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IGNORED

Warum ihr alle nix zu lachen hättet, wenn ich bei Star Citizen das Ruder übernehmen würde ...


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Der Grund, warum ich das Thema überhaupt anspreche, ist die Feststellung, dass ich viel zu selten davon lese, wie erleichtert Spieler doch sind, dass Star Citizen nicht von mir dirigiert wird. Nie scheint den Menschen die Gesichtsfarbe zu entfleuchen bei dem Gedanken: »Man stelle sich vor, Chronikos wäre der Boss vom Boss ...« Die Erklärung für dieses Beunruhigungsdefizit kann nur darin zu finden sein, dass vielen einfach nicht klar ist, was eine Machtübernahme durch meine Person für ihre eigene hernach bedauernswerte Spielerexistenz bedeuten würde. Das kann ich so freilich nicht hinnehmen und will die Konsequenzen daher einmal deutlich und prätentiös benennen.

 

Erste Maßnahme
Mein erster Akt nach der Übernahme ist die Preisgabe der Systemvoraussetzungen in ironischer Form. Die Minimumspezifikationen werden mit »Absurd« betitelt, die Empfohlenen als »Völlig plemplem« angegeben und mit dem Verweis versehen, dass die Anschaffung eines eigenen Stromgenerators angeraten ist, um der benötigten Grafikkartenlast Herr zu werden.
Obwohl die Systemangaben keine konkreten Komponenten nennen und im ersten Moment nach Spaß klingen, erfassen die meisten Spieler schnell, dass sie wohl ziemlich angeschissen sind, sollten sie nicht bereit sein, Haus und Hof und eine Handvoll Organe zu verkaufen, um sich einen wohnmobilgroßen Höllen-PC im Wert eines kleinen Verteidigungshaushaltes leisten zu können. Der Verdacht wird noch dadurch verstärkt, dass ihr aktueller Rechner, von Existenzangst und Minderwertigkeitsgefühlen übermannt, traurige Piepslaute von sich gibt und zur Beruhigung erstmal abschaltet. So entlädt sich nicht lange nach meiner Bekanntgabe ein vorhersehbarer Fäkaliensturm im Forum, an dessen Höhepunkt manch einer gar die eigene biologische Gattungszugehörigkeit vergisst und nach Schimpansenart buchstäblich mit seinen Exkrementen um sich schmeißt.

 

Über der ganzen Aufregung throne ich mit Würde und Coolness auf dem eigens dafür erworbenen »Eisernen Thron« aus der HBO-Serie Game of Thrones. Das Teil hat ein Vermögen gekostet (kein Wunder, es handelt sich immerhin um das Original), aber zum Glück ist der Crowdfunding-Topf prall gefüllt. Die abgezwackte Summe fällt überhaupt nicht ins Gewicht, weshalb ich mir nicht mal die Mühe mache, das Monsterrequisit von der Steuer abzusetzen. Trotzdem ist es wohl besser, vorerst kein Bild davon auf die Homepage zu setzen.

 

Zweite Maßnahme
Derweil die Hysterie in den Foren tobt, mache ich mich mit meinen Angestellten vertraut und entlasse erst mal jeden, dessen Name ich mir nicht merken kann. Als Chef einer großen Firma muss man immer den Eindruck vermitteln, über alles Bescheid zu wissen; Angestellte mit unmemorierbaren Namen untergraben leider die Autorität. Da es sich bei den Entlassenen überwiegend um Mitarbeiter indischer Herkunft handelt, macht ein alberner Rassismusvorwurf die Runde, den ich aber rasch zu zerstreuen weiß, indem ich bleichgesichtige Anzugträger aus unserem Anwaltsbüro die Toiletten schrubben lasse und im Gegenzug unsere afrikanische Putzfrau, die das Glück hat, nicht auf einen kündigungsprovozierenden Namen zu hören, ins Führungsteam berufe. Wiewohl von Videospielproduktion keine Ahnung, hat die Gute in ihrer nairobischen Heimat Schafe kastriert, und diese Fähigkeit lässt sich bestimmt dann und wann zur Motivation meiner Untergebenen einsetzen.

