiert. Das Rausholen ist wohl kein Problem, aber es müsste hierher ins Ellis System geschafft werden. Und von Tyrol nach Ellis sind es einige Sprünge durch UEE kontrollierte Tore."

"Was lagert denn dort? Drogen? Bei Drogen ist dieses Gespräch sofort beendet." Seveneyes wirkte sehr entschlossen.

"Nein. Aber ähnlich brisant." Kekfa machte eine Kunstpause und nippte an seinen Kaffee, den die Bedienung gerade eben brachte. Er sah der sich entfernenden Bedienung hinterher, dann wandte er sich wieder der miesen Ratte zu. "15 Tonnen JT-239. und vier Kisten mit Zündern."

"UEE Sprengstoff also. Dafür fährt man genauso lange ein wie für Drogentransporte. Ist das so viel? 15 Tonnen?. Wollen Sie eine Idris sprengen?" Seveneyes wirkte zum ersten mal überrascht.

"Wenn Sie das Zeug nur durch die Jumppoints bekämen, der Rest ist einfach. Ich habe einfach nicht die Connections an den Toren. Sie erhalten 30% der Ladung." Kefka kaute absichtlich nervös auf der Unterlippe.

Der Anwalt hatte gesagt, dass Murdock Pulko aka Seveneyes nur auf etwas anspringen würde, was ihn persönlich herausfordert. Es musste etwas sein, mit einem gewissen Risiko. Und Sprengstoff der UEE war ein Risiko.

"50% der Ladung. Weniger ist nicht drin, mein Freund. Das ist auch der normale Kurs zwischen dem bibbernden Informanten und dem Mann mit richtigen Eiern." Seveneyes grinste einseitig.

Mein Freund hat er gesagt, dachte Kefka. Mit Dir spiel ich nochmal fangen Du braungebrannter Penner. Ich zeig Dir noch, wer die Eier hat. Er atmete einmal durch und setzt dann am Gesprächsfaden an: "50% das ist viel zu viel! Ich muss noch viel Geld woanders abdrücken. Ich habe hohe Kosten." Kefka tat so, als müsste er überlegen und innerlich mit sich ringen. "Sagen wir 40% und ich gebe Ihnen einen Freelancer mit falscher Kennung für den Transport."

"Abgemacht. Haha, ein gutes Geschäft." der Tätowierte war sichtlich zufrieden und baumelte im Netz herum ohne zu ahnen, dass er wohl bald im Kochtopf landen würde. Kefka streckte ihm die Hand entgegen, da stoppte der feixende Murdock abrupt sein lautes Gelächter und sagte "Und wenn Du nicht zahlst, dann gehe ich erst zu Deinem Anwalt, und dann zu Deiner Familie, ist das klar?" seine Stimme war kalt und leer, genau wie sein Blick "Niemand zieht Krumme Dinger auf meine Kosten ab, verstanden?".

"Ist nicht das erste Mal, dass ich Geschäfte mache. Hier, das sind die Koordinaten im Tyrolsystem. Es ist ein recht großer Asteroid mit einer versteckten Lagerhalle. Dort wartet das Zeug auf seine Abholung." Kefka schob mit der anderen Hand einen Datenswitch über den Tisch. "Die Ware liegt da noch mindestens 4 Tage bis sie von der Crew abgeholt wird. Also haben Sie genug Zeit um dort hin und wieder Zurück zu gelangen. Ich schätze sie brauchen knappe 2 Tage, oder?" Kefka fand langsam Spaß an seiner Rolle.

"Jüngchen, besorg mir das Schiff und die Sache ist in ein paar Stunden über die Bühne." der Mann legte jetzt richtig los. Voller Überheblichkeit und Selbstvertrauen stellte er sein häßliches Wesen zur Schau.

"In ein paar Stunden?" Kefka tat erstaunt "Da müssen Sie aber verdammt schnell fliegen. Ich will ja nicht nachfragen aber..."

"Und du tust gut daran es zu lassen, Kleiner. Lass das mal meine Sorge sein." Seveneyes sog den Rest aus der Tasse, während Kefka ihm einen weiteren Datenswitch über den Tisch schob.

"Hier, die Karte für den Freelancer. Steht in Bay 3 Platz 4. Auch ein Grund warum ich hier und da noch ein paar Prozente abtreten muss." log Kefka gekonnt. "Den Zielort für die Übergabe bekommen Sie dann, wenn Sie zurück sind. Melden Sie sich einfach bei mir."

"Noch was?" fragte Seveneyes als sei er gelangweilt. "Oder hast Du Dein Pulver jetzt endlich verschossen?"

Der Lockvogel schüttelte mit dem Kopf und hielt ihm erneut die Hand hin. "Nein. Das war alles. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg."

"Besser Du ziehst jetzt Leine. Morgen melde ich mich bei Dir." Seveneyes nahm die Hand erneut nicht an und bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung zu verschwinden.

Mieses Arschloch, irgendwann kommst Du ja wieder aus dem Knast - und dann bist Du fällig, dachte Kefka als er seine Gesichtszüge zu einem Lächeln zwang und den Tisch verließ.

Ich war schon längst wieder zurück im Kellog-System und erhielt dort den erwarteten Anruf von Kef.

"Ach, Welche Freude von Dir zu hören, wie laufen die Geschäfte?" fragte ich gepannt. Es war ein bischen wie auf den Weihnachtsmann zu warten, nur dass in diesem Falle auch die Option existierte, dass er nicht mit Geschenken vorbei kam.

"Prima. Alles läuft hervorragend. Die Fische der Saison sind ganz schön fett, mein lieber goox. Aber unsere Nezte halten. Ich denke die Lieferung von der ich Dir erzählt habe geht morgen raus."

"Das hört man gerne. Vielleicht interessiert es Dich, dass I-Flow und Talby mit den Vorbereitungen der neuen Geschäftsräume fertig sind. Sie haben auch schon ein paar Überraschungspakete eingelagert. Das wird so manchem vor Freude die Tränen in die Augen treiben." sagte ich und überprüfte innerlich, ob ich nicht zu viel Konkretes über die unverschlüsselte Leitung gesagt hatte. "Wir sollten jetzt schluss machen, ich will gleich noch zu meiner kranken Mutter fliegen." Ich kam mir ein bischen wir ein kleines Kind vor, dass einem anderen Kind etwas offensichtliches in Geheimsprache erkärt.

"Ja, dann mach es mal gut. Wir sehen uns die Tage." sagte Kefka und legte auf.

Ich lehnte mich zurück, zündete mir eine der dicksten Zigarren an die ich besaß und paffte darauf herum. Ich mochte eigentlich keine Zigarren, aber das musste jetzt sein.

Ich wartete bis zum späten Abend und ging zum Landeplatz ganz in der Nähe meines Büros, wo ich meinen Freelancer gedockt hatte.