 

Dritte Maßnahme
Schließlich widme ich mich der erzürnten Community und belüge beruhige mit meinem ersten Stuhlmannbrief die Massen, indem ich versichere, dass ihr Geplärre ihre Besorgnis gehört und eine für alle zufriedenstellende Lösung gefunden wird, und schließe dann mit ein paar honigsüßen Maulschmierereien, um die man leider nicht herumkommt, wenn man einen finanzstarken Haufen von Orgiasten bei der Stange halten will. Und das will man unbedingt. Immerhin zücken diese Leute ihr Portemonnaie schneller als jeder Bordellbedürftige, sobald auch nur ein Hauch nackter Raumschiffshaut zu sehen ist. Und nicht nur das, sie akzeptieren auch noch jedweden angesetzten Verkaufspreis mindestens ebenso bereitwillig wie durch thailändische Rotlichtviertel vagabundierende Sextouristen.
Verrücktes Volk, vollkommen übergeschnappt. Kommt mir wie eine Ewigkeit vor, dass ich einer von ihnen war. In meiner neuen Funktion muss ich mich allerdings mehr darauf konzentrieren Geld einzunehmen, anstatt welches auszugeben. Eine Menge Leute kritisieren dieses Geschäftsmodell, aber wie Marketingleiterin Sandi Gardiner mir gleich bei Amtsantritt trocken dargelegt hat, ist es ohne irgendeine Form von Prostitution völlig unmöglich, über 50 Millionen zusammenzukriegen. Das scheint mir einleuchtend. Daher kümmere ich mich darum, meine Schiffsmädchen noch mehr zu sexualisieren; sie interkulturellen Raumschiffssidealen anzunähern und ihnen demgemäß üppigere Brüste Geschütztürme und breitere Hüften Frachträume zu verpassen. Je nachdem, was der Zeitgeist fordert, enden viele Schiffe aber womöglich auch als entstellte Dürrgerippe, die in grellem Signalfarben-Make-up um ihre Freier Kunden buhlen, aber das wird man dann sehen müssen.

 

Vierte Maßnahme
Mittlerweile hat das Forum wieder seinen Ruhepuls erreicht, also wird es Zeit zum nächsten Schlag auszuholen. Ganz harmlos starte ich eine Umfrage zum favorisierten Eingabegerät. Schnell wird klar, sehr viele meiner Unterstützer sind von den Wahlmöglichkeiten überfordert, darum frisiere ich das Ergebnis zu ihrem Wohl. Das so berichtigte Endresultat fördert zutage, dass über 97% aller Spieler auf ein HOTAS-System setzen. Als gehorsamer Diener meiner Community beuge ich mich dem Mehrheitsentscheid und gebe bekannt, dass die Frage der Steuerung nicht länger agnostisch behandelt wird, wie es unter meinem beklagenswerten Vorgänger Christopher Rogers oder wie der hieß, noch geplant war. Star Citizen ist ab sofort monotheistisch und sein Gott heißt HOTAS. Maus und Gamepad sind Götzenabschaum, ihnen zu huldigen ist Ketzerei und wird mit Manövrierunfähigkeit bestraft.
Zunächst jubeln HOTAS-Fundamentalisten über diese Verlautbarung, aber auch ihnen dürfte das fromme Grinsen noch davonschwimmen. Um eine Jahrzehnte währende Ungerechtigkeit auf dem Joystickmarkt zu vergelten, werden nämlich ausschließlich hochqualitative Linkshänder-HOTAS unterstützt, von denen es weltweit nur ein einziges gibt - zufällig das gerade in Auftrag gegebene Star-Citizen-HOTAS-System.

 

Fünfte Maßnahme

Nachdem diese Rahmenbedingungen abgesteckt sind, widme ich mich voll und ganz den Spieldesign-Dokumenten und tilge daraus jeden Anflug von Anbiederung an den Massenmarkt. Diese bedeutsame Tätigkeit begehe ich zeremoniell: Mit hühnerblutgetränkten Händen reiße ich vor den Augen unserer entsetzten Game-Designer alle indiskutablen Seiten heraus und übergebe sie zur Vernichtung einem Rudel mordgieriger Bullterrier, die ich direkt aus einer fernöstlichen Hundekampfarena habe einfliegen lassen. Untermalt wird das Ganze von tibetanischen Mönchsgesängen. (Subscriber haben Zugriff auf das Videomaterial dieses extravaganten Schauspiels)
Am Ende bleiben von den hunderte Seiten starken Dokumenten nur ein paar lose Blätter übrig; zudem müssen sämtliche Game-Designer psychologisch betreut werden. Die Kürzungen mögen vielleicht radikal erscheinen, sind aber unumgänglich. Schließlich wird in meinem Star Citizen nicht in Watte gepackt und mit Schnullern verhätschelt (es sei denn, diese Maßnahmen dienen der Erniedrigung). Wer etwa von Piraten versklavt wird, tauscht nicht mit einem NPC die Plätze und in beschädigten Fluchtkapseln treibt man schon mal auf ewig vergessen durchs All.