Dann begann ich über den Laufkorrikor zu sprinten, blieb vor meinen Landeport stehen, gestikulierte wild mit den Armen und brüllte lauthals los: "Wo ist mein Schiff?! Verdammte Scheisse ich glaube ich mach hier gleich Hackfleisch. Wo ist der Dock-Manager?! Das gibts doch nicht. Mein Schiff ist weg. Gestohlen!" Ich blickte nach oben zu der Kanzel, in welcher für gewöhnlich die Verantwortlichen für das Landedeck arbeiteten. Ich gestikulierte und schrie weiter, als ob es mir ernst wäre. Es machte mir Spaß.

Nicht all zu lange danach hatte ich die volle Aufmerksamkeit des Deckmeisters nebst seines pickeligen Auszubildenden, der auch recht zügig mit einem Datenpad unter dem Arm zu mir herunter kam. Nachdem ich die beiden etwa eine halbe Stunde lang angebrüllt hatte, erschienen auch endlich die Damen und Herren der Stationspolizei um die Lage zu deeskalieren. Auch diese brüllte ich etwa zwanzig Minuten mit hochrotem Kopf an, bis ich heiser war. Dann beharrte ich mit quietschender Stimme darauf, den Dieb meines Schiffes zu finden und standrechtlich erschiessen zu lassen, genauso wie den verantwortlichen Deckmeister.

Dass dieser Dieb in Kürze die UEE zu unserer improvisierten Lagerhalle führen würde verschwieg ich natürlich. Zwei kleine Kisten Sprengstoff würde Seveneyes vorfinden. Wie ich ihn kannte nahm er lieber etwas mit, als leer zu fliegen. Das würde ihn schon wurmen. Aber wie würde er erst ausrasten, wenn ihn die UEE mit dem Zeug bei frischer Tat einsackte. Und er meinen gestohlen gemeldeten Freelancer flöge. Das hätte ich nur zu gerne gesehen. Daher hatte ich im Vorfeld eine kleine Kamera im Cockpit angebracht.

Wie ich mich jetzt schon darauf freute. Aber noch stand ich auf dem Landedeck und schnappte nach Luft während mir der Deckmeister einen Becher mit Wasser unter die Nase hielt. "Hier, trinken Sie und setzten Sie sich. Wir regeln das schon."

to be continued...

Kefka

Die Tür knarzte und ein paar kaum erkennbare, glühende Zigarren drehten sich synchron Richtung Tür und starrten in die verquarzte Leere hinter dem Rauchschleier.

"Nabend meine Herren, ich habe Neuigkeiten." Kefka, der Jungspund nahm den Hut vom Kopf, denn hier wurden keine Hüte getragen. Er legte ihn neben die anderen Kopfbedeckungen und hängte seinen schiefergrauen Trenchcoat an den letzten freien Haken. "Mir ist etwas zu Ohren gekommen, es hatt etwas mit goox letztem Kontakt mit Seveneyes zu tun"

Unruhiges Murmeln und das schmatzen einiger Münder, die die Zigarren paffend zum aufglühen brachten, waren zu vernehmen. "Erzähl schon, wir sind gerade bei einer fantastischen Partie Krypt-Poker"

goox schaltete sich mit seinem lauten Organ ein: "Ach I-Flow, jetzt mach mal halblang, du ziehst uns das letzte Hemd aus und Kef ist dir nur eine willkommene Ablenkung, um uns nochmal heimlich ins Blatt zu schauen, vergiss es man! Aber Recht hat er trotzdem, was hat das alte Siebenauge jetzt schon wieder ausgeheckt??? Ich dachte es wäre alles geregelt, verdammt!"

"Ach jetzt entspannt euch mal, Ihr alten Männer, das war doch nur ein kleiner Scherz, wie soll ich denn sonst eure Aufmerksamkeit erregen. Ich meine, jedesmal wenn ich diese Tür öffne und mir eine tabakgeschwängerte Suppe aus Schweiß, gutem Whiskey und guten terranischen Lungentorpedos die Sicht versperrt, dann sehe ich euch stoisch und fast geistesabwesend in eure Blätter starren und jeder von euch könnte glatt als der Möchtegern-King des Monats durchgehen, wenns ums Pokerface machen geht." Ein Whiskeyglas knallte schwer auf die Eichentischplatte "Meine Güte Kefka, du bist der Witzbold des Tages, weißt du wie mir die Lunte geht, wenn ich zur Zeit ´habe Neuigkeiten von Seveneyes´ höre, hmm???" ertönte goox´ Barriton.

Kefka blieb unbeeindruckt, er kannte den Raumbären nun schon eine wenig und wusste, wie er damit umzugehen hatte. "Also passt auf, wir sollten uns doch einen hübschen Beinamen für unsere kleine... "Unternehmung" überlegen, stimmts!? Irgendetwas... stilsicheres, einfaches, aber prägnantes, wars nicht so? Ich habe durch einen guten Bekannten aus meiner Zeit auf der USS Eisenstein die Möglichkeit bekommen, mir ein paar UEE Militär-Archive anzuschauen. Ich bin da auf ein paar Interessante Dinge gestoßen. Unter anderem ging es da um Beziehungen, die ein gewisser Admiral Goldsteen - im Ahnenbuch auch als Goldstein bekannt - vor einigen Jahrhunderten mit irregulären Verbänden pflegte. Sagt euch das "Goldsteen-Kartenhaus" etwas?"

"Nein"

"Kein Plan" "Nie gehört"

"Was für ein Vertrag?"

"...erzähls schon"

"Nun, es war noch vor den beiden Tevarischen Kriegen, als einer dieser Goldsteens - dessen familiären Clan ja jeder kennen sollte, der UEE-Geschichte für wichtig hält - als betagter Admiral kurz vor Dienstzeitende anfing, mit verschiedensten lokalen Piraten-Banden und Freihändlern aus mehreren zu der Zeit noch beinahe unbekannten Systemen zu verkehren. Diese Systeme waren zur damaligen Zeit nur wenigen Militärs für Ersterkundungen und vorsichtige Diplomatie zugänglich. Dieser Goldsteen nutzte seinen mlitärischen Einfluss abseits der überwachten Systeme, um Kontakte aufzubauen. Kontakte zu einheimischen Händlern, Piratenbanden und anderen Freischaffenden. Mit der Zeit entwickelte er Querverbindungen durch ganze 6 Systeme, etablierte getarnte Handelsposten und Depots, sicherte mit seiner kleinen, aber modernen Flotte wichtige Knotenpunkte gegen Konkurrenten, engagierte Fremdenführer und machte sich das Know-How der Einheimischen zu Nutze, um wertvolle und seltene Ressourcen zu erbeuten. Später wurde dieses "Netzwerk" bei der UPE bekannt als das "Goldsteen-Kartenhaus". Natürlich ist diese Akte bis heute streng geheim, da die Reputation einer bis heute einflussreichen und historisch wichtigen Familie auf dem Spiel steht. Kein Imperium beschmutzt freiwillig die eigenen Helden. Sei es wie es sei, folgendes ging mir nicht aus dem Kopf..."

---wird fortgesetzt---

(Anmerkung: ein Erstversuch, einige Elemente aus verschiedenen Stories hier im SC-HQ zu verflechten, Meinungen, Anregungen und vor allem Ideen sind sehr willkommen!)

goox

Hungrig im Weltraum Teil 3

blog-0524599001359644394.jpg"chhrr... Tschkschhhh...oox ...ören...chsszts" I-Flow hatte das Gespräch empfangen. Aber es endete genauso abrupt, wie es begonnen hatte. Wahrscheinlich war ein Teil Nachricht durch das geöffnete Sprungfeld zum Tyrol System übermittelt worden, als gerade ein anderes Schiff hindurch flog.

Ich setzte wieder Kurs. Die Schubdüsen drückten die schwerelose Masse meines Freelancers durch die Leere des Raumes, während die Direktionsdüsen die Richtung einstellten. Nach einem eleganten Driftmanöver befand ich mich auf dem direkten Anflugkorridor zum Sprungtor nach Tyrol.

Nach einer knappen halben Stunde erreichte ich die von schweren Geschützen bewachte Passage. Riesige Türme aus Laseremittern und Raketenabschussvorrichtungen bewachten den Bereich um das ziemlich große Tor. Es war deutlich größer als das nicht mehr ganz so geheime Wurmloch, das ich kurz zuvor durchflogen hatte. Blinkende Positionslichter markierten die Außmaße und Gestalt des unsichtbaren Objektes. Mein Interkom öffnete sich ohne weiteres zutun. Die UEE hatte Kommuniationsvorrechte in den kontrollierten Sektoren und das setzten sie ungefragt durch.

"UEE Zollbehörde. Mein Name ist Leutnant Viola Fassi. Bitte übermitteln Sie uns ihre Frachtdaten, die Passagierliste und den Grund Ihrer Reise. Bleiben Sie für eine Überprüfung auf Ihrer aktuellen Position. Vielen Dank." Die variationslose Stimme einer Frau in den Dreissigern sowie ihr Videobild auf dem Bildschirm machten Ihre trübsinnige Freude an Ihrem Beruf deutlich. Sie trug die leichte aber förmliche Kleidung der UEE und im Hintergrund war eine kleine Stellwand zu sehen, die das Zeichen ihrer Behörde abbildete. Vermutlich saß sie in einem dieser Türme und schob dort schlecht bezahlten Schichtdienst. Schlecht bezahlte Kontrollposten sind gut fürs Geschäft.

Es war eine reine Standardprozedur. Eigentlich scherte sich die UEE nicht darum, was aus Charon rausgebracht wurde. Vielmehr interessierte sie, was aus Typrol reinkam. Und so war es auch jetzt. Ich wurde nicht einmal gescannt. Ein bisschen ungewöhnlich war das schon.

"Die UEE wünscht Ihnen eine sichere Heimkehr und dankt Ihnen für die Kooperation." die Frau spulte ihren auswendig gelernten Satz herunter und blickte gelangweilt in die Kamera ihres Comlinks. Dann schloss sich der Kommunikationskanal.

"Hier spricht der leitende Transferbeauftragte des Wurmlochs Charon-Tyrol. Sie haben die Nummer 4. Bitte warten Sie auf mein Signal und fliegen dann zügig durch das Wurmloch." die junge Männerstimme die sich nun meldete machte mir kurz und knapp klar wie es laufen sollte. Ein riesiger Gastanker flog an mir vorbei. Seine Ausmaße gegen meinen kleinen Transporter ließen mich unweigerlich durchrechnen, wie viel Profit man mit so einem Ding auf dem Schwarzmarkt machen könnte. Er schob sich durch den Ereignishorizont und verschwand. Ein paar kleinere Schiffe durchquerten noch die Öffnung und dann war ich an der Reihe.

Es kribbelte wie gewohnt, dann war ich in Tyrol angekommen. Mein Interkom schlug sofort an. I-Flow rief mich an.

"goox hör mir zu ..." er hackte die Worte wie Holzscheite in den Funk.

"I-Flow, gut dass ich Dich erreiche..." sagte ich, während ich den Signalcodierer einschaltete.

Wir redeten durcheinander und jeder war erpicht darauf den anderen zu Bremsen.

Schliesslich gewann I-Flow die Oberhand "DU bist verwanzt, Alter. Komm auf gar keinen Fall ... Du weißt schon wo hin." er hörte sich sehr besorgt an. "Wahrscheinlich sind wir alle mit Peilsendern der UEE ausgestattet."

"Oh verdammt." sagte ich, während sich diverse Szenarien vor meinem Auge abspielten. Mit leerem Magen konnte ich nicht gut denken, aber dafür reichte es grade noch. "Talby, wo ist Talby? Der hat auf jeden Fall was dran. Das hab ich aus ner sicheren Quelle." fügte ich hastig an.

"Der dreht gerade ein paar Runden zur Ablenkung durchs System. Setze Du schon mal Kurs auf diese Koordinaten. Aber schön langsam, wir brauchen noch etwas Zeit." Er übermittelte mir die Navigationsdaten, ich aktivierte meinen Autopiloten.

"Woher wisst ihr überhaupt...? Wer hat euch denn gewarnt?" fragte ich verdutzt.

"Der Typ, der unsere ... Teppiche eingelagert hat, der hat einen Bekannten in der Verwaltung der UEE. Über den wissen wir das. Da läuft gerade ne große Sache. Die versuchen nicht nur uns was anzuhängen. Ich denke die versuchen so viele Unternehmer wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen. Es geht wohl nicht nur gezielt um uns. Obwohl die uns dann natürlich hübsch verknacken werden."

"Habt ihr schon einen Plan?" fragte ich.

"Wir ähh... arbeiten dran. Talby versucht ein paar Söldner zu organisieren die sich noch einen Namen machen wollen. Nur für den Fall der Fälle." I-Flow kam nicht so rüber als wäre das die beste Idee, allerdings hatte Gewalt in der Vergangenheit schon oft so manchen Konflikt gelöst. Über den Comlink schaltete sich nun Talby zu.

"Weiß goox Bescheid?" Talby rauschte stark, als wäre er in einen Sonnensturm geraten. "Könnt ihr mich hören? Ich bin hier durch einen Sonnensturm geflogen. Hallo?"

"Jaja, wir hören Dich. Ich weiß Bescheid." ich sprach etwas lauter, auch wenn das totaler Blödsinn war, denn besser konnte er mich dardurch natürlich nicht verstehen. "Ich habe vielleicht eine Idee. Ihr kennt doch dieses Arschloch Seveneyes, oder?"

...to be continued.

goox

Hungrig im Weltraum Teil 2

blog-0422915001359478986.jpgIch steuerte die verborgene Sprungroute nach Charon an, und musste mich beeilen. Die Fluktuation für den Übergang würde sich in etwa einer Stunde schließen und es würde weitere 4 Stunden brauchen bis sie sich wieder öffnet. Auf den regulären Routen nach Tyrol wäre ich wohl vielfach so lange unterwegs, je nach dem wie oft mich die örtlichen Zollposten rauswinken würden. Und ungefährlich ist der große Umweg durch den Normalraum auch nicht.