Wird dem Spieler tatsächlich mal unter die Arme gegriffen, dann nur um ihn aus der Schleuse zu werfen. Star Citizen ist eine eisige, nihilistische Hölle, die Spieler gerne und oft in den Freitod zwingt, um aussichtslosen bis unerträglichen Spielsituationen zu entkommen. Darum ist das wichtigste Utensil des Raumfahrers auch die Zyankali-Kapsel. Man hortet sie zahlreich und in allen aufnahmebereiten Körperöffnungen. Suizid-Vereinigungen rund um den Globus werden ihren noch lebenden Mitgliedern Star Citizen unbedingt empfehlen.

Freilich muss auch das Flugmodell stark überarbeitet werden. Aber das wird schon, und sobald die NASA offiziell verkündet, ihre Ausbildungssoftware für Astronauten durch Star Citizen ersetzen zu wollen, weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.



Nun, ich hoffe, ich konnte nachhaltig aufzeigen, welche Gefahren von mir als Stuhlmann ausgehen (und ich habe jetzt noch gar nicht damit angefangen, wie ich LTI beseitigen würde). Demgemäß sollten in Zukunft öfter angemessen blasse Gesichter zu sehen sein, wenn der Gedanke an mein Cheftum aufkommt.

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Schöner Text. Wirklich schön, Kronikuss oder wie Du nochmal heißt (bin zu faul um nach oben zu scrollen um nachzusehen) Chronikos. Ach komm, jetzt hab ich doch nochmal hochgescrollt.

 

Ich bin froh, dass wir unseren Christ Robert haben und nicht so eine diktatorische Pay2Win Herrschaft unter Deiner Knute. Obwohl ich ja ein Fable fürs auspeitschen habe.

 

Überhaupt bin ich froh, dass den Job kein anderer macht. Das ganze Geld, das in der Welt rumjetten, berühmt sein... näh... das wäre nix für einen normalen Citizen von der Stange. Guck mich an. Ich hab auch kein Geld und bin auf dem Boden geblieben. War kein Problem für mich.

 

Ich würde wohl noch wissen wollen, ob Chris Roberts in einem Paralleluniversum nicht auch ein professioneller Troll geworden wäre / ist, wenn er nicht zufällig auf die Füße der Spiele und Filmindustrie gefallen wäre. Dann würde der vielleicht jetzt auch in der Gamestar Flamewars starten, während er seine zweite Packung Rot Händle ohne Filter aufmacht.

Verrückte Welt.

Edited by goox
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...das gibt Albträume heute Nacht...

                         oder sind das Alpträume?

 

Chronikos, Du bist echt eine Gefahr, und in irgendeinem Multiversum steht Du da wirklich am Steuer, und drehst am Rad, bis der Quantenschaum verbogen wird.

Respekt, Alder!

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Diese latente Angst .... all die Jahre ... ich kann sie endlich greifen !

Danke Chronikos, das ist pure Therapie

...das gibt Albträume heute Nacht...

                         oder sind das Alpträume?

.... nur, wenn du in Bayern, Schweiz oder Österreich wohnst :-)

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Ich höre eine ganze Menge heraus aus dem Text - keine Ahnung ob das nur meine Einbildung ist oder nicht - aber aufgrund der sehr tollen Verfassung des Textes und dem damit entstandenen Zeitaufwand sowie für ein paar Minuten lachen... positives Karma für Chronikos! ;) Danke!

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Das Behandeln von Zwerchfellinfarkten war nicht Teil ihrer Ausbildung.

Schicker Neologismus. :)

 

Ok, wenn ich mal ne Stunde Zeit finde, werde ich alles lesen... aber der erste Absatz war schon gut :-)

Ich hoffe, der Rest wird dir ebenfalls munden. :)

 

Schöner Text. Wirklich schön, Kronikuss oder wie Du nochmal heißt (bin zu faul um nach oben zu scrollen um nachzusehen) Chronikos. Ach komm, jetzt hab ich doch nochmal hochgescrollt.

Dein Glück, Guuks. Denn nur goox darf mich Kronikuss nennen.

 

Chronikos, Du bist echt eine Gefahr, und in irgendeinem Multiversum steht Du da wirklich am Steuer, und drehst am Rad, bis der Quantenschaum verbogen wird.

Ja, traumhafte Vorstellung, nicht?

 

you're a funny guy i'll kill you last ^^

But may be you get yourself killed by a laughing attack and I survive, huh?

 

Diese latente Angst .... all die Jahre ... ich kann sie endlich greifen !

Danke Chronikos, das ist pure Therapie

You're welcome!

 

Ich höre eine ganze Menge heraus aus dem Text [...]

Und hast dich entschlossen das Gehörte für dich zu behalten. Pfui!

 

Ich geh schon mal etwas Reisig holen. Steht der Plock noch?

Will da etwa jemand meinen HBO-Thron abfackeln? :ohmy: HBO, Mann, HBO.

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