So beschleunigte also die Tendo Ruptura sanft in Richtung Zielkoordinaten. Mein Schiff hatte ich nach meiner ersten schweren Verletzung benannt, welche ich mir beim Verladen von Schwarzgebranntem zuzog. Das war sozusagen mein erstes Lehrgeld, welches ich in meinem illegalen Beruf zahlte. Zugegeben, es hatte nichts heroisches an sich. Aber es zauberte mir immer wieder ein Schmunzeln auf das Gesicht, wenn ich die Lady und ihren Schriftzug so von der Seite betrachtete.

Das Tuning der Antimaterietriebwerke machte sich wirklich bezahlt. Die Signatur hatte sich deutlich reduziert und aus dem Antriebssystem war dieses nervtötende, hochfrequente Pfeiffen endlich verschwunden. Ich vermisste es nicht.

Erneut wählte ich meine Kontakte über den Interkom an, doch niemand wollte oder konnte mich empfangen. Ich legte gerade auf, da rief mich jemand an und mein Schiffscomputer gab ein "Eingehender Ruf" von sich. Ohne auf das Display zu achten nahm ich den Anruf an. "Ja? Mann ich versuche schon seit drei Stunden Dich zu erreichen..." und dann erblickte ich auf der Anzeige wer mich da angerufen hatte.

"Der verehrte Herr McGowan Terrox. Oder sollte ich goox sagen? Na, was machen Sie denn hier draussen? Ist ganz schön kalt heute im All, oder?" Die aalglatte Stimme von Murdock Pulko drang durch die Lautsprecher. Sein Rufname war Seveneyes. Ich suchte sofort auf dem Umgebungsscanner nach seinem Schiff. Da war es. Eine Cutlass. Nur zwei Lichtsekunden entfernt und auf parallelem Kurs.

Scheisse, nicht jetzt. dachte ich und ballte eine Faust.

"goox, Sie wissen worum es geht. Ich warte immer noch auf die Zahlung für Ihr Büro. So eine schicke und kostspielige Unterkunft im Kellog System ist nunmal nicht nur mit Geld zu erwerben. Da braucht man Beziehungen. Und ich hoffe Sie haben nicht vergessen, wer Ihnen dazu verholfen hat." seine eben noch süffisante Stimme verhärtete sich. "Denken Sie an unsere Abmachung! Am besten wäre es, wenn Sie mir jetzt zur Station zurück folgen und mir die Summe in Edelmetall auszahlen... " Er machte eine Pause und säuselte seinen folgenden Satz so sinnlich erregt, dass man ahnen konnte, wie er dabei den Rauch einer Smok-E ausatmete "Ich brauche Ihnen doch nicht erzählen, was ich mit zahlungsunfähigen Schuldnern anzustellen vermag, oder?"

Ich kannte die Geschichten und ich wusste, dass zumindest eine davon der Wahrheit entsprach. Das reichte auch. Er war ein gefürchteter Pilot. Und er war ein Sadist. Das ist eine Kombination, die noch niemanden zum Mitarbeiter des Monats hat werden lassen.

"Hören Sie, Seveneyes. Ich habe doch gesagt ich zahle. Sie können sich darauf Verlassen. Ich habe doch noch zwei Tage Zeit. Ich bin bald zurück und dann bekommen Sie was Ihnen zusteht." meine Stimme vibrierte. Ich dachte an Talby und ob er es das jetzt Wert sei. Ich verschob es, die Antwort auf diese Frage jetzt für mich zu beantworten.

"Nanana, so hurtig wie sie von der Station aufgebrochen sind... Meine Quellen berichteten, Sie seien über das Deck gespurtet. Da wollte ich nur mal nachsehen was bei Ihnen denn eilig ist. Und ich war ja sowieso gerade in der Gegend. Ihr Kurs.... der führt nicht zufällig zu diesem ominösen Sprungpunkt, von dem momentan alle sprechen? Sie müssen verstehen, dass sieht ein wenig so aus als hätten sie nicht vor zurück zu kommen und mich zu bezahlen. Ich muss meine Investitionen schützen und habe einen Ruf zu verlieren."

Eine unangenehme Situation. Er wusste offenbar von dem Sprungpunkt, oder zumindest hatte er davon gehört. Nur gut, dass die relativistischen Effekte keine genaue Koordinatenmessung bei unserer aktuellen Geschwindigkeit zuließen und ich zur Sicherheit einen Punkt neben dem Wurmloch ansteuerte.

Eigentlich hoffte ich, wir könnten das noch recht unbekannte Wurmloch nach Charon nutzen um richtig dicke Kohle zu scheffeln. Außer der Exchange Corp. wusste zur Zeit nur eine Handvoll weiterer Leute darüber bescheid. Und nun auch dieser miese Hai namens Murdock Pulko. Vielleicht konnte ich das zu meinem Vorteil nutzen.

"Ja, Sie haben Recht. Es gibt diesen Sprungpunkt und dort will ich hin. Haben Sie ein Problem damit?" fragte ich fordernd. "Ich habe es sehr eilig und ich möchte Ihnen ein Geschäft vorschlagen, dass Sie nicht ablehnen können."

"Ich höre." sagte Seveneye ohne auch nur eine einzige Sekunde abzuwarten. Ich hatte ihn schon jetzt am Haken.

"Meine Gruppe und ich, wir wären bereit die Anflugvektoren auf das Wurmloch zu verkaufen. Und ausserdem gibt es da noch eine Besonderheit, die Sie wissen müssen, wenn Sie da durchfliegen wollen."

"Ich bin Geschäftsmann, reden Sie weiter." sagte er nun in einem Ton, den ich als Vertreterton einordnen würde. So sprach er auch, als er mir anbot auf einer der freien Raumstationen im Kellogsystem ein Büro mieten zu können. Da ahnte ich noch nicht, was für eine miese Type dieser Kerl war. Noch mieser als ich. There is always a bigger fish. Naja.

"Ich gebe Ihnen die Daten, und wir sind mit dem Büro quitt. Außerdem zahlen Sie für die Nutzung eine Gebühr an die Exchange Corp. für jedes transferierende Schiff, das ihnen zugeordnet werden kann. Das heißt, wenn Sie ihr Maul nicht halten können und noch mehr Leute anlocken, zahlen Sie für die." ich lehnte mich bewusst etwas zu weit aus dem Fenster meiner wirklichen Möglichkeiten.

Mein Counter Measure System zeigte mir mit einem blinken an, was mein Bordcomputer jetzt über die Lautsprecher ausgab. "Zielaufschaltung durch fremdes Schiff erfolgt in geschätzt 12 Sekunden."

"Also mein lieber Freund, das mit der Exchange Corp. kann ich verstehen. Aber was soll denn dieser ruppige Ton? Wir wollen doch ins Geschäft kommen, oder? Also wenn ich irgendwem davon erzählen sollte, das können wir gerne so festhalten. Dann zahle ich für die Passagen. Aber ich persönlich werde sicherlich für meine Flüge nichts an Ihre Corp. abdrücken. Und das gilt sowieso nur solange, wie die UEE nicht davon erfährt. Das heißt maximal ein paar Monate - dann ist das sowieso vorbei." Er hörte sich an wie ein ganz normaler Mann, der mich für eine bessere Verhandlungsposition aufschaltete um gegebenenfalls mit irgendetwas auf mich schiessen zu können. Was sollte ich schon tun?

"Also gut. Aber die Sache mit dem Büro geht dann auch glatt, richtig? Das ist damit beglichen und wir sind uns einig."

Es vergingen einige Sekunden ohne Reaktion. Dreissig Sekunden. Vierzig. Eine Minute.

"Zielaufschaltung durch fremdes Schiff abgebrochen." gab mir mein Schiff zu verstehen.

"Deal. Übermitteln Sie mir die Daten." Seveneyes grinste. Das konnte man hören.

Ich tippte auf der Konsole und bestätigte nach kurzem Zögern mit "senden". Er erhielt die Angaben zur Position, zum Eintrittswinkel sowie die Zeiten der Fluktuation des Wurmloches. Er folgte mir immer noch auf dem Kurs und legte den ganzen, restlichen Weg mit mir zurück. Ich reduzierte die Geschwindigkeit und kam mit Seveneye's Cutlass fast zeitgleich am Zielort zum stehen. Er flog dieses Monster von Raumschiff. Es konnte einem wirklich Angst einjagen. Ich versuchte mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Dieses eigentlich unsichtbare Gebilde aus gekrümmtem Raum ließ die Sterne im Hintergrund wie auf einer Seifenblase hin und her wabern. Als ich die Eintrittsprozedur aus dem Navigationsbuch wählte und einen Impuls auf den Antrieb auslöste sah ich noch, wie Seveneyes fast schwarze Cutlass seine Triebwerke zündete und eine harte Kurve flog um in die entgegengesetzte Richtung zu fliegen.

Ich atmete durch, während das Gefühl einer elektrischen Aufladung meiner Haare darauf deuten ließ, dass ich das Loch im Universum erfolgreich durchflogen hatte. Charon. Nur noch ein Sprung und ich war in Tyrol.

Das Interkom wählte auf meinen Tastedruck hin Talby's und I-Flow's Rufkennungen.

to be continued...

goox

Hungrig im Weltraum

blog-0713758001359479038.jpgEs ist still und kalt. Die fernen Lichter stecken wir Glassplitter in einem immerschwarzen Vorhang aus Nichts.

Ein gewaltiger Berg aus Fels, Eis und Geröll rotiert geräuschlos um seine eigene Achse. Der Asteroid zeigt dabei seine Kanten und Krater, die durch die schweren Schatten der weit entfernten Sonne des Tyrol Systems freskenartige Gebilde zeichnen. Schroffe und karge Erhebungen. Eine Einöde aus Dreck. Gemessen an seiner Geschichte steht erst seit einem Wimpernschlag dort dieses symetrische Gebilde. Eine Automatikhalle. Standardisierte Verladeroboter surren auf ihren Schienensystemen, während sich das Schleusensystem hebt und weißes Gas in die Unendlichkeit entweicht, bis die Druckschleuse wieder komplett versiegelt ist. Ein Raumschiff ohne Kennung startet.

Derweil:

Ich befand mich in meinem Büro auf Kellog. Es war gerade neu renoviert worden. Alles im Stil der 1920er Jahre der Erde. Die Luft roch nach Farbe und dem Leder meiner neuen Couchgarnitur. Der Hydrosuspenser war mit meinem Kaffee soeben fertig geworden, da meldete sich mein Interkom.

Ich erhielt einen Anruf von Big-K, einem Typen mit dem ich mal ins Geschäft gekommen war. Keine großen Sachen, aber wir sind uns wohl für ein paar Deals symphatisch genug gewesen. Und so schusterten wir uns hier und da das ein oder andere Geschäft zu.

"Hör mal goox, hier ist Big. Big-K. Ich komme direkt zur Sache. Du hast doch mal mit so zwei Typen zusammen gearbeitet. Der eine hieß Talbo oder so ähnlich richtig?"

"Ja, Talby heißt der. Was ist mit ihm? Stimmt was nicht?" fragte ich, und war schon drauf und dran aufzulegen. Solche Gespräche hielt ich normalerweise nicht über die Com-Leitung.

"Vielleicht interessiert es Dich, dass die UEE eine seiner Maschinen mit einem Peilsender verwanzt hat. Hab ich zufällig aufgeschnappt." sagte er gerade heraus. "Könnte sein, dass die es auf ihn abgesehen haben. Aber das hast Du nicht von mir."

"Big-K, das versteht sich von selbst. Du hast einen gut bei mir." ich legte auf.

Ganz umsonst hatte ich mir wohl eben das Essen heiß gemacht. Mein Kaffee dampfte auch noch munter, als sich die Tür hinter mir schloss und ich den Lift zum Landedeck 2 nahm. "Motherbitch Glörr" schepperte durch die verbrauchten Lautsprecher. Meine Güte, wenn sie wenigstens zu dieser Ohrenpenetration ein paar Rasierklingen reichen würden. Dann könnte man sich zumindest das Leben nehmen, wenn man in so einem Aufzug stecken bleibt. Der diensthabende Entertainment-Manager der Docking Bay musste wirklich schlimme Probleme haben.

Ich erreichte meinen Freelancer, ging durch zum Cockpit und startete die Triebwerke. Mein Comlink wählte nach Talbys Rufkennung während ich den Sprachcodierer zuschaltete. Niemand nahm das Gespräch entgegen. Also versuchte ich ich I-Flow zu erreichen. Ebenfalls ergebnislos. Wahrscheinlich waren sie gemeinsam unterwegs um die gekaperte Ware abzuholen und ihrem Auftraggeber zu bringen. Sollte die UEE das Versteck finden, wäre Talby geliefert. Dann bekäme er sein Schiff nirgendwo mehr angedockt.

"Scheisse."

Ich erhielt Starterlaubnis, verließ das Raumdock und programmierte meinen Navigationscomputer Richtung Tyrol.

Mein Magen knurrte.

to be continued...

Kefka

Von Tatsachen und Träumen

blog-0714386001355494374.jpgDie Jahre auf der Eisenstein vergingen wie im Flug. Unzählige Gigaparsec Raum hatte der schwere Zerstörer im Auftrag der UEE erkundet und befriedet. Ein altes Schiff. Ein zuverlässiges Schiff. Und jetzt, wenn auch noch ziemlich kampftauglich - ein ausgemustertes Schiff.

Captain Tyler Goldsteen, einer der erfahrensten Schiffskommandeure, ein Veteran durch und durch und nun, wie sein Schiff, in die Jahre gekommen, beendete soeben den letzten Logbucheintrag nach dem Sprung.

Goldsteen hatte die Raumfahrt im Blut, wahrscheinlich geerbt, so mokierten sich viele, doch in solchen Sätzen schwang immer ein unterschwelliger Respekt mit. Zu viele hatten ihr Leben, oder das Leben ihrer Familien diesem Mann und seiner strategischen Weitsicht zu verdanken.

Die Familie Goldsteen war berüchtigt dafür, gute Strategen hervorzubringen, der berühmteste war ohne Zweifel James H. Goldsteen, im 1. Tevarischen Krieg wurde er 2542 eingezogen, 1 Jahr nach dem Erstkontakt mit den Tevarin. Ein junger, ambitionierter Kampfpilot aus einer renommierten Soldatenfamilie. Zahlreiche Abschüsse gingen auf sein Konto, zahlreiche prominente Hände wurden geschüttelt. Die Politik begeisterte sich für ihn. Stabsgeneral Messer machte ihn zum "Gesicht des Krieges" und im Alter von 36 Jahren, kurz vor dem Ende des 1.Tevarischen Krieges, bekam er sein erstes Kommando. Ein kleines Schiff, eine Corvette neuester Bauart namens Lunaris Pax. Goldsteen stieg in der Kommandohierarchie schnell und rücksichtslos auf.

Im Jahr 2610 brachten die Streitkräfte der UPE dem neuen tevarischen Kriegsherrn, Corath´Thal eine schwere Niederlage bei. Dieser plante mit einer neu aufgestellten Flotte einen Großangriff auf Elysium IV mit dem Ziel der Eroberung.

Aus der Asche dieses Konfliktes erhob sich James H. Goldsteen, mittlerweile Admiral, der einen Teil seiner Flotte ungeachtet der Befehle der UPE aus dem Ellis-System abzog und persönlich nach Elysium IV aufbrach. Seine Kontakte reichten weit in die Politik und noch weiter in die Reihen der Militärs. Durch einen bis dato unbekannten Informanten erlangte Goldsteen Einsicht in die Pläne der UPE und brachte in Erfahrung, dass das berüchtigte 42.Schwadron den geheimen Auftrag erhielt, Elysium IV vor der tevarischen Angriffsmacht zu beschützen. Seine guten Beziehungen ermöglichten es ihm und dem mobilisierten Teil seiner Flotte Flügel an Flügel mit der 42.Schwadron zu fliegen, deren Kommandant diese fähige Unterstützung willkommen hieß.

Es war Goldsteens strategischem Kalkül zu verdanken, dass die berühmte Schlacht von Centauri mit einem Sieg der UPE endete und der Großteil der 42.Schwadron, sowie Goldsteens Flotte ohne größere Verluste im Jahr 2613 die Rückkehr antreten konnte.

Nach 87 Lebensjahren, davon 71 Jahre im Dienst der Flotte wurde Admiral a.D. James Hubert Goldsteen beigesetzt.

Der Kommandant der 42.Schwadron hat im Einvernehmen mit Captain William J. Goldsteen, dem Sohn des verstorbenen Admirals, die Teilnahme Goldsteens an der Schlacht von Centauri veröffentlicht. Bis dato wusste nämlich niemand, wo Goldsteen mit dem Teil seiner Flotte tatsächlich gewesen ist.

Post Mortum wurde er zum Ehren-Sternenbürger der Galaxis erklärt und ging somit in die Militärgeschichte ein.

Captain Tyler Goldsteen sah aus dem Fenster der Eisenstein, der Zerstörer kreiste das letzte mal in einem Orbit. Es war der Orbit von Elysium IV. Viele gute Männer werden nun auf andere Posten, auf andere Schiffe, in andere Systeme versetzt. Er selbst wird in die Generalstabsebene wechseln und bevor die heutigen Abschiedsfeierlichkeiten starten, wird er noch die letzten Versetzungsgesuche unterschreiben.

Zudem muss er morgen Nachmittag als Kapitän des Schiffes aus rein zeremoniellen Gründen anwesend sein, um mit Vertretern der UEE als Schiffseigner in die Kameras zu lächeln und das Schiff händeschüttelnd und öffentlichkeitswirksam an die Vertreter der Deutschen Space Cargo Holding zu übergeben.

Seine Gedanken schweifen ab, während die Oberfläche von Elysium ein prächtiges Bild vor dem Bullauge seiner Kajüte zeichnet. Er hatte kürzlich noch ein Memo erhalten. Ein gewisser Ensign Kefka hat um ein Empfehlungsschreiben ersucht, nun da auch sein Dienst nach so kurzer Zeit auf der Eisenstein ein Ende findet."Ensign Kefka" sagte er in den Raum, der seine Stimme sanft widerhallen ließ und der leise Chor der Antriebsaggregate stimmte mit ein, "Blutjunger Bursche, noch etwas grün hinter den Ohren aber gute Noten in Mathematik, Nautik und mit einem feinen Gespür für gute Gelegenheiten..."Er unterschrieb das Empfehlungsschreiben - mit etwas Glück wird Ensign Kefka schon bald im 42.Schwadron seinen Dienst aufnehmen, wer weiß, was noch aus ihm wird...

P.S.: Dem geneigten Schreiber ist es gern gestattet, Daten, Personen, Schiffe und Schauplätze zu nutzen, sofern dies keine Logikfehler nach sich zieht - greift zu! Ich selbst lese gern Geschichten, in denen Hauptakteure anderer Geschichten einen kleinen oder großen Cameoauftritt haben. Hier habe ich was Daten und Schauplätze angeht in der TimeCapsule bedient. Wer ein wenig in die Vergangenheit des Imperiums abschweifen möchte, kann ich diese nur empfehlen, um sich ein chronologisches Grundgerüst zu schaffen.

goox

Man lernt ja nie aus

blog-0069406001355167773.jpg"Schiess! Schiess! Schieesss! Mann hol mir den Typen vom Arsch weg. Ich hab nur noch 12 Prozent Schilde" brüllte ich ins Comlink.

Gut, meine Mutter hätte wohl gesagt ich solle mich benehmen, mich gerade hinsetzen und VERDAMMT NOCHMAL NICHT FLUCHEN - aber ich war in dieser Situation doch etwas gereizt, denn das Adrenalin lief mir schon aus den Ohren. Es konnte auch der Schweiß gewesen sein, aber ich möchte jetzt nicht um Details feilschen, was Körperflüssigkeiten angeht.

Der Auftrag hörte sich zunächst leicht an:

Kellog 2 anfliegen, Kisten einladen, nach Krell bringen, bei mir ein neues Schubtriebwerk einbauen lassen, 2 Wochen Urlaub machen.

Passiert war dann aber:

Kellog 2 angeflogen, Kisten eingeladen, total gutes Angebot angenommen, um ne extra Kiste nach Krell zu transportieren, in Krell angekommen die "heiße Ware" an einem unscheinbaren Asteroiden abgeliefert und dann von ner Bande wild gewordener Schwachköpfe verfolgt zu werden, die es auf das hart verdiente Geld abgesehen hatten.

Die eine kleine Kiste hatte mehr Geld eingebracht, als es der Rest der legalen Ladung versprach, die noch im Laderaum Platz verbrauchte. Das war ein richtig gutes Geschäft. Ich fühlte mich wie Rambo auf Anabolika.

An dieser Stelle ein kleiner Tipp, falls es euch auch mal so ergehen sollte: Es war nicht besonders klug, nach dem erfolgreichen Geschäftsabschluss ausgelassen mit I-Flow und Talby feixend über das Landedeck zu laufen und etwas von "Nutten und Bier, hier kommen wir!" zu gröhlen. Das Landedeck hat Ohren. Vor allem auf Asteroiden, die normalerweise kein Landedeck haben sollten.

Auf jeden Fall saß ich jetzt da, während meine Augen über die Instrumente und Monitore huschten. Der Steuerknüppel wurde immer glitschiger, was wohl an meinen schweißnassen Händen lag. Ich konnte Talby und I-Flow ebenfalls ins Comlink brüllen hören, ich solle die Schnauze halten und die beiden Ihre Arbeit machen lassen, da diese mir als Flügelmänner wohl zur Seite standen.

Neben meinem Cockpitfenster explodierte eine Drohne und Talby tauchte mit einer Rollbewegung unter mir vorbei.

"Auf DREI ziehst Du hoch und steigst in die Eisen, goox." meldete sich I-Flow. Ich hielt den Schubregler in der Hand und machte mich bereit.

"EINS... DREI DREI DREI! ZIEH HOCH!" Ich tat es, während sich Plasmastöße in schnurgrader Linie wie eine Lichtorgel durch das All brannten. Zunächst erlosch das Triebwerk einer gegnerischen Hornet, danach gingen in dem gesamten Raumgleiter die Lichter aus und es trudelte auf seiner zuletzt eingeschlagenen Bahn immer weiter. Der war schon mal kampfunfähig.

Eine weitere, stark modifizierte Hornet verließ das Geschehen unmittelbar und brachte so schnell sie nur konnte sehr viel Entfernung zwischen sich und uns. Meine Schilde waren immer noch bei 12 Prozent. 14 Prozent, 18 Prozent ... und weiter steigend. Das war knapp.

"Mann, wo kamen die denn her?" rauschte es aus dem Funk und mein Geleitschutz kam links und rechts neben mir zurück in den Formationsflug.

"Leute, ihr habt mich echt rausgerissen. Fast wäre es vorbei gewesen." sagte ich.

"Aber demnächst fliegst Du nicht mehr ohne Bewaffnung, ja?" knistere es erneut über den Kanal.

Talby hatte recht, es war wohl ziemlich ungeschickt, zugunsten von Laderaumkapazität die Geschütze vorübergehend auszubauen.

Man lernt ja nie aus.

goox

blog-0296137001355163529.jpgFür den Scouting-Job durch das Cathgard System hatten wir 2000 ausgemacht, doch ich schmeckte nur noch mein eigenes Blut als Bezahlung, als langsam wieder die Lichter angingen. Diese miesen Schweine hatten mich erst angeheuert und die üblichen 50% angezahlt, dann aber vergessen den Rest zu überweisen. Als ich dann freundlich unter Einhaltung aller Nettigkeiten und in Begleitung eines Schlagrings nachfragen wollte, was denn mit dem Rest wäre, hatten sie mich überwältigt und hübsch zusammengeschlagen.

Aber sowas passierte mir leider nicht zum ersten Mal. Ich blieb da mittlerweile gelassen. Es gab sicherlich noch Gelegenheit diesen "Unternehmern" beizukommen. Die Route kannte ich ja jetzt. Und auch die Termine hatte ich ganz versehentlich auf einen Stick kopiert. Amateure.

Ich hatte die Sache schon fast wieder vergessen, da kam ich vor geraumer Zeit mit einem alten Kriegsveteranen ins Gespräch über dies und das. Wir würfelten ein paar Runden und spielten Karten. Das ging ein paar Tage so, denn er und seine Kumpels waren im Ellis System irgendwie beschäftigt. "Private Rennen" oder so. Es hörte sich jedenfalls nach Adrenalinrausch an und der Typ namens Talby wollte auch nicht so recht mit der Sprache rausrücken. Also beließ ich es dabei.

Na, wie wir uns so etwas kennen lernten und uns gegenseitig Lebensanekdoten erzählten fiel mir diese Sache mit den Frachtconvois wieder ein. Ich erzählte nicht, wie übel die mir mitgespielt hatten, aber ich ließ fallen, dass dort Auftraggeber wären, die es wirklich verdient hätten abgezogen zu werden. Außerdem seien die ziemlich geizig was teure, sichere Routen betrifft und auch am Begleitschutz würde oft gespart. Es gäbe da sicherlich Möglichkeiten für ein kleines, eingespieltes Team.

Ich hatte auf Ellis IV jedenfalls meine Aufträge abgeschlossen und so sagte ich Talby, er solle sich melden, falls er sich zu unserer kleinen Plauderei Gedanken gemacht hätte.

Zwei Wochen vergingen und ich hörte nichts mehr von Ihm. Aber die Sache pochte noch in meinem Kopf und ließ mir keine Ruhe. Also tat ich, was ein Unternehmer tut und zog ein paar Fäden und machte ein paar Anrufe. Ein Bekannter sprang sofort an und fragte erstaunlich genau nach, wie diese Route verlaufen würde und er hätte da schon lange nach mehr Informationen gesucht. Mir sollte das nur Recht sein. Für 10% Beteiligung spielte ich ein wenig mit Informationen herum und wir kamen ins Geschäft.

Als ein paar Tage später ein 2,2 Kilogramm schwerer Goldbarren vor der Tür lag, wusste ich, dass irgendwas ziemlich gut gelaufen sein musste. Natürlich fand man nichts in den Nachrichten. Auch meine Subunternehmer zu fragen wäre nicht statthaft gewesen - man will ja professionell bleiben.

Nicht ganz ein Monat verstrich, da öffnete sich die Tür meines Büros. Es war schon spät am Abend und meine Bürohilfe war schon lange nach Hause gegangen.

Zwei Gestalten kamen herein, ziemlich runtergekommen und in schlechtem Zustand. Den einen kannte ich irgendwo her. Talby!

"Wir sind geleimt worden." sagte Talby "Ich werde es diesen Dreckskerlen heimzahlen." Er war wohl ziemlich sauer und sein Kumpel, den er als I-Flow vorstellte auch. Sie erzählten mir die Geschichte und ich versuchte die Fassung zu wahren. Was mich erstaunte war, dass die beiden mit "Dreckskerle" nicht vermeintlich mich meinten, sondern Ihre Auftraggeber, die sie unter völlig falschen Voraussetzungen losgeschickt hatten und dann auch noch elendig verrecken ließen.

Ich konnte diese beiden alten Knochen gut verstehen.

Ich beschloss sie zu unterstützen um meine Schuld etwas zu bereinigen, ihnen aber nicht die ganze Wahrheit zu erzählen.

Wem würde das auch schon nützen?

I-Flow

the price of freedom

Zurückgekehrt aus dem Krieg musste ich feststellen, dass die großen Handelsketten und Firmen der Politik ihren Willen aufdrängen. Ich und einige meiner Kameraden der Spezialeinheit träumten vom normalen Leben und unserem Teil vom Glück im Universum. So heuerten wir bei einem großen Handelsunternehmen an und verdingten uns als Geleitschutzpiloten. Mein ältester Kamerad Talby, Marv und ich waren im Krieg durch die Hölle gegangen und waren froh, dies alles endlich hinter uns lassen zu können.

Bald merkten wir jedoch, dass unsere Gutmütigkeit ausgenutzt wurde und durch unser Zutun die Interstellare Gemeinschaft zu einer Marionette der Handelsunternehmen verkam. Wir wurden kleingehalten während unsere Bosse, durchsetzt von Opportunisten immer mehr Geld scheffelten und damit ihren Einfluss immer weiter ausbauten.

Während wir uns kaum noch die Versicherung für unser Schiff leisten konnten, feierten sie Partys, kauften eine 300i nach der anderen und betrogen ihre Frauen mit teuren Prostituierten aus den Grenzgebieten.

Eines Tages, nach einem Rennen, sprach Talby in einer Kneipe auf ELLIS IV mit einem Händler namens goox - ein ehrbarer Frachtpilot der mittels ehrlicher und harter Arbeit zu etwas Wohlstand gekommen war. Er erzählte Talby von großen Frachtkonvois, die - bewacht durch schlechte Zivilisten-Geleitschutzpiloten - oft eine Abkürzung durch das Cathgard-System nahmen. Aus irgendeinem Grund erwähnte goox, das es für zwei ausgebildete Kampfpiloten ein leichtes sein müsste die Frachter aufzubringen.

Talby erzählte mir und Marv von dem Gespräch. Doch eingelullt von den Slogans und Credos unserer Auftraggeber vergaßen wir bald wieder diese Nacht auf Ellis IV. Drei Wochen später - bei einem Routineeinsatz wurde der uns zugeteilte Frachter von einer Übermacht von Söldnern angegriffen. Wir kämpften wie die Teufel - Geleitschutz war unsere Mission. Doch es war aussichtslos. Sie nahmen uns gefangen, plünderten unseren Frachter und ließen unserer Firma eine Lösegeldforderung zukommen. ES WAREN KOPFGELDJÄGER! Und unser Transport scheinbar ein VIP-Transport. Niemand hatte uns eingeweiht.

Das Lösegeld für Talby, Marv und mich war eine lächerliche Summe für die Bosse. -Verglichen mit dem Lösegeld für den VIP war es ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe eines Groundspeeders. Ein Abend ohne Nutten und sie hätten die Summe leicht bezahlen können..

Doch nichts.. Der VIP kam nach zwei Tagen frei. Die Kopfgeldjäger waren reich, und wir saßen immer noch in der dreckigen, methanverseuchten Zelle im Lager der Kopfgeldjäger. Marv war verwundet-doch niemand scherte sich einen Dreck. Es war wahrscheinlich billiger ihn einfach langsam krepieren zu lassen. Aber Marv war wie wir ein Kämpfer. Er hielt tapfer durch. In der Nacht des 23. Tages Gefangenschaft schloss er jedoch für immer die Augen.

in seinen letzten Atemzügen flüsterte er:

"der Preis der Freiheit ist ewige Wachsamkeit.."

Wie recht er doch hatte,

Die Bosse hatten uns im Stich gelassen. Treuebruch! Wir waren also nur Nummern auf ihren Abrechnungen! Bei der Spezialeinheit hätten wir nie jemanden zurückgelassen. Doch Ehre war für unsere Bosse augenscheinlich ein Fremdwort.

Es war in dieser Nacht als Talby und mir das Gespräch mit goox wieder einfiel. Wir schworen in dieser Nacht den Wirtschaftstreibenden und insbesondere unseren Bossen die gerechte Strafe für ihre Ehrlosigkeit zukommen zu lassen. Doch erst mussten wir entkommen. Nach weiteren drei Nächten neben Marv's verwesendem Körper ergab sich die Gelegenheit auf die wir gewartet hatten! Die Kopfgeldjäger wollten uns als Sklaven ins Cathgard-System verkaufen und holten uns aus der Zelle um uns zu waschen und abzutransportieren. Im Waschraum waren wir kurz unbeaufsichtigt. Die fünf Kopfgeldjäger standen mit dem Rücken zu uns. Als Ablenkung warf ich die Seife gegen den Kopf des ganz Rechten. Als er sich den Kopf hielt und die anderen sich umdrehten, erledigte Talby den Mittleren mit einem Faustschlag ins Genick. Ich nahm die Waffe des Rechten und schoss zweien in die Beine. Talby nahm sich die anderen beiden vor. Es blieb keine Zeit sich die Kleider wieder anzuziehen. Die Schüsse waren laut genug um im ganzen Lager Alarm auszulösen. Wir rannten - beide nur bekleidet mit einer AR16.5 Partikelautomatik - auf das Landedeck, schnappten uns eine Cutlass die dort geparkt war und flogen mit 150% Schub in Richtung Ellis IV. - Natürlich nicht ohne ein kleines Abschiedsgeschenk in Form einer Salve Neutronenpartikel in ihr Treibstofflager dazulassen. - Das war ein Feuerwerk das Marv's Asche gerecht wurde! Die Triebwerke glühten ob der ganzen Schildenergie die in den Antrieb geleitet wurde. Die zwei Auroras die der Explosion entkamen und uns verfolgten waren dank meiner Flugkünste und Talby's Geschützturmerfahrung nur für etwa 1 Minute ein Problem.

Wir suchten goox auf - denn er war der Einzige der uns einfiel und "ehrlich" genug war, zwei offiziell Tote aufzunehmen. Er empfing uns mit offenen Armen und wir wussten wir könnten ihm trauen. -Auch wenn ich das Gefühl hatte das er etwas zu verbergen versuchte, etwas das ich nicht benennen konnte beschäftigte ihn. Aber in diesem Moment war es nicht wichtig - im Gegenteil: es war scheißegal! Denn wenn du im Sumpf versinkst, greifst du nach jedem Ast an dem du dich festhalten kannst. Und goox war ein starker Ast!

Er gab uns für die ersten Wochen Unterkunft und Essen. Unsere Dankbarkeit ist ihm sicher.

Ich schreibe dies nicht um eine langweilige Geschichte unter die Leute zu bringen. Ich schreibe dies um zu zeigen wie schnell ein Ereignis zum Anderen führt. Denn hätten unsere Bosse einem "AUSTAUSCH" zugestimmt, so wie sie es beim VIP taten, wären Talby und ich wahrscheinlich immer noch Geleitschutzpiloten. Doch so kam es anders:

Wir haben jetzt unsere eigene Organisation. Und ihr Name erinnert an den Grund für ihre Enstehung. Er steht als Mahnmal für Marv und sollte - nicht nur durch ehrlichen Handel - alle geldgierigen Bosse das Fürchten lehren:

-** EXCHANGE Corp. **-

